Crash Nomada, En Rispa I Evigheten (Förhandsbokning)
Die siebenköpfige Stockholmer Band bietet auf ihrem sechsten Album eine Mischung aus wildem Punk, Rock, Metal und Folk. Vieles könnte stilistisch auch woanders herkommen, etwa aus Russland, England, Deutschland oder vom Balkan, wäre da nicht die schwedische Sprache als Nationalkolorit. Leider ohne Booklet, erscheinen die Lyrics vielleicht noch auf der Website.
Michael A. Schmiedel
DUFFHUES, Murder Call (Eigenverlag)
Murder Call ist das neunte Soloalbum des Niederländers Niels Duffhues, der auch als Autor und Filmproduzent tätig ist. Die zehn Songs erzählen düstere, absurde Geschichten, zu denen die bewusst rau und grobkörnig gewählte Monoaufnahmetechnik sehr gut passt. Mit fast schon monotonem Sprechgesang eröffnet Niels Duffhues dem Zuhörer den Eintritt in eine morbide Welt jenseits des Lichts.
Achim Hennes
FOOTPRINT PROJECT, Garden Of Opinions (Flowfish Records)
Die zehnköpfige Berliner Groovekombo hat die Pandemiezeit zur Produktion ihres dritten Albums und zur Erweiterung der Stilvielfalt genutzt. Ob Afrobeat, Neosoul, Jazzfusion oder Hip-Hop, immer ist die Liveenergie der Band spürbar. Kantige Bläsersätze und beseelter Gesang auf einem knackigen Rhythmusfundament modern gemischt, so lässt sich die Tanzwelt erobern.
Christoph Schumacher
DANA GAVANSKI, When It Comes (Full Time Hobby)
Kryptischer Indiefolk der kanadisch-serbischen Künstlerin, die in London lebt. Fragile Sounds für Science-Fiction und Computerspiele, Musik aus dem Museum für Moderne Kunst. Stimmexperimente, die mal durchdacht, mal verkopft wirken. Nichts zum entspannten Nebenbeihören, aber spannend.
Martin Wimmer
GUĐRIĐ HANSDÓTTIR, Gult Myrkur (Nordic Notes)
Die färöische Sängerin hat fast alle Lieder auf diesem Album selbst geschrieben, bei einem singt ihre berühmte Landsfrau Eivør Pálsdóttir mit. Und wie diese hat Hansdóttir sich inzwischen weit von den färöischen Traditionen entfernt und singt hier – durchaus klangvollen – Mainstream-Folkpop, manchmal klingt es fast wie nächste Station ESC. Immerhin schön zu hören, und Färöisch ist eine wunderbare Sprache.
Gabriele Haefs
HUSTEN, Aus allen Nähten (Flight 13)
Im Fahrwasser von Selig und der Nationalgalerie bewegt sich das neue Projekt von RUTH-Preisträger Gisbert zu Knyphausen samt Kollegen Moses Schneider und Der dünne Mann. Husten heißt das Projekt, und es ist gar nicht so neu, nur dank Corona ein wenig mit Ladehemmung. Nach etlichen EPs gibt es nun endlich den ersten Longplayer. Darauf findet sich viel Lied und wenig Folk. Die Songtexte sind gewohnt intelligent, die Musik typischer Alternate Rock.
Christian Elstrodt
SIMONE KESTERNICH, In deiner Nähe (Eigenverlag)
„Zu viel Gefühl“ heißt es in einer Textzeile Simone Kesternichs, einer Musiklehrerin aus Mannheim, und das lässt sich auch für ihre vier eigenen Lieder und den Song von Xaver Naidoo konstatieren. Lieder zum Klavier, die den Widrigkeiten des Lebens mit einem warmen, süßen, immerwährenden Harmonieversprechen entgegentreten. Was zu viel ist, ist zu viel und macht eher missgestimmt denn happy.
Rainer Katlewski
JERRY LEGER, Nothing Pressing (Latent Recordings)
„Have You Ever Been Happy?“ Wer da zögert, sollte sich unbedingt von der optimistischen Grundstimmung dieses Gitarrenrocks anstecken lassen, der selige Paisley-Underground-Zeiten wiederaufleben lässt und dabei auch noch Billy Joe Shaver zitiert.
Martin Wimmer
JESPER LINDELL, Twilights (Brunnsvik Sounds)
Der Mann kann singen. Supergut gelaunter Retrorock des souligen Songwriters aus Schweden mit üppigen Arrangements. Das Beste von Van Morrison und The Band, kombiniert auf einer Platte. Mit Amy Helm und dem gleichgesinnten Theo Lawrence aus Paris als Gästen.
Martin Wimmer
Samuel Maingaud, Odayin (L’Aéronote)
Odayin („Luft“ auf Armenisch) entstand in seinen wesentlichen Teilen in Quartettbesetzung in drei Tagen in einem winzigen Studio. Die Enge wirkte sich hörbar positiv aus. Das Ergebnis ist eine oft intime, immer spannende Mischung aus Jazz, (meist östlicher) Weltmusik, Klassik, Funk und Blues. Klanglich überzeugend, insbesondere das Zusammenspiel von Duduk und Hammondorgel ist herausragend.
Ines Körver
GEORGE MAJOR, Porch Songs 3 (Prosodia)
„Porch Songs“ – Lieder auf der Veranda zu singen und mit Gitarre, Mandoline, Violine und Violoncello zu begleiten. Entspannt, harmonisch, entschleunigt, mit einer kräftigen Portion Americana und daher auch nicht sonderlich aufregend. Tut aber sehr gut in Zeiten, die eh schon aufregend genug sind.
Mike Kamp
VERA MOHRS & KOSTIA RAPOPORT, Gefieder (Label 11)
Elektronische Beats treffen auf eine ausdrucksstarke Sängerin. Wer Björk für Easy Listening hält, wird mit diesem Album sicher glücklich. Die deutschen Texte und die Gesangsmelodien würden auch gut zu einer Grande Dame de la Chanson oder einem der intelligenten deutschen Popstars wie Annett Louisan passen, aber der bombastische, teilweise basslastige Synthesizerteppich führt die Songs in musikalisches Neuland.
Christian Elstrodt
MARTIN MÜLLER, Encore (Galileo Music), Better Days For Guitar Players (Galileo Music)
Martin Müller, bekannt für seine großartigen Aufnahmen mit brasilianischer Musik für akustische Gitarre, liebäugelt schon seit jeher mit dem Jazz. Gleich zwei „neue“ Alben legt er nun vor. Better days … enthält Aufnahmen aus den Jahren 1984-1988 in größerer Besetzung, während Encore den Solisten Müller mit aktuellen Bearbeitungen von Jazzstandards, Beatles-Songs und eigenen Kompositionen vorstellt.
Rolf Beydemüller
PALKO!MUSKI, Bugs In the System (Eigenverlag)
Mit Punk, Ska, Polka und Rock macht uns die Zürcher Band klar, dass wir nur kleine Wanzen im System sind. Dagegen gilt es aufzubegehren. Palko!Muski ist eine Liveband, die mit ihrer Energie in hippen Clubs und auf Festivals in ganz Europa äußerst beliebt ist. Zum Glück steht uns eine Zeit bevor, in der solche Bands wieder Auftrittsmöglichkeiten erhalten.
Martin Steiner
FABIAN SIMON & THE MOON MACHINE, Slap Back Baby (Listenrecords)
Sinn für Humor, Aufgeschlossenheit für künstlerisches Arrangieren mit vielen Instrumenten und ein Faible für Sechzigerjahresound à la Beach Boys scheinen Herr Simon und die zwei Männer der Moon Machine zu haben. Den einzigen deutschen Titel, „Über die Geduld“, geben diese instrumental wieder, nämlich eine monotone Basslinie mit allerlei dabei. Schön, witzig, psychedelisch und eigen.
Imke Staats
SIMSALABIM Simsalabim, (Three Saints Records)
Das Who’s who der Salzburger Musikszene – ein gutes Dutzend Hotshots, diverse Bläser und Streicher inklusive – geben sich auf dem Album rund um den Saxofonisten und Klarinettisten Manfred Wambacher die Ehre. Die Ohren erwartet ein virtuoser und abwechslungsreicher, mitunter allerdings auch etwas fordernder Uptempomix aus Jazz, Funk, Balkan, Film- und Zirkusmusik.
Ines Körver
UWE STEINMETZ & DANIEL STICKAN, Deeper Standards (Odradek Records)
Es sagt sich leicht, aber diesmal trifft es wirklich zu: So hat man berühmte plattdeutsche Lieder wie „Hartleed“, „De Hamborger Veermaster“ oder „Dat du min Leevsten büst“ noch nie gehört. Erstklassige jazzige Instrumentalversionen mit Saxofon, Lyricon und Harmonium, die unter die Haut gehen. Die beiden Norddeutschen erschaffen eine Atmosphäre von Zeitlosigkeit, in der man die Endlosigkeit des Meeres förmlich hören kann.
Erik Prochnow
MARK T., Blues @ Zero (Circle of Sound)
Seit fast vierzig Jahren ist der Engländer und Saitenspezialist Mark T. schon auf dem weiten Feld zwischen Blues und Rembetiko unterwegs und dieses Album hat er mit vielen seiner musikalischen Mitstreiter wie Fran Wood, Paul Hancock oder Tim Hill eingespielt. Genau die Hälfte der Tracks sind Songs, oft von ihm selbst geschrieben. Ein richtiger musikalischer Freigeist.
Mike Kamp
THE HANGING STARS, Hollow Heart (Loose Music)
Das Londoner Psycho-Folk-Quintett floh im Lockdown in ein Studio auf den Klippen im schottischen Nordosten mit Sicht auf die Nordsee, und das Resultat der Arbeit stieg im Mai auf Platz 11 in die Folkcharts ein. Irgendwas muss die Band richtiggemacht haben, die Pedal Steel Guitar und die verträumten Vocals kommen an. Kritiker halten Hollow Hearts für das überzeugendste Album der Band.
Mike Kamp
THE WEATHER STATION, How Is It That I Should Look At The Stars (Fat Possum Records)
Verträumte Klänge, angejazztes Klavier, verhalltes Saxofon, zurückhaltende Querflöte, eine eindringliche, verletzliche Stimme. Songwriterin Tamara Lindeman setzt nach den tanzbaren Nummern des Vorgängers Ignorance nun auf nachtschwere Balladen. Anders, aber besser.
Martin Wimmer
Adewale & Thomson, Sonic Poems From An Unknown Land (Global Music Centre)
Zwei Multiinstrumentalisten, der eine aus Brasilien, der andere aus Australien, trafen am längsten Tag des Jahres 2020 auf einer kleinen Insel vor der finnischen Küste zusammen, um gemeinsam zu lauschen und zu improvisieren. Die Umgebungsklänge, und dazu gehören durchaus auch Motorengeräusche, verschmelzen mit Stimme, Flöten, Kontrabass und einer Vielzahl an perkussiven Instrumenten. Nicht von dieser Welt.
Rolf Beydemüller
Lisa Akuah, Outgrowing Nymph (Eigenverlag)
Reflexionen über sich selbst und die Welt sind die Themen des Debüts der Berliner Singer/Songwriterin. Zehn zarte, nachdenkliche Songs, arrangiert mit Akustikgitarre, Violine, Cello, Kontrabass. Das Album strahlt eine große Intimität und Nähe aus, als ob man der Musikerin geradezu beim inneren Wachstum zuschauen könnte.
Erik Prochnow
Matt Andersen, House To House (Sonic Records)
Filigranes Fingerpicking oder rhythmisch ausgefeiltes Strumming auf der Akustikgitarre, dazu gelegentliche Backing Vocals – mehr braucht der schwergewichtige und stimmgewaltige Singer/Songwriter aus New Brunswick nicht, um mit zwölf derart aufs Wesentliche reduzierten, in Folk und Blues verwurzelten Songs Herz und Seele seines Publikums zu erreichen. Umwerfend gut, der Mann!
Ulrich Joosten
Jon Balke, Hafla (ECM Records)
Auf dem dritten Album mit der von ihm gegründeten Formation Siwan verbindet der norwegische Keyboarder und Elektroniktüftler Jon Balke erneut gekonnt, allerdings auch sehr zurückhaltend, Regionen und Elemente, die scheinbar schwer unter einen Hut zu bekommen sind. Norwegische und orientalische Musik mit einem achtköpfigen Barockensemble und andalusischen Texten.
Ines Körver
Jenny Berkel, These Are The Sounds Left From Leaving (Outside Music)
Ausladend produziert, mit sehr klangvoller Stimme, schwirren die Songs der Kanadierin durch die Luft, wobei die Klangfarbe ihrer Stimme wandelbar ist und immer wieder neue Akzente setzt. Berkel hat bereits einen Gedichtband veröffentlicht, ist also eine singende Dichterin.
Michael Freerix
Micha Berndt, Kopf aus’m Sand (Eigenverlag)
Erstes Album des Songwriters aus Sachsen-Anhalt mit eigenen Stücken, begleitet von einer sechsköpfigen Band. Handgemachte deutschsprachige Songs zwischen Blues, Folk, Reggae und Pop, vordergründig auf der Akustikgitarre. Überwiegend Beziehungs- und Liebeslieder, daneben das ironische „InfluencerInnen“ oder das bemerkenswerte „Segeln“, in dem es heißt: „Wohin segelt dieses Land? Destination unbekannt!“
Reinhard „Pfeffi“ Ständer
Bölter, Therapie (Green Mother Records)
Ein spätes „Debüt“ alter Hasen. Die dreizehn Stücke sind variantenreich – ob rockig, poppig, bluesig oder Country, das Trio beherrscht das Handwerk jedes Stils. Namensgeber und Sänger ist Philip Bölter, der seit fünfzehn Jahren als Solist erfolgreich ist und hier erstmals deutsch statt englisch singt, weshalb seine wohldurchdachten und kritischen Reflexionen über das Leben sich angemessen Präsenz verschaffen.
Imke Staats
Eric Bogle, The Source Of Light (Greentrax Recordings)
Nach über vierzig Jahren im Geschäft hat der schottische Australier Bogle zwar die Touren auf die Heimat beschränkt, aber Lieder schreibt er weiterhin in der von ihm gewohnten Mischung. Aktuelle Politik, ergreifend Privates und beißende Satire, alles ist auf dem neuen Album zu finden. Die Musik der Bogle-Band ist über die Jahre gesetzter geworden. Plus zwei Songs seines alten Kumpels John Campbell Munro.
Mike Kamp
Bonga, Kintal Da Banda (Lusafrica)
Aufgenommen zwischen Lissabon und Paris, bleibt Bonga seinen angolanischen Wurzeln treu. In elf unveröffentlichten Songs im Semba-Rhythmus, die einfach Freude vermitteln, erzählt er gleich einem weisen Griot aus seiner Heimat. Rückblickend auf über dreißig Alben und gut vierhundert Songs feiert Bonga in diesem Jahr gleich ein doppeltes Jubiläum, seinen achtzigsten Geburtstag und mit Angola 1972 seinen Karrierebeginn.
Christoph Schumacher
Susan Cattaneo, All Is Quiet (Continental Song City)
Die piekfeine Songschreiberin Susan Cattaneo unterrichtet Songschreibende am Berkeley College. So wundert es nicht, dass auf ihrem achten Album sauber produzierte, fein gespielte Songs voller Reflexion und Beobachtung zu finden sind, die sie ausgezeichnet singt.
Michael Freerix
The Celtic Duo, The Celtic Duo (Liljansmusic)
Jonas Liljeström (v, voc, perc) und Emil Perblad (g, bouz) aus Göteborg sowie Gäste mit Piano und Flügelhorn bieten ruhige und flotte traditionelle Stücke und Lieder aus keltischen Ländern, wobei sich eine irische Bourée recht schwedisch gefiddelt anhört und dem Album etwas Besonderes verleiht. Schwedische Infos im Booklet.
Michael A. Schmiedel
Circle of Mud, Circle Of Mud (Dixiefrog Records)
Ein mehr als beeindruckendes Debüt legen die vier Bluesrocker aus Frankreich vor. Zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, stimmungsvolle Wechsel zwischen Swamp-, Southern- und Bluesrock. Die Stimme des Sängers Flo Bauer ist wie geschaffen für diese Musik, und außer Konkurrenz läuft das Bee-Gees-Stück „Stayin’ Alive“ – das, was hier daraus gezaubert wird, ist ganz großes (musikalisches) Kino.
Achim Hennes
Cowboy Junkies, Songs Of The Recollection (Latent Recordings)
Margo Timmins und ihre Brüder sind auch schon über sechzig. Für diese wenig ambitionierte Zusammenstellung mit Covers der üblichen Verdächtigen von Dylan bis Young und Bowie bis Stones haben sie Älteres wiederverwertet und einiges neu aufgenommen. Keine großen Überraschungen.
Martin Wimmer
Kaurna Cronin, Harsh Beauty (Eigenverlag)
Kaurna Cronin gehört zu den Künstlern und Künstlerinnen, die auf Livekonzerten leuchtende Augen hinterlassen und denen trotzdem der große Durchbruch verwehrt bleibt. Auch auf Harsh Beauty sind die Folkrockballaden des Australiers erstklassig. Was weiterhin fehlt, ist der große Überhit, der eine Song, an den man sich erinnert und an dem man ihn misst. So wird Cronin auch nach seinem neuen Album Geheimtipp bleiben. Gott sei Dank.
Christian Elstrodt
Tom Delany, The Lark’s Call (Eigenverlag)
Traditionelle Musik für Uilleann Pipes, präsentiert von Tom Delany, einem Piper, der eher der Tradition der Travelling Piper nachhängt. Wie bei seiner Band Four Winds wird er auch hier von Caroline Keane an der Konzertina unterstützt, daneben gibt es noch Bouzouki, Flute und Fiddle zu hören. Ein puristisches Pipesalbum, das offensichtlich mit viel Herz aufgenommen wurde. Schöne Tuneauswahl, für Freunde der Uilleann Pipes empfehlenswert.
js
Mamadou Diabate & Percussion Mania, Seengwa (Delicious Tunes)
Auf dem vierzehnten Studioalbum des Balafonmeisters Mamadou Diabate trifft traditionelle westafrikanische Musik der Sambla auf Jazz und Klassik. Klanglich geben die sechs Musiker der Percussion Mania aus Burkina Faso klar die Richtung vor. Die Bläser und Streicher agieren eher im Hintergrund. Entstanden ist das Projekt in Wien als Kollaborationsalbum während der Pandemie, die in den Liedtexten thematisiert wird.
Christoph Schumacher
Folk and great tunes, From Siberia And Far East (CPL-Music)
Ein atemberaubender Einblick in die große musikalische Vielfalt Sibiriens und des fernen Ostens Russlands. Weitgehend unbekannt im Westen, hat sich hier auf den Ruinen der Sowjetunion eine unvergleichliche Kultur ethnischer und indigener Völker wie etwa der Tuwa entwickelt. Die Zusammenstellung des Doppelalbums feiert die lebendige Verbindung zwischen traditioneller Volksmusik, Folk und modernen Rockeinflüssen auf höchstem Niveau.
Erik Prochnow
Steve Folk, Departure (Stockfisch Records)
Der Engländer heißt wirklich so, aber der Name tut wenig zur Sache, denn er ist beim deutschen Traumlabel für Singer/Songwriter gelandet. Ein Klangerlebnis vom allerfeinsten mit der eingespielten Studiocrew plus Spezis wie Ian Melrose oder Jens Kommnick. Was könnte da schiefgehen? Nichts! Und dann die melodischen Songs und die eigenwilligen Texte, interpretiert mit hoher Stimme. Doch, das hat was!
Mike Kamp
Gabria, Gesungene Geschichten (Pretty Noice Records)
Christine Rauschers Crowdfundingalbum ist nach acht CDs mit verschiedenen Bands (PurPur, Heiter bis Folkig) ihr erstes Solowerk. Sie nennt es Fantasy Folk. Es ist sorgfältig ausgefeilte akustische Musik, auf Deutsch und Englisch gesungen. Sehr melodisch und geschmackvoll werden Geschichten aus einer imaginären Mittelalterwelt erzählt, beruhend auf den LARP-Erfahrungen der Sängerin.
Piet Pollack
Geraldino, Gummi Reh/Banane Banane Banane/Wusch! (PSST-Music)
Mit poppigen, rockigen Kinderliedern und dezent fränkischem Zungenschlag erfreut Gerd Grashaußer alias Geraldino seit vielen Jahren Kinderherzen im Land. Ohrwürmer für die Kleinen, zum Mitsingen, Mitdenken und Mitspinnen, altmodisch und modern, mit Sinn und Unsinn, gerne auch mal auf Englisch und musikalisch immer abwechslungsreich. Die Kids von heute wollen es eben auch trendy, der Grizzlybär weiß es.
Rainer Katlewski
Uma Música, Angolana (Stockfisch Records)
Angolas Musik, das ist für europäische Ohren vor allem Bonga mit seiner rauen Stimme und erdigen Musik. Aline Frazão führt uns mit ihrem klaren Sopran in ein anderes Angola. Da spürt man ihre Verbindung zu Brasilien, aber auch zu Portugal und den Kapverden. Mit ihren jazzig instrumentalisierten, poetischen Liedern thematisiert sie die Unterdrückung der Frauen und die meist traurige Geschichte ihres Landes.
Martin Steiner
Kateřina Göttlichová, Zimnice (Indies Scope Records)
Die Tschechin und Mitbegründerin der Mittelalterfolkband BraAgas veröffentlicht hier ihr Solodebüt. Slawische Volksmusik und Weltmusik werden zu einem spannenden, äußerst abwechslungsreichen Gesamtwerk verknüpft. Prägend ist die Kombination von Gesang und Nyckelharpa durch Göttlichová, ergänzt durch den Jazzkontrabassisten Petr Tichý und David Göttlich (Keyboard, Gitarre). Ausgesprochen interessante Musik.
Piet Pollack
Peter Groesdonk, Two ( Alley2 Records)
Der Gitarrist aus Mülheim an der Ruhr ist ein echtes Ausnahmetalent. Die technische und musikalische Perfektion ist atemberaubend. Die polyfone Linienführung, das fein ausbalancierte Tapping, der offene, weite Gitarrensound – an jedem Detail könnte man sich berauschen. Bemerkenswert auch die Coverversion von Kool & The Gangs Mega-Hit „Celebration“. Hammer!
Rolf Beydemüller
Ilimiado, Moabiter Romanze (Timezone)
Das ist ja wirklich mal was anderes. Die beiden Berliner Gitarristen Marco Ponce Kärgel und Sven Schneider haben ein abenteuerlustiges Akustikgitarrenalbum hingelegt, das in seiner Unmittelbarkeit, Frische und Rohheit seinesgleichen sucht. Spannende Musik, bisweilen gar ins Atonale abrutschend, immer unvorhersehbar, immer überraschend. Das putzt die Ohren frei!
Rolf Beydemüller
Jagd, Bugge, Beck, Jagdselskapet (Go’ Danish Folk Music)
Das dänische Trio gibt seinem neuen Werk einen blutrünstigen Namen, liefert aber Musik, die alles andere als blutrünstig ist. Die „Jagdgesellschaft“ findet auf einem rein instrumentalen Album statt, auf dem die Geige dominiert (erwarten wir von einer dänischen Jagdgesellschaft auch), alles dem traditionellen dänischen Stil verpflichtet, angereichert durch Inspirationen aus Schottland und Bayern.
Gabriele Haefs
Graeme James, Seasons (Eigenverlag)
Seasons ist eine sichere Bank für Fans von Folkpop à la Mumford & Sons. Der neuseeländische Folkmusiker versteht es, die schlicht gestrickten Folksongs in einer modernen Produktion zu veredeln. Das sorgt für enorme Popularität bei einer jugendlichen Zielgruppe und zeigt erneut, wie zeitlos und kommerziell erfolgreich Folk sein kann. Inklusive Covergestaltung und Vertrieb ist hier alles handgemacht und zugleich professionell.
Christian Elstrodt
Klara, Sein (MP Records)
Birgit Schlenther alias Klara, Gesangslehrerin aus Köln, „singt“ – ausweislich ihrer Website – „aus tiefstem, weltverbesserndem Blümchenherz“. In den sieben Liedern, die sie mit Margita Linde bzw. Lutz Angermann am Klavier eingespielt hat, geht es um verlorene und gefühlte Heimat, um vergangene Gefühle, um Angst vor allem und um Musik für das Überleben. Lieder für einen melancholischen Abend.
Rainer Katlewski
Koenix, Eiland ( (Hicktown Records)
Das 2009 gegründete Quartett aus der Schweiz präsentiert sein fünftes Studioalbum, eine gelungene Mischung aus eingängigen, selbst geschriebenen Songs und treibenden Tanznummern. Explosive Musik mit Einflüssen aus Ska, Rock und Folk. Interessant vor allem die Kombination von krachendem Schlagzeug mit Sitar, Dudelsäcken, Drehleier und Irish Bouzouki. Textlich steht das titelgebende „Eiland“ für einen Sehnsuchtsort, wo alles möglich ist.
Piet Pollack
Viviane Kudo, Blue Companion (Acoustic Music Records)
Diese Sängerin hat eine luftig-leichte Stimme, die Gänsehaut erzeugt. Sie singt ätherisch schwebende Songs für die Ewigkeit. Zusammen mit dem Gitarristen Jo Schultz und einer dezent agierenden Band feiert sie die Melancholie. Dabei vollbringt die deutsch-japanische Künstlerin das Wunder, emotionale Traurigkeit in musikalisches Glück zu verwandeln. Bei dieser Musik vergisst man das Hier und Jetzt.
Udo Hinz
L.A.B, V (Loop Recordings)
Auf dem fünften Longplayer hat das vor fünf Jahren gegründete neuseeländische Quintett sein Spektrum erweitert. Zusätzlich zur eingängigen, launigen und gleichzeitig tiefenentspannten Melange aus Soul, Funk, Blues und Reggae gibt es dieses Mal auch Country und Hip-Hop dazu. George Benson mit seinen fluffigen Gitarrensoli und die Eagles mit ihrem niveauvollen Truckersound lassen ab und an grüßen.
Ines Körver
Abigail Lapell, Stolen Time (Outside Music)
Rasiermesserscharfe Songs vom kanadischen Folkstar, die derzeit zurecht einen Preis nach dem anderen abräumt. Brodelnde Aggression ist die Grundstimmung, da schneiden jedes Wort und jeder Ton in die Behaglichkeit. Starke Frau!
Martin Wimmer
Lucas Laufen, Weathering (Embassy of Music)
Mit seiner hohen Stimme klingt er verletzlich. Aber seine von Akustikgitarre, Piano und Cello gewebten Melodieteppiche wickeln den Hörer und die Hörerin in ein meditativ-melancholisches Gefühl der Sorglosigkeit. Es ist, als ob man an einem Lagerfeuer sitzt, sich wärmt und aufmerksam den Geschichten des in Berlin lebenden gebürtigen Australiers über seine Reisen durch Europa in den vergangenen Jahren lauscht – immer das Positive in scheinbar schlechtem Wetter zu erkennen.
Erik Prochnow
Annbjørg Lien, Janus (Heilo)
Janus, der römische Gott der zwei Richtungen, symbolisiert für die Hardangergeigerin den Blick in Vergangenheit und Zukunft, durch den ihre Musik beeinflusst wird. Wurzelnd in norwegischen Traditionen, aber zugleich vorwärtsschauend und auf neue Einflüsse ausgerichtet. Folgerichtig, dass sie nun auf Englisch singt, eine Sprache, mit der sie Schwierigkeiten hat. Ihre Instrumentalkunst gleicht aber alles aus.
Gabriele Haefs
Lüül, Der stille Tanz (Singapore Records)
Lüül hat schon viele Runden gedreht, was zum textlichen Hauptmotiv auf diesem Album geworden ist. Er schaut zurück auf ein Leben voller Musik und voller Abenteuer. Seine Songs dazu sind wehmütig, aber auch federleicht. Auf „Love Beat Beat“ klingt er sogar wie eine Popversion der 17 Hippies, bei denen Lüül Banjo spielt, mit Theremin-Solo!
Michael Freerix
Kenneth I MacKenzie, Glendrian (Caberfeidh Music/Innes & Campbell)
Eine musikalische Instrumentalreise durch den wilden schottischen Nordwesten offeriert der Multiinstrumentalist MacKenzie (vornehmlich Mundharmonika und diverse Pipes) und kaum zu glauben, es ist sein erstes Album seit zwanzig Jahren. Ein wenig Hilfe bekam er zum Beispiel durch Piano, Fiddle oder Drums. Manches ist Tanzmusik höchster Qualität, andere Tracks wie die Slow Airs sind sehr stimmungsvoll und verträumt.
Mike Kamp
Marcela, O’Roma (Jamalafak)
Jeder Ton, jede Komposition strotzt vor Energie und dem Wunsch, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die schwarze slowakische Roma Marcela Cisarová verließ ihr Land aus Wut über die dortigen Traditionen und den Rassismus. Ihre Freiheit fand sie in Frankreich, wo sie weiter komponierte. Das Ergebnis sind zwölf intensive Lieder zwischen Freude und Schmerz, die sie mit ihrer vierköpfigen Band in Romanes singt.
Erik Prochnow
Ana Carla Maza, Bahía (Persona Editorial Ltd)
Nur Cello und Gesang – und damit Latin? Man mag skeptisch sein, aber bei Ana Carla Maza funktioniert das gut. Es swingt immer ein guter Rhythmus mit, und starke Melodien bestimmen die Stücke. Bei ihr vereinen sich Son und Tango, Bossa Nova und Chanson, Klassik und etwas Jazz sowie lateinamerikanische Folklore. Atmosphärisch erinnert das an die Musik der argentinischen Schwestern Las Hermanas Caronni.
Hans-Jürgen Lenhart
Carson McHone, Still Life (Loose Music)
Treibender Americana aus Austin, Texas, mit dem Mut zur großen Geste. Rund um den Gänsehaut-Titelsong am rockigen Ende des Spektrums ideenreich und gitarrenlastig arrangiert von Daniel Romano. Und wer den bittersüßen „Folk Song“ nicht liebt, der hat das falsche Magazin abonniert.
Martin Wimmer
Mehr als wir, Dunkelkammer (Record Jet)
Erstaunlich, was das Leipziger Duo des Posaunisten Andreas Uhlmann und Gitarristen Matthias Ehrig an massivem, druckvollem Sound auf die Bühne bringt. Mit ausgefeilter Technik, interessanten und durchaus heiteren Arrangements ihrer groovebetonten Kompositionen können sie manch großer Besetzung mühelos den Rang ablaufen. Das macht in jeder Minute des Hörens ungeheuren Spaß.
Rolf Beydemüller
Mickelson, Known To Be Unknown (Eigenverlag)
Scott Mickelson hat einen großen Teil dieses Albums selbst aufgezeichnet und eingespielt. Trotzdem ist seine Musik wenig einzelgängerisch, sondern kraftvoller Folkrock, der sich an ein großes Publikum richtet. Beinahe wie ein moderner Bruce Springsteen, nur mit mehr Banjo und Cello.
Michael Freerix
Millpond Moon, Sweeter Than Wine (Tikopia Records)
Norwegen und die USA verbinden sich auf diesem Album, doch es klingt in erster Linie nordamerikanisch. Die hauptsächlich um Dobro und Fiddle arrangierten Songs sprühen vor Lebenslust und Lebensgeschichten. Sehr ausgewogen und hörerfreundlich.
Michael Freerix
Lena Minder, Together Alone (Eigenverlag)
Dream Pop im folkigen Gewand bietet Lena Minder. Mit akustischer Gitarre oder im Chorgesang mit sich selbst erzeugt die Künstlerin eine warme, freundliche Atmosphäre, die zum Träumen einlädt. Die persönlichen Texte handeln (natürlich) von der Liebe und vom Menschsein. „Together Alone“ ist nicht nur der Titel des Albums, sondern auch als Schlussstück des Albums der emotionale Höhepunkt.
Christian Elstrodt
Mischpoke, Heymland (Timezone)
Magdalena Abrams (cl, voc), Cornelia Gottesleben (v), Frank Naruga (g), Maria Rothfuchs und Christoph Spangenberg (perc) bilden die in Hamburg beheimatete Mischpoke, jiddisch für „Familie“, und nahmen in noch schwierigen Zeiten während der Coronapandemie ihr nun fünftes Album auf. Mit „kollektiver Energie“ suchte das Quintett nach Aspekten von Heimat, die insbesondere um Herkunft und Erinnerung kreisen.
Matti Goldschmidt
Mísia, Animal Sentimental (Galileo Music)
Mit der üblichen Eleganz lässt es die Fadista diesmal noch etwas gediegener, auch zurückgelehnter, vielleicht gar traditioneller angehen für ihre Verhältnisse. Obwohl zum Beispiel das Piano eine fast größere Rolle spielt als die fadotypische portugiesische Gitarre in den erneut sehr geschmackssicher und feinnervig ausgewählten, musikalisierten Gedichten. Darunter auch Lieder von Violeta Parra und Luis Eduardo Aute.
Katrin Wilke
Mitsune, Hazama (Eigenverlag)
Ein Genuss nicht nur für Japanliebhaber. Das fünfköpfige Berliner Ensemble präsentiert auf seinem zweiten Album die Musik der traditionellen dreisaitigen Tsugaru-Shamisen in noch nie gehörtem Gewand. Gemäß des Albumtitels „Dazwischen“ spielt und singt es neu interpretierte japanische Volkslieder sowie eigene Kompositionen. Die drei Shamisen plus Kontrabass und Percussion ergeben eine unwiderstehliche Mischung aus östlicher und westlicher Musik.
Erik Prochnow
Olav Luksengård Mjelva, Hugnad (Klangsmia)
Das zweite Soloalbum des norwegischen Geigers, der seine Fans lange warten ließ (das erste erschien 2009). Damals spielte er nur traditionelle Stücke, nun aber präsentiert er ausnahmslos eigene Kompositionen. Natürlich orientiert er sich an der Musik aus Røros und Hallingdal in Norwegen, schaut aber auch oft über den Ozean hinüber und lässt sich von der Musik seiner shetländischen Freunde inspirieren.
Gabriele Haefs
Raúl Montesinos, Homenaje A Silverio Franconetti (Nubia Records)
Der 1974 in der Provinz Sevilla geborene Cantaor ist den Traditionen und u. a. der Saeta verbunden, jener mit den Prozessionen und dem Flamenco assoziierten Gesangsform. Hier spürt er einem berühmten wegbereitenden Kollegen des goldenen Flamencozeitalters nach – auf eigene, imaginäre Weise und mittels überlieferter Informationen, denn von Silverio (1831-1889) existieren keine Gesangsaufnahmen.
Katrin Wilke
Michael Moravek & Electric Travelling Show, Lost (Backseat)
Der Sänger, Gitarrist und Songwriter mit der hellen, schmeichelnden Stimme legt sein neues, von Literatur inspiriertes Album vor. Sein drittes Soloalbum überzeugt mit poetisch-bildhaften Texten und songdienlichen Arrangements. Mal in schlichter Eindringlichkeit nur mit Piano unterlegt („Black Bird“), mal mit einer glänzend aufgelegten Band mit Drums, Bass, Lapsteel, Oboe, English Horn, Trompete und Saxofon. Kraftvoll zelebrierte Americanamusik.
Ulrich Joosten
Mohammad Reza Mortazavi, Prisma (Flowfish Records)
Der im Iran geborene und in Deutschland beheimatete Mortazavi ist vielen als exzellenter Trommler auf Tombak und Daf bekannt. Bei aller Virtuosität gerieten die Mikrotonalität und die Polyrhythmik der Kompositionen bislang leicht aus dem Blick. Diese sind nun auf dem neuen Album dank Mehrspurverfahren und erweitertem Instrumentarium sehr viel besser erlebbar. In Teilen sogar clubtauglich.
Ines Körver
Muddy Gurdy, Homecoming (Chantilly Negra)
Das Mississippidelta liegt in der Auvergne, zumindest, wenn man diesem Trio und ihrem Mix aus traditioneller französischer Musik mit Spirituals und Blues aus dem Süden Amerikas zuhört. Sängerin, Gitarristin und Songwriterin Tia Gouttelbel schreibt und interpretiert Bluessongs, die sie hingebungsvoll und überzeugend interpretiert. Blues mit Gitarre, Drehleier (Gilles Chabenat) und Percussion (Marc Gloumeau) funktioniert erstaunlich gut. Wunderbar.
Ulrich Joosten
New Asia, Chorchok (CPL-Music)
Geballte Kraft aus der Region Altai im südlichen Sibirien. Auf seinem Debüt „Märchen“ vereint das fünfköpfige Ensemble mit großer Energie traditionellen Kehlgesang und ethnische Instrumente wie die zweisaitige Laute Topshuur mit tempogeladenem Rock. In sieben Eigenkompositionen besingt es Kriegshelden, Pferdediebe, Hochzeiten, die Magie seiner traditionellen Musik und den kulturellen Reichtum seines Landes. Mitreißend.
Erik Prochnow
Orchestre Massako, Orchestre Massako (Analog Afrika)
Hinter dem Orchester Massako steckte der Songschreiber J-C Mboumba Mackaya, der in den Siebzigerjahren Musik auf seinem eigenen Label in Gabun veröffentlichte. Diese sich zwischen Rumba und Highlife bewegenden Aufnahmen sind gewissermaßen ein Nachruf auf Mackaya, der 2016 bei bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Libreville umkam.
Michael Freerix
Gerd Putscheff, Los Vientos ¡Duende Now! (Bayla Records)
Der eher vom Jazz kommende, hörbar flamencoaffine deutsche Geiger hat sich für diese farbenprächtige Aufnahme mit einem Riesenklangkörper aus u. a. deutschen und spanischen Instrumentalist:innen umgeben. In den zwölf, teils wie Klassiker klingenden, flamenco-jazzigen Eigenkompositionen samt „A Night In Tunisia“ steht der Klang von Streichern im Zentrum, die mal die Rolle des Cante, mal der Gitarre übernehmen.
Katrin Wilke
Astor Piazzolla, The American Clavé Recordings (Nonesuch Records)
Eine buchstäbliche Schatzkiste für Fans des Tango-Nuevo-Erfinders ist die schwarze Box mit drei CDs (bzw. LPs), drei emblematische, remasterte Aufnahmen aus den Achtzigern, darunter „Tango: Zero Hour“, versehen mit einem üppigen, sehr informativen Booklet. Das enthält u. a. damalige und neu hinzugefügte Anmerkungen von Clavé-Label-Chef und Produzent jener Alben, Kip Hanrahan. Ein ins 21. Jahrhundert gewuchteter Meilenstein.
Katrin Wilke
Jarkka Rissanen & Timo Ylinen, Long Time Coming (Eclipse Music)
Zwei akustische Gitarren spielen, und zwei Stimmen singen Stücke aus den letzten Jahrzehnten, darunter einiges Material von Stephen Stills, John Lennon und David Crosby. Die zwei finnischen Musiker präsentieren das alles sehr ruhig und entspannt, ohne Effekthascherei, dafür jedoch mit hörbarem Spaß und tiefem Gespür für die Schönheit und Besonderheit des jeweiligen Songs.
Achim Hennes
Roving Crows, Awaken (Eigenverlag/Innes & Campbell)
Celtic Folk Rock nennt das englisch-irische Quartett seine Musik. Das Album startet mit trotzig-punkiger Attitüde und thematisiert die aktuellen Fluchtbewegungen weltweit. Mindestens die zwei Instrumentals (die irisch beeinflusste Fiddle dominiert) und auch der A-cappella-Song „Let Me Roll“ kommen klar aus der Folkecke. Gitarre, Bass und Drums sorgen für den rockigen Sound der oft politischen Lieder.
Mike Kamp
Sad Daddy, Way Up In The Hills (Eigenverlag)
Hillbilly Music, aufgenommen von einem Quartett in einer Hütte im Wald. Lauter Originalkompositionen, in denen sie von ihrem Leben fernab der Stadt berichten, von verschrobenen Typen und seltsamen Ereignissen, die es dort scheinbar zuhauf gibt. Leute, die Bohnen mit Speck zum Frühstück essen und darüber auch Songs schreiben. Keine traurigen allerdings.
Michael Freerix
Oumou Sangaré, Timbuktu (World Circuit Records)
Zehn der elf Songs auf Oumou Sangarés neuem Album entstanden unter pandemiebedingter Abgeschiedenheit in Zusammenarbeit mit dem Ngonispieler Mamadou Sidibé in Baltimore. Das Ergebnis ist eine lebendige, kraftvolle Musik, getragen von Sangarés unverwechselbarer Stimme und dem einzigartigen malischen Klang ihrer langjährigen musikalischen Begleiter. Wassoulou-Blues auf der Höhe der Zeit.
Christoph Schumacher
Gina Schwarz & Angelo Da Silva, Fusão (Galileo Music)
Warm, lyrisch, intim – so kann man grundsätzlich die Klanglichkeit von Kontrabass und akustischer Gitarre beschreiben, die sich wie kaum eine andere Instrumentenpaarung in idealer Weise ergänzen und verbinden. Musikalisch spannen die Österreicherin und der Portugiese ihre Saiten über einen weiten europäischen Raum, melodiös, dem Jazz zugeneigt und den jeweiligen Traditionen tief verbunden.
Rolf Beydemüller
Sit'n'Rudi, Love And Share (Electromantica)
Leise Töne schlägt das Kölner Duo aus Sitara Schmitz und Rudolf Könen an. Seine englischen Lieder sind zarte, zerbrechliche und atmosphärische Akustikpopsongs, instrumentiert fast nur mit akustischer Gitarre und Flöte. Entstanden sind nachdenkliche Songs, die durch ihre Schönheit verzaubern. Überraschung zum Schluss: Zwei Lieder sind auf Deutsch und gehören zu den vielen Glanzpunkten des Albums.
Udo Hinz
Soadan, Pieds Nus (Tinker Label)
Das französische Multiinstrumentalistentrio mit starkem Percussionakzent bringt Reiseerinnerungen von Westafrika bis zum Indischen Ozean zum Klingen. Seine Musik ist durchdrungen vom Afro-Mandingo, kreolischem Blues oder Maloya-Fusion, so dass es nicht einmal der französischen Gesangstexte bedarf, um festzustellen, wie engagiert das Trio und alle Gäste auf diesem stilsicheren Album sind.
Christoph Schumacher
Somi, Zenzile: The Reimagination of Miriam Makeba (Salon Africana)
Somi Kakoma, die in Illinois, USA, geborene Sängerin und Komponistin mit Wurzeln in Ruanda und Uganda, entdeckte ihre musikalische Identität, als sie die kulturelle Brücke zwischen Amerika und Afrika überquerte. Ihr neues, bemerkenswertes Album ist eine zutiefst persönliche Hommage an die legendäre Miriam Makeba. Gäste auf dem Jazzalbum sind u. a. Ladysmith Black Mambazo, Gregory Porter und Seun Kuti.
Christoph Schumacher


























































































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