Die Nachricht vom Tod unseres Bruders Mandjao ist noch zu frisch, um sie zu begreifen, und doch muss ich Worte finden, um ihn zu würdigen. Mandjao Fati war mehr als nur ein Musiker. Er war ein älterer Bruder, jener freundliche Onkel, der immer hinter einem stand. Er war der Einzige, an den wir uns wenden konnten, als wir vor dreißig Jahren unseren allerersten Song als BANTU aufnahmen: „No More No Vernacular“. Er hörte aufmerksam zu, während wir ihm Zeilen vorsummten und Anweisungen gaben, die verwirrend gewesen sein müssen. Dann griff er mit seinem entwaffnenden Lächeln in die Saiten, und daraus entstanden jene magischen Riffs, auf denen der gesamte Song aufbaut. Gemeinsam tourten wir durch die Welt und schafften es sogar bis nach Afrika. Er wurde unsere Geheimwaffe, wann immer wir Tausende Kilometer vom Kontinent entfernt einen authentischen afrikanischen Klang brauchten.
Mandjao drängte sich nie in den Vordergrund. Er war der perfekte Begleitmusiker, den man aufgrund seiner zierlichen Statur vielleicht übersehen hätte, den man aber bis ins Mark spürte, sobald einen sein Spiel erfasste. Er war ein Zauberer an der Gitarre, ein Meister vieler westafrikanischer Musikstile. Er bemühte sich nie aktiv um Auftritte; Klinkenputzen und Selbstvermarktung lagen ihm nicht. Doch leicht hatte er es nicht, denn er führte das Leben eines Künstlers, der um seinen Lebensunterhalt kämpfen musste und sich ganz seiner Kunst verschrieben hatte. Trotz der täglichen Entbehrungen lag in seiner Haltung stets etwas Würdevolles. Nie hat er sich über das Leben beklagt, das er gewählt hatte. Nie ist er jemandem zur Last gefallen. Wenn ich aus Nigeria nach Deutschland zurückkehrte, kam er immer zu unseren Konzerten und umarmte mich wie ein stolzer Vater.
„Ich bin froh, dass du es wieder nach Hause geschafft hast“, sagte er einmal zu mir. Er selbst schaffte es nie zurück in sein geliebtes Guinea-Bissau, das er als junger Mann verlassen hatte, um in Europa seinen Träumen zu folgen. Er und andere seiner Generation ebneten uns den Weg, damit wir gesehen und gehört werden konnten. Sie feuerten uns an, als wir ungeduldig forderten, als schwarze Deutsche mit Respekt behandelt zu werden. Sie nahmen uns an die Hand und standen uns zur Seite, als wir versuchten, mit unserem Sound an die Heimat unserer Väter anzuknüpfen. Dafür bin ich ihnen auf ewig dankbar.
Begleitmusiker werden allzu oft aus den zentralen Erzählungen über die überragenden Gestalten der Musik ausgeklammert, aber ich weiß, dass Mandjaos Vermächtnis in den unzähligen Aufnahmen weiterleben wird, zu denen er beigetragen hat. Ich hoffe, eines Tages Bissau besuchen zu können und ihn in seiner Heimat zu feiern.
Adé Bantu
Foto: Jan Krauthäuser

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