Angekündigt wurde Áron Horváth als „Rising Star“ – ein vielversprechendes Talent in einer Reihe junger Solistinnen und Solisten, die derzeit durch Europa touren. Gefördert von der European Concert Hall Organisation (ECHO) und zu Gast in großen Häusern wie der Alten Oper in Frankfurt, dem Wiener Konzerthaus oder eben auch der Elbphilharmonie. Dass der Auftritt Horváths in Hamburg „nur“ im kleinen Saal des Gebäudes stattfindet, geschenkt. Umso stimmiger und eindrucksvoller ist die spielerische Qualität, mit der sich der junge Mann aus Budapest hier vorstellt.
Text: Gerd Döring; Fotos: Claudia Höhne, Elbphilharmonie
Kompositionen Johann Sebastian Bachs und der Bach-Söhne konfrontiert er mit Miniaturen seines Landsmanns György Kurtág – ein nicht eben leichtes, vom Cimbalomsolisten mit faszinierender Präzision gespieltes Programm sowie eine Demonstration dessen, was er auf dem so selten zu hörenden Instrument vermag. Ergänzt wird das Ganze um aktuelle Kompositionen: die „Glass Fragments“ Emma Nagys und „In An Eternal Dusk“, ein Werk, das die englische Neutönerin Charlotte Bray eigens für Horváth geschrieben hat. Auch hier zeigt er seine famose Technik auf dem ungewöhnlichen Instrument, das außerhalb seiner Heimat kaum genutzt wird. Zu Hause in Ungarn aber steht das Konzertcimbalom ganz selbstverständlich auf der Bühne bei Folkbands, wird aber auch als Soloinstrument genutzt von Komponisten wie Zoltán Kodály und Péter Eötvös.
Auf den Tanzboden entführt dann der zweite Teil des Konzerts, und auch der beginnt mit einer Komposition aus Ungarn. Begleitet jetzt von Kontrabass, Akkordeon und Klarinette, erklingt ein „Bulgarischer Rhythmus“, eine souveräne Bearbeitung Horváths von Balkanrhythmen, in der er auf Vorlagen aus Bartoks Mikrokosmos zurückgreift. Ein flirrendes Spiel mit Volksmusiktraditionen, die das Quartett mit frappierender Geschwindigkeit und dichtem Miteinander vorträgt. Zsombor Herédi am Akkordeon und Áron Horváth mit seiner vierbeinigen Wunderkammer werfen sich in der Folge mit offenkundiger Begeisterung immer neue Ideen und Herausforderungen zu.
Hat Horváth im ersten Konzertteil noch sachte und mit viel Nachhören am Cimbalom agiert, so nimmt er nun in den Tänzen aus Transsylvanien und Siebenbürgen ein forsches Tempo auf. Ob Cocek, Sirba oder Hora, Elfsechzehntel oder Neunachtel – mühelos bewältigt er hier auch die verquersten Rhythmen. Dávid Lakatos am Kontrabass hält da mühelos mit, Bence Babcsán wechselt zuweilen von der Klarinette zum Altsaxofon und imitiert dann mit verblüffender Rauheit den Klang einer Gajda, des Dudelsacks der Karpaten. Seit 2022 spielen die vier gemeinsam in dem von Herédi gegründeten Folkensemble BashElán, einer Formation, die ergänzt um Geige und Gesang in ungarischen Folkclubs und bei Festivals auftritt, aber auch immer wieder zum Táncház aufspielt, dem so eigenen Treffen in den Tanzhäusern Ungarns.
Diese Erfahrung merkt man dem eingespielten Team an, aber in gefällige Routine gleitet das nie ab, die Spielfreude hält an bis zur letzten Note. Mit viel Applaus bedacht geben die vier noch eine übermütige Zugabe, und die wird tatsächlich noch einmal schneller gespielt als all die raschen Tänze zuvor.











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