Paddy Keenan, einer der ganz großen Uilleann Piper, ist mit 76 Jahren gestorben. Die Welt ist ärmer geworden ohne seine Musik und seine Persönlichkeit. Paddy wuchs in einer wenig privilegierten, aber hoch musikalischen Travellerfamilie auf. Vater John Keenan, selbst auch Uilleann Piper, unterrichtete seine Söhne mit strenger Hand im Sinne dieser Tradition.
Bei Paddy traf dies auf eine ganz besondere Begabung, wie er bereits mit vierzehn Jahren in Dublin öffentlich bewies. Nach einer prägenden Zeit in London gründete er, zurück in Dublin, 1975 mit Paddy Glackin, Dónal Lunny, Matt Molloy, Tríona Ní Dhomhnaill und Mícheál Ó Domhnaill die Bothy Band. Damit war ein Jahrhundertprojekt geboren, welches den Sound irischer Musik durch seine Melange aus instrumentaler Virtuosität, Innovation und aus der Popmusik entlehnten rhythmischen und harmonischen Elementen verändern und für immer beeinflussen sollte – trotz der kurzen Zeit seines Bestehens. Paddy nahm daraus dauerhaft währenden persönlichen Ruhm mit, der ihn über die Jahre durch verschiedenste Lebenssituationen, Projekte und Auftritte begleitete.
Eine große Ehrung seines Gesamtwerks erfuhr er 2002, als er von TG4 zum Musiker des Jahres gekürt wurde, 2011 erhielt er den Preis für sein Lebenswerk der Irish Music Association. 2001 entstand sein bemerkenswertes Werk The Long Grazing Acre. Der Titel steht für den Grünstreifen am Rande der Landstraße, auf dem es den Travellern erlaubt war, ihre Tiere grasen zu lassen, da sie ansonsten über kein eigenes Land verfügten. Neben seiner Verbundenheit mit der besonderen Kultur seiner Vorfahren kommen auf dieser Aufnahme sein einzigartiger Sound und all die Klangnuancen einzelner Töne seiner Pipes in wunderbarer Weise zur Geltung.
Fortan wird uns allerdings versagt bleiben, bei einem Liveauftritt die Dynamik und Vehemenz zu spüren, die seinem Spiel zu eigen waren. Paddy Keenan war als Musiker eine Naturgewalt, als Mensch aber von sehr sanftem und bescheidenem Charakter. Sowie ganz unspektakulär und quasi nebenbei ein teuflisch guter Reedbauer (Rohrblätter für Dudelsäcke). Ich selbst hatte 1982 das Glück, in Miltown Malbay von Paddy zu einer „betreuten“ Session mit jungen Pipes-Aspiranten eingeladen zu werden, wo ich seine elementare Kraft aus nächster Nähe erleben durfte. Unzufrieden mit den Klangeigenschaften seines Chanter-Reeds, schnitzte er sich während dieser Session in Windeseile ein neues und spielte wenig später wieder mit uns. Die Uilleann Pipes waren einfach sein Leben.
Goodbye, Paddy, deine wunderbare Musik wird für immer in unseren Herzen bleiben!
Johannes Schiefner
Co-Autorin: Barbara Coerdt
Foto: Julie Ann Rouquette

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