Willi Resetarits

* 28.8.1948 Stinatz, Österreich
† 24.4.2022 Wien, Österreich

23. Mai 2022

Lesezeit: 2 Minute(n)

„Was für ein weicher, starker Mann!“, war meine erste Reaktion, als ich Willi Resetarits im Juli 2020 zu einem Gespräch traf. Der musikalische Kämpfer, der mir schon früh durch die 1969 gegründete legendäre Politrockband Schmetterlinge bekannt war, hatte immer ein politisch-menschlich-soziales Anliegen, dem er seine verschiedenen Tätigkeiten als Musiker, Kabarettist und Entertainer unterordnete. Als Kurt Ostbahn oder Ostbahn Kurti, einer von Günther Brödl kreierten Kunstfigur, wurde Willi Resetarits ab 1985 weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Mit der Formation Ostbahn Kurti & die Chefpartie nahm er etliche ins Wienerische übersetzte Bluesrocksongs auf, wurde dadurch auch irgendwie Teil der Austropop-Szene. Wobei Einordnungen in musikalische Schubladen zwischen Rock, Blues, Wienerlied, Austropop, Folk oder traditionellem Gesang dem Menschen und Künstler Willi Resetarits nicht gerecht werden können. Zu stark hing seine Kunst von seinem jeweiligen Anliegen und seiner Lebensphase ab. Als er 1995 beim Fest der Freiheit auf dem Wiener Heldenplatz anlässlich „Fünfzig Jahren Zweite Republik“ mit seiner Mutter das Antikriegslied einer Soldatenmutter in seiner kroatischen Muttersprache sang, begann eine weitere wichtige Phase, in der er sich klar zu seiner burgenlandkroatischen Abstammung bekannte, sich für die Akzeptanz von Minderheiten, Geflüchteten und sozial Benachteiligten einsetzte und immer mehr leise Töne in den Vordergrund traten. Stubnblues hieß eine seiner letzten Bands, eine andere BasBariTenori, eine A-cappella-Formation mit burgenlandkroatischen Liedern. Als ich ihn das letzte Mal hörte, sang er im Duo mit dem Gitarristen Stefan Schubert Vertonungen von H.-C.-Artmann-Gedichten. Und brachte es fertig, sein Publikum in seine Gedanken einzuspinnen, gleichsam mental zu umarmen. „Die wirkliche Basis meiner Musikalität hat Raum gebraucht“, erklärte er mir im anschließenden Gespräch. Wir hätten ihm und uns nicht nur mehr Raum, sondern auch noch viel mehr Zeit gewünscht.

Ulrike Zöller

Foto: Lukas Beck

 

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