Bereits erschienene weitere Artikel der Serie:
Günter Pauler war und ist der Vertraute der Deutschfolkszene – seit über fünfzig Jahren: Viele Bands nahmen in den Siebziger- und Achtzigerjahren ihre Alben in seinem Studio im südniedersächsischen Northeim auf. Mit Stockfisch Records gründete er eines der ersten deutschen Labels für Folk und akustische Musik und veröffentlichte selbst Deutschfolkalben. Doch wie fand Pauler den Zugang und das Vertrauen zur Szene des damaligen Revivals? Der folker fragte nach bei dem mittlerweile international renommierten Studiochef und Klangzauberer.
Interview: Udo Hinz
Welche Musik hast du in den Siebzigern selbst gemocht?
In erster Linie hörte ich „Oldies but Goodies“ und Gitarrenmusik.
Hast du dich für Deutschfolk interessiert?
Ich bekam den Einstieg in die Deutschfolkszene über den technischen Bereich, also über Beschallung, Home- und Liverecording von Bands und Einzelkünstlern. Insbesondere mit Hannes Wader und Werner Lämmerhirt arbeitete ich eng zusammen. Schnell übernahm ich auch die Beschallung von Folkfestivals wie beispielsweise dem in Syke. Als ich mein Tonstudio in Northeim gründete, richtete ich mich auf Gitarre und akustische Musik aus. Das verstärkte das Interesse der Deutschfolkbands an meiner Arbeit.
Durch dein Studio ist ein Großteil dieser Szene gegangen. Welche Bands waren in den Anfangsjahren des Folkrevivals bei dir?
Sehr viele! Elster Silberflug beispielsweise, Lilienthal, Fiedel Michel, Liederjan, Cochise, Larynx, Jan & Jürn, Ape, Beck & Brinkmann, Bernies Autobahnband und viele mehr.
Was machte gerade dein Studio für diese Bands so attraktiv?
Ich hatte mich ja auf Gitarre und akustische Instrumente spezialisiert und zugleich immer die damals neuste Aufnahmetechnik sowie natürlich unser spezielles Studioambiente im tausendjährigen Keller. Dadurch waren die Aufnahmen technisch auf dem aktuellen Stand. Das sprach sich schnell herum.
Welche Rolle hast du eigentlich bei den Aufnahmen gespielt?
In erster Linie war ich der Toningenieur. Zudem habe ich einige Aufnahmen und Alben auf unserem eigenen Stockfisch-Label herausgegeben. Da war ich oft als Produzent aktiv. Bei den Produktionen Carsten Lindes und dessen Labels Folk Freak war ich oft auch Co-Produzent.
„Deutschfolk war wie Sturm und Drang.“
Kannst du dich an bestimmte Produktionen besonders erinnern?
Natürlich an die Aufnahmen der beiden Folk Friends-Doppelalben, die ich mit und bei Hannes Wader im Müllerhaus bei seiner damaligen Wohnung, der Windmühle „Fortuna“ in Struckum nördlich von Husum, aufnahm. In Erinnerung bleibt aber auch die intensive Zusammenarbeit mit Chris Jones und Allan Taylor (siehe auch separaten Artikel hier).
Hast du Deutschfolk nur für dein eigenes Label aufgenommen oder auch für andere?
Bis Ende der Achtziger habe ich für viele andere Label gearbeitet. Dann eigentlich nur noch für meine eigenen Alben, die auf Stockfisch erschienen sind.
Wie siehst du als Produzent, Studiobetreiber und Labelchef die Zeit im Rückblick?
Deutschfolk war wie Sturm und Drang: Es gab sehr viele Überraschungen – musikalisch und inhaltlich. Es war die Zeit der akustischen Musik, deutschen Texte und der neu- und wiederentdeckten Lieder.
Du hattest in den Siebzigern auch andere Folkacts im Studio …
Auf jeden Fall! Wichtige Irish-Folk-Musiker waren hier, Künstler wie die Fureys, Andy Irvine oder Dolores Keane und John Faulker. Hinzu kam die britische Szene mit Musikern wie Wizz Jones, Colin Wilkie, Dick Gaughan, Alex Campbell, Allan Taylor, Mike Silver, Jake Walton und Brenda Wootton. Aber auch amerikanische Folksänger und Songwriter wie beispielsweise Ramblin‘ Jack Elliott und Derroll Adams waren bei uns zu Gast.
In den letzten Jahren hast du neue Alben mit Manfred Jaspers oder Thomas Kagermanns Zebra Sommerwind aufgenommen. Wie steht es um Kontakte zu den Musikern und Bands aus der Szene der Anfangsjahre?
Ich habe immer mal wieder Kontakt zu allen, die noch unter uns sind und mit denen ich zusammengearbeitet habe. Dazu zählt Hannes Wader, der seine Alben jetzt bei mir aufnimmt und bei Stockfisch herausbringt.
Was denkst du über Neuauflagen von Stockfisch-Deutschfolkalben?
Deutschfolk hatte seine Zeit, die ist vorbei. Neuauflagen stehen nicht an, vielleicht irgendwann eine Kompilation.
Aufmacher:
In Heft #2.26 beschäftigen wir uns im Rahmen der Serie anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums des Nürnberger Bardentreffens insbesondere mit den damals fast flächendeckend veranstalteten Folkfestivals.







0 Kommentare