Es ist ein durch und durch politisches Album – und davon braucht es dringend mehr. Aber warum müssen erst Eingewanderte selbst die Stimme erheben, damit die gesellschaftlichen Missstände in Deutschland endlich ins Bewusstsein der Öffentlichkeit treten? Denn genau das hat der aus Burkina Faso stammende und in Dresden lebende, mehrfach ausgezeichnete Musiker mit Bravour getan. In keinem seiner dreizehn neuen Songs nimmt er ein Blatt vor den Mund. Vom ersten Ton an prangert Ezékiel Wendtoin Nikiema alias Ezé anhand persönlicher Erfahrungen den Umgang mit Menschen mit Einwanderungsgeschichte, die Ignoranz für die Situation in vielen afrikanischen Staaten oder das mangelhafte Handeln gegen den globalen Klimawandel an. Dabei brilliert er wie auf seinen drei vorangegangenen Alben mit seinem großen Sprachwitz. So erzählt der Musiker in „Ich bin schwarz“ davon, dass er erst durch die politische Dimension in Deutschland schwarz geworden sei. Ansonsten ist er eigentlich nur Mensch. In „Kein Platz für Nazis“, „Die Leiden des schwarzen W.“, „Migrationsvordergrund“, „Ich haue ab“ oder „Untergang“ singt Ezé sehr deutlich über das Versagen und die Vorurteile der deutschen Gesellschaft. Musikalisch besinnt er sich dabei auf seine afrikanischen Wurzeln. Mit der Unterstützung burkinischer Gastmusikschaffender hat er ein sehr rhythmisches Album produziert, das trotz der schmerzhaften Themen zum Tanzen – und Handeln – einlädt.
Erik Prochnow
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