Manche Künstler müssen erst kurz vor der Rente stehen oder noch älter sein, bevor sich der internationale Erfolg doch noch einstellt. So ging es Omara Portuondo, Ibrahim Ferrer, Cesária Évora, Rubén González – und auch Ebo Taylor. Letzterer profitierte davon, dass Kwame Nkrumah, Ghanas erster Präsident, um den Wert der Kultur wusste und vielen jungen Talenten eine Ausbildung im Ausland ermöglichte. So konnte Deroy „Ebo“ Taylor ab 1962 in London Musik studieren, zeitgleich mit einem jungen Nigerianer namens Fela Kuti, woraus eine lebenslange Freundschaft und häufige Zusammenarbeit resultierte.
Zurück in der Heimat wurde aus Taylor ein gefragter Gitarrist, Komponist, Arrangeur und gelegentlicher Sänger. In den Neunzigern allerdings bekam er immer weniger Arbeit, unter anderem weil Ghanas Jugend lieber computergenerierte Klänge hörte als handgemachte Musik. Er bekam schließlich den Job des Leiters der Studentenband an der Uni in Accra und konnte sich damit über Wasser halten.
Dann die Überraschung: 2008 kontaktierte ihn eine Berliner Band, die Afrobeat Academy, die ihn schließlich nach Deutschland holte und mit ihm zwei international erfolgreiche Alben produzierte, was wiederum zu Tourneen um die Welt führte. Außerdem interessierten sich Hip-Hopper für seine Songs und sampelten sie fleißig. All das brachte neben der angemessenen Aufmerksamkeit für Ebo Taylors Musik endlich auch den finanziellen Durchbruch.
Ein Schlaganfall beschränkte ab 2018 seine Aktivitäten, und am 7. Februar 2026 ist Ebo Taylor in seiner Wahlheimat, dem ghanaischen Küstenstädtchen Saltpond, gestorben. Einen Tag vorher hatte er offiziell das seiner Musik gewidmete Ebo Fest angekündigt, das Ende August in Saltpond stattfinden wird.
Wolfgang König
Foto: Wolfgang König

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