Leipzig galt zu DDR-Zeiten als heimliche Folkhauptstadt und die Folkländer als Initiatoren der Szene. Das war 1976, und nun feierte man Jubiläum – im UT Connewitz, einem alten Kinosaal mit morbidem Charme, der bis auf den letzten Stehplatz gefüllt war.
Text: Reinhard „Pfeffi“ Ständer; Fotos: Silvia Hauptmann
Folkländer und Gäste – vorn v. l. n. r. Dietmar „Alphorn“ Schultz (mand), Heidi Eichenberg (acc, voc), Jürgen B. Wolff (g, voc), Manfred Wagenbreth (bouz, voc), Gabi Lattke, (hackbrett), Erik Kross (hackbrett); hinten: Elke Barbera/Astrid Schulze (backvoc), Dirk Wasmund (cl), Andreas Uhlmann (tb), Jindra Lattke (dble-b, voc), Peter „Schottenschulle“ Schulze (pipes), Thomas Hauf (perc), Jörg Wolf (cel)
Die Band hatte sich dazu eine illustre Schar musikalischer Gäste eingeladen, von denen Schottenschulle, das Berliner Original, mit seinem Dudelsack den Abend eröffnete. Weiter ging es mit „Gott schütze den“, ein Lied zum Thema Alkoholgenuss, in Folkkreisen damals bekanntlich weit verbreitet. Jürgen B. Wolff und Manne Wagenbreth nutzten die Pausen zwischen den Liedern immer wieder für das Vortragen eigener Limericks, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden.
Einige Stücke waren selbst Kennern der Band noch nicht bekannt und überraschten durch ihre brachialromantisch-skurrilen Texte in der Art des Duo Sonnenschirm, wodurch unschwer zu erkennen war, dass sie aus der Feder Jürgen B. Wolffs stammen mussten. Dazu zählten beispielsweise „Unseliges Lied“, „Nie mehr so“ oder „Philosophenshanty“. Aber auch einige Lieder der beiden So viele Wege-Alben wie etwa das witzige „Du und ich“ oder „Als ich ging“. Zu den historischen Stücken zählte das kaum bekannte „Ein Fähnrich zog nach Flandern“, von dem man berichtete, dass Goethe es hasste. Einer der Höhepunkte im ersten Teil: „Nach der Schlacht“ der legendären Leipziger Rockband Renft, musikalisch stark durch zwei Hackbretter, gespielt von Gabi Lattke und Erik Kross, früheres Folkländer- und Wacholder-Mitglied. Und was zum Jubiläum nicht fehlen durfte: Otto Reutters „In fünfzig Jahren ist alles vorbei“.
Folkländer in der (Fast-)Urbesetzung von 1976 – vorn: Dietmar „Alphorn“ Schultz, Jürgen B. Wolff (g, voc), Wolfgang Leyn (voc), Gabi Lattke (wh); hinten: Elke Barbera/Barbara Thamm (backvoc), Ulrich Doberenz (bg), Horst Gröschel (acc/m-harp)
Der zweite Teil begann mit Gründungsmitgliedern der Folkländer wie Wolfgang Leyn, als man noch Irish Folk spielte. Dazu hatte man sich „Weile Weile Waile, Down By The River Saile“ herausgesucht. Es folgte die deutschsprachige Version von Bob Dylans „It’s All Over Now Baby Blue“, die bei Jürgen B. Wolff in Vogtländisch „Schenner als wie hier“ hieß. Ein weiterer Höhepunkt: Hoffmann von Fallerslebens „Die Gedanken sind frei“, von Wolff ironisch als „Unser Beitrag zur KI“ angekündigt, mit Jens-Paul Wollenberg als Gastsänger. Auch Manne Wagenbreths melancholischer „Liebesschluss“ wurde vom Publikum mitgesungen. Letzter Song vor den Zugaben: „Vertane Chancen“ – das Musikschaffendenleben im Zeitraffer, gepaart mit weisen Textzeilen: „Heute hoffen alle auf ein Wunder. Traumschiff Erde, aufgewacht“ und „Wir lernten alte Lieder spieln und tourten kreuz und quer …, solang wir noch Folksongs spieln, solang sind wir jung“.
Mit „Lustig lustig“ als Zugabe steuerte das Konzert, welches auch an die einstige Leipziger Folksession Band erinnerte, auf seinen Höhepunkt hin: „Denn unser Handwerk, das ist verdorben, die besten Saufbrüder sind gestorben“, begleitet vom ganzen Saal. Dazu kamen „So viele Wege“ und „Far Far Away“ von der Band Slade – bei den Folkländern als „Das letzte Glas ist leer“. Erstaunlich, wie fit viele Musiker trotz ihres Alters noch waren und voller Spielfreude, allen voran Jürgen B. Wolff als Kopf der Band. Und trotz wehmütiger Themen wie „Abschiednehmen“, „letztes Glas“ oder „Zeiten der Erinnerung“ sprang der Funke den ganzen Abend aufs Publikum über.
Neben den bereits Genannten bestand die Band aus Heidi Eichenberg am Akkordeon, Thomas Hauf an der Percussion, Jindra Lattke am Bass, Dirk Wasmund am Saxofon sowie aus den Gästen Jörg Wolf (Cello), Andreas Uhlmann (Posaune), Dietmar Alphorn Schulz und Ulli Doberenz.
Ein Abend, den man so schnell nicht vergessen wird, ging zu Ende. Schön wäre es, wenn die bisher unbekannten neuen Songs auf einem Album oder zumindest im Netz erscheinen würden. Übrigens: Die Folkländer haben 2026 noch einige weitere Konzerttermine.







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