Der Autor ist Philosoph und unter anderem Vorsitzender der Georg-Lukács-Gesellschaft. Logisch, dass er dann über Bob Dylans Songphilosophie schreibt. Aber wie er das macht, ist alles andere als rein akademisch oder wissenschaftlich vertrackt. Im Gegenteil: Selten war die Lektüre eines Buches über Bob Dylan so kurzweilig und anregend wie bei Rüdiger Dannemann. Auf engstem Raum, gerade einmal 136 Seiten, schafft er es, einen roten Faden in Dylans Werk zu finden und vor uns aufzuschnüren. In sechs Stadien unterteilt er Dylans Schaffen: Von der Wahrnehmung der Gegenwart als Ort der Veränderung über die Hinwendung zu Transzendenz und Religion bis zum Alterswerk der Endspiele. Und immer bleibt sich Dylan bei der Suche nach Befreiung treu. Wie, wo und womit Dylan aber sucht, dies ändert sich immer wieder. Vom Protestsong zum Rock. Vom Country zum Gospel. Vom „Schubidu“ zu Americana. Besonders wertvoll, wie Dannemann deutlich macht, dass Dylan keine Protestsongs mehr zu schreiben braucht. Seine lyrischen Songideen, seine Bilder, seine Gedanken sind immer Gegenwelten der Freiheit und damit ein absolutes Kontrastprogramm zur MAGA-Tyrannei. Bob Dylans „wildes Denken“ (Dannemann) ist daher auch im 21. Jahrhundert unverändert relevant. Und so beflügelt Dannemann durch neue Einblicke und spannende Bewertungen selbst alte Dylan-Hasen. Ein neuer Blick auf das Werk des Meisters lohnt sich immer und immer wieder. Einer der besten Beiträge zu Dylan der letzten Jahre.
Thomas Waldherr
Rüdiger Dannemann:
I Shall Be Free No. 10 : Bob Dylans Songphilosophie. – Berlin : Bertz + Fischer, 2026. – 133 S. : mit s/w-Fotos. – (Dylanology ; 01)
ISBN 978-3-86505-351-0 – 14,00 EUR
Bezug: bertz-fischer.de





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