Glenn Jones

Glenn Jones (Thrill Jockey Records)

31. August 2022

Lesezeit: < 1 Minute(n)

Akustische Gitarren in merkwürdigen Tunings, sich wiederholende Grundtöne, die bisweilen asiatische Atmosphären evozieren, endlos perlendes und groovendes Fingerpicking. Das sind die Ingredienzien dessen, was der legendäre John Fahey mit dem Begriff „American primitive guitar“ versah. Auf seltsame Weise repetitiv-meditativ und gleichzeitig dem klassischen Countryblues und Ragtime nah verbunden. Gitarrist Glenn Jones, der in seinen frühen Jahren mit der 1990 gegründeten Bostoner Band Cul de Sac noch auf progressiven Rockpfaden wandelte, gehört heute zu den Ausnahmegestalten im Bereich der amerikanischen akustischen Sologitarre. Vade Mecum, was auf Lateinisch wörtlich „Geh mit mir!“ bedeutet, versteht er als Einladung, sich in seinen intimen, klingenden Kosmos zu begeben. Während dieser zarten und melancholischen Reise begegnen wir einigen ehemaligen Weggefährten des Gitarristen, musikalische Nachrufe, die keineswegs Klageliedern ähneln, sondern frohe, leuchtende Erinnerungen sind. Vieles wirkt ungeheuer spontan, wie frisch diesem gegenwärtigen Augenblick entsprungen. Er schreibe in Wirklichkeit keine Stücke, sagt Jones, er folge einfach der Musik, wohin auch immer sie ihn führt.

Rolf Beydemüller

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