José Afonso

Plattenprojekt: Wiederveröffentlichung seiner wichtigsten Alben

17. August 2022

Lesezeit: 3 Minute(n)

„José Afonso ist der wichtigste Künstler in der Geschichte der portugiesischen Musik“, sagt Nuno Saraiva, Leiter des Labels Mais Cinco (+5). Das hat neben dem musikalischen auch einen geschichtlichen Hintergrund. In der Nacht vom 25. April 1974 spielte das Radio sein Lied „Grândola Vila Morena“. Das war für die aufständischen Offiziere das Zeichen, die Nelkenrevolution einzuleiten. Achtzehn Stunden später war die älteste Diktatur Europas gestürzt. Das Lied wurde in der Folge zur Hymne und José Afonso zur Kultfigur. Seitdem nehmen portugiesische Musikerinnen und Musiker Jahr für Jahr seine Lieder auf. Doch mit den aktuellen Musiktrends nimmt sein Bekanntheitsgrad nach und nach ab. Für junge Erwachsene ist die Nelkenrevolution eine Sache der Großeltern und das Werk José Afonsos nicht mehr brandaktuell. Diese Sicht ist ein Fehler.

Details eines Denkmals für José_Afonso in Grândola

José Afonso wurde am 2. August 1929 geboren. Zeitweilig lebte er in Mosambik und Angola, wo sein Vater Richter des Kolonialregimes war. Zurück in Portugal sang Afonso anfangs mit Freunden den Fado de Coimbra. 1964 ging er wieder nach Mosambik, wo er als Gymnasiallehrer arbeitete. Dort führte Afonso mit seinen Schülern Brechts Die Ausnahme und die Regel auf. Dies und sein Engagement für die schwarze Bevölkerung führten dazu, dass die PIDE, die Geheimpolizei Portugals, ihn 1967 zwang, nach Portugal zurückzukehren. Gleichzeitig begann er, eigene Lieder zu schreiben. Cantares Do Andarilho von 1968, die älteste der neuveröffentlichen Aufnahmen, ist ein beredtes Beispiel für seine Gabe, allein mit der Gitarre und seiner warmen, unverkennbaren Stimme einfache, poetische Geschichten über die Landbevölkerung und das einfache Volk zu erzählen. Schon bald wurden seine Lieder zunehmend politisch, ohne den Bezug zur Basis zu verlieren. Das 1971 veröffentlichte Cantigas Do Maio zeigt Afonso von seiner kämpferischeren Seite. Zudem weist das Album Einflüsse der Musik Afrikas und Brasiliens auf – zu einer Zeit, als noch lange niemand von Weltmusik sprach. Bekannt wurde die Schallplatte vor allem, weil sie „Grândola Vila Morena“ enthält.

1987 starb José Afonso 58-jährig an Amyotropher Lateralsklerose (ALS). Er schuf eine tiefgründige, einmalige Musik mit Liedern, die ihre Aktualität und ihren Wert für immer bewahren. Sein bewegtes Leben mit einem nie erlahmenden humanitären Engagement, sein Kampf für die Freiheit der portugiesischen Kolonien und gegen Portugals faschistische Diktatur waren ein Vorbild für die Zeitgenossinnen und Zeitgenossen des Musikers sowie die nachfolgende Generation.

Labelchef Nuno Saraiva wurde 1971 geboren, drei Jahre vor dem Sturz des Salazar-Regimes. Mit der Wiederveröffentlichung der wichtigsten Alben José Afonsos will er dem Werk des Meisters in seiner Heimat, aber auch weltweit wieder zu mehr Beachtung verhelfen. Das Projekt wird von José Afonsos Witwe Zélia, der Witwe seines ältesten Sohnes, Monique Afonso, sowie den drei überlebenden Nachkommen María Helena, Joana und Pedro Afonso unterstützt. Das erklärt das +5 des Labelnamens.

Alle Alben wurden neu gemastert und erscheinen sowohl auf CDs als auch als Vinyl. Nach der Sommerpause sollen die Liedtexte in englischer Übersetzung auf die Website gestellt werden.

mais5.net
joseafonso.net
aja.pt (Associação José Afonso)

Bereits erschienen:
Cantares Do Andarilho (1968)
Contos Velhos Rumos Novos (1969)
Traz Outro Amigo Também (1970)
Cantigas Do Maio (1971)

Weiter geplant:
Eu Vou Ser Como A Toupeira (1972)
Venham Mais Cinco (1973)
Coro dos Tribunais (1974)
Com as Minhas Tamanquinhas (1976)
Enquanto Há Força (1978)
Fura Fura (1979)

José Afonso
Plattenprojekt: Wiederveröffentlichung seiner wichtigsten Alben

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