Manchmal ist es von Vorteil, außerhalb der Heimat eines Künstlers zu leben. In England wäre es aufgrund seiner Beliebtheit wohl kaum möglich, den Folksänger aus Devon in einem intimen Konzert mit nur fünfzig Leuten zu erleben. So wurde es in Wuppertal ein angenehmer, entspannter Abend.
Text und Fotos: Almut Kückelhaus
Als Solist ist Seth Lakeman, was zeitgenössischen Folk angeht, in England das Maß der Dinge. Der Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist hat mit seinen dreizehn Soloalben erstaunliche Charterfolge erlebt und bereits mit Stars wie Van Morrison und Robert Plant (Led Zeppelin) zusammengearbeitet. Vor zwanzig Jahren erschien sein bahnbrechendes Album Freedom Fields, was er 2026 mit zwei ausgiebigen Touren durch Großbritannien feiert.
Das Konzert war so, wie man es von seinen Alben her erwarten konnte: Auch auf der Bühne besticht Seth Lakeman durch seine Klarheit, Intensität und Vielseitigkeit. Sein Markenzeichen ist das kraftvolle Fiddlespiel, zu dem er es auch noch schafft, ausdrucksstark zu singen. Ich habe an dem Abend keine Begleitband vermisst: Lakeman pur lässt nichts zu wünschen übrig.
An Instrumenten hatte er alles mitgebracht, „was in den Van passte“: Geige, akustische und E-Gitarre, Bouzouki, Bass Drum (während des Singens und Spielens mit dem Fuß zu treten) sowie etwas Elektronik für intensiveren Sound. Er wechselte zwischen den Saiteninstrumenten häufig hin und her, stimmte rasch und mühelos nach Gehör und packte sein Publikum schon nach den ersten Tönen. Lakeman beschränkte sich nicht auf Material aus seinem aktuellen Album The Granite Way, sondern bot auch Klassiker wie die Ballade „Setting Of The Sun“. Zwei neue Songs erlebten eine Premiere, darunter einer mit Ökobotschaft. Hin und wieder gab es einen Refrain zum Mitsingen, was vom Publikum gerne aufgenommen wurde.
Inhaltlich ging es mehrfach um menschliche Grenz- und Krisensituationen: mutige Einsätze der Seenotretter, tragische Grubenunglücke und den Verlust geliebter Menschen. Hier knüpft er an das Storytelling seiner Heimat an. Seth Lakeman ist nicht vordergründig politisch. Er beschwört allerdings Mut, Entschlossenheit und Zusammenhalten als Mittel zum Überwinden von Krisen, was aktueller nicht sein könnte.
Dem Künstler gefiel es offensichtlich beim Projekt Bürgerbahnhof. Er war zum ersten Mal dort und stellte in Aussicht, auf seiner Tour im kommenden Jahr wieder vorbeizukommen. So ließ sich verschmerzen, dass er sich auf nur eine Zugabe beschränkte.











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