Corona, Ausbeutung per Streaming, sinkende Erlöse aus Konzerten und jetzt noch Verdrängung durch künstliche Intelligenz – selten wurde die Lebensgrundlage für Musikschaffende derart gefährdet wie in den letzten Jahren. Kreativität und Wissen wird vampirartig von Techkonzernen kommerziell ausgebeutet, gleichzeitig aber in seiner Entwicklung gehemmt. KI wirkt dazu als Brandbeschleuniger, und wer sich dagegen empört, wird als fortschrittsverweigernd beschimpft. Kulturelle Schöpfungen wie Songs und auch wissenschaftliche Erkenntnisse werden online verscherbelt oder als Trainingsmaterial kostenlos missbraucht. Auf Deezer werden täglich 20.000 KI-generierte Tracks hochgeladen. Schaffen wir uns also selbst ab? Den Kulturschaffenden bleibt nur, verständnislos zuzuschauen, auch wie Europas Politik diesen kulturellen Diebstahl in teils naiver Weise zulässt. Da muss man erst mal tief Luft holen als kritischer Musikant. Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, dass man mit Busking in der U-Bahn vielleicht mehr verdient als mit undurchsichtig verrechneten Erträgen eines höchst erfolgreichen Albums auf einem Streamingdienst, ist von der Umwälzung durch Technologie und Ökonomie überholt worden. Starker Tobak, der aber alle Kulturschaffenden interessieren muss. Ideelle Wertschöpfung ist kein Luxus. Geben wir sie nicht aus der Hand. Matthias Hornschuh macht in seinem Buch die Zusammenhänge klar und versteht es als Weckruf, bevor es zu spät ist. Er ist (Film-)Musiker, engagiert im Urheberrecht und Hochschuldozent. Dem Buch merkt man sprachlich etwas seine Einbindung in den akademischen Diskurs an, was aber nicht hindern soll, es zum Beispiel für Berufsmusikschaffende zur Pflichtlektüre zu machen. Hornschuh verdeutlicht zudem, dass es ihm um die Rettung der Demokratie geht und nicht um „German Angst“-Gejammere.
Hans-Jürgen Lenhart
Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Künstliche Intelligenz und Musik“ folgt in Ausgabe #1.26 des folker.
Matthias Hornschuh:
Wir geben uns auf : KI, Kultur u. d. Entwertung d. Wissensarbeit. – Heidelberg : Auer, 2025. – 96 S. – (update Gesellschaft)
ISBN 978-3-8497-0613-5 – 14,50 EUR
Bezug: www.carl-auer.de





0 Kommentare