kurz & knapp

aus folker #02-2023

15. Februar 2023

Lesezeit: 59 Minute(n)

Kirsten Adamson, Landing Place (Eigenverlag)

Feiner Alt-Country aus Edinburgh der Tochter des 2001 verstorbenen Big-Country-Masterminds Stuart Adamson. Das Singen der Lieder ihres Vaters während der Corona-Lockdowns eröffnete ihr neue Welten im Verständnis seines Seins und Werdens, aber auch ihres eigenen. Die daraus erwachsende musikalische Verarbeitung mündete in ein sehr persönliches Album über Beziehungen, Muttersein, Verluste und generell die Bewältigung des Lebens. Mit tiefen Einblicken, Erkenntnissen und schöner Musik. Stefan Backes

Stefan Backes

Arooj Aftab, Vijay Iyer, Shazad Ismaily, Love In Exile (Verve)

Die pakistanische Sängerin Arooj Aftab mit Wohnsitz Brooklyn geht auf ihrem neuen Album einen deutlichen Schritt weiter in Richtung Befreiung von herkömmlichen Songstrukturen. Die sind auf Love In Exile nicht mehr zu finden. Dafür eine weit ausgebreitete Klanglandschaft, meditativ, repetitiv, sparsam instrumentiert von Vijay Iyer an den Tasteninstrumenten und Shazad Ismaily an Bass und Moog-Synthesizer. Aftabs weiche, sanfte Stimme malt in Urdu zarte Spuren in einen zeitlosen Raum. Rolf Beydemüller

Rolf Beydemüller

Bragr, Live at Gnisten (Go Danish)

Bragr, ein dänisches Quartett (allerdings mit einem schwedischen Mitglied), ist laut Pressinfo „the sound of Scandinavia“. Sie spielen jedenfalls Musik aus mehreren nordischen Ländern und lieben schräge Kombinationen, z. B. Nyckelharpa und rhythmisches Schlagzeug. Durch diese taktfeste Begleitung klingt es bisweilen wie Tanzmusik auf der Fähre, aber am Ende fetzen sie los wie die Leningrad Cowboys, und das ist ein Genuss! Gabriele Haefs

Gabriele Haefs

Damir Imamović, The World and All That It Holds (Smithsonian Folkways Recordings)

Nach dem preisgekrönten Singer Of Tales bringt der Bosnier Damir Imamović ein neues unter die Haut gehendes Album heraus. Es ist quasi der Soundtrack zu einem Roman von Aleksandar Hermon. In diesem singen sich die Protagonisten Osman und Pinto Sevdalinke und sephardische Lieder vor. Da ein Teil der Handlung in Zentralasien spielt, ist auch eine Tar zu hören. Ines Körver

Ines Körver

Matt Andersen, The Big Bottle Of Joy (Sonic Records)

Nach seinem 2022er-Akustikalbum mit filigranem Fingerpicking lässt es das stimmgewaltige Singer/Songwriter-Schwergewicht diesmal auf seinem zehnten Studioalbum richtig krachen, unterstützt von einer handverlesenen achtköpfigen Band. Elektrifizierter Blues, Americana, ein Hauch von Folk und Gospel. Maßgeschneiderte Arrangements und diese Stimme zum Steinerweichen. Genial! Ulrich Joosten

Ulrich Joosten

Apple & Setser, Same (Bell Buckle Records)

Bluegrassgeschwängertes Songschreiberduo mit schön austariertem zweistimmigem Gesang und reichlich Geige und Banjo. Einige Titel stammen aus dem traditionellen Fundus, ergänzt um Songs aus eigener Feder, die im gleichen Fahrwasser bleiben. Michael Freerix

Michael Freerix

Paul Bartsch & Band, Stadtmusikanten … stimmen noch mal ihre alten Lieder an (Zoundr)

Anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums schenkt die Hallenser Band sich und ihrem Publikum ein repräsentatives Doppelalbum mit einem Querschnitt aus allen bisherigen Werken, angefangen von Bruchpiloten bis hin zum aktuellen Song „Stadtmusikanten“, den es nur auf diesem Album gibt. Feinster liedhafter Rock mit klugen, oftmals philosophischen Texten. Besonders geeignet für jene, die Bartsch noch nicht kennen. Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Joe Bennick, Winter (Timezone Records)

Des Winters Stille ist zwar vorbei, insoweit ist es eine Produktion zur Unzeit, die Stimmung ändert sich, wird lebendiger, aber die wohlklingenden, stimmungsvollen Lieder zu Texten unterschiedlicher Autoren sind irgendwie zeitlos. Gedichte u. a. von James Krüss, Theodor Fontane und Anne Dorn und mehrere eigene, englische Texte werden von ihm vertont und gesungen. Wie mag wohl der Frühling bei ihm klingen? Rainer Katlewski

Rainer Katlewski

Blackmore’S Night, Shadow Of The Moon (earMUSIC)

Vor 25 Jahren war es eine Sensation – Renaissance-Pop statt Hardrock, elfengleicher Gesang und Laute statt Stratocaster. Das vorliegende Werk erschien 1997 und erregte weltweit Aufsehen. Nun erscheint es zum Jubiläum neu abgemischt und gemastert, mit deutlich erweitertem Artwork. Mit leichter Hand gespielte Akustikgitarren von Richie Blackmore und der Gesang seiner Partnerin Candice Night prägen den Sound. Nun gibt es außerdem zwei Akustik-Bonustracks und eine DVD mit Videos. Piet Pollack

Piet Pollack

John Blek, Until The Rivers Run Dry (K&F Records)

Mystischer Indiefolk aus Irland. Der Songwriter, Sänger und Gitarrist mag es melancholisch und romantisch. Die Songs sind geprägt durch seine einzigartige weiche, sentimentale Stimme. Diese schwebt durch Arrangements, in denen sich eine sanfte Rhythmusgruppe aus Piano, Akustikbass und Schlagzeug mit luftigen Streicherwolken vereinen. So schön kann Weltschmerz sein. Udo Hinz

Udo Hinz

Zsófia Boros, El Último Aliento (ECM Records)

Die ungarische Gitarristin veröffentlicht ihr mittlerweile drittes Album beim Münchner ECM-Label. Und wieder beweist sie ein untrügliches Gespür für ungewöhnliches Repertoire, das sie zart wie nie ausformuliert. Die Musik, obgleich durchweg notiert, wirkt häufig wie frei improvisiert, aus dem Moment geboren. Boros Fähigkeit, Klang subtil zu gestalten, ist unvergleichlich. Auf Quique Siensis „Tormenta De Illusion“ hören wir sie an der Ronroco, einem zehnsaitigen Andeninstrument. Rolf Beydemüller

Rolf Beydemüller

Neus Borrell I Miguel Joan, El Cos Per Caure (Segell Microscopi, nur digital)

Das katalanische Sängerin-Gitarristen-Duo verschreibt sich einmal mehr der Musikalisierung von Poesie. Zusammen mit weiteren Musikschaffenden (an Cello, Klarinette, Fagott u. a.) entstand eine stilistisch vielfältige Sammlung von vertonten, teils in Auftrag gegebenen Gedichten. Das Gefühl beim Hören, so etwas wie einer gesungenen Lesung beizuwohnen, scheint durchaus gewünscht zu sein. Nach Nova nun also Novíssima Cançó?! Katrin Wilke

Katrin Wilke

Gwilym Bowen Rhys, Detholiad O Hen Faledi – A Selection Of Old Welsh Ballads II (Cyhoeddiadau Sbrigyn Ymborth)

Auf dem Vorgänger Arenig ließ sich der Waliser noch von einer Handvoll Kollegen begleiten und zeigte sich auch selbst als versierter Multiinstrumentalist. Drei Jahre später veröffentlicht er ein sprödes Werk – die Fortsetzung des ersten Albums Old Welsh Ballads von 2018 –, das nur von seinem Gitarrenspiel und seiner intensiven Stimme lebt. Aber sie lebt tatsächlich und nicht zu knapp, was alles über Bowen Rhys’ ungemein seelenvollen Gesang sagt. Mike Kamp

Mike Kamp

Max Braun, Till Morning Comes (Marzipan Records)

Ruhig und repetitiv beginnt das Konzeptalbum, eben wie es sich anfühlt zwischen Wachsein und Träumen. Dieses Thema, der Schwebezustand in seinen verschiedenen Erscheinungsformen, zieht sich durch das „Solodebüt“, welches auf der gelungenen Zusammenarbeit zwischen Braun (Gitarre, Synthesizer, Mellotron), drei Musikern und zwei Musikerinnen fußt, welche auch weitere (englische) Texte beisteuern. Imke Staats

Imke Staats

Spencer Callum, Spencer Callum’s Coin Collection 2 (Full Time Hobby)

Spencer Callum hat Pedal-Steel-Gitarre bei B. J. Cole gelernt, und trotzdem ist dieses Instrument (wegen dem der Brite doch schließlich nach Nashville zog) auf seinem zweiten Album kaum zu hören. Seine Musik durchweht eher der Geist der Frühsiebzigerjahre, klingt nach folk- und jazzinspirierten Songschreibern wie Kevin Ayers oder Robert Wyatt. Michael Freerix

Michael Freerix

Gidon Carmel, The Story Of Goabi (Eigenverlag)

Der israelische Multiinstrumentalist und Produzent Gidon Carmel lebt und arbeitet heute in Berlin. Den Lockdown nutzte er, um das vorliegende Konzeptalbum zu entwickeln. Es geht um die Geschichte des intergalaktischen Wesens Goabi, das aus dem Himmel auf die durch die Menschheit geschundene Erde stürzt. Es entstand, wie im Beipackzettel formuliert, „ein klanglicher Sturm, der von mitreißenden Rockriffs und perkussivem Bombast zu melancholischen Balladen übergeht und in düstere Folkreflexionen und wehmütigen Gefühlen mündet.“ Piet Pollack

Piet Pollack

Carminho, Portuguesa (Warner)

Fado ist der Soundtrack Lissabons. Er verkörpert die Saudade, die Sehnsucht nach Weite und Nähe, nach Geborgenheit und die Angst vor deren Verlust. Carminho hat mit ihrer wunderbaren Fadostimme die Saudade verinnerlicht. Nach Carminho Canta Tom Jobim kehrt die Sängerin mit Portuguesa zu ihren Wurzeln zurück. Auch die kratzige Elektrogitarre in „As Flores“ und „Meu Amor Marinheira“ passt bestens dazu. Martin Steiner

Martin Steiner

Matthew Check, Without A Throne (Eigenverlag)

Bekannt von The Bluegrass Kabbalat Shabbat Experience mit seiner Jewgrass genannten Mischung aus Bluegrass und jüdischen Liedern, überzeugt der New Yorker auch auf diesem Sieben-Track-Minialbum. Ein Lied über die Bibelfigur Abschalom erinnert noch an den Vorgänger, sonst geht es hier live im Studio ohne Overdubs flockig-rockig zu. Martin Wimmer

Martin Wimmer

Doug Collins And The Receptionists, Too Late At Night (Eigenverlag)

Mit reduzierter Bandbesetzung – Gitarre, Bass, Schlagzeug und dominanter Pedal Steel – präsentiert der Songwriter aus Minneapolis meist lustig gemeinte Liedchen. Bringt live sicher Stimmung in die Bude, verpufft aber auf einem Album nach einmaligem Hören. Martin Wimmer

Martin Wimmer

Darling West, Cosmos (Jansen Records)

Leichtigkeit, swingender Sound, eingängige Melodien aus dem hohen Norden. Das norwegische Quartett überrascht auf seinem fünften Album erneut. Die preisgekrönte Folk-Americana-Formation um das Ehepaar Mari und Tor Egil Kreken ist diesmal stärker im Popgenre unterwegs – und es bekommt ihnen sehr gut. Die gemeinsam mit Bandmitgliedern Thomas Gallatin und Christer Slaaen komponierten zehn Songs strahlen von Aufbruch und Urlaubstimmung. Erik Prochnow

Erik Prochnow

Steve Dawson, Eyes Closed, Dreaming (Black Hen Music)

Ein flinker Finger an der Gitarre ist Steve Dawson, trotzdem sind seine Songs nicht zwingend der Virtuosität gewidmet, sondern vor allem abwechslungsreich produziert. Da gibt es reinen Folk, Countryeinflüsse, Soulzitate und auch Western Swing. Dawson fühlt sich in vielen Welten zu Hause, bleibt aber immer Songschreiber mit eigenem Charakter. Michael Freerix

Michael Freerix

Luis De La Carrasca, Baró Drom (Andalouse Alhambra)

Einen „langen Weg“ ( Baró Drom ) hat der seit langem in Avignon lebende andalusische Cantaor zurückgelegt, der auch Kopf einer vor allem Frankospanier:innen versammelnden Companie ist. Solider, vertraut klingender Flamenco ohne viel Schnickschnack, hier und da Piano, auch mal Elektrosounds. Ein Track evoziert die indische Urverbindung. Neben einem sehr schönen Martinete gibt es auch Flamencoferneres wie eine Copla. Katrin Wilke

Katrin Wilke

Paco De Lucía, The Montreux Years (BMG)

Paco de Lucía war regelmäßiger Gast des Montreux Jazz Festivals. Auf diesem Album sind acht Aufnahmen von drei Konzerten aus den Jahren 1984 bis 2012 versammelt. Die fein editierte Ausgabe enthält einige Perlen aus dem überreichen Schaffen des Flamencogitarrengenies. Allein das schöne Vorwort seines jahrelangen musikalischen Weggefährten John McLaughlin rechtfertigt schon den Kauf. Rolf Beydemüller

Rolf Beydemüller

Deleyaman, The Sudbury Inn (TTO Records)

Geheimnisvoll und voller Lebenserfahrungen eines Weltenbummlers. So lässt sich die Musik des amerikanischen Musikers Aret Madilian und der französischen Sängerin Beatrice Valantin beschreiben. Die beiden vertonen auf ihrem neunten Album Texte bekannter Dichter wie Paul L. Dunbar, Emily Brontë, Paul Verlaine oder Henry Wadsworth. Aufbauend auf Madilians tiefer Stimme und Valantins sakralem Gesang, bewegt sich die Musik des Duos zwischen anatolischer Mystik, dunklen Balladen und poetischem Postpunk. Erik Prochnow

Erik Prochnow

Diverse, Ears Of The People – Ekonting Songs From Senegal And The Gambia (Smithonian Folkways Recordings)

Diese gut dokumentierte, umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Aufnahmen der Ekonting, einer dreisaitigen Kürbislaute, die vom Volk der Jola in Gambia und der Casamance-Region im Senegal gespielt wird, erzählt zum Klang des Instruments Geschichten von Liebe, Herzschmerz, Konflikten und Spiritualität. Die Ekonting ist ein Vorläufer des amerikanischen Banjos und erweckt diese Geschichten zu neuem Leben. Christoph Schumacher

Christoph Schumacher

Herman Dune, The Portable Herman Dune, Vol. 1 und Vol. 2 (BB*Island)

Zugegeben, diese Stimme muss man sich erst mal schönsaufen. Wenn man sich an die spröde Art des Gesangs gewöhnt hat, entfalten sich auf diesen zwei von insgesamt drei geplanten CDs Dunes herzerweichende Americana-Folksongs in voller, rauer Schönheit. Man merkt in jeder Zeile, dass der Bursche jedes Wort genauso meint. Kompromisslos karg ist die minimale Instrumentierung, die dabei so was von ehrlich und authentisch rüberkommt. Gitarre, Mandoline, Stimme und gelegentlicher Einsatz von Mundharmonika, Geige, Akkordeon oder Klavier und ganz gelegentlich Backgroundgesang – das muss reichen. Und das tut’s. Ulrich Joosten

Ulrich Joosten

Duo Concordes, Metamorphoses (Eigenverlag)

Henrike Lisch, als Texterin und Komponistin, und Axel Herberhold haben sich – an Ovid orientierend – den Verwandlungen zugewandt. Den Veränderungen im Leben, die sich durch Liebe, Abschied, oder Selbstbefragungen vollziehen. Eine besinnliche Produktion, die wie aus der Vergangenheit kommend herüberschwebt, mit meditativem Charakter, der durch die eingefügten Instrumentalstücke noch verstärkt wird. Rainer Katlewski

Rainer Katlewski

Helmut Eisel, Prayer (Neuklang)

Helmut Eisel, die „talking clarinet“, bezeichnet mit dem englischen Wort „Prayer“ bzw. seinem aktuellen Album die „Sehnsucht nach einem Leben in Frieden und Harmonie, über Grenzen und Konventionen hinweg“. Aktuell unterstützt von Stefan Engelmann (b), Birke Falkenroth (harp) und Sebastian Voltz (p). Wie bei Eisel immer mit teils getragenen, teils rhythmisch fröhlich Stücken, so etwa im „Odessa Bulgar“. Matti Goldschmidt

Matti Goldschmidt

Duo Golzdanilov, Perpe2um (Galileo Music)

Das mehrfach ausgezeichnete Gitarrenduo Sören Golz und Ivan Danilov betört mit einer klanglichen Reife und Schönheit, die staunen macht. Das Programm des klassischen Ensembles ist so vielfältig wie bunt und scheut auch nicht die Berührung mit der Popkultur. Die atemberaubende gestalterische Tiefe des Duos und das „blinde“ interaktive Verständnis der jungen Künstler sind nicht von dieser Welt. Rolf Beydemüller

Rolf Beydemüller

Driss El Maloumi, Aswat (Contre Jour)

Der mehrfach preisgekrönte Oudspieler Driss El Maloumi ist unter anderem mit verschiedenen Filmmusiken und seiner Zusammenarbeit mit Ballaké Sissoko und Rajery in der Gruppe 3MA (Mali, Marokko, Madagaskar) bekannt geworden. Auf seinem neuesten Tonträger arbeitet er mit zwei Percussionisten und einer Sängerin zusammen – stimmungsvoll, orientalisch, gekonnt. Ines Körver

Ines Körver

Ensemble 0, Jojoni (Crammed Discs)

Das zeitgenössische (Musik-)Ensemble 0 wartet mit luftigen, repetitiven Klängen auf. Akustische Gitarren und eine Vielzahl an perkussiven Instrumenten schaffen rhythmische, tranceartige Szenen. Das japanische Wort für „allmählich“ oder „langsam“ ist jojoni. Die Minimalmusik des französisch-spanisch-belgischen Trios fließt unbeschwert, beinahe heiter daher, wie ein Bach an einem warmen Sommerabend. Rolf Beydemüller

Rolf Beydemüller

Familie Gerstenberg, Best Of Vol. 3 (Eigenverlag)

Das Trio bietet zwölf außerordentlich schöne, im traditionellen Stil selbst komponierte und vor allem sehr einfalls- und abwechslungsreich arrangierte Musique-trad-Stücke, eingespielt u. a. auf Akkordeon, Schäferpfeife, Sopransaxofon, Grande Cornemuse Bourbonnaise, Thüringer Waldzither und anderen Saiteninstrumenten. Und das ganz ohne Drehleier! Wunderbar. Ulrich Joosten

Ulrich Joosten

A. S. Fanning, Mushroom Clouds (K&F Records)

Eine Mushroom Cloud („Pilzwolke“) entsteht z. B. nach einer nuklearen Explosion, und so stimmt der Albumtitel schon einmal auf die dann folgenden Stücke ein. Düster, morbide und ausweglos sind Text und Musik, A. S. Fanning singt mit warmem Bariton von Verlust und Hoffnungslosigkeit. Das erinnert sehr an Ian Curtis und die Band Joy Division, und auch das war nichts für schwache Nerven. Udo Hinz

Udo Hinz

Dom Flemons, Traveling Wildfire (Smithsonian Folkways)

Der Mitbegründer der Carolina Chocolate Drops überrascht in der ersten Hälfte mit waltzendem, orchestriertem Zeitlupencountry à la Lee Hazelwood oder Leonard Cohen. Danach bespielt er mit banjogetriebener Old-Time-Musik, Blues und ein paar Covers vertrautes Terrain. Sein bisher persönlichstes Album. Martin Wimmer

Martin Wimmer

Vilma Flood, Flood (Startracks)

Indie-Folkpop zwischen Schönheit und Schmerz. Ambitioniert, eigenständig und viel kraftvoller, als das verhuschte Cover ahnen lässt. Texte von Sehnsucht und Verlust, getragen von der tiefen Stimme der Schwedin. Wer’s zum Polarlicht nicht schafft, bekommt hier vom Besten, das Skandinavien zu bieten hat. Martin Wimmer

Martin Wimmer

Flora Falls, Hidden From You (Eigenverlag)

Zwei leidenschaftliche Singer/Songwriter vereinten sich als Duo. Brea Robertson und Dominique Fricot trafen sich 2019 in Berlin und verbinden jetzt ihre Stärken. Auf dieser EP berühren erneut ihre zarten und sensiblen Stimmen in emotional dünnhäutigen und verletzlichen Songs. Ihre Gefühlswelt verzieren sie minimalistisch mit ihrer Band. Die Lieder gehen unter die Haut – bis ins Herz. Udo Hinz

Udo Hinz

Frink, Zum Mond (Waldinsel Records)

Zwölf Lieder eines Duos aus Münster, das in deutscher Sprache herrlich ehrlich über das Leben singt und dabei weniger wild daherkommt, als der Untertitel „Liebe, Bier & Rock ’n’ Roll“ vermuten lässt – eher ziemlich nachdenklich und melancholisch. Frank Romeikes Stimme klingt allemal rau, die Mareike Antermanns im Duett manchmal kunstvoll kontert. Imke Staats

Imke Staats

Fredi Gebhardt, Onset (MGL Musik Produktion)

Eine neue, junge Stimme im Bereich des Gypsy Swing, produziert von Joscho Stephan auf dessen eigenem Label, da konnte eigentlich kaum etwas schiefgehen. Ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Debüt. Selbstbewusst wirft Gebhardt ausschließlich eigene Kompositionen in den Ring. Komplexe, groovebetonte und deutlich an der Tradition orientierte Stücke mit hohem Wiedererkennungswert. Die Rhythmusgruppe (Sven Jungbeck, g, und Volker Kamp, b) ist die des Joscho Stephan Trios. Rolf Beydemüller

Rolf Beydemüller

Gus Glynn, The Return Of The Captain (Eigenverlag)

Auf dem Cover ein einsamer Cowboy, und gleich der erste Song klingt nach Amerika und Country. Doch der erste Eindruck trügt: Der Singer/Songwriter stammt aus England, schreibt ruhige Lieder, ist ein versierter Gitarrist und hat mit einem Bassisten und Schlagzeuger eine Band um sich. In der Ferne hört man doch Amerika – die Songs sind wie ein Echo auf Dylan, Cohen oder Petty. Udo Hinz

Udo Hinz

Omid Gollmer, Scratched Light (Feierabendkollektiv)

Lässt sich gut hören: auf den Punkt produzierter poprockiger Folk – oder auch rockiger Folkpop. Mal ruhig, mal dynamisch, meist kreisen die englischen Texte um das eigene Sein, doch auch um eine Definition des „Home“, welches den Heimatbegriff sowohl im Steirischen, dem Dialekt seiner einen Heimathälfte, als auch in Farsi definiert, indem Gollmer den persischen Friedenskämpfer Abdul Baha zitiert. Imke Staats

Imke Staats

Tim Grimm, The Little In-Between (Cavalier Recordings)

Exzellentes fünfzehntes Album des Geschichtenerzählers aus Oklahoma. Mit knorriger Stimme blickt er auf die Wirrnisse des Lebens von jenem Berg der Abgeklärtheit, den vor ihm nur Auserwählte wie Guy Clark, Robert Earl Keen oder John Prine bestiegen hatten. Die musikalischen i-Tüpfelchen setzen Sergio Webb an der Gitarre und Alice Allen am Cello. Martin Wimmer

Martin Wimmer

Trilok Gurtu, One Thought Away (Jazzline)

Für sein 21. Soloalbum improvisierte der Percussiongroßmeister und hoch talentierte Visionär im Studio mit zahlreichen Instrumenten, darunter Tablas, Trommeln, Keyboards, E-Bass und das Basic 1 von Ferdinand Försch. One Thought Away vereint stilistisch indische Elemente mit experimentellen Jazz- und Electronica-Einflüssen. Ein spannender Einblick in die Gedankenwelt eines Klangmagiers. Christoph Schumacher

Christoph Schumacher

Cerys Hafana, Edyf (Eigenverlag)

Die junge, androgyn wirkende Waliserin spielt die Triple Harp und klingt trotz ihres sirenenhaften Gesangs nicht zu ätherisch. Ihr Material stammt teils aus Archiven, teils sind es sehr effektvolle Eigenkompositionen wie das simple, eingängige „Crwydro/Wandering“. Auf ihrem zweiten Album sorgen neben der Triple Harp auch Bodhrán und Kontrabass für Abwechslung. Mike Kamp

Mike Kamp

Lea Havelund, Ventede Ven (Go’ Danish Folkmusic)

Die Sängerin und Komponistin Lea Havelund hat sich für dieses Album mit dem Geiger und Pianisten Mads Søndergaard zusammengetan. Havelund selbst spielt Cello, was der Musik ein klassisches Gepräge gibt, dazu macht sie immer wieder Abstecher in den Jazz, was durch das Klavierspiel noch verstärkt wird. Gern trällert sie ohne Worte, aber ein Lied hat sie für ihr Album auch geschrieben: das zum Heulen schöne „Jag Vet En Dejlig Rosa“. Gabriele Haefs

Gabriele Haefs

Heiter bis Wolkig, Stay Punk Stay Rebel Stay Rude (Mad Butcher Records)

21. Tonträger der Kölner Punkband seit 1986, mit harter, aber fröhlicher Musik mit standarddeutschen Texten mit leichtem Regiolekt, deren einer fast nur aus hundert Frauennamen besteht. „Nein, nein, wir woll’n nicht eure Welt, nicht eure Macht, nicht euer Geld“, heißt es in Track vier, und in Track fünf spielt Klaus der Geiger mit. Eigentlich guter, protestierender Deutschfolk! Michael A. Schmiedel

Michael A. Schmiedel

Andrè Herzberg, Von woanders her (Reptiphon)

Der Sänger der DDR-Kultband Pankow, der parallel Solo- und Bandalben veröffentlicht, fängt die Poesie des Alltags mit einfachen Worten ein. Typisch für ihn ist sein schnodderiger Berliner Akzent. Die Musik pendelt zwischen Rockchanson und Blues, zu den Studiomusikern gehören auch Blechbläser und ein Gospelchor. Höhepunkt des Albums ist ein Lied über Putin: „Ich habe mich geirrt, du bist ein Diktator, / Ich habe geglaubt, so weit gehst du nicht.“ Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Hotel California, Von woanders her (Reptiphon)

Nix mit Eagles, sondern ein Bandprojekt aus der Hamburger Ecke, das nach einem Debüt 2009 jetzt wieder durchstartet. Der deutsche Songwriter Daniel Green arbeitet vor allem Familienangelegenheiten ab, zeigt mit dem Bonustrack „This World Needs Peace“ aber auch klare Haltung. Martin Wimmer

Martin Wimmer

Irxn, Gierig & Geil (Focus/BSN Music)

Siebtes Album neben Singles und EPs der Münchner Folkrocker seit 2004. Sie erwecken die Sagengestalt des Goggolori zum Leben und feiern mit ihm zusammen eine deftige, keltisch beeinflusste Party, die auch Wacken-Pilgern gefallen dürfte. Es gibt aber auch ganz ruhige Lieder wie „Traumland“. Gesungen wird durchweg auf Bairisch, mit „Giasing – dreggad und oid“ sogar das berühmte „Dirty Old Town“. Michael A. Schmiedel

Michael A. Schmiedel

Izango Ma, Ngo Ma (Brownswood Recordings)

„Ngo Ma“ ist Zulu und bedeutet in etwa „von meiner Mutter“. Die Musik des zwölfköpfigen Avantgarde-Musikerkollektivs aus Südafrika widersetzt sich allen klaren Genrebezeichnungen. Mit teils wilder, verrückter, spaciger, experimenteller, grooviger und souliger Energie werden wir daran erinnert, dass wir in eine spirituelle, vielfältige, lebendige Welt geboren wurden. Von tiefer Seele geprägte Musik. Christoph Schumacher

Christoph Schumacher

Naϊssam Jalal, Healing Rituals (Les Couleurs du Son)

Die herausragende französische Flötistin und Sängerin mit syrischen Wurzeln hat acht Heilungsrituale etwa zu den Themen Wind, Sonne, Mond, Erde oder Fluss als Folge eines eigenen Krankenhausaufenthaltes im gemeinsamen Musizieren mit Patienten in Kliniken komponiert. Entstanden sind mit Unterstützung von Cello, Kontrabass und Percussion ergreifende Klangbilder, die den schmerzenden Körper in Stille und Trance versetzen sowie Schönheit ausstrahlen, um wirklich heilen zu können. Erik Prochnow

Erik Prochnow

Daniel Kahn & Jake Shulman-Ment, The Building & Other Songs (Oriente)

Seit vielen Jahren musizieren sie bereits zusammen, aber nun zum ersten Mal als reines Duo: der New Yorker Jake Shulman-Ment mit seiner Geige und der aus Detroit stammende Daniel Kahn. Letzterer auch auf diesem Album als musikalischer Tausendsassa (voc, acc, g, perc und vieles mehr). Ganz aktuell aus dem Titellied „Das Gebäude“, nun in Jiddisch: „Wenn dein Haus zerstört wird, wenn das Stroh unterm Fundament brennt …“ Matti Goldschmidt

Matti Goldschmidt

Jz James, Let Come Let Go (Hey!Blau Records)

James erinnert sich an Kindheitstage, verlorene Freunde, Momente in der Natur. Die Texte kleidet er in ein unspektakuläres folkrockiges Gewand. Schon lange ist der jetzt in Berlin lebende Sänger/Songschreiber Bestandteil der deutschen Szene und veröffentlicht alle Jubeljahre ein Album. Blues spielt weiter eine Rolle, aber er orientiert sich über das Genre hinaus – auf der Suche. Volker Dick

Volker Dick

Michael Johnathon, Garden Of Silence (PoetMan Records)

Das (seit 2012!) zwanzigste Album des unglaublich produktiven Singer/Songwriters aus New York State mit der angenehmen Baritonstimme enthält elf um seine Gitarre und sein Banjo herum aufwendig arrangierte und instrumentierte Songs. Wunderschön, aber folkpopmäßig glatt produziert. Durchgehend Wohlklang plätschert in die Gehörgänge. Ist was hängengeblieben? Nö. Ulrich Joosten

Ulrich Joosten

Laurie Jones, Dark Horse (Eigenverlag)

Dark Horse bietet flotten, sauber produzierten Countryrock. Laurie Jones singt ihre eigenen Songs mit klarer, etwas farbloser Stimme, doch bleibt das ganze abwechslungsreich und gar nicht „dark“. Michael Freerix

Michael Freerix

Angelo Kelly, Grace (Electroia)

Die Art, wie der Spross der berühmten Kelly Family „On Raglan Road“ und „Dirty Old Town“ singt, erinnert ein wenig an Van Morrison und die Chieftains auf dem Album Irish Heartbeat. Und dabei wollte er nur ein paar Bonustracks zu einem Album seiner Familie aufnehmen, woraus aber dann ein eigenes wurde, als CD und LP erhältlich. Es ist nicht der große Wurf, aber allemal schöner Irish Folk. Michael A. Schmiedel

Michael A. Schmiedel

Peter Kerlin & Jens Kommnick, Thirty – The Compilation Album 1993-2023 (Eigenverlag)

Der Goslarer Singer/Songwriter und der Wremener Celtic-Guitar-Virtuose bilden seit dreißig Jahren ein musikalisches Dreamteam. Der Sampler vereint sechzehn sorgfältig remasterte Songs und Instrumentals aus sechs gemeinsamen Alben – darunter Klassiker wie „The Place Where Music Lives“ oder „The Shores Of Donegal“ –, zu einem gelungenen Überblick. Allerfeinste Saitenklänge, toller Gesang und ein gelungener Überblick. Ulrich Joosten

Ulrich Joosten

La Marisoul And Los Texmaniacs, Corazones And Canciones

Die aus Los Angelos stammende Sängerin Marisol Hernández traf hier auf die texanischen Texmaniacs, um legendäre Songs aus der US-amerikanischen Chicanomusik wieder aufleben zu lassen. Dieser akkordeonlastige Tex-Mex ist eine Mischung aus mexikanischer Musik wie Rancheras, Mariachi und Boleros mit geradem Polkabeat. Inbrünstiger Gesang kombiniert mit fröhlich treibendem Rhythmus. Hans-Jürgen Lenhart

Hans-Jürgen Lenhart

Petros Klampanis, Tora Collective (Enya & Yellowbird)

Auf seinem sechsten Album hat sich der Kontrabassist Petros Klampanis die Musik seiner Heimat Griechenland vorgenommen. Dabei präsentiert er – leicht angejazzt – dort bekanntes Liedgut sowie eigene Stücke mit akustischen Instrumenten, dezenter Elektronik und gelegentlich seiner Stimme. Herausragend ist die Klarinettenarbeit von Giorgos Kotsinis im meditativen nordgriechisch-albanischen Stil. Ines Körver

Ines Körver

Kliffs, After The Flattery (Backseat)

Das kanadisch-deutsche Duo stieß bereits mit seinem Debüt 2019 auf große mediale Anerkennung. Während Corona konzipierten sie ein Album aus Briefen an diverse Persönlichkeiten. Musikalisch setzten sie das Dogma, nur Instrumente aus eigener Hand einzusetzen. Es gibt also weder Schlagzeug noch Bass, klingt aber mit Gitarre, Cello, Klarinette, Flöten und Synthesizer so vielfältig, verspielt und verzaubernd, dass nichts fehlt. Imke Staats

Imke Staats

Matthias Kom, Toby Goodshank, Miller Time (Eigenverlag)

Der Songschreiber Roger Miller ist Thema auf diesem Album. Auch dessen wohl bekanntestes Lied „King Of The Road“ findet sich unter den Neuinterpretationen der Kanadier Kom und Goodshank, denen ihre Begeisterung für das Werk des schon lange verstorbenen Miller deutlich anzuhören ist. Michael Freerix

Michael Freerix

Marian Kuprat, Corleone (Eigenverlag)

Corleone, ein Städtchen voller Kirchen in Sizilien, berüchtigte Mafiahochburg, ist titelgebend für das vierte Album des Musikers aus dem Ruhrpott. Corleone und Ruhrpott sind raue Pflaster, und so sind auch die Songs. Düster, grau und manchmal rotzig, sich dem Niedergang entgegenstellen um doch immer wieder fatalistische Hoffnungsschimmer, ohne überschäumende Romantik, zu erspähen. Rainer Katlewski

Rainer Katlewski

Lakiko, What To Do, How To Live? (TourboMusic)

Die aus Sarajevo stammende, klassisch ausgebildete Cellistin Lana Kostic befasst sich auf ihrem neuen Album mit dem Leben in der Nachkriegszeit. Was als Soloprojekt angeschlossen an eine EEG-Maschine in der Neurologieabteilung im schweizerischen Biel begann, ist zu einem beeindruckenden Album geworden. Mit glockenhaftem Gesang und virtuosem Cello vereint die Bosnierin Volksmusik mit Klassik, Pop, Beats und Glissando-Loops. In ihrer Schönheit und gleichzeitig auch immer wieder Sperrigkeit strömen die elf Stücke die Vielfalt und Tiefe des Lebens aus. Erik Prochnow

Erik Prochnow

Lisas, Etiam (Gentle Music)

Non solo sed etiam , aber man braucht nicht mal das allerkleinste Latinum, um an diesem Album der beiden schwedischen Lisen große Freude zu haben. Sie spielen Geige und Akkordeon, und sie spielen vor allem eigene Kompositionen. Dazu ist der Engländer Henry Purcell zweimal vertreten, der Spielmann Hans Olsson einmal. Das Akkordeon klingt oft wie eine Orgel, was dem ganzen Album eine sakrale Prägung gibt. Gabriele Haefs

Gabriele Haefs

Graham Mackenzie, The Dawning (On Blue Door Music)

Ein weiteres riesiges Talent auf der Fiddle, Graham Mackenzie aus Inverness. Er schreibt die meisten Tunes selbst, lässt sich gerne von Irland und Cape Breton inspirieren, und das auch mal garniert mit Bläsersätzen. Für sein zweites Album hat er großartige und illustre Begleiter gefunden, Koryphäen wie Mike McGoldrick (auch Produzent), Innes Watson oder den Kontrabassisten James Lindsay. Mike Kamp

Mike Kamp

Liisa Maatveinen, Tellu Turkka, Iro (Laika)

Ein schwedisch-finnisches Duo, allerdings, Schwedisches ist auf diesem Album nur in Spurenelementen enthalten. Die beiden Musikerinnen singen auf Finnisch, dazu spielen sie Kantele und Moraharpa. Letztere ist die schwedische Zutat zu diesem hochinteressanten Werk. Sie gilt als eine Vorform der bekannteren Nyckelharpa und heißt nach der Stadt Mora in Dalarna, wo sich viele Traditionen länger erhalten haben als anderswo in Schweden. Gabriele Haefs

Gabriele Haefs

Latin Quarter, Remember – On Stage At The Half Moon (Westpark Music)

Der Sänger und Gitarrist Steve Skaith hat 2018 im Londoner Half Moon fünfzehn Songs aus allen Karrierephasen der Band live eingespielt, die beweisen, dass sich Popmelodien durchaus mit politischen Inhalten versehen lassen. Eine blendend aufgelegte Band und ihr charismatischer Sänger und Bandleader spielen in Höchstform auf. Sehr empfehlenswert. Ulrich Joosten

Ulrich Joosten

Natalie MacMaster & Donnell Leahy, Canvas (Linus Entertainment)

MacMaster (Cape Breton) und Leahy (Ontario) sind seit 2002 das mächtigste und erfolgreichste Fiddle-Ehepaar Kanadas. Sie haben 2020 den Lockdown als leere Leinwand ( Canvas ) benutzt und darauf neben ihrem keltischen Background auch deutliche Elemente aus Rock, Pop, Latin und Klassik verarbeitet, unterstützt z. B. von Rhiannon Giddens (singt Gälisch!) oder ihren sieben Kindern. Mitreißend! Mike Kamp

Mike Kamp

Emily Maguire, A Light To Follow (Shaktu Records)

Die Songschreiberin Emily Maguire versteckt ihre Songs hinter einem ganzen Haufen zuckriger Arrangements, bei denen kein Auge trocken bleibt. Soll das Pop sein? Es fehlt dazu zwar eine aufdringliche Rhythmusgruppe, doch die vielen Geigen auf diesem Album zelebrieren eine Weichheit, wie sie im Mid-Siebziger-Pop üblich war. Michael Freerix

Michael Freerix

Taj Mahal, Savoy (Stony Plain Records)

Im Alter von achtzig Jahren denkt Taj Mahal an seine Kindheit und seine Eltern zurück, die sich im New Yorker Savoy Ballroom kennenlernten. Live spielten dort zu dieser Zeit die ganz großen Interpreten des Jazz, damals reine Unterhaltungsmusik, zum Tanz ins Wochenende. Vierzehn umwerfende Standards des Great American Songbook enthält das Album, exzellent und eigenständig interpretiert – Swing ist garantiert. Achim Hennes

Achim Hennes

Jono Manson, Stars Enough To Guide Me (Blue Rose)

Der profilierte Produzent aus Santa Fe zeigt, was er kann, und präsentiert sich einmal mehr als gut gelaunter Songwriter mit vollem Sound, dominiert von E-Gitarre, Orgel und Bläsern. Mit vielen Gästen wie Eric Ambel, Eliza Gilkyson oder John Popper fügt sich das zu gewohnt hoher Blue-Rose-Qualität. Martin Wimmer

Martin Wimmer

John Martyn Band, The Smiling Stranger in Bremen – Live At Schauburg 1983 (MIG)

Drei Leute können schon eine Menge Krach machen, doch interessant ist der allemal, weil er aus Folk, Jazz, Rock und Blueselementen gemixt ist, wenn auch sicherlich die langen Improvisationsparts vor Ort interessanter rüberkamen als auf Tonträger. Interessant auch das Akustikset mit dem unsterblichen „May You Never“. Akustisch oder elektrisch, Martyns Gitarrenspiel war 1983 bewundernswert kreativ. Mike Kamp

Mike Kamp

Masaa, Beit (Traumton Records)

In Quartettbesetzung und weiterhin mit dem beim Vorgängeralbum Irade erstmalig zum Zuge gekommenen Doubleneckgitarristen Reentko Dirks intonieren Masaa eine Melange, die mit Ethnojazz nur unzulänglich beschrieben ist. Dabei singt der Libanese Rabih Lahoud nicht nur, er rappt auch und trägt Spoken Word vor. Zu Recht hat er für sein Können bereits den WDR-Jazzpreis erhalten. Berührend. Ines Körver

Ines Körver

Matthews Southern Comfort, The Woodstock Album – 15 Songs Of Peace, Love & Understanding (Must Have Music)

Der umtriebige Ian Matthews legt mit seiner 2022 reaktivierten niederländischen Southern-Comfort-Besetzung ein Coveralbum mit fünfzehn Songs vor, die auf dem legendären Woodstock Festival 1969 aufgeführt wurden, Songs mit ikonischem Charakter wie „I-Feel-Like-I’m-Fixin’-To-Die-Rag“, „Bad Moon Rising“, „Purple Haze“ oder „If I Were A Carpenter“. Alles im feinsten Southern-Comfort-Sound arrangiert und mit Matthews charakteristischer Stimme zelebriert. Genussvoll! Ulrich Joosten

Ulrich Joosten

Manfred Maurenbrecher, Menschen machen Fehler (Reptiphon)

Manfred Maurenbrecher singt immer im Hier und Heute und hat gleichzeitig auch seine Vergangenheit im Gepäck. So kann er sich (k)einen Reim auf die Arbeit mit Work-Life-Balance, Querdenker oder den Krieg in der Nachbarschaft machen und sich ebenso an die Wichtigkeit, die einstmals die Litfaßsäule hatte, erinnern. Gewiss, Menschen machen Fehler, MM aber hat auf seinem 23. Album alles richtig gemacht. Rainer Katlewski

Rainer Katlewski

Scott Mcmicken & The Ever-Expanding, Shabang (ANTI-)

Scott McMicken bastelt auf seinem Solodebüt an seinem eigenen musikalischen Universum. Ein leichter Hauch von Bob Dylan, ein wenig Psychedelia, ein Quäntchen Tom Waits, ein Fitzelchen Reggae, eine Prise Afro, und alles zusammen mit einem Dutzend Musikern in einer hölzernen Scheune in einer Art Jamsession aufgenommen, wo das alles dann so klingt wie die „Basement Tapes“: unpoliert, mit viel Lust an kleinen Ideen, locker, doch wohlüberlegt. Michael Freerix

Michael Freerix

Hanna Meyerholz, This Year (Irish Green Records)

Dass die junge Münsteranerin „schon immer“ Musik gemacht hat, ahnt man gleich, so sicher singt sie zu ihrem virtuosen und soliden Gitarrenspiel durch die zehn abwechslungsreichen Gitarrensongs im Stil des klassischen American Folk. Während sie sonst fast alles allein macht, ergänzt sie sich auf ihrem dritten Album mit Phil Wood. In Vinyl erhältlich, und zwar auf dem eigenen Label der Musikerin. Imke Staats

Imke Staats

Lynn Miles, This Year (Irish Green Records)

Lynn Miles ist eine der besten Songwriterinnen Kanadas (mehr als 900 Songs, 15 Alben, mehrere Juno und Canadian Folk Music Awards). Ihr sechzehntes Album enthält zehn Songs über die Liebe und das Leben, gespielt im Bluegrass-Stil mit Verweisen auf Country, Folk und Pop, glänzend arrangiert und mit einer unter die Haut kriechenden, emotional anrührenden Stimme gesungen. Wunderbar! Ulrich Joosten

Ulrich Joosten

Elsa Johanna Mohr ft. Flávio Nunes, Passadinha (Double Moon Records)

Man mag es kaum glauben, dass hier eine rheinländische Sängerin und Gitarristin derart authentisch brasilianische Klassiker und eigenes Material präsentiert. Elsa Johanna Mohr musiziert mit ihrem Gitarristen Flávio Nunes voller Intensität, beseelter Stimme und perfektem Rhythmusgefühl. Die Sängerin, die auch im Trio Luah spielt, schafft eine ergreifende Stimmung, der man sich nicht entziehen kann. Hans-Jürgen Lenhart

Hans-Jürgen Lenhart

Michael Moravek & Electric Traveling Show, Dream (Backseat)

Musik zum Verwechseln nah an den Waterboys produziert der deutsche Songwriter. Das ist als Kompliment zu verstehen, so einfallsreich und groovy arrangiert nicht jeder. Inspiriert von den großen Namen der Weltliteratur (Fallada, Pessoa), drehen sich die Texte – der Albumtitel verrät es – um Träume, die Dunkelheit und das Morgengrauen. Martin Wimmer

Martin Wimmer

Bernadette Morris, To The Well For Water (Eigenverlag)

Obwohl mit einem illustren Aufgebot an Begleitpersonal eingespielt, konnte das Album den Rezensenten nicht vollständig überzeugen. Schöne Klänge und groovige Rhythmen, gekonnte Gitarren, Drums und Backing Voices (u. a. Sean O’Graham, Ben McAuley) – ja, Songwriting und Arrangements sehr, sehr kommerziell gestrickt. Der Gesang ist möglicherweise auch nicht jedermanns Sache: Bandcamp und Probehören empfohlen. Und: Der Titeltrack ist ein schöner, emotionaler Song! Johannes Schiefner

Johannes Schiefner

Mr Žarko, L’Amour Fatal (Kick The Flame)

Der Serbe Žarko Jovašević ist in der Region Šumadija aufgewachsen, wo in Guča jährlich das berühmte Trompetenfest stattfindet. Ab den frühen Nullerjahren hat er in Berlin vor allem Theatermusik gemacht. Beides hört man dem neuen Album seines kosmopolitischen Kollektivs an. Neben jeder Menge Blechbläsern und Gesang ertönen unter anderem eine Marimba, Mundharmonika sowie Twang-Gitarren. Ines Körver

Ines Körver

Franco Mussida, The Planet Of Music And The Journey Of Iòtu (Moondays)

Der Mailänder war bis 2015 Gitarrist der legendären Rockband PFM. Mit seiner Lobpreisung der Kraft der Musik begibt er sich mit „der Reise von ich und du“ (iòtu auf Deutsch = „ich und du“) auf ruhigere Pfade. Entstanden ist ein Gitarrenalbum mit Liedern zwischen romantischer Italianità und einer Prise Esoterik. Der Klang der Gitarre auf der Dolby-Atmos-Blu-Ray-Disc ist herausragend. Martin Steiner

Martin Steiner

Shane Ó’Fearghail & The Host, Lessons In Light (Eigenverlag)

Mit einer Schar Begleitmusiker aus dem Folkrockgenre präsentiert der Singer/Songwriter und österreichische Exilire Shane Ó’Fearghail vierzehn Songs aus vorwiegend eigener Feder. Fiddle (Claudia Heidegger) und Drums (Daniel Butschek) leisten hervorragende Arbeit und sind stilprägend für den Bandsound. Ó’Fearghails Phrasierung und Stimmtimbre sind hörbar irisch und im höherfrequenten Bereich angesiedelt, sein Songwriting ist eher kommerzorientiert, dennoch kann dem Projekt ein gewisser Ohrwurmfaktor nicht abgesprochen werden.

Johannes Schiefner

Doug Paisley, Say What You Like (Outside Music)

Der amerikanische Sänger und Gitarrist bewegt sich zwischen trockenem Foot-Tapping-Folk à la J. J. Cale und frühem, oftmals fröhlichem Countryrock. Höhepunkt aber ist „Holy Roller“, eine melancholische Ballade mit sehnsüchtiger Pedal Steel Guitar. Schön, dass solche Musik nicht ausstirbt. Hans-Jürgen Lenhart

Hans-Jürgen Lenhart

Walter Parks & The Unlawful Assembly, Shoulder It (Continental Blue Heaven)

Hier finden auch Glaubensferne ihr musikalisches Heil: Sänger und Gitarrist Walter Parks taucht samt Band altbekannte Spirituals in bluesiges Licht. Das klingt mal atmosphärisch dicht und schwer wie in „Wade In The Water“ oder beschwingt mit Posaunensolo bei „Steal Away“. Selbst das als Duett mit Sängerin Ada Dyer angelegte „Amazing Grace“ erhält neue Facetten – samt bemerkenswertem Gitarrensolo. Volker Dick

Volker Dick

Klara Paxi, Gespenster (Künstlerhafen)

Von der jungen Leipziger Liedermacherin wird man noch viel hören. Das Debüt der Musikerin, die sich spielerisch auf Gitarre und Klavier bewegt, ist bereits auf einem hohen Niveau. Ihre Texte sind feinsinnige, manchmal surreale Gedichte voller Tiefe und Leichtigkeit über den Ernst und die Absurdität des alltäglichen Lebens. Mit ihrer klaren Stimme und den einfühlsamen Arrangements nimmt Paxi den Hörer mit auf eine Reise durch ihr eigenes fantastisches Universum. Erik Prochnow

Erik Prochnow

Pulsar Trio, We Smell In Stereo (Musszo Records)

Seit 2007 bereichert das Pulsar Trio mit seiner ungewohnten Klangästhetik den weltmusikalischen Kosmos. Stilprägend ist vor allem der Klang von Sitar und Surbahar, die, dem indischen Kulturraum entliehen, eine erstaunlich glückliche Verbindung mit Piano und Percussion eingehen. Ein außerordentlich frei agierendes Trio, schönste Melodien, aufregende Rhythmik und eine spannende Unvorhersehbarkeit machen dieses Album zu einem echten Abenteuer. Rolf Beydemüller

Rolf Beydemüller

Karin Rabhansl, Rodeo (Donnerwetter Musik)

Geballte Rockpower aus dem Bayerischen Wald von fünf Bandmitgliedern und zwei Gästen mit Texten auf Bairisch und Standarddeutsch, die von der Wettbewerbsgesellschaft als Rodeo bis zur Urlaubsreife, von der Abwehr aufdringlicher Männer bis zu Schuldgefühlen nach einem Unfall handeln. Und nach dem Werwolf im letzten Album kommt diesmal ein „Vampyr“ vor. Rockpoesie mit Tiefgang! Texte im Beiheft. Michael A. Schmiedel

Michael A. Schmiedel

Reverend Schulzz, Shanghaid (Cellarphone Records)

Diese Stimme vergisst man nicht: Sie klingt wild, verwegen und nach Lebenserfahrung. Der Songwriter aus Hanau hat für sein fünftes Soloalbum Songs geschrieben, die ins Ohr und Herz gehen. Sie klingen nach Amerika und endlosen Highways. Erstmals garniert er seine Lieder mit Bläsern, Piano, Kontrabass und Schlagzeug. Das Album ist voll von Geschichten, die das Leben schreibt und die man auf Reisen erlebt. Udo Hinz

Udo Hinz

Alex Roberts & Graeme Ross, Meridians & Superpowers (Mottow Soundz)

Der englische Singer/Songwriter aus dem County Dorset hat sich mit dem Kontrabassisten Graeme Ross zusammengetan und Songs (und zwei Instrumentals) für sein elftes Album eingespielt, die einen dezenten Americana-Einschlag haben, ohne amerikanisch zu klingen. Gitarre, Lap-Steel, Mandoline und Harmonika, besonders jedoch seine raue, intensive Stimme sorgen für einen erfreulichen Hörgenuss. Mike Kamp

Mike Kamp

Signe Marie Rustad, Particles Of Faith (Backseat)

In Norwegen ist sie schon eine bekannte Größe. Mit ihrem vierten Album will sie jetzt auch die deutsche Hörerschaft für sich gewinnen. Ihre sieben Songs über das Vertrauen in sich selbst und die Welt um einen herum haben jedenfalls das Zeug dazu. Durch Rustads Musik, die getragen wird von einer ausdruckstarken Stimme, weht ein frischer Wind, inspiriert vom alternativen Poprock der Achtziger und Neunziger etwa von R.E.M., Crowded House oder Fiona Apple. Erik Prochnow

Erik Prochnow

Justin Rutledge, Something Easy (Outside Music)

Meditativ wirkender Dreamfolk, jegliche Gefühlsausbrüche vermeidend. Die Arrangements werden im Lauf der Stücke komplexer. Einfache, aber wohltemperierte Musik, die nicht stört, mehr aber kaum. Ihr Grundmuster: schwebende Akkorde, gerader Rhythmus, dezente, zerbrechliche Stimme, Marke Betroffenheit. Erinnert an Achtzigerjahre-Bands wie Aztec Camera oder Lloyd Cole & The Commotions. Hans-Jürgen Lenhart

Hans-Jürgen Lenhart

Jürgen Saalmann, A Voyage (Stereoflux Records)

Jürgen Saalmanns akustischer Bericht von einer Reise arbeitet im Wesentlichen mit dem Klang einer klassischen Gitarre als Haupterzählerin. Die Musik hat cineastische Qualitäten, es gibt warme Soundwände, coole Grooves und Motive von hoher Eingängigkeit. Die durchgehende Melancholie verweist immer wieder eher auf eine innere Reise und im „Last Waltz“ kehrt Saalmann schließlich wieder zur Sologitarre zurück. Mehr braucht es nicht. Rolf Beydemüller

Rolf Beydemüller

Hervé Samb, Jolof (Euleuk Vision)

Der virtuose senegalesische Jazzgitarrist, Komponist, Arrangeur und Produzent Hervé Samb ist weltweit als herausragender Musiker etabliert. Das neue Album hat er mit seiner Teranga Band eingespielt und darauf den „Jazz Sabar“ weiterentwickelt. Der Rhythmus der Sabar-Trommel ist groovebestimmend und die Band magisch mit ihm verwoben. Eine rhythmisch komplexe und doch transparente Gitarrenproduktion. Christoph Schumacher

Christoph Schumacher

Julia Sarr, Njaboot (Barkhane)

Njaboot bedeutet „Heimat, Familie“. Julia Sarr, in Dakar geboren, lebt mittlerweile in Paris. Sie singt in ihrer Muttersprache Wolof. Die elf Songs ihres dritten Soloalbums handeln von der Situation der Frauen, der Kindheit sowie der Liebe. Klanglich bewegt sich Sarr mit ihrer international besetzten Band aus dem Pariser Umfeld zwischen Jazz und Afrosoul. Ein ruhiges, fast nachdenkliches Jazzalbum. Christoph Schumacher

Christoph Schumacher

Schnaps im Silbersee, Krisenherz (Prosodia)

Eine originelle, temporeiche Gruppe von Musikschaffenden, die sich in das Projekt mit eigenen Songs einbringen, nennt sich Schnaps im Silbersee und macht berauschende Musik mit überraschenden, witzigen Texten. Judith Retzlik, Peter Wolter und Melvin Haack bilden den Kern der Band, von ihnen sind die meisten Lieder, die das Chaos des Liebeslebens ebenso besingen wie die vermüllten Ozeane. Rainer Katlewski

Rainer Katlewski

Andy Shauf, Norm (ANTI-)

Shauf ist Kind einer Familie von Instrumentenhändlern. Früh hat er verschiedene Instrumente gelernt und sein neues Album im Alleingang eingespielt. Die akustische Gitarre dominiert seinen Sound, doch sind sehr viele Klangspielereien und Ideen auf diesem Album zu hören. Häufig klingt Norm wie Popmusik aus den frühen Siebzigern. Shauf ist Alleinunterhalter, der irgendwo an einem großen Meer zu wohnen scheint, und seine Songs beim Untergang der warmen Abendsonne schreibt. Michael Freerix

Michael Freerix

Karl Seglem, Ei Aning Grønt (Nye Nor)

Der norwegische Saxofonist widmet seine neuen Kompositionen der geschundenen Natur, daher der Titel „Ein Hauch Grün“. Es ist ein reines Instrumentalalbum, alles gespielt auf dem Tenorsaxofon, immer mit norwegischen Folkelementen. Schon die Titel sagen es, z. B. „Hardingfelefabel“. Besonders interessant fürs deutsche Ohr: Track sieben, „Rit again“, das genau klingt wie Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“. Gabriele Haefs

Gabriele Haefs

Tanja Silcher, Zusammenhalten (Eigenverlag)

Ein bunter Vogel mit Abenteuern und ohne Routine möchte Tanja Silcher sein, eine Kontrabassistin aus Trier, die auch als Liedermacherin unterwegs ist. Auf ihrem zweiten Album, das sie auf ihrem eigenen Label veröffentlicht hat, singt sie für Zusammenhalt, Zuversicht und gegen die Angst, Neues zu probieren. Zwölf Lieder, die Mut machen sollen, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen. Rainer Katlewski

Rainer Katlewski

Snaarmaarwaar, Lys (Trad Records)

Das bekannte Gitarren/Mandolinen-Trio Snaarmaarwaar hat nach neunjähriger Pause sein viertes Album aufgenommen, wieder in der Besetzung Maarten Decombel, Jeroen Geerinck und Ward Dhoore. Decombel hat schon immer die meisten Stücke bei Snaarmaarwar geschrieben, diesmal stammen alle Kompositionen von ihm. Einige Tracks sind Meisterwerke mit tollen Melodien und zarter Power, andere wirken eher belanglos. Christian Rath

Christian Rath

Mike Spine, Guided By Love (Global Seepej Records)

Mike Spine ist nun auch schon mehr als zwanzig Jahre in Sachen Musik unterwegs. Zuerst in Bands, die eher Punk machten, doch nun als kraftvoller Singer/Songschreiber mit einem Hang zu ausladenden Arrangements. Geige muss dabei sein, gelegentlich eine Bouzouki, aber auch die elektrische Gitarre, der immer wieder viel Raum gegeben wird. Seine helle Stimme hat so manchmal Schwierigkeiten, noch aus den Arrangements hervorzustechen. Michael Freerix

Michael Freerix

Perry Stenbäck & Dekadans, Kärlek Och Felsteg (Go’ Danish Folk Music)

Dieser Sänger hat das Gespür für gute Songs und bringt sie mit Gefühlen zum Schweben. Stenbäck ist in Schweden geboren, lebt in Dänemark und ist dort als Sessionmusiker eingebunden. Die Vielfalt seiner Projekte spürt man: Singer/Songwriter, Folk, Pop, Country. An seiner Seite ist eine wunderbare Band. Zudem würdigt er Songs seiner schwedischen Vorbilder Cornelis Vreeswijk und Jimmy Ginsby. Udo Hinz

Udo Hinz

Joscho Stephan feat. Costel Nitescu, Four Of A Kind (MGL Musik Produktion)

Der Gitarrist aus Mönchengladbach ist seit vielen Jahren der Inbegriff für zeitgenössischen Gypsyjazz der Extraklasse. An Rasanz, geschmeidiger, eleganter Virtuosität und tonlicher Delikatesse nimmt es so schnell niemand mit ihm auf. Solist an seiner Seite ist der rumänische Jazzgeiger Costel Nitescu. Das Repertoire besteht aus Stephan-Originals und bekannten Standards. Rolf Beydemüller

Rolf Beydemüller

Subway To Sally, Himmelfahrt (Napalm Records)

Die Potsdamer Metal-Folkrocker haben die Pandemiezwangspause für kreative Ideen genutzt. Nun erschien ihr vierzehntes Studioalbum, das gleich auf Platz fünf der deutschen Albumcharts einstieg. Textlich ist man deutlich zuversichtlicher als auf früheren Werken, es geht um Reise und Aufbruch. „Hoffnung ist der Treibstoff für die Zukunft“, sagt die Band. 1992 gegründet, prägen nach wie vor harte Gitarren und die Geige den Sound. Abwechslungsreiche Musik: Ruhiges wie „Gaudens in domino“ oder „Auf dem Hügel“ neben Krachern wie „Leinen los“ oder „Halt“. Piet Pollack

Piet Pollack

Sunbörn, Sunbörn (Tramp Records)

The KutiMangoes sind jetzt Sunbörn und veröffentlichen ihr Debüt unter dem neuen Namen wie ihre ersten beiden Alben auf dem Tramp-Label. Konsequent weiterentwickelt haben die sechs dänischen Jazzmusiker ihren modernen Big-Band-affinen Klang um sparsam hinzugefügte elektronische Elemente. Treu geblieben sind sie ihrem Afrobeat, der nun als Basis der Titel wie selbstverständlich mitschwingt. Christoph Schumacher

Christoph Schumacher

The Bluest Sky, The Bluest Sky (Eigenverlag)

Alles, was nicht eindeutig Country oder Singer/Songwriter, aber etwas rockig ist, wird inzwischen unter Americana geführt. Dazu genügt wohl ein bisschen Pedal- oder Twang-Gitarre und ganz wenig Melodie. Traditionelle Instrumente wie Fiddle oder Dobro sind für diese Einordnung hier nicht nötig. „Es ist Musik, um schneller Auto zu fahren“, meint Bluest-Sky-Boss Chuck Melvin. Dann doch lieber Speedmetal. Hans-Jürgen Lenhart

Hans-Jürgen Lenhart

The Trouble Notes, Liberty Awaits (Foxy Records)

Laut Eigenbeschreibung eine Musik zwischen traditionellem Folk, düsterem Punkrock und Stammestanzmusik. Ja, schwer zuzuordnen, aber spannend zu hören! Geige, Gitarre, Percussion, Klavier, Bass, etwas weiblicher Gesang, aber hauptsächlich instrumental – könnte Filmmusik sein, manches auch Romamusik oder osteuropäische, wie der wunderschöne Walzer „Tihany Tanc“. Michael A. Schmiedel

Michael A. Schmiedel

Tìr Na Nòg, Love Lost – Live in Bremen 1973 (MIG Music)

Das kultige Duo mit Sonny Condell und Leo O’Kelly, aufgenommen von Radio Bremen 1973. Warmer, von Liveatmosphäre aufgeladener Sound, zwei extravagante Sänger/Gitarristen mit einem folkig-psychedelischen Repertoire – musikalisch werden Erinnerungen sowohl an Robbie Williamsons Incredible String Band als auch an Pink Floyd (!) wach. Man hört schon hier Condells legendären Groove, der später ein Markenzeichen von Scullion wurde. Eine außergewöhnliche Aufnahme, die mehr Emotionen spürbar macht als die Studioalben der Band! Johannes Schiefner

Johannes Schiefner

Tiwayo, Desert Dream (Yotanka Records)

Was für eine Stimme. Mit ihrem souligen, nordafrikanisch vibrierenden Klang hat sie absolutes Gänsehautpotenzial. Der Pariser Sänger und Gitarrist hat bereits mit seinem Debüt 2019 international für Aufsehen gesorgt. Mit seinem Nachfolger knüpft der Musiker, der schon mit Norah Jones, Markus Miller, Sting oder Seal getourt ist, nahtlos daran an. Seine zehn Kompositionen erzählen emotional von vergangenem Schmerz und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Erik Prochnow

Erik Prochnow

Crosby Tyler, Don’t Call The Law On Me! (Bohemia Music)

Seit dreißig Jahren im Geschäft, hat sich der US-Amerikaner mit Band und Backgroundchor verstärkt, um ein Album aufzunehmen, das vom starken Countryflair lebt – und von Songs wie „The Family I Never Had“ oder „Peace, Love, And Beer“, beide mit deutlichem Wiedererkennungswert. Crosby Tyler erzählt Geschichten über Verpasstes, Verlorenes und Erträumtes. Und ewig klagt dazu die Pedal Steel. Volker Dick

Volker Dick

Ullmann & Rehmann, Both Sides (Eigenverlag)

Zwei akustische Gitarren, Musik auf die Essenz reduziert und mit Soul in der Stimme. Dieses Duo aus Südbaden covert Diamanten der Popgeschichte und bringt sie unverstärkt zum Leuchten – Songs von Sam Cooke, Lenny Kravitz, Radiohead oder den Beatles. Alle Songs sind fetzig gespielt und mit viel Seele gesungen. Man fragt sich: Sind die rockigen Originale besser oder diese akustische Coverversionen? Udo Hinz

Udo Hinz

Väsen, Melliken (Eigenverlag)

Die beiden Väsen-Herren schauen auf dem Cover streng in die Kamera, als ob sie uns etwas Schicksalhaftes erzählen wollten. Was immer es war, wir vergessen es über die Musik. Mit Nyckelharpa und Geige bringen sie uns die Musik älterer Spielmänner nahe, zu denen auch der titelgebende Melliken gehört. Der hieß eigentlich Per Persson Menlös (1833-1916) und stammte aus Hedesunda in der Nähe von Gävle. Gabriele Haefs

Gabriele Haefs

Julian von Flüe Trio, Dur d’Altstadt (Kulturwerk.ch)

Der Akkordeonist Julian von Flüe macht sich mit dem Gitarristen Marc Scheidegger und dem Bassisten und Geiger Matthias Abächerli auf den Weg in die weite Welt hinaus. Ausgehend von der Altstadt des Zentralschweizer Städtchens Zug, führt die Reise über Irland, Argentinien, Nashville ins italienische Akkordeonmekka Castelfidardo und zurück in die Arme von „Rosmarie“. Gekonnt, leicht und beschwingt. Martin Steiner

Martin Steiner

Veronika + Bertram Wassermann, Das Tanzbuch der Freifrau von Frech (Eigenverlag)

Das Ehepaar Wassermann präsentiert unter der musikalischen Mitwirkung von Herb Berger (cl), Katharina Gantar (acc), Dieter Libuda (b), Adi Schober (perc) und Nicola Yamazaki (vc) nicht nur neun Eigenompositionen, sondern gleich dazu die selbst entwickelten Choreografien. Das Album besteht aus einer CD wie auch einer DVD mit Tanzdemonstrationen, während dem Begleitheft die Tanznotationen beigelegt sind. Matti Goldschmidt

Matti Goldschmidt

Waldzitherpunk, Waldzitherpunk (Loewenzahn/HeiDeck)

Frischer Wind aus der Leipziger Szene: DDR-Bürgerschreck und Folk-Urgestein Jens-Paul Wollenberg musiziert gemeinsam mit jungen Leuten – Peggy Luck, Helene Déus und Toni Linke. Neben bekannten Folkhits vergangener Zeiten, eigenen Liedern und weniger bekannten Traditionals gibt es auch Brecht/Eislers „Ballade vom Wasserrad“ und zwei bemerkenswerte Songs von Pottier/Weinert, unter anderem das beklemmende „Tod eines Planeten“. Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Wifa, Louken (Karam Prod)

Wifa ist in Tunesien vornehmlich mit westlicher Musik aufgewachsen und lebt mittlerweile in Frankreich. Sie studierte unter anderem Gitarre und beschäftigte sich intensiv mit brasilianischer Musik. Seit 2014 interessiert sie sich vermehrt für die Musik ihrer Heimat. Jetzt singt sie auf Arabisch und ab und an auf Französisch. Die poppige Musik vermischt Orientalisches mit gediegener Elektronik. Ines Körver

Ines Körver

Jess Williamson, Time Ain’t Accidental (Mexican Summer)

„Endlose Prärie, die Wellen des Ozeans, lange Fahrten auf dem Highway. Tanzen, Rauchen, Sex, körperliches Begehren.“ Wer könnte da Nein sagen zu diesem gloriosen Album der jungen Texanerin, das mit seinem perfekt ausbalancierten Indiefolk für Opa und Enkelin gleichermaßen attraktiv ist. Martin Wimmer

Martin Wimmer

Wippsteert, Flügge (Fuego)

„Wippsteert“ heißt auf Plattdeutsch die Bachstelze, weil sie mit dem Sterz wippt. Die sechsköpfige Band aus dem Osnabrücker Land versteht sich als Kneipenband, und da in deutschen Kneipen oft Schlager gespielt werden, passen sie da gut rein, nur dass sie eben auf Platt singen über die Sehnsucht nach Mallorca oder nach dem Zirkus, aber auch über das Sterben und die verlorene Liebe. Texte im Beiheft. Michael A. Schmiedel

Michael A. Schmiedel

Afton Wolfe, Twenty-Three (Grandiflora Records)

Soulvoller Sänger aus Mississippi, dessen Röhre unweigerlich Vergleiche mit Tom Waits evoziert. Knackige Fünf-Song-EP mit pathetischen Erzählungen vom Mord an Prostituierten und was sonst so in dunklen Nächten passiert. Martin Wimmer

Martin Wimmer

Wollenberg, Müller, Hanke, Versunken (Loewenzahn/RUM Records)

Ein musikalisch eher ungewöhnliches Album des vielseitigen Leipziger Künstlers mit der markanten sanftmütig-krächzenden Stimme, meist zwischen Blues, Boogie und Jazz mit Josef Müller am Piano und Thomas Hanke an den Harmonikas. Chansons voller skurriler Fantasie, melancholisch über zerbrochene Romanzen und Hoffnungsengel, größtenteils vertonte Lyrik aus Jens-Paul Wollenbergs aktuellem Buch Sing Seufzer Sing, siehe auch folker #1.21. Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Drew Young, Bourbon & Bad Decisions (Better Than Pretend Productions)

Drew Young, alter Hase im Musikbusiness von New Orleans, vermarktet sich neuerdings passend zu seinem sanften Gesang als „Americana-Crooner“. Die Sammlung von Singles aus den letzten Jahren macht einen durchaus weich ums Herz. Wenn er zu einer sentimentalen „Couple Of Rounds“ einlädt, ist man gern dabei. Martin Wimmer

Martin Wimmer

Ulrich Zehfuss, Liebe (Sturm & Klang)

Inspiriert vom persönlich Erlebten, spielt Ulrich Zehfuss aus Speyer verschiedene Facetten der Liebe durch. Liebe zur Partnerin, zu den Kindern, Einsamkeit, Abschied, Sehnsucht und Erinnerungen, all das verarbeitet er in seinen ruhigen Liedern. Es sind die Zwischentöne bei ihm, keine simple Romantik, die den Reiz der Lieder ausmachen. Musikalisch wird er unterstützt durch zahlreiche Begleitmusiker. Rainer Katlewski

Rainer Katlewski

Zugluft, Etual (Narrenschiff)

Experimentelle Musik, Jazz, neue ernste Musik, Volksmusik aus Ost und West. All das und mehr beinhaltet das neue Album des Schweizer Duos der Violinistin Andrea Kirchhofer und des Bassklarinettisten Bruno Strüby. Die vielen musikalischen Ausdrucksweisen gehen oft überraschend ineinander über. Ein feinfühliges Album, das bei jedem Anhören neue Facetten offenbart. Martin Steiner

Martin Steiner

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Werbung

L