Ullrich Fichtner: Die Macht der Musik

Über ihre Kraft, unser Leben glücklicher u. unsere Gesellschaft gerechter zu machen.

10. März 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

Musik ist eben nicht einfach nur die schönste Nebensache der Welt. Musik ist weit mehr. Sie ist essenziell für das Zusammenleben und die Entwicklung des Menschen und unserer Gesellschaften. Das ist das Plädoyer des Spiegel-Journalisten Ullrich Fichtner in seinem begeisternden neuen Buch. Zahlreiche wissenschaftliche Studien, vor allem aus der Neurologie und der Hirnforschung, belegen die große Wirkung der Musik. So bringt sie nicht nur Menschen unterschiedlichster, ja, sogar feindlicher Kulturen zusammen – wie etwa Israels und Palästinas im vom renommierten Dirigenten Daniel Barenboim gegründeten West-Eastern Divan Orchestra. Sie wirkt unmittelbar auf den Körper, baut Stress ab, lindert Schmerz, trägt zum Überwinden psychologischer Probleme wie Demenz bei, macht Gefängnisse konfliktärmer und ist für Jung wie Alt eines der wichtigsten Mittel, um kognitive Fähigkeiten zu schulen und zu fördern. „Wegen all ihrer Qualitäten müsste die Musik eigentlich im Mittelpunkt unseres Lebens stehen – aber trotzdem wird sie nicht ernst genommen“, beschreibt der vielfach ausgezeichnete Journalist das Paradoxon unseres Alltags. Um die große Bedeutung der Musik zu zeigen, ist Fichtner ein Jahr lang an Orte gereist, wo Musik das Alltagsleben bereits maßgeblich verändert. Ein solcher Ort ist zum Beispiel die Frühgeborenenstation der Universitätsklinik im französischen Dijon, wo die Krankenschwester Solène Pichon zeigt, wie Musik die Überlebenschancen von Frühgeburten deutlich erhöht. Der Reporter war aber auch in der Musikwerkstatt der Bremer Philharmoniker, in der klassische Musik in langfristigen Projekten in Schulen gebracht wird. Er hat die Kraft des Chorgesangs in Gemeindesälen erlebt, Spielmannszüge begleitet und ist in die bunte Welt der Musikmesse WOMEX eingetaucht. Der in Paris arbeitende Journalist präsentiert aber auch viele Hintergründe aus seinen Interviews mit Personen aus Neurowissenschaft, Medizin, Kunst und Kultur unter anderem Orchesterleitungen oder Persönlichkeiten des Musikjournalismus wie dem populären Radiomoderator Fritz Egner. Er befasst sich zudem mit neuen Entwicklungen wie Streaming oder KI und deren Auswirkungen auf unsere Hörgewohnheiten. Und Fichtner beschreibt die transformative Kraft echter Konzerte wie etwa der Sinfonien von Gustav Mahler, der erstklassigen Darbietungen auf dem Montreux Jazz Festival oder eines Gamelan-Orchesters. Ein wahrer Lesegenuss und Appell an Politik und Schulen, der Musik endlich den Stellenwert zu geben, der ihr gebührt.

Erik Prochnow

Ullrich Fichtner:

Die Macht der Musik : Über ihre Kraft, unser Leben glücklicher u. unsere Gesellschaft gerechter zu machen. – 2. Aufl. – München : Dt. Verl.-Anst., 2025. – 254 S.

ISBN 978-3-421-07048-7 – 24,00 EUR

Bezug: www.dva.de

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