Der Verein KlezWeCan aus Erfurt wurde 2016 gegründet und entstand aus der tiefen Verwurzelung des musikalischen Leiters Johannes Paul Gräßer in der Szene. Schon seit 2015 gibt es das Klezmerorchester Erfurt.
Text: Wolfgang Weitzdörfer
Es ist eine verbindende Leidenschaft für einen Musikstil, die über allem steht. Und wie der Name unschwer erkennen lässt, geht es bei KlezWeCan um die aus jüdischen Traditionen hervorgegangene Klezmermusik. Untrennbar verbunden mit dem Verein ist das Klezmerorchester Erfurt, das seit 2015 jedes Jahr viele Musikerinnen und Musiker aus ganz Deutschland und sogar von darüber hinaus in Erfurt zusammenbringt, um miteinander Musik zu machen und damit nicht zuletzt auch ein Stück weit jiddische und jüdische Musik und Leben in Deutschland zu leben und zu pflegen.
In diesem Jahr nun begehen Verein und Orchester ihr Zehnjähriges – so groß und umfangreich wie nie zuvor, wie Johannes Paul Gräßer, Initiator und gemeinsam mit Szilvia Csaranko auch Leiter des Orchesters, mitteilt. „Zum Konzert anlässlich des zehnjährigen Bestehens kommen rund hundert Mitwirkende aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich, Belgien und Frankreich zusammen, um das neue und exklusive Programm zu erarbeiten“, sagt er.
„Es lohnt sich sehr, sich mit der jiddischen Musik und Kultur auseinanderzusetzen.“
Ein solch riesenhaftes Orchester mit Mitgliedern aus verschiedenen Ländern zusammen an einen Ort zu bringen, ist nicht ganz einfach. „Es gibt ein großes Probenwochenende in Erfurt, zu dem tatsächlich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammenkommen. Danach werden sie mit speziellem Notenmaterial wieder nach Hause entlassen, um ihre Parts einzustudieren“, so Gräßer. Unter diesen Voraussetzungen ist es verständlich, dass es nur einen gemeinsamen Auftritt geben kann – stattfinden wird das große Jubiläumskonzert am Samstag, dem 16. Mai 2026, im Theater Erfurt.
Eine Besonderheit des Orchesters ist es, dass immer schon sowohl Laienmusiker als auch gestandene Profis miteinander musizieren. „In diesem Jahr haben wir etwa Alina Bauer an der Geige, Michael Tuttle am Bass und Sanne Möricke am Akkordeon mit im Team“, berichtet Gräßer, der das Ensemble mit seiner Co-Leiterin und Pianistin Szilvia Csaranko gegründet hat und selbst Geige spielt.
Weitere beteiligte Profis neben den Genannten sind Susi Evans an der Klarinette, Querflötistin Sabine Döll, Claas Sandbothe an der Percussion, Jan Hermerschidt am Saxofon, Trompeter Pieter Sint Nicolaas sowie am Gesang Sasha Lurje und Beniy Fox-Rosen. Darüber hinaus besteht das Orchester aus maximal neunzig Laienmusikschaffenden – mehr können es aus Platzgründen nicht sein. „Es gilt das Windhundprinzip – zum Anfang jedes Jahres kann man sich anmelden, aber man muss schnell sein. Und die Plätze sind immer sehr schnell ausgebucht“, erklärt Johannes Gräßer.
Auf die Idee, ein Klezmerorchester zu gründen, kam der Erfurter, weil er schon seit weit über zwanzig Jahren in der Klezmerszene aktiv ist. „Und ich bin dieser Musik wirklich sehr verbunden, sie ist einfach wunderbar. Es lohnt sich so sehr, sich mit der jiddischen Musik und Kultur auseinanderzusetzen“, schwärmt er.
Als sich zeigte, dass die Idee nicht nur einen kleinen Kreis an Interessierten ansprach, stellte man das Orchester mit dem Verein KlezWeCan auf feste und stabile Beine. Und sorgte gleichzeitig dafür, dass die Klezmermusik nicht nur Theorie bleibt – die sich fraglos sehr gut anhören lässt, wenn andere sie spielen –, sondern auch selbst erlernt werden kann. Neben der Teilnahme am Klezmerorchester, für das man allerdings bereits einiges an Erfahrung mitbringen sollte, bietet der Verein nämlich auch verschiedene Klezmerkurse und -workshops an – natürlich auch im Jubiläumsjahr. „Es gibt vom 4. bis 7. Juni einen Kurs im Wendland mit dem Titel ‚Klezmer Playbook Shpilkurs‘, vom 2. bis 4. Oktober in Erfurt einen Workshop zu Klezmergrundlagen sowie einen Ensemblekurs Klezmer vom 29. Oktober bis 1. November in Eisenach“, zählt Gräßer auf.
Es wird deutlich, dass es hier in allererster Linie um die Musik geht, ganz dicht gefolgt vom Gemeinschaftsgedanken. „Level-übergreifendes Musizieren, unabhängig von Herkunft, Religion, Alter oder Weltanschauung, steht bei uns im Vordergrund“, heißt es dazu auf der Website des Vereins. Die beiden musikalisch Verantwortlichen möchten den Musikfreundinnen und -freunden unterschiedlicher Niveaus dabei helfen, gemeinsam Klezmermusik zu erarbeiten und letzten Endes zur Aufführung zu bringen. Ein fraglos ambitioniertes, aber auch sehr ehrenvolles und verbindendes Anliegen.
Seit 2019 gibt es übrigens einen KlezWeCan-Ableger in der Schweiz – in Form der Open Klezmer Kaleye Basel, eine aus einem Workshop des Vereins hervorgegangene Gruppe begeisterter Musikschaffender, die sich jeden zweiten Donnerstagabend im Monat trifft, um mit viel Freude und Engagement zusammen das zu machen, was alle verbindet, die Teil der KlezWeCan-Gemeinschaft sind: Klezmermusik spielen.








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