Jens Kommnick

Schönheit des Gitarrenklanges

1. Juni 2022

Lesezeit: 4 Minute(n)

Jens Kommnick ist ein Poet auf der akustischen Gitarre. Er lässt Melodien und Klängen ihren Raum. Sein Sologitarrenspiel ist geprägt von keltischer Musik, aber auch durch die Offenheit für Klassik und Jazz. Sein Spiel begeisterte auch Sänger wie Reinhard Mey, Helmut Debus oder Allan Taylor, die ihn als Gastmusiker engagierten. Jetzt hat er unter dem Titel Stringed ein neues Soloalbum mit Gitarrenmusik vorgelegt. Grund genug, bei dem Gitarristen für ein Interview anzurufen.
Text: Udo Hinz, Foto: Manfred Pollert

Was brauchtest du für das neue Album? Neue Stücke oder auch einen neuen Ansatz?

Ich denke, dass es das neue Material war, das sich über die Jahre angesammelt hat. Das wollte ich einfach gerne mit meinen Mitmenschen teilen. Mein musikalischer Ansatz hat sich dabei im Prinzip nicht verändert. Ich versuche nach wie vor auf der Gitarre und auch im begleitenden Booklet Geschichten zu erzählen.

 

Erinnerst du dich noch, wann du das erste Mal eine Gitarre in der Hand gehalten hast?

 Da war ich elf Jahre alt. Meine Mutter kam mit einer Liveaufnahme von Reinhard Mey nach Hause, und ich habe mich sofort in seine Musik und den Klang der akustischen Gitarre verliebt. Daraufhin fing ich an, mir mit Begeisterung auf der nicht mehr benötigten Wandergitarre meiner Schwester mit Reinhard-Mey-Liedern das Gitarrespielen selbst beizubringen.

 

Was fasziniert dich bis heute an Gitarren?

 Es sind die vielen Facetten, die man auf dem Instrument zum Klingen bringen kann. Weich und poetisch, aber auch perkussiv und lebhaft. Es ist ein großes Glücksgefühl, wenn deine Gitarrensaiten auch die Seele der Menschen in Schwingung versetzen können.

 

Als Fingerstylegitarrist bist du geprägt von Vorbildern wie Werner Lämmerhirt, Leo Kottke oder Klaus Weiland. Wo steht die Musik der Akustikgitarre heute – was hat sich geändert?

 Ich glaube, dass die akustische Gitarrenmusik mittlerweile musikalisch breiter aufgestellt ist als noch in den Siebziger- oder Achtzigerjahren, in denen die von dir genannten wunderbaren Musiker ihre Blütezeit hatten. Mein Freund und Kollege Ian Melrose ist dafür ein gutes Beispiel, der unzählig viele Stile und Ausdrucksformen bewundernswert beherrscht. Ich selbst bin nicht nur vom Folk, sondern auch von Jazz, Rock, Barock- und Renaissancemusik geprägt.

 

Ein Stück des Renaissancekomponisten John Dowland findet sich ja auch auf dem neuen Album.

 Genau. Ich spiele es zwar nicht hundertprozentig werkgetreu, aber hoffe, mit meinem folkigen Arrangement auf der in DADGAD gestimmten Stahlsaitengitarre die Atmosphäre der Zeit nachempfunden zu haben.

 

»Ich bin und bleibe ein Folkie«

 

Dein Album ist im Studio von Stockfisch in Northeim entstanden, wo auch viele deiner Idole aufgenommen haben.

Ja, das war für mich eine ganz besondere Freude und auch ein Privileg. Was für ein Gefühl ist es, im gleichen Raum, im gleichen fantastischen Studio sitzen zu dürfen, in dem die Musik entstand, die mein Musikleben bis heute geprägt hat!

 

Ein Titel der neuen Veröffentlichung bezieht sich auf deine Arbeit als Förderschullehrer. Gibt dieser Beruf dir musikalisch und emotional Inspiration?

 Ja, das tut er. Die Kinder und Jugendlichen beeindrucken mich durch ihre ungekünstelte Authentizität. Diese Ehrlichkeit inspiriert mich emotional sehr, und ich versuche, mich in das Herz meiner Schülerinnen und Schüler einzufühlen, so gut ich kann. Die dafür notwendige Empfindsamkeit wirkt sich ja vielleicht auch auf meine Musik aus.

 

Du begleitest Sänger wie Reinhard Mey, Helmut Debus oder Peter Kerlin. Was gibt dir das für deine Musik?

 Ich liebe es einfach, mich in die Geschichten meiner wunderbaren liederschreibenden Freunde hineinzuversetzen und versuche, sie im Rahmen meiner Möglichkeiten mit meinem Spiel so zu untermalen, dass es der Musik – und den Solisten – guttut.

 

Auf dem neuen Album spielst du auch Cello, Piano und E-Bass. Geht es um andere Klangfarben oder kommst du auf anderen Instrumenten auf andere Ideen?

 Ich meine, dass die Dinge da zusammenspielen. Zunächst einmal faszinieren mich in der Tat die unterschiedlichen Klangfarben, weshalb ich entsprechende Begleitungen ausarbeite. Hierbei passiert es gelegentlich, dass mir bei dieser Beschäftigung musikalische Ideen kommen, die ich anschließend auf der Gitarre umsetze. Das ist dann immer eine sehr schöne Erfahrung.

 

Stets hört man den Einfluss keltischer Music bei dir heraus. Gibt dir dieser Folkbezug auch ein Zuhause?

 Absolut. Bei aller Liebe für viele Musikstile bin und bleibe ich ein Folkie, der sowohl durch deutsche Folkmusik wie von Liederjan, Fiedel Michel, Lilienthal oder Moin als eben auch durch irische Gruppen wie Planxty, die Bothy Band oder die Chieftains geprägt ist.

 

Dein Spiel auf der Gitarre ist geprägt vom warmen Klang deiner Lowden-Gitarre. Welchen Gitarrensound magst du?

Stimmt, meine O50C AB/RW ist unter Federführung von George Lowden 2016 extra für mich gebaut worden. Sie kreiert genau den Klang, den ich mag. Zarge und Boden sind aus hartem African Blackwood, was für eine sehr tragende Präsenz sorgt, während die Decke aus Redwood dem Ganzen gleichzeitig viel Wärme und Weichheit verleiht.

 

Du wohnst in dem kleinen Dorf Wremen an der Nordseeküste bei Bremerhaven. Bietet es für dich Vorteile, eher an der Peripherie zu leben?

 Ich denke schon. Man triff im Alltag auf viele bekannte Gesichter, die dir – im Gegensatz zur Anonymität der Großstadt – ein Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln. Auch die Natur, das Wasser oder unser Kutterhafen erden mich und tun mir gut – und vielleicht dadurch auch meiner Musik.

jenskommnick.de

 

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Aktuelles Album:

Stringed (Stockfisch, 2022)

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