Chantal Adca, The Whale (Staman Records)
Die niederländische Sängerin mischt Jazz mit Folk und Singer/Songwriter-Balladen und entführt damit in verträumt-schwebende Klangwelten. Selbst in den instrumental raueren Stücken behält ihre Stimme eine sanfte Zerbrechlichkeit. Musik, die dazu einlädt, sich fallenzulassen – und ganz von selbst fließen und kommen und gehen die Gedanken und Erinnerungen.
Achim Hennes
José Afonso, Como Se For A Seu Filho (Mais 5)
Es ist ein ruhiges Album, eine Neuauflage eines der wichtigsten Werke des portugiesischen Musikers, der 1987 gestorben ist. Das Album zeigt in einer remasterten Version persönliche Reflexionen über das Leben und die Zeit. Dabei geht es bisweilen auch sehr fröhlich zu, denn das Leben ist natürlich auch genau das. Ein wohlklingendes Zeitzeugnis!
Wolfgang Weitzdörfer
Àirdan, Cosmic (Eigenverlag)
Entstanden 2021 aus der boomenden Edinburgher Sessionszene, und das macht es vielleicht verständlich, dass das Quartett sich auf Instrumentalmusik konzentriert. Akkordeon, Fiddle, Gitarre und Percussion ohne jedes traditionelle Material, aber es ist absolut klar, wo die oft mitreißenden Eigenkompositionen ihre Wurzeln haben. Willkommener Neuzugang!
Mike Kamp
Anne Pe, Songs And Lines (Feuerfuchs Records)
Die mehrsprachig singende Musiktherapeutin überzeugt mit kultiviertem Songwriterpop, der sich auch mal zu frenetischem Indierock steigert. Die afrikanischen Einflüsse – Djembé: Famoudou Konaté (Guinea), Kora: Moussa Cissokho (Senegal) –, textliche Reisen nach Australien und Lateinamerika und das farbenprächtige Artbook runden das kosmopolitische Niveau ab: Herausragende Weltmusik aus dem Schwarzwald.
Martin Wimmer
Amaury Babault, Cornemuse Du Centre – Musique Traditionelle Du Berry (AEPEM)
Amaury Babault spielt die Cornemuse du Centre, den in Zentralfrankreich typischen Dudelsack. Er engagiert sich seit Jahrzehnten im Verein für traditionelle Kultur La Rabouilleuse in Issoudun. Auf diesem Soloalbum spielt er Repertoire aus der Region Berry in Zentralfrankreich, das aus seiner Sicht zu Unrecht (auch in der traditionellen Szene) unbekannt ist.
Christian Rath
Gaëlle Bagot & Juan Manuel Nieto, Jardin D’Ailleurs (Musique Live)
Hier treffen Europa auf Südamerika, Klarinette und Stimme auf Klavier. Die französische Sängerin und Klarinettistin Bagot und der ecuadorianische Pianist Nieto bilden seit fünf Jahren ein minimalistisches Duo, das wortwörtlich die Musik der Welt atmet. Das Ergebnis sind tiefschichtige Kompositionen, die spielerisch zwischen Folk, Jazz, Salsa, französischem Chanson, Latin, keltischer Musik oder Balkanstilen wandeln.
Erik Prochnow
John Baumann, Guy On A Rock (Eigenverlag)
Wer Songwriter wie Jerry Jeff Walker und Robert Earl Keen mag, der wird John Baumann lieben. Super relaxte, zeitgemäße Geschichten, denen man anhört, dass sie auf einem Sofa für zwei ebenso funktionieren müssen wie open air im Stadion. Mit einer netten Hommage an die Freundschaft von Townes Van Zandt und Guy Clark, aber der Hit ist der Titeltrack, jetzt schon ein Texas-Music-Klassiker.
Martin Wimmer
Bougnat Sound, Poum Poum (AEPEM)
Drittes Album des Pariser Trios. Der Begriff „Bougnat“ steht für Pariser, die aus der Auvergne stammen. Das live aufgenommene Album enthält Balfolkmusik aus der Auvergne mit vielen Bourées. Das Trio besteht aus Julien Barbances (Dudelsack, Geige), Loic Etienne (Akkordeon) und Olivier Sulpice (Banjo). Bei zwei Stücken singt Lucie Dessiaumes.
Christian Rath
Kari Bremnes, Ennu her (Strange Ways Records)
„Immer noch hier“ heißt der Titel ihres bereits neunzehnten Albums. Und zu Recht ist die Norwegerin auch nach fast vierzig Jahren im Musikbusiness noch da. Auch wenn ihr neues Werk nur sechs Songs umfasst, so bestechen diese durch einen klaren Klang, spannungsvolle Rhythmen, eingängige Melodien und Bremnes’ warmen Gesang. Es sind aber vor allem ihre Texte, die der ehemaligen Journalistin am Herzen liegen und in denen sie der zunehmend beängstigenden Welt ein Stück Hoffnung entgegensetzen möchte.
Erik Prochnow
Marvin Brooks, Sweet Redemption (Eigenverlag)
Der ghanaisch-deutsche Musiker hat sein Debüt in einem Studio im ghanaischen Accra aufgenommen. Neben Einflüssen aus Soul und Rhythm and Blues dominiert entspannter Reggae. Die englisch gesungenen Texte vermitteln Botschaften von Freiheit, Demut und Hoffnung. Inspirierte Lieder als „süße Erlösung“ von den Versprechen der Blender in Politik und Gesellschaft. Musik mit Haltung, nicht mit Pathos.
Christoph Schumacher
The Buttshackers, Lessons In Love (Underdog Records)
Funk wie aus dem Lehrbuch, mit einer stimmgewaltigen und charismatischen Sängerin, einer gnadenlos perfekt getimten Rhythmusgruppe und knackiger Hornsektion. Seit über zehn Jahren spielt die französische Formation nun bereits zusammen. Funk ist vor allem Livemusik, und vieles der Energie und der Magie ihrer Liveauftritte haben die Buttshackers auf diese Studioaufnahme übertragen können.
Achim Hennes
Curly Strings, Make Your Wings And Fly (Eigenverlag)
Zum Auftakt der EP mit vier Songs zeigt das Quartett aus Estland gleich ein anderes Gesicht: „Hea Tuju Laul“ erinnert an die Band Katzenjammer – anarchisch und voll rockiger Energie. Mit der anschließenden Ballade „Pöhjanael“ geht’s dann ins gewohnte Bluegrass-Idiom, wobei sie in die weiteren beiden Stücke auch landestypische Elemente einflechten. Englische Übersetzungen der Texte liegen bei.
Volker Dick
Da Ding, Ding Kong (Eigenverlag)
Der oberbayerische Liedermacher aus Issing singt in vierköpfiger Begleitung entspannte Lieder im bairischen Dialekt mit afrikanischen und karibischen Rhythmen, in denen er gerne alles auf die „Lange Bank“ schiebt, unter der „Markise“ Schutz vor dem Wetter sucht, sich eine richtige „Postkartn“ statt elektronischer Mails wünscht und die Vermüllung mit „P.E.T.“ anprangert. Texte im Beiheft.
Michael A. Schmiedel
Dear Uncle Lennie, Sister Juniper (BMC Records/Galileo MC)
Nein, es sind nicht Béla Fleck und Bill Frisell, die hier eine entspannte Reise durch den Westen unternehmen. Am Banjo sitzt Marco Giongrandi, und die Gitarre spielt Benjamin Sauzerau. Mit Camille-Alban Spreng am Piano bilden sie ein fein eingespieltes Trio, das Bilder aus einem imaginären Amerika durchblättert. Songs ohne Worte, die mit lässiger Eleganz dahinperlen, zuweilen dunkel grundiert von der Bassklarinette Joachim Badenhorsts.
Gerd Döring
Alice Di Micele, Reverse The Flow (Alice Otter Music)
Seit 1988 veröffentlicht Di Micele Album auf Album, womit sie sich recht locker als moderne Protestsängerin etabliert hat. Wobei sie nicht auf eine aufwendige Produktion ihrer Songs verzichtet und diese so arrangiert, dass sie wie überaus reife Studioproduktionen der frühen Siebziger klingen.
Michael Freerix
Divanhana, Radio Sevdah (CPL-Music)
Der neue Tonträger der bosnischen Band kommt wie eine Radiosendung daher, Wortbeiträge und Jingles inklusive. Der Grund: Auf dem sechsten Album verneigt sich die Combo vor dem Schatz an Sevdah-Aufnahmen, den der lokale Radiosender ab den 1940er-Jahren in Sarajevo produzierte und archivierte. Die Tracks decken verschiedene Spielarten des Genres und darüber hinaus ab (zum Beispiel Turbofolk).
Ines Körver
Diverse, Bardentreffen 2025 (Folk Galore)
Seit 1976 verwandelt sich die Nürnberger Altstadt nahezu jährlich für mehrere Tage im Sommer in eine Festival-Location – zur Freude des Publikums kostenfrei. Siebzehn der Acts, darunter Badi Assad, Dobet Gnahoré und das Balkan Paradise Ochestra, versammelt der diesjährige Sampler. Darunter ist keinerlei reine Instrumentalmusik, da das dem Konzept des Bardentreffens widerspräche. Schöner Rückblick.
Ines Körver
Drüdieter, Änedra (Narrenschiff)
Als „Sound von den Ufern des Muotasihlssippi“ beschreibt das zum Quintett gewachsene Trio Drüdieter seine Musik. Besser könnten es Dieter Sulzer, Dieter Ringli und Dieter „Dide“ Marfurt nicht definieren. Hier der reißende Schweizer Bergbach Muota, wo fröhlich gejodelt wird, da die Zürcher Sihl mit städtischen Klängen, am Ende der Mississippi mit Blues und Jazz. Schweizer Americana gewissermaßen.
Martin Steiner
Duffhues, It Has No Face (Zwarte Vleugels)
Als „Anti Folk Noir“ bezeichnet Duffhues aus den Niederlanden sein elftes Album. Und anti ist hier viel, denn tatsächlich ist das alles eher Lo-Fi denn Hi-Fi, unterproduziert statt glattpoliert, garstig statt süß – und daher muss man für diese grungy Blues-Folk-Indie-Melange dann doch einen Nerv haben.
Wolfgang Weitzdörfer
Ed Dupas, Codename California (Black Bear Music)
Schnörkelloser Heartland Rock, introvertierte Americana. Der Songwriter aus Michigan schreibt über Obdachlose in L. A., medizinisches Cannabis, das traurige Leben in Bars und die Ratschläge seines Priesters. Nichts Neues, aber auch nichts Verkehrtes.
Martin Wimmer
Umberto Echo, The Afrodub Experience (Fine Music)
Der Musikproduzent und Dubspezialist Philipp Winter alias Umberto Echo verarbeitet wie sein Vorbild aus der Literatur Umberto Eco Zitate und Versatzstücke zu etwas Neuem. So entstehen aus achtzehn Jahren Zusammenarbeit mit Musikschaffenden aus der Roots-Reggae- und Afrobeatszene auf seinem zwölften Album zehn Titel, die seine Erfahrungen klangvoll dokumentieren. Eine groovende Visitenkarte, die bewegt.
Christoph Schumacher
Shuteen Erdenbaatar & Nils Kugelmann, Under The Same Stars (Motéma Music)
Zwei außergewöhnliche studierte Musikschaffende, die nicht nur privat ein Paar sind, sondern jetzt erstmals auch im Duo auftreten. Die mongolische Pianistin und der Münchener Klarinettist sowie Bassist präsentieren eine berührende musikalische Reise, die zum Träumen einlädt. Ihre zärtlichen Kompositionen, die sich zwischen Jazz, Klassik und Filmmusik bewegen, sind eine poetische Demonstration der Liebe zur Musik.
Erik Prochnow
Estonian Voices, Kallimale (O-Tone Music)
Der estnische Chor hat sechs Mitglieder: einen Alt, einen Tenor, einen Bariton, einen Bass und zwei Soprane, und allesamt singen sie auf Estnisch und auf Englisch. Die meisten Lieder stammen von ihnen, es sind aber auch mehrere Traditionals dabei. Manches klingt eher wie Barmusik, anderes ungeheuer dramatisch, manchmal hat man das Gefühl, Stimmen aus einer anderen Welt zu hören. Beeindruckend!
Gabriele Haefs
Feuerschwanz, Knight Club (Napalm Records)
Die härtere Fraktion wird sich über das neue Feuerschwanz-Album freuen, das diesmal eine Art Konzeptwerk zum Thema Ritter und Party ist. Wie anders ist das Wortspiel mit dem „Knight Club“, in dem die „Party“ stattfindet zu verstehen? Die Zielgruppe wird es freuen, dass es wieder viele flotte Nummern mit mittelalterlichen Instrumenten gibt, Kritiker werden jede Note daran hassen. Wo man hingehört, das dürfte nach wenigen Tönen klar sein …
Wolfgang Weitzdörfer
Kety Fusco, Bohème (Eigenverlag)
So hat man die Harfe noch nie gehört. Die klassisch ausgebildete italoschweizerische Musikerin mit gleich zwei Harfenmasterabschlüssen sprengt auf ihrem zweiten Album alle Grenzen. Mit ihrem elektrischen Instrument definiert sie durch Klangmanipulationen, Unterwasseraufnahmen und unkonventionellen Spieltechniken die Rolle der Harfe in der zeitgenössischen Musik völlig neu. So hebt sie zum Beispiel Beethovens „Für Elise“ als „Für Therese“ in völlig neue Sphären. Ein aufrüttelndes Instrumentalalbum voller Kreativität.
Erik Prochnow
Tom Gaebel, Kleiner Junge, große Reise (Stars by Edel)
Wenn man sich selbst ein Album zum fünfzigsten Geburtstag schenken kann, dann ist das eine feine Sache. Wenn man es quasi als musikalische Autobiografie texten kann, umso mehr. Allerdings funktioniert Kleiner Junge, große Reise von Tom Gaebel nicht wirklich. Zu sehr erwartet man den Crooner, der den US-amerikanischen Big-Band-Swing so sehr verinnerlicht hat. Auf Deutsch klappt das nicht, zumal nicht alle Songs zwingend sind. Schade.
Wolfgang Weitzdörfer
Giles, Giles & Fripp, The Brondesbury Tapes (Panegyric Records)
Mit ihrem Debüt lieferte die englische Gruppe King Crimson 1969 eine Blaupause für den progressiven Rock. Dieses Album dokumentiert, wie es dazu kam. Neben den Crimson-Musikern war Judy Dyble dabei, die erste Sängerin von Fairport Convention. Zu hören ist eine sensible Musik mit vielerlei Einflüssen: Rock, Jazz, Folk. Für Crimson- und Fairport-Fans aufschlussreich.
Christoph Wagner
Giles, Giles & Fripp, The Cheerful Insanity of Giles, Giles & Fripp – The Songs (Panegyric Records)
Hier steckt viel Zeitgeist drin. Eine Wiederveröffentlichung von achtzehn meist kurzen Songs aus dem Jahr 1968. Man denke an London zur Zeit der Beatles. Drei hochklassige Musiker in der Besetzung Drums, Gitarre, Bass, die mit vielen Gästen quer durch die Stile von Pop bis Klassik ihr Ding machen. Michael Giles und Robert Fripp gründeten wenig später die deutlich erfolgreicheren King Crimson.
Almut Kückelhaus
Goldkimono, This One’s On The House (Popup Records)
Das dritte Album des niederländischen Songwriters Martijn „Tienus“ Konijnenburg besticht durch fluffige Tanzbarkeit mit Zutaten aus Funk, Disco, Pop und Soul. Dabei sind die Texte durchaus tiefsinnig, wie etwa im Titel „Lifetime“ wo er die obsessive Nutzung von Social Media aufs Korn nimmt. Klingt ein wenig, als wenn Jack Johnson eine Platte mit Jamiroquai-Songs aufgenommen hätte.
Imke Staats
Grateful Cat, Ready To Go Anywhere (Waterfall Records)
Hier ist alles Zitat und Spaß, vom Bandnamen bis zu Songtiteln wie „Bartender At A Comedy Club“ oder „Hey Food Delivery Guy“. Gwendolin Tägert und Franky Fuzz zogen in Berlin mit den Carpenters, den Housemartins und Jonathan Richman in eine WG und zelebrieren mit mehrstimmigem Gesang und witzigen Arrangements den naiven Eskapismus. Ideal für den Nachmittag mit Kassettenrekorder im Park.
Martin Wimmer
Gritty June, Gravity (Eigenverlag)
„Rauer Juni“ ist das neue Bandprojekt von Jonas Lieber, der vorher in unterschiedlichen Bands vielerlei musikalische Erfahrung hat sammeln können. Atmosphärisch produziert sind die Songs auf Gravity, als wollten sie sich der Schwerkraft entziehen und in luftiger Höhe niederlassen. Trotzdem gibt es griffige Gitarrenarbeit, das Schlagzeug agiert eher im Hintergrund, und Lieber ist ein Sänger mit Hinhörfaktor.
Michael Freerix
Pascal Guérin, Violon – Musiquee Traditionelle Du Poitou (AEPEM)
Der Geiger Pascal Guérin spielt auf diesem Soloalbum Repertoire aus der Region Poitou in Westfrankreich. Bis zum Ruhestand 2018 arbeitete er für die Kulturpflegeorganisation Arcup (Animation Rurale et Culture Populaire) in Cerizay. In seinen Augen waren Geiger frühe Rockmusiker; da sie zum Tanz oder bei Festen meist solo spielten, hatten sie viele Freiheiten und nutzten diese. Sein Album ist allerdings nicht rockig.
Christian Rath
Woody Guthrie, Woody At Home – Vol 1+2 (Shamus Records)
22 Rohdiamanten hat Guthrie in den frühen Fünfzigern als „Beispielbänder, vage Andeutungen und unklare Hinweise“ für seinen neuen Verleger TRO in seinem Brooklyner Wohnzimmer auf einem Spulentonbandgerät aufgenommen. Die beiden Bänder wurden aufwendig restauriert und von lautem Summen und Bandgeräuschen befreit. Intimer Einblick in Woodys Repertoire, direkt und nahbar, darunter auch einige eher unbekannte Songs. Und die erste bekannte Aufnahme von „Deportee“. Historisch wertvoll.
Ulrich Joosten
Hekate, Evigheten Forestår (Heilo/Grappa Musikkforlag)
Im griechischen Mythos sitzt Hekate an der Schwelle zur Unterwelt. Hekate nennt sich auch ein Gesangstrio aus Norwegen, das alte Liedtraditionen neu interpretiert. Spröde zuweilen, auch mal laut, wo nötig. Drei junge Frauen, deren Stimmen einzig von den mal sachte, mal energisch gestampften Füßen begleitet werden. Und eines wird schon im ersten Stück ihres Debüts klar – einschmeicheln wollen sie sich bei ihrem Publikum nicht.
Gerd Döring
Arath Herce, Musas En Mi (Sony Music)
Bezauberer-Dichter! Der junge Mexikaner steigert mit seinem zweiten Album den Anspruch für Singer/Songwriter. Betörendes Schlafzimmerflüstern, wunderschöne Melodien und herzergreifender Poesie. Ein sensationelles Meisterstück in spanischer Sprache. Akustisch produziert von Leif Vollebekk mit Starmusikern wie Jim Keltner und Tony Garnier.
Martin Wimmer
Hirundo Maris, Looking For New Horizons (Seyir Muzik)
Hirundo Maris, „die Seeschwalbe“, zeichnet musikalisch eine Reise nach, die vom mittelalterlichen Norwegen bis ins Osmanische Reich geht. So wie sie vor vielen Jahrhunderten Pilger, Wikinger und Minnesänger vollzogen. Die Gruppe um Arianna Savall (Sopran, Harfen), Petter Udland Johansen (Tenor, Hardangerfiedel) und Multiinstrumentalist Efrén López spielen eher in klassischen Arrangements, aber auch mit verschiedenen traditionellen Instrumenten.
Piet Pollack
Hotel Rimini, Gefährdete Arten (Eigenverlag)
Der Schauspieler Julius Forster ist der Texter und Frontmann der Leipziger Band Hotel Rimini, einem beinah kammermusikalischen Sextett, dass vor zwei Jahren ein vielbeachtetes Debüt veröffentlichte. Auf ihrem neuen Album versammeln sie melancholische, dezent morbide, skurrile und poetische stimmungsvolle Texte mit zurückhaltender aber vielfältiger Musik zu einem atmosphärisch dichten Werk.
Rainer Katlewski
Inswingtief, Beyond Swing (Eigenverlag)
Das unterfränkische Quartett wildert ganz schön durch die musikalischen Genres. Da gibt es, natürlich, Swing, der tief in den 1920ern verwurzelt ist, dazu mischen sich in die fünfzehn Eigenkompositionen aber auch noch jede Menge anderer Facetten – Klezmer, Funk, Bossa Nova, Calypso und Tango, um nur einige zu nennen. Ein Album zum – im positiven Sinne – Nebenbeihören.
Wolfgang Weitzdörfer
Finn Jaster, Homeland (Eigenverlag)
Debütalbum des 21-jährigen Berliner Singer/Songwriters, das mit vier Mitmusizierenden eingespielt wurde. Schöne, unaufdringliche Melodien und Akkorde, aber nicht leicht zu verfolgende Texte auf Englisch und Deutsch, in denen es um die Schönheit der Welt, aber auch um Kriegsfolgen, letztlich um die Suche nach Heimat, nach einem „Homeland“ in einer oft so unheimeligen Welt geht. Texte online.
Michael A. Schmiedel
Omar Jatta, Brennpunkt (EP; Eigenverlag)
Der afrodeutsche Musiker mit Wurzeln in Gambia und Senegal verbindet auf seinem neuen Minialbum Afrobeats und Amapiano zu einem speziellen Dancehall-Mix mit hauptsächlich deutschen Texten, neben Fragmenten auf Mandinka und Englisch. In den sechs Liedern greift Omar Jatta Aspekte seines urbanen Lebens in Köln auf und teilt seine Gedanken und Erfahrungen. Es geht um Herkunft, Klassifizierung, Rassismus, und das Leben in der Diaspora. Musikalisch und lyrisch auf der Höhe der Zeit – kritisch, ermutigend und tanzbar zugleich.
Christoph Schumacher
Robert Jon & The Wreck, Heartbreaks & Last Goodbyes (Journeyman Records)
Southern Rock aus Kalifornien? Was wie ein Widerspruch in sich klingt, wird von Robert Jon & The Wreck auf ihrem neuen Album – erfrischend roh von Grammy-Gewinner Dave Cobb produziert – in zehn neuen Songs hingebungsvoll zelebriert. Gut, heiß ist es auch in Kalifornien, dennoch überraschen die Twin-Gitarren und die Authentizität ein wenig, mit der das Quintett zu Werke geht.
Wolfgang Weitzdörfer
Karl die Große, Aufgehoben (Backseat)
Ein cleveres Pseudonym hat sich Wencke Wollny da ausgesucht. Als Karl die Große ist sie seit 2022 auf den Bühnen unterwegs und präsentiert sich auf ihrem dritten Album als nachdenkliche und gereifte Songwriterin. Ihre Stimme berührt einen, ist weit in den Vordergrund gemischt, die Instrumentierung ist schönes Beiwerk. Für dunkle Stunden mit Rotwein bestens geeignet.
Wolfgang Weitzdörfer
Karo Nero, Alle Register (Dermenschistgut Musik)
Die fünfköpfige Leipziger Band bringt mit weiteren Gastmusikschaffenden liedhaften Rock auf überwiegend akustischen Instrumenten zu Gehör. Frontmann und Gitarrist Gunter Schwarz schrieb die deutschsprachigen Texte, in denen es auf poetische Art um die Hoffnung auf der Intensivstation, Mut und Krieg, Himmel und Erde, Gut und Böse, Glück und Katastrophen geht: „Den Lauf vom Gewehr in den Lauf dieser Welt“, wie es in einem der Lieder heißt.
Reinhard „Pfeffi“ Ständer
Shanker Krishnan, Confluence: Raga And Counterpoint (Indian Raga)
Klassische südindische Musik und barocke Polyfonie, geht das? Auch wenn einem die Vorstellung schwerfällt: Der Komponist Shanker Krishnan führt uns das Zusammentreffen dieser scheinbar nicht vereinbaren musikalischen Prinzipien eindrucksvoll vor Ohren. Solistisch sind Violine, das südindische Saiteninstrument Veena, Flöte und die Trommel Mridangam zu hören. Die Orchesterparts sind Samples vom Rechner.
Rolf Beydemüller
Ian Lassarre, América Zureta (Ajabu)
Sanfte Stimmung und zarter Gesang dominieren beim brasilianischen Singer/Songwriter Ian Lassarre. Gleichzeitig faszinieren seine versierten Rhythmen, die oft wie ein Mühlenrad am Bach dahinfließen, und seine durchdachten Arrangements. Manchmal mischt er auch afrikanische Rhythmen mit jazzigen Sounds und vergisst dabei nicht, in den Texten zu ökologischem Handeln aufzurufen.
Hans-Jürgen Lenhart
Jean-Jacques Le Creur, Accordéon Diatonique – Musique Traditionelle De La Marche E Du Limousin (AEPEM)
Jean-Jacques le Creur spielt diatonisches Akkordeon und singt gelegentlich. Das Repertoire des Albums beruht auf jahrzehntelanger eigener Sammlung bei alten Musikschaffenden der Region Limousin in Zentralfrankreich. Jetzt ist er selbst alt und kann die Musik über dieses Werk weitergeben.
Christian Rath
Les Yeux d’la Tête, La Vie Est Belle (Fais & Ris)
Wer ein Gegengift gegen den Winterblues braucht, ist mit dem neuen Album des Sextetts aus Paris bestens bedient. Vierzehn tanzbare Stücke zwischen Gypsy Swing, Balkan Beats, Rock, Punk und Chanson sorgen für gute Laune, selbst wenn sie zum Teil in Moll und textlich mit ernsten Themen (unter anderem Selbstbestimmung, Vaterschaft und Misanthropie) aufwarten. Alle Texte sind im Booklet abgedruckt.
Ines Körver
Lina & Marco Mezquida, O Fado (Galileo MC)
O Fado von Lina, der aus Porto stammenden Fadista, ist ihr drittes Album mit einem Partner aus einem anderen musikalischen Umfeld. Nicht selten kontrastierte ihre wunderschöne Stimme mit elektronischen Sounds. Dieses Mal tat sie sich mit dem menorquinischen Jazzpianisten Marco Mezquida zusammen. Herausgekommen ist ein zeitloses, stimmiges Album, das vom ersten bis zum letzten Ton überzeugt.
Martin Steiner
Tom Liwa, 20 Power Hits (Hanse Platte)
Zwanzig Songs auf vier LP-Seiten, so fühlt man sich direkt wieder wie früher. Tom Liwa singt darauf seine lakonischen Geschichten wie in „Wovor hat die Welt am meisten Angst“ alleine, oft aber auch mit Bandbegleitung, etwa in „Rock ’n’ Roll“ mit den Flowerpornoes oder in „Malmö 1948“ mit der Leuchtturmband und Luise Volkmann. Ein ehrliches und schönes, poetisches Werk.
Wolfgang Weitzdörfer
Los Straitjackets, Somos Los Straitjackets (Yep Roc)
Der Twang der Gitarre bei Los Straitjackets aus den USA ist so herrlich nostalgisch, dass man sich ruck, zuck in die Sechziger zurückversetzt fühlt, wenn die Gitarristen Eddie Angel und Greg Townson ihn erklingen lassen. Rein instrumentalen Surfrock zum Mitmachen gibt es auf dem neuen Album der Band zu hören, die es auch schon seit über dreißig Jahren gibt. Stark!
Wolfgang Weitzdörfer
Luke, The Truth Remains The Same (On Stage Records)
Die vierköpfige Band um den Gitarristen und Sänger Lukas Schüßler veröffentlicht ihr zweites, und somit bekanntermaßen wichtigstes Album. Und damit überzeugen sie voll und ganz: Leicht und frisch wirken die Songs, irgendwo zwischen (anspruchsvollem) Pop und Rock angesiedelt, tolles Songwriting, und wenn Lukas Schüßler soliert, wird es sofort blueslastig mit schönen, knappen, einprägsamen Linien.
Achim Hennes
Sarah Maison, Divad (Capitane Records)
Eine neue Singer/Songwriterin aus Frankreich. Und ein neuer Sound. „Pop The Cashbah“ nennt die in Paris lebende Musikerin ihren Stil, der ihre französischen und nordafrikanischen Wurzeln vereint. So bewegen sich die zwölf Songs der Absolventin der École Nationale Supérieure d’Art in Nizza zwischen Chanson und ägyptischer Musik. Aber es finden sich genauso darin 1970er-Disco oder -Synthpop, die zum Tanzen einladen – vor allem wenn Maison von kompletter Freiheit von konventionellen Formen singt.
Erik Prochnow
Mikael Máni, Innermost (Smekkleysa)
Der isländische Jazzgitarrist Mikael Máni spürt auf poetische Weise Kindheits- und Jugenderinnerungen nach. Wachstum und Verluste. Das rein instrumentale Album lässt viel Raum für eigene Betrachtungen. Jazz, Folk und andere Elemente gehen freie Verbindungen ein. Durchweg sehr melodisch und spannend instrumentiert (ein Streichquartett ist auch mit von der Partie). Lyrische Klänge aus dem fernen Island.
Rolf Beydemüller
Benedicte Maurseth, Mirra (Hubru Records)
Dieses Album der norwegischen Geigenvirtuosin ist den wilden Rentieren in der Hardangervidda gewidmet. Die einzelnen, alle von Maurseth komponierten Titel begleiten diese Tiere im Jahresrund. Wir hören, neben der meisterlichen Musik, die Tiere selbst, dazu Wind, singende Vögel. Wenn es ein musikalisches Äquivalent zum derzeit so beliebten Nature Writing gibt, dann muss es diese Musik von Benedicte Maurseth sein.
Gabriele Haefs
Michael McGovern, Thin White Road (Cauldron Music)
Das zweite Album des jungen Singer/Songwriters aus Glasgow, diesmal mit voller Bandbesetzung (Gitarren, Bass, Drums, Fiddle, Saxofon plus Backgroundgesang). Mal nutzt er das und greift in die Vollen mit einigen einprägsamen Melodiepassagen, manchmal beschränkt er sich auf das Wesentliche und seine variationsreiche Stimme. In Sachen Texte lässt er sich von literarischen Vorbildern wie T. S. Eliot inspirieren.
Mike Kamp
Roddy McKinnon, Tourist On The Moon (Silberblick Musik)
1966 in Glasgow geboren, heute wohnhaft in der Nähe des Genfer Sees, hat McKinnon dieses Album unter dem Eindruck einer aktuellen Krebsdiagnose aufgenommen. Was macht das wohl mit den Songs? Definitiv ist es ein sehr intensiv gesungenes Album geworden, auf dem McKinnon die meisten Instrumente selbst spielt. Es lohnt, sich auf seine Songs einzulassen.
Mike Kamp
Benjamin Melia, Galoubet Tambourin – Musique Traditionelle De Provence E du Pays Niçois (AEPEM)
Das Galoubet ist die für die Provence typische Einhandflöte mit drei Löchern. Sie erlaubt, mit der anderen Hand die zweifellige Tambourintrommel zu schlagen, die nicht mit der (auch bei uns bekannten) einfelligen Schellentrommel gleichen Namens verwechselt werden sollte. Melia spielt auf diesem Soloalbum beide Instrumente. Er ist studierter Musiker und unterrichtet das Spiel traditioneller Flöten auf akademischem Niveau.
Christian Rath
Moeckl/Beck, Ins endlose Blau (Eigenverlag)
Zwei gestandene Gitarristen haben sich in Augsburg für ihr erstes gemeinsames Album mit elf Instrumentalstücken zusammengefunden. Alexander Moeckl hat komponiert, Gregor Beck arrangiert. Die beiden brauchen keine Vergleiche zu scheuen. Ein technisch hochklassiges und melodisch ansprechendes Album, das an die hohe Zeit des Fingerpickings in Deutschland in den Siebzigern anknüpft.
Almut Kückelhaus
Naragonia Quartet, Nehalennia (Trad Records)
Das belgische Folkduo Naragonia besteht seit 2003 aus Pascale Rubens und Toon Van Mierlo, die Multiinstrumentalisten sind. Immer wieder nehmen sie auch in Quartettbesetzung auf – mit Maarten Decombel an der Gitarre und Luc Pilartz an der Geige. Nehalennia ist das vierte Quartettalbum, wieder mit zart-eleganter Balfolkmusik. Diesmal fehlen allerdings die großen Melodien.
Christian Rath
Nele Ukulele, Tage wie morgen (Eigenverlag)
In Köln wird getanzt! „Der Schwung in deinen Beinen“ schwelgt so voller Lebensfreude, wie „Don Quichotte“ präzise Depression verhandelt. Tolle Texte sind das auf dieser EP von Songwriterin Nele Gothe. Kunstvolle Kompositionen, sachkundige Sängerin, intelligente Instrumentierung. Perfekt zeitgemäß in großstädtische Szene gesetzt mit unter anderem Posaune, Kora und Chor von Produzent Henning Neuser.
Martin Wimmer
Joe Nolan, Luv In The New World (Beach House Records)
Der Kanadier schreibt überwältigende Melodien, die direkten Druck aufs Herz ausüben. Klar produziert von Tyler Chester, die selbstreflexiven Songs mit der je passenden Idee angereichert. Vertrackt wie Wilco, pastoral wie Neil Diamond, auch mal neun Minuten lang. Sara Watkins gastiert, und wir hören sehr gern zu.
Martin Wimmer
Paysages Nordiques, Paysages Nordiques (Eigenverlag)
Eine ungewöhnliche Kombination: Zwei Damen aus Schweden beziehungsweise Quebec singen in wunderbaren Harmonien und beiden Sprachen. Beide spielen hauptsächlich Harfe, aber auch Akkordeon, Shrutibox und nutzen Podorythmie. Sie erforschen die Gemeinsamkeiten der beiden Traditionen und tatsächlich, es gibt derer viele. Musik fürs Herz, aber Achtung: Die Präsenz im Netz ist leider dürftig.
Mike Kamp
Quadro Nuevo, Inside The Island (Fine Music)
Ursprünglich auf Tango spezialisiert, präsentiert das Quartett mit Mulo Francel (cl, sax), Andreas Hinterseher (acc), Didi Lowka (b, perc) und dieses Mal (als sonst austauschbares viertes Mitglied) Philipp Schiepek (g) elf Eigenkompositionen, konkreter einen auf der griechischen Insel Samos geborenen „Reisebericht“. Es sollte eine Reise ins Innere werden, nicht nur geografisch und seelisch, sondern natürlich auch musikalisch.
Matti Goldschmidt
Cole Quest & The City Pickers, Homegrown (Jalopy Records)
Cole Quest hat einen berühmten Opa: Woody Guthrie. Und in dessen Werk und dem anderer US-Folkgrößen wurzelt der Bluegrass der Pickers aus New York City. Drei Guthrie-Songs interpretiert die Band, darunter „Pastures Of Plenty“, dazu Stücke von Peter Rowan, John Hartford und Cole Quests eigenes „I Ain’t“. Produziert hat Steve Rosenthal ein Album voll aufrechter musikalischer Energie. Der Opa wäre stolz.
Volker Dick
Ragawerk, Niḷa (O-Tone Music)
Das neue Opus des Frankfurter Gitarristen Max Clouth ist, zumindest teilweise, wieder seinen indischen „Wurzeln“ gewidmet. Auf dem Titel „Karela“ bringt die heute in Vancouver lebende Sängerin Shruti Ramani das Kolorit des Subkontinents am deutlichsten zum Ausdruck. Ansonsten finden sich virtuose Jazzrock-Eskapaden, die Martin Standke als Drummer kongenial begleitet.
Rolf Beydemüller
Logan Richard, Character Traits (Outside Music!)
Seit 2021 ist er im Geschäft, der Mann von PEI, und legt nun sein zweites Album vor. Er selbst nennt die Musik „geschmeidigen Pop, spacigen RnB und gefühlvollen Folk“, zu hören ist vor allem Ersteres. Live kommt er anders rüber, entweder allein mit akustischer Gitarre oder mit Band und E-Gitarre. Da sind bei dem jungen Mann mit der Honigstimme deutlich mehr Ecken und Kanten auszumachen.
Mike Kamp
Revere Rivers, I Was Born Of Water (Regional Records)
Americana mit einer Portion Soul und einer Prise Blues sind die Zutaten zu diesem Debüt des Organisten und Sängers Revere Rivers. Instrumental ist hier alles ohne Fehl und Tadel, die Hammond-B3 oder die Wurlitzer wummern zufrieden, Bass und Schlagzeug schlagen den Puls, die Bläser setzen strahlende Akzente. Einzig der Gesang, oft auch als Sprechgesang vorgetragen, kommt dabei etwas zu dünn.
Achim Hennes
Ride Lonesome, Bad Lullabies (Decision At Sundown Records)
Aus St. Pauli kommen Ride Lonesome und spielen wohl das, was man Alternative Country nennt. Mit einer gehörigen Prise Folk versetzt kommt aber das dritte Album daher, auf dem Thomas Piesbergen nicht nur singt, sondern auch alle Songs geschrieben hat sowie Autoharp, Mandoline und Mundharmonika spielt. Geige, Gitarre und Bass ergänzen das akustische Album, das „das Elend der Welt in zwölf Songs“ zeigen soll. Na, denn.
Wolfgang Weitzdörfer
Rube & Rake, Good Time After Bad (Eigenverlag)
Drittes Album des Duos aus St. John’s (Neufundland) mit unspektakulären countrylastigen Klängen. Oder anders formuliert: ein Mix aus kanadischem Westen und Osten. Die Songs sind selten up-tempo. Eher reflektieren die beiden persönliche Themen in einer unaufgeregten Art. Neben Gitarren und Bass hören wir Lap Steel, Cello, Banjo oder Fiddle. Eine richtig gute Musik.
Mike Kamp
Sanuyé, We All Become Stories (Sanuyé)
Hier könnte eine neue prägende Stimme der Jazzszene heranreifen. Das siebenköpfige Kölner Ensemble um Frontfrau Katharina Koch beeindruckt mit einem anspruchsvollen Debüt. Die studierte Jazzsängerin Koch verleiht der Gruppe nicht nur mit ihrer wandlungsfähigen Stimme enorme Ausdruckskraft. Das ehemalige Mitglied des Bundesjazzorchesters schreibt auch alle Songs, die poetisch sowie humorvoll den Schmerz und die Leichtigkeit aktueller gesellschaftlicher Themen verbinden.
Erik Prochnow
Sinfonia de Carnaval, Human Faces (Neuklang)
Ein österreichisches Duo mit Strahlkraft: Die Cellistin und Pianistin Anna Lang sowie der Posaunist, Akkordeonist und Sänger Alois Eberl beeindrucken seit über einem Jahrzehnt nicht nur die Jazzszene. Auch ihr drittes Album ist von vielschichtigen Kompositionen geprägt, die mal fragil, mal orchestral klingen. Immer strahlen sie jedoch eine große Virtuosität und Experimentierfreude in den verschiedenen Genres aus. Ein hörenswertes Album, das Jazz, Kammermusik und Art Pop vereint.
Erik Prochnow
Sloan, Based On The Best Seller (Yep Roc)
Aus Kanada kommen Sloan, eine auch schon seit drei Jahrzehnten aktive Band, die sich auf ihrem neuen Album einer Mixtur aus Powerpop, Punkfolk und straightem Rock verschrieben hat. Die knapp vierzig Minuten rauschen in einem vorbei und machen durchaus Spaß.
Wolfgang Weitzdörfer
Cláudia Sofia, Mas Um Melodia (O-Tone Music)
Die aus Mindelo stammende Sängerin und Liedermacherin Cláudia Sofia offeriert mit ihrem Debüt einen leichten, lockeren Mix aus brasilianischem Bossa Nova und Samba – neben kapverdischen Rhythmen. Unterstützt wird sie von vielen Musikschaffenden an Saiten-, Percussion- Blasinstrumenten und Keyboards sowie Backgroundsängerinnen und -sängern.
Martin Steiner
Sons Of The East, Sons (Eigenverlag)
Munter drauflos spielen sie, mit Banjo, Keyboard, Gitarre und herrlich gekonntem Harmoniegesang begeistern sie wahrscheinlich jeden Fan klassischen Folks. Dabei klingen sie auf ihrem zweiten Studioalbum, als hätte es sie immer schon gegeben, nicht erst seit 2011, und als kämen sie aus dem wilden Westen der USA – tatsächlich sind sie Söhne Australiens. Über zwölf Songs halten sie mühelos Tempo, Power und Stimmung.
Imke Staats
Peter Stampfel, Friends & Daughters, Song Shards (Jalopy Records)
Mit nun 87 Jahren denkt der ehemalige Holy Modal Rounder noch immer nicht an Rente, sondern fabriziert nach wie vor Musik voller Witz und Ironie. Auf Song Shards sind es immerhin 66 Titel, die Stampfel mit seinen Mitstreitenden eingespielt hat. Dabei klingt er noch immer frisch und ungebrochen, als alter „Prankster“, der er immer gewesen ist.
Michael Freerix
Stoic Mind, To Know What I Am Scared Of (Rookie Records)
Kilian Bungert steckt hinter dem seelenvollen Projekt Stoic Mind. Kaum zu glauben, dass er nicht aus dem US-amerikanischen Süden, sondern aus Köln stammt. Sein Album ist international durchproduziert, und Bungert hält dem stimmlichen Vergleich mit einigen Sängern des neuen Soul durchaus aus. In seinen Songs schwingen Soul, Folk und Country mit.
Michael Freerix
SunYears, The Song Forlorn (Villa)
Hinter dem Alias SunYears steckt der schwedische Gitarrist und Songwriter Peter Morén. Die zehn Songs seines zweiten Soloalbums bieten aufwendig produzierten Indiepop, wobei der Mann aus Stockholm zu einer Menge unterschiedlicher Instrumente greift, von Kalimba bis Synthesizer. Er hat mit vier namhaften Sängerinnen zusammengearbeitet. Die schönen Duoparts sind Highlights des Albums.
Almut Kückelhaus
Teud, The Hebridian Fiddle Project (EP; Eigenverlag)
Nomen est omen, schließlich lautet die Übersetzung des Gruppennamens „Saite“. Drei Fiddler (zweimal weiblich, einmal männlich) von verschiedenen Inseln der Hebriden demonstrieren die regional sehr unterschiedlichen Arten, das Instrument zu spielen und würzen das Ganze mit gälischen Songs. Und das alles auf lediglich vier Tracks! Ein Muss für Fiddlefreaks!
Mike Kamp
Thalas, As it Comes (Trad Records)
Thalas ist ein neues belgisches Instrumentalduo. Es besteht aus dem Akkordeonisten Guus Herremans (Airboxes) und dem Gitarristen Ward Dhoore (Trio Dhoore). Ein Album mit vielen guten Eigenkompositionen. Der Titel des Debüts, As It Comes, spielt darauf an, dass sich die beiden Musiker schon seit zehn Jahren kennen und sich die Zusammenarbeit als Duo langsam entwickelte.
Christian Rath
The Apartments, That’s What The Music Is For (Talitres)
Melancholischer Dark Indiefolk ist das, was die Band um Peter Milton Walsh auf ihrem achten Album zelebriert. Ein wenig fühlt man sich da an die düsteren Visionen eines Nick Cave erinnert, „eine Welt aus Gin, Rauch und Bedauern“, das will man transportieren. Vorsicht, macht ein bisschen düsterstimmig …
Wolfgang Weitzdörfer
The Division Men, Hymns Of Fiery Dances (Motor Entertainment)
Düster, romantisch und von einer Unzahl an Gastmusikschaffenden eingespielt – das sind die Alben des texanischen Duos The Division Men, das eigentlich in Berlin gegründet wurde. Auf dem neuen Album gibt es nur sieben Songs zu hören, die einen allerdings sofort in ihren Bann ziehen, was vor allem am zwingenden Gesang von Caroline Rippy Portillo liegt, die auch den Bass zupft. Toll!
Wolfgang Weitzdörfer
The General Store, The Great Indoors (Unified Feels Recordings)
Hinter dem Bandnamen steckt der englische Multiinstrumentalist Tam Johnstone. Auf dieser Kompilation präsentiert er vier Songs der ersten beiden General-Store-Alben sowie unveröffentlichtes Material aus den vergangenen 25 Jahren. Die Stücke atmen den Geist von alternativer Countrymusik, allerdings geadelt durch britisches Popgespür. Das geht nicht rein und gleich wieder raus, das bleibt im Kopf.
Volker Dick
Kathryn Williams, Mystery Park (OLI Records)
Es ist die zarte und sensible Stimme, die auf dem fünfzehnten Album der Engländerin die Songs zusammenhält. Sie nennt es „mein persönlichstes Album“, selbst das Coverdesign stammt von ihr. Die Texte sind privat und besinnlich, die Musik ruhig bis getragen folkrockig. Passt perfekt in die Jahreszeit.
Mike Kamp
Yom x Ceccaldi, Le Rhythme Du Silence (Komos Beat)
Yom (cl; hebr. für „Tag“) hatte sich bislang als Interpret traditioneller jüdischer Musik hervorgetan. Nun begibt er sich mit den Brüdern Théo Ceccaldi (v) and Valentin Ceccaldi (vc) auf die Suche nach Neuem, nämlich nach Stille, die nicht als Abwesenheit von Klang, sondern als „rhythmisches Prinzip“ zu verstehen sei. Stille hin oder her: Mit Kreativität und Präzision bewegt sich das Trio aus Orleans zwischen Jazz und moderner Kammermusik.
Matti Goldschmidt






















































































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