Le Clou. Die einen denken dabei an einen Film gleichen Namens, in welchem aber hauptsächlich Ragtime zu hören ist. Die anderen denken an eine Band, die Cajunmusik spielt. Doch trotz der unterschiedlichen Musikstile war ein Plakat des Films 1976 die Inspiration für den Namen der Band, die Michel David, Yves Gueit und Yannick Monot, drei Franzosen in Bonn, damals gründeten. Die Gruppe erlebte einige Personalwechsel seither, sodass als Gründungsmitglied zuletzt nur noch Gueit mit an Bord war. Doch an diesem Frühwinterabend in Bonn waren sie alle dabei, die alten und die neuen Cajun-Swamp-Musiker, um noch einmal einen fetzigen, fröhlichen Abend miteinander und ihren Fans zu begehen.
Text und Fotos: Michael A. Schmiedel
Voll war er, der Saal der Bonner Harmonie. Und es war ein Stehkonzert, sodass mehr Menschen hineinpassten als bei Bestuhlung. Alte Fans waren da, aber auch solche, die diese Ausnahmeband zum ersten Mal hören wollten. Zu Letzteren gehörte ein Junge, der gar nicht recht wusste, was da auf ihn zukam. Aber sein Saxofonlehrer hatte ihn eingeladen – und spielt selbst mit: Yves Gueit. Die meisten jedoch kannten die Band schon lange und waren zwischen Freude und Trauer gestimmt. Sollte dies nun wirklich das letzte Konzert sein, so kurz vor dem fünfzigjährigen Jubiläum? Ihr dreißig- und ihr vierzigjähriges Bestehen hatten sie in diesem Saal gefeiert. Und waren zwischendurch immer unterwegs gewesen, in Deutschland und Nachbarländern, wenn auch nie in Louisiana, wo die Musik, die sie spielen, doch herkommt (abgesehen von Geiger Johannes Epremian, der dort ein Soloalbum aufgenommen hat).
Als Le Clou dann auf die Bühne kamen, war von Trauer keine Spur. Von links nach rechts aus Zuschauerperspektive positionierten sich Yves Gueit an diversen Flöten, Saxofon und Akkordeon, Johannes Epremian an Geige und Gitarren, dahinter Ralf Schläger am Schlagzeug, weiter rechts Steve Crawford mit Gitarre und Gero Gellert am Bass. Und sie legten sofort los mit einem neueren Song, dem von Epremian geschriebenen „Hey Caloona“. Das Akkordeon wiegte sich in rhythmischen Akkorden, die Geige flog im schnellen Viervierteltakt nur so dahin, das Schlagzeug trieb vorwärts, Gitarre und Bass vervollständigten den Bandsound.
Epremian hatte nach dem Weggang Michel Davids den Leadgesang übernommen, was ihm weniger lag als seinem Vorgänger, aber im Laufe der Jahre entwickelte auch er sich darin gut weiter. An diesem Abend gab es auf jeden Fall in der Hinsicht nichts zu meckern, so voll, laut und mitreißend war sein Gesang.
Wer den französischsprachigen Texten am Ende alles folgen konnte, ließ sich schwer sagen, aber das spielte auch eine untergeordnete Rolle, wenngleich Epremian in der Moderation ein paar Inhalte erklärte. Auch wenn niemand im Publikum einen Two Step zu tanzen vermochte, so blieb doch niemand still stehen, sondern alles war in Bewegung, zumindest auf der Stelle, die Gesichter immer der Bühne zugewandt. Auf der es immer wieder Wechsel gab von der Geige zur Gitarre, auch mal zur metallenen Slide Guitar, vom Akkordeon zur Blockflöte oder zur Okarina, zum Krummhorn oder zu zwei Blockflöten gleichzeitig. Zwischendurch erklangen langsamere Stücke im Dreivierteltakt. Und „De France En Amérique“ über die Auswanderung zuerst von der Bretagne nach Arkadien und dann von dort nach Louisiana. Da befand man sich allerdings schon in der zweiten Halbzeit.
Diese zweite Hälfte des Konzerts war nach der Pause von einer doppelten Überraschung eingeleitet worden, auf die viele schon gehofft hatten: Yannick Monot, der auch vorher schon am CD-Stand zu sehen gewesen war, und Michel David hatten die Bühne betreten. Monot ist mit seiner Band Nouvelle France eh immer noch im Geschäft, sodass es für ihn weiterhin nichts Ungewöhnliches ist, auf einer Bühne zu stehen, zu singen und Akkordeon zu spielen. David aber ist im Ruhestand und wird von den Fans seit seinem Weggang vor acht Jahren schmerzlich vermisst. Die Hoffnung, ihn noch einmal singen zu hören, erfüllte sich allerdings nicht, doch auch an Gitarre, Geige und Waschbrett konnte er alte Zeiten wiederauferstehen lassen.
David und Monot gaben ein paar Songs aus der Anfangszeit von Le Clou zum Besten, die aber mehr englisch- als französischsprachig waren und eher in Richtung Blues gingen als Cajun. So richtig herzergreifend war aber die Szene, in der Epremian und David zusammen eine Gitarre spielten, Ersterer die rechte, Zweiterer die linke Hand. Auf Englisch sang auch Gitarrist Steve Crawford ein Lied, bei dem man merkte, dass er eigentlich ein schottischer Singer/Songwriter ist. Er ist ja unter anderem auch aus seiner Zusammenarbeit im vor Kurzem aufgelösten Duo mit Sabrina Palm bekannt.
Während des ganzen Konzertes war eigentlich keine wirkliche Abschiedsstimmung zu spüren, auch nicht in dem extra dafür geschriebenen Lied „Adieu“ – wenn jemand gesagt hätte, eine Newcomerband gebe ihr Debüt, hätte man auch das glauben können. Nun ja, ältere Newcomer zumindest, aber die Musik war so frisch und fröhlich, wie man Le Clou seit fast fünfzig Jahren kennt. Auf die Frage, warum sie denn aufhören, meinte Johannes Epremian: „Die Zeit ist reif. Noch können wir selbstbestimmt aufhören.“
Jedenfalls ging so eine Ära zu Ende, nicht nur für die Cajunszene und nicht nur für Bonn. Die Band hinterlässt 21 Tonträger, und ihre Mitglieder werden den Geist von Le Clou hoffentlich auch in anderen Projekten am Leben erhalten.













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