Frühlingsbrise aus Québec

Le Vent Du Nord, 20 Printemps (La Compagnie du Nord);
mit frz. u. engl. Infos u. Texten

19. Juli 2022

Lesezeit: 2 Minute(n)

Zum zwanzigjährigen Jubiläum gibt es ein neues Album der frankokanadischen Gruppe. Aber Vorsicht: Es birgt die Gefahr, dass man sich beim Hören ein Restless-Legs-Syndrom zulegt. Bei vielen der glänzend arrangierten und auf höchstem Niveau eingespielten Stücke erklingt das rhythmische Fußtrappeln auf der Holzplanke, eine „les pieds“ genannte Percussiontechnik, die seit Beginn ein Markenzeichen der Band und hochgradig infektiös ist. Die Musiker schöpfen aus traditioneller französischer und keltischer Musik, gehen aber auch darüber hinaus und verarbeiten die verschiedensten Zutaten mit eigenen Kompositionen zu einer einzigartigen musikalischen Tourtière. Ihr elftes Album ist nach Territoires das zweite als Quintett eingespielte. Der vielfältige Klangkörper wurde durch den zweiten Geiger, Piedtiste und Sänger André Brunet erweitert. Gleich im Eröffnungsstück, „Tour Du Monde“ wird man von einem zweistimmigen Fiddlejig abgeholt, dann erklingt eine Maultrommel. Nach und nach steigen die Bandmitglieder ein, die Tour du Monde entwickelt sich zu einer instrumentalen Tour de Force, und das lässt (von wenigen getragenen Chansons abgesehen) für den Rest des 53 Minuten langen Albums nicht nach. Es zeigt sich, wie wunderbar sich der „Neue“ mit Stammgeiger und Piedtiste Olivier Demers (der auch Mandoline, Gitarre, Drums und Gesang beisteuert) ergänzt. Den Bandsound komplettieren gewohnt kompetent Simon Beaudry mit Gesang, Bouzouki, Gitarre und Rejean Brunet an Bass, Knopfakkordeon, Piano, Bombarde und Gesang. Apropos Gesang: Neben Leadsänger Nicolas Boulerice (Drehleier, Piano) sind auch alle anderen Bandmitglieder ausgezeichnete Sänger. Wie wunderbar die Stimmen harmonieren, demonstriert das a cappella fast hymnisch zelebrierte Trinklied „L’Auberge“ mit traumhaften Satzgesang. Le Vent du Nord haben sich und ihren Fans ein würdiges Geburtstagsgeschenk gemacht und ganz en passant einen weiteren großartigen Beitrag zum frankokanadischen Kulturgut geleistet. Das beste Album der Band bisher. Un coup de cœur.

Ulrich Joosten

Le Vent Du Nord, 20 Printemps (La Compagnie du Nord)

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