Shiv Kumar Sharma

* 13.1.1938 Jammu, Indien
† 10.5.2022 Mumbai, Indien

13. Juni 2022

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Mitte der Sechzigerjahre entdeckte die Beat Generation die indische Musik für sich. Im Batikschlabberlook, mit langen Haaren und oft zugekifft lauschte man verzückt Ragas von Ravi Shankar (Sitar) und Ali Akbar Khan (Sarod). Einer, der die Massen ebenfalls elektrisierte, war Shiv Kumar Sharma. Ihm kommt ein besonderer Verdienst zu: Er hat die Santoor (diese Schreibweise wird oft benutzt, um das Instrument von der iranischen Santur zu unterscheiden) überhaupt erst zu einem Instrument der klassischen indischen Musik gemacht. Vorher war es nur in der kaschmirischen Volksmusik gebräuchlich und in der Klassik verpönt, weil man darauf nicht zwischen den Tönen hin- und hergleiten konnte, was für die klassische indische Musik aber essenziell ist. Sharma hat jedoch eine Reihe von Modifikationen an dem Instrument und seiner Spieltechnik vorgenommen, die genau das ermöglichten und Kritiker mit der Santoor versöhnten. 1955 gab er sein erstes Konzert, 1967 nahm er mit dem Bansurispieler Hariprasad Chaurasia und dem Gitarristen Brij Bushan Kabra das Album Call Of The Valley auf, das zurecht alle drei zu Weltruhm beförderte. Es war ein Konzeptalbum, das einen Tagesablauf vom frühen Morgen bis in die späte Nacht beschreiben sollte. So etwas hatte es in Indien noch nicht gegeben. Selbst George Harrison und Bob Dylan sollen völlig überwältigt davon gewesen sein. Es folgten unzählige Alben, Preise, Auslandsgastspiele und Konzerte mit nahezu allen Granden der indischen Musik. Zu den letzten Auftritten gehörte einer in Rudolstadt 2018. Seit den Neunzigern trat Sharma oft mit seinem Sohn Rahul (ebenfalls Santoor) auf. Die Hoffnungen liegen nun auf ihm.

Ines Körver

Foto: Aparna Subramanian, Wikipedia CC BY 2.0

 

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