Yilian Cañizares macht alles etwas anders, und gerade deshalb zählt sie inzwischen zu den Topacts kubanisch verwurzelter Musik. Sie ist zwar in Havanna geboren, lebt aber in der Schweiz. Frauen machen in der kubanischen Musik meist als Sängerinnen von sich reden, sie dagegen tritt zuvorderst als Violinistin in Erscheinung. Dennoch kommt auch ihr Gesang auf ihren Alben nicht zu kurz. Kubanische Rhythmen dominieren ihre Musik nicht, sondern stehen gleichberechtigt neben wilden jazzigen Improvisationen, arabischen Klängen, Flamencoeinflüssen, souligen Vocals, schwülstigen Popsounds, klassischen Zitaten und ständig wechselnden Klangfarben. Wie gesagt, sie macht alles etwas anders, als ob sie musikalische Kategorien nicht im Geringsten interessierten. Cañizares ist ihre eigene Kategorie, und selbst das Cover erinnert eher an ein Aerobic-Album. Das sind genügend Grundlagen, um insbesondere als Musikerin in der Menge der vielen kubanischen Virtuosen und Virtuosinnen als innovativ aufzufallen. Und mit ihren eklektischen Arrangements wirkt Cañizares vergleichsweise stilistisch freier und komplexer. Was ihr vielleicht noch fehlt, ist die packende Melodie für einen Klassiker.
Hans-Jürgen Lenhart









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