Sinéad O’Connor

* 8.12.1966 Dublin, Irland
† 26.7.2023 London, UK

28. Juli 2023

Lesezeit: 2 Minute(n)

Vermutlich war die folker-Ausgabe #5.07 eine von jenen, die manchen Leser und manche Leserin ins Grübeln brachten. Sinéad O’Connor mit einem Artikel in einem Magazin für Folk, Lied und Weltmusik und gar auf dem Cover? Dass die Irin ein Weltstar wurde, ist natürlich ihrem Erfolg als Popmusikerin geschuldet. „Nothing Compares To You“ – ein Welterfolg. Dass der folker sich für sie interessierte, lag aber an späteren Werken, zum Beispiel an ihrem Reggae-Album Throw Down Your Arms, ihrem Album Theology oder ihrem wunderbaren irischen Folkballaden-Longplayer Sean-Nós Nua. O’Connors außergewöhnliches musikalisches Talent wollte nicht in einem Genre verharren.

Als ich sie 2007 zum Interview in München traf, war sie längst der Weltstar, der sie eigentlich nicht sein wollte, aber der ihr weiteres Leben nachhaltig bestimmte, da sie nunmehr unter der Beobachtung einer breiten Öffentlichkeit stand. Ob es ihre mutigen politischen Statements waren, eine private Fehde oder ihre psychischen Probleme, viel zu viel wurde an die Öffentlichkeit gezerrt und dort bewertet. Dabei wirkte O’Connor eher schüchtern und zerbrechlich. Wie bei einem Auftritt in den Achtzigerjahren in Irlands bekannter Latenight-Fernsehtalkshow The Late Late Show, als sie den Klassiker „Danny Boy“ so zum Besten gab, dass auch den ganz Hartgesottenen die Tränen kommen mussten. Kris Kristofferson singt in seiner bewegenden Hommage „Sister Sinéad“ aus dem Jahr 2009: „Some candles flicker and some candles fade and some burn as true as my sister Sinéad“.

2022 starb Sinéad O’Connors Sohn Shane – aus ihrer Beziehung mit dem irischen Folkmusiker Dónal Lunny – im Alter von nur siebzehn Jahren. Ihr letzter Tweet war ihm gewidmet. Nun ist sie ihm nachgefolgt. R. I. P.

Markus Dehm

 

Foto: Sinéad O’Connor beim Cambridge Folk Festival 2014_Bryan Ledgard, Wikimedia CC BY 2.0

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