Abschied auf Raten

Würzburg und das letzte originale Africa Festival

20. Mai 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

Um es gleich vorwegzunehmen: Die 37. Ausgabe des traditionsreichen Würzburger Africa Festivals in diesem Jahr ist – nach einer Anfang Mai veröffentlichten Pressemitteilung – nun die definitiv letzte des ausführenden Vereins. Der Afro Project e. V. begründet seinen Schritt mit schwierigen Bedingungen wie Wetterabhängigkeiten bei der Durchführung, Preiserhöhungen bei der Veranstaltungstechnik und sinkender Unterstützung durch Sponsoren.
Interview: Christoph Schumacher; Fotos: Cordula Scholz

Dabei zeigte sich Pressesprecher Etienne Oppl nach dem 36. Africa Festival, das 2025 auf den Mainwiesen stattgefunden hatte, sehr zufrieden. Die vorausschauende Planung, beide Bühnen mit zwei großen Zelten zu überdachen, ermöglichte es, dem Programm auch bei Regen ohne Unterbrechung zu folgen. Auch stieg der Andrang der Besuchenden um mehr als 15.000 auf 40.000 an, nachdem das Jubiläumsfestival 2024 nur etwa die Hälfte an Zuhörenden zu der Freiluftveranstaltung gezogen hatte (siehe auch hier). Der Leiter des Festivals, Stefan Oschmann, verriet mir bereits Ende letzten Jahres, dass die Konzerte der 37. Ausgabe nun im Congress-Centrum und andere Programmelemente mit Unterstützung der Stadt Würzburg verteilt um das Rathaus stattfinden würden.

Mandé Sila

Ohne in eine wehmutsvolle Rückschau zu starten oder in den Chor der Kritik einzufallen, möchte ich kurz einige Eindrücke des 36. Festivals 2025 teilen. Zur Premiere des Mandé-Sila-Projekts präsentierten die virtuosen Musiker Habib Koité, Aly Keïta, Lamine Cissokho und Mama Koné kein ausgefeiltes Programm, sondern spielten routiniert mit unbekümmerter Gelassenheit auf ihren Instrumenten. Habib Koité füllte seine ausgedehnten Stimmpausen mit launigen Anekdoten aus dem Touralltag. Noch am selben Abend stand mit Omar Pene, der Ende 2025 seinen siebzigsten Geburtstag feiern durfte, einer der populärsten Sänger aus dem Senegal auf der Open-Air-Bühne. Gemeinsam mit seiner souverän und kraftvoll auftretenden Band Super Diamono de Dakar verstand er es, das Publikum zu begeistern. Am Abend des Festivalfreitags überraschte der Stimmakrobat Faada Freddy nicht nur mit einer speziellen Akustikgitarrenbegleitung, sondern spielte mit der vor ihm aufgetretenen Siân Pottok gleich mehrere Songs im Duo. Auch aus der jüngeren Generation, weniger jazzverwandt, dafür mit etwas stärkerem populärmusikalischem Bezug, verzauberte Elida Almeida mit kapverdischen Titeln das Publikum. Melane Nkounkolo wiederum nutzte ihren stimmungsvollen Auftritt am Sonntagnachmittag, um dem engagierten Publikum die DMKS-Stammzellen-Kampagne ans Herz zu legen. Schwarze Menschen hätten durch proportional weniger Spender eine geringere Chance bei einer Erkrankung an Knochenmarkkrebs, begründete sie ihre Aktion (ein folker-Beitrag zu Melane aus Heft #1.26 findet sich hier).

MelaneNkounkolo

Unbedingt erwähnenswert ist, neben dem musikalischen Abendprogramm, die nachmittägliche Aufführung eines Kindermusicals durch die Gruppe Adesa, die wirklich schon seit Anfang des Festivals 1989 dabei ist. Während hier Kinder und Erwachsene durch humorvoll dargestellte Geschichten vieles über afrikanische Kulturen lernten, kümmerten sich an anderer Stelle etliche Organisationen und Initiativen um Wissensvermittlung. Auch hier gab es eine Premiere: Arte produzierte eine Sendung, in der sich das Würzburger Publikum an einer Diskussion beteiligen konnte, die die europäisch-afrikanischen Beziehungen vor dem Hintergrund der Kolonialgeschichte reflektierte.

Siân Pottok & Faada Freddy

Neben den klugen Beiträgen der Germanistin Auma Obama und des langjährigen Präsidenten des Kameruner Schriftstellerverbandes Prinz Kum’a Ndumbe blieb mir nach dem Festival die Kampagne „Correct The Map“ im Gedächtnis. Statt der, was die Größenverhältnisse angeht, verzerrt darstellenden Mercator-Karte von 1569 sollte endlich die Equal-Earth-Weltkarte von 2018 benutzt werden, getreu dem Motto „Make Africa great again“. Ob das Würzburger Africa Festival in Zukunft aber noch als einer der wichtigsten Bildungsveranstaltungen in diesem Bereich dazu beitragen kann, steht nun also in Frage.

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Aufmacher:
Omar Pene

Foto: Cordula Scholz

Linktipps:

„Warum Afrika uns überraschen wird“, Saloon Talk, Arte: www.youtube.com/watch?v=QbzE1BcRmTA

www.correctthemap.org

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