Das Werk des US-Songwriters wird eingerahmt von zwei Eckdaten: 1969 das Debütalbum, 2024 das Comeback. Dazwischen über fünfzig Jahre kreative, aber weitgehend unbeachtete Schaffenszeit in der Wahlheimat Belgien. Nach Europa war der Kalifornier geflohen, um nicht zum Kriegsdienst eingezogen zu werden. Dieser Protestgeist und ausufernde Poetik nah am Namensvetter prägten auch das erste Album Ten Songs. Tony Visconti produzierte es mit Topmusikern wie Rick Wakeman in England. Aber zwischen T. Rex und David Bowie passte der verschrobene Hippie nicht so recht und das Debüt verschwand wie all die weiteren Alben, Filmmusiken und Bücher in völliger Versenkung.
Zimmermans Veröffentlichungen erschienen auf obskuren Labeln. Der stets schräge und minimalistische Rummelplatzsound, der Folkpuristen aufgrund des heftigen Einsatzes von Mixgerät-Technik, Synthesizern und gewöhnungsbedürftigen Soundmaschinen wie den Ondes Martenot leicht verstören kann, tat sein Übriges dazu, eine allzu breite Hörerschaft zu verhindern. Live lief es zumindest in Deutschland besser, wo Zimmerman Ende der Siebziger im Umfeld von Derroll Adams (der sein „Oregon“ coverte) und Wizz Jones wahrgenommen wurde.
Anfang des neuen Jahrtausends war es Bowie, der kurz Interesse an seinem alten Kollegen aus Londoner Tagen wiederbelebte, indem er ihn in einer Rezension seiner Lieblingsplatten „too qualified for folk“ nannte. Aber erst 2024 katapultierte das Album Dance Of Love Zimmerman erstmals ins Rampenlicht. Die Indieband Big Thief hatte ihn völlig zu Recht als Vorläufer des Weird Folk ausgemacht, produzierte ein gemeinsames Studiowerk mit seinen Songs und ging mit dem über Achtzigjährigen auf Tour. Älteres Material wurde auf Vinyl und den Streamingplattformen wiederveröffentlicht. Wer die hypnotischen Melodien seines besten Albums, Square Dance, hört, wird nicht glauben können, wie er schon 1980 vorwegnahm, was heute als Lo-Fi Indie Folk der letzte Schrei ist.
Das späte Glück währte allerdings nur kurz. Bei einem Hausbrand kam er mit seiner Ehefrau und musikalischen Partnerin Marie-Claire Lambert-Zimmerman auf tragische Weise ums Leben.
Martin Wimmer
Foto: Joachim Möller

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