kurz & knapp

aus folker #02-2026

9. Juni 2026

Lesezeit: 40 Minute(n)

A Different Thread, Over Again (Same Cloth Records)

Beim Busking in Irland trafen sich die Amerikanerin Alicia Best und der Engländer Robert Jackson und taten sich – persönlich wie musikalisch – zusammen. Over Again ist ihr drittes Album; nach Jahren des Hin und Her zwischen den Kontinenten gemäß der schließlichen Entscheidung für Amerika überwiegend lupenreine, sanfte Americana mit gelungenen Toppings von Indie, Folk, herkömmlichem Rock und Pop.

Christian Beck

João Afonso, Todo Tempo (Lusitanian)

Sanfte Gitarrenmusik mit portugiesischen Fadoeinflüssen und dem dazugehörigen Grad an Entspannung bietet Joao Afonso auf seinem neuen Album, auf dem er auch den Gesang beisteuert. Ein Rotwein-trifft-Kopfhörer-Album, das einen nach anstrengenden Tagen ziemlich schnell und nachhaltig wieder runterbringt.

Wolfgang Weitzdörfer

Amber & The Moon, Are We Alright? (Popup-Records)

Indiefolk aus Hamburg mit englischem Gesang von Ronja Pöhlmann, begleitet von Ben Shadow (Bass), Torben Sdunek (Drums) und Johnatan Riedel (Vocals, Gitarre). Es ist eine sehr ruhige Musik, die Lieder handeln von Liebe über Distanz, Trost beim Älterwerden und damit verbundenen Verlusten. Leider gibt es die Texte nicht zum Mitlesen, sodass sie sich schwer erschließen.

Michael A. Schmiedel

Amsterdam Klezmer Band, Diaspora (Asphalt Tango)

Das kurz beschriebene Rezept für Klezmer und die Amsterdam Klezmer Band heißt: Traditionen existieren, um als Erstes geschaffen, dann überwunden und schließlich neu erfunden zu werden. Dies gilt auch für das mittlerweile zwanzigste Album (sollten wir richtig mitgezählt haben). Weiterhin steht AKB nicht nur für einen zeitgenössischen, mitreißend-inspirierenden Zugang zum Klezmer, sondern insbesondere auch für Tanz.

Matti Goldschmidt

Marcela Arroyo & Quique Sinesi, Reflejos (O-Tone Music)

Zwei Globetrotter frischen hier Erinnerungen an die Musik ihrer Heimat auf, an Tango und Milonga: Enrico „Quique“ Sinesi, längst in Berlin heimisch geworden, und Marcela Arroyo, die in Zürich lehrt und musiziert. Sachte umspielt Sinesis Gitarre die Stimme der Sängerin, und ab und an sorgt die Trompete Markus Stockhausens für Glanz. Eine gelungene Hommage an die Metropole am Rio de la Plata – leider fehlen die Texte im Booklet.

Gerd Döring

Ásgeir, Julia (Embassy of Music)

Ásgeir singt und schreibt auf Englisch, und trotz des Namens klingt seine Musik kein bisschen isländisch – aber schön! Seine (mit einer Ausnahme) selbst geschriebenen Lieder sind folkig und erinnern sehr an die Musik der Sechziger (falls sich jemand an Bob Lind erinnert?). Er spielt Gitarre, kommt mit der Stimme beachtlich hoch, und alles ist nachdenklich, melancholisch, niemals aber depressiv.

Gabriele Haefs

Astro Bloc, Astro Bloc (Astro Bloc Records)

Debütalbum eines jungen, talentierten Quartetts aus Glasgow. Die Besetzung ist etwas ungewöhnlich: zwei Fiddlerinnen, einmal akustische Gitarre/Tasteninstrumente plus Drums – über weite Strecken Speedfolk. Die Ideen für die Melodien stammen gleichermaßen aus Irland und Schottland. Der dynamische Sound wird geprägt vom Produzenten, dem Konzertina-Ass der Gruppen Talisk und Imar, Mohsen Amini.

Mike Kamp

Auburn, Behind The Scenes (Scarlet Records)

Liz Lentens siebtes Album mit Auburn und dem sehr eigenen rauen Hauch ihrer Stimme mag grundsätzlich in ausgesprochen zeitgemäßem Indiefolk/Rock verortbar sein – eher Stimmung als Komposition –, zielt mit leichtem Reggae („Perfect Imperfections“), samtenem Soft Soul („Let The Good Times Begin“), einem Hauch von Hip-Hop („Sweet Dreams“) und ähnlichem aber auch immer wieder gekonnt darüber hinaus.

Christian Beck

Die Blowboys, Don’t Give A Ship (Eigenverlag)

Britische Seemannslieder einer achtköpfigen Band aus Hamburg: Shantys, Walzer und andere Songs, teilweise an Rednex erinnernd, aber auch wunderbarer mehrstimmiger Chorgesang, begleitet von Klavier, Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug und Akkordeon auf dem zweiten Album seit 2019. Das aufwendig gestaltete Booklet enthält alle Texte, verbunden mit deutschen Hintergrundinfos zu den Liedern. Ein sehr schönes Album.

Michael A. Schmiedel

Bodinrocker, Special Blend (Bearman Music)

Geradliniger, schnörkelloser Rock und Rock ’n’ Roll. Die Band Bodinrocker aus Schweden um den Gitarristen und Leadsänger Anders Bodin spielt melodischen, unaufgeregten Rock im Sinne der dafür stilprägenden Formation Status Quo. Und überrascht dann mit einem tollen Gitarrenriff in „Running The Show“ oder einer treibenden Hookline in „What I Wanna Say“.

Achim Hennes

Bruther, Kaleidoscope (Timezone)

Ein Debüt, dem man das nicht anhört – so kann man Kaleidoscope des Quintetts aus Wien beschreiben. Tief in den Siebzigern verwurzelt klingt das Album wie ein ungewolltes, aber quicklebendiges Kind der Beatles und Procol Harums mit weiblichem Gesang. Toll, weil unerwartet.

Wolfgang Weitzdörfer

Danny Bryant, Nothing Left Behind (Jazzhouse Music)

Das neue Album des britischen Bluesrockers bietet alle Zutaten, die in diesem Genre gefragt sind: Trockener, treibender Beat, virtuoses Gitarrenspiel, dynamische Rhythmus- und Tempowechsel, wunderbar wechselnde Soloparts von Gitarre und Orgel, je nach Songanforderung ekstatischer und/oder gefühlvoller Gesang. Und dazu die Story, dass Danny Bryant den Dämon namens Alkohol bezwungen hat – Chapeau!

Achim Hennes

Andreas Büchele, Klartraum (Eigenverlag)

Allen Träumern dieser Welt widmet der Gymnasiallehrer Andreas Büchele aus Bad Waldsee sein zweites Album mit englischen und deutschen Liedern. Romantik und das Träumen sind die wesentlichen Themen dieser Songs, überraschend dann dazwischen ein Lied über Leendert Hasenbosch oder die Selbstquälerei einer Klavierspielerin. Ruhige, besinnliche Lieder, die zum Zuhören und Nachsinnen einladen.

Rainer Katlewksi

Julie Campiche, Unspoken (Rossori Music)

Eine intensive Hommage an die Frauen dieser Welt und den Feminismus. Nach drei Alben mit ihrem Quartett legt die Schweizer Jazzharfenistin ein bemerkenswertes Soloprojekt vor. Ausgehend von dem Virginia-Woolf-Zitat „Über weite Teile der Geschichte hinweg war ‚Anonymous‘ eine Frau“, präsentiert die elektroakustische Künstlerin acht atmosphärische Kompositionen, in denen sie die meist nicht wahrgenommenen Beiträge der Frauen in der Welt zelebriert. In dem Stück „Rosa“ etwa gedenkt Campiche allen Frauen auf der Welt, die im Schatten der Gesellschaft etwa im Haushalt oder den unzähligen Fabriken arbeiten.

Erik Prochnow

Catcher Evo, Charcoal (Paraply Records)

Der schwedische Songwriter Stefan Leoson gibt unter dem Künstlernamen Catcher Evo sein Debüt mit einer sechs Songs umfassenden EP. Unter dem Oberbegriff Americana und mit Anleihen aus Folk, Rock und etwas Country erinnert die Musik stark an Künstler wie Bruce Springsteen oder Don Henley von den Eagles. Handwerklich ohne Fehl und Tadel, musikalisch sehr eingängig und überzeugend vorgetragen das Ganze.

Achim Hennes

Spencer Cullum, Spencer Cullum’s Coin Collection – Volume 3 (Full Time Hobby)

Nahezu das gesamte Spektrum um Americana kreisender Stile, von old-timey Folk über Singer/Songwriter bis Dreampop und Indierock fächert der Brite Spencer Cullum mit Wohnsitz Nashville auf Teil drei seiner Coin Collection-Trilogie auf. Hier traditionell strukturiert, da eher atmosphärisch und frei; hier zupackend kraftvoll, da ätherisch schwebend und zart. Hier wie da: kompetent und überzeugend.

Christian Beck

Cuppatea, So sei die Welt (Eigenverlag)

Politische Songs in unruhigen Zeiten: Sigrun Knoche und Joachim Hetscher aus Münster singen gegen die Ungerechtigkeiten der Welt an. Die deutschsprachigen Lieder handeln über Femizide, den Krieg in Gaza oder den einstigen Sklavenhandel. Notwendige Songs für diese Welt! Die Wurzeln dieser Musik liegen bei engagierten Musikern wie Woody Guthrie: von diesem Songwriter covert das Duo das Lied „Deportee“.

Udo Hinz

Brock Davis, Nothing Lasts Forever (Raintown Records)

Weiteres starkes Album des kanadischen Songwriters. Er kombiniert eine gut verständliche Countrystimme, starke, ehrliche Folkgeschichten und seelenvollen Heartland Rock mit eingängigen Melodien. Da schaut jemand ohne Pathetik auf ein hartes Leben mit Mieten und Schulden und Trennungen und dem bisschen Spaß in einer Bar.

Martin Wimmer

Manu Delago & Max ZT, Deuce (Session Work Records)

Ein ungewöhnliches Duo hat sich hier zusammengetan. Der preisgekrönte Komponist und Percussionist Manu Delago legt auf der Handpan zusammen mit dem als „Jimi Hendrix des Hackbretts“ gefeierten Max ZT ein ausdrucksstarkes Instrumentalalbum voller Improvisationskunst vor. Dem Titel entsprechend entfalten sie mit ihren Instrumenten eine Ausgeglichenheit voller hypnotisierender Rhythmen und melodischer Dialoge. Ein Album, in dem sich die beiden exzellenten Musiker ständige neue Ideen zuspielen und jeder Moment eine Entdeckungsreise in eine ganz eigene Klangwelt ist.

Erik Prochnow

Dine Dineff, Roden (Nered Music)

Das Album ist der Abschluss einer Trilogie, die 1999 mit Nostos begann. 2004 folgte Rousilvo. Der auch als Kostas Theodorou bekannte Makedonier Dineff verbrachte seine prägenden Jahre in Nordgriechenland. Er spielt Bass, Gitarre, Mandola, Tambura, Klavier, Orgel und Percussion und verwebt kunstvoll historische Gesangs- und Sprachaufnahmen mit seinen Meditationen über eine im Verschwinden begriffene Kultur.

Ines Körver

Fathering Starlings, The Rising Tide (Eigenverlag)

Fünf großartige Songs voller Sehnsucht. Der Schwede Tobias Kjellberg hat seine Debüt-EP bei sich im Wohnzimmer in Göteborg aufgenommen. Inspiriert durch die Sixties begleitet der Singer/Songwriter sich ausschließlich auf der Gitarre, manchmal mit Streichern unterlegt. Das Ergebnis ist wunderbar. Seine Lieder über Einsamkeit und Verlust verströmen eine große Weite und Intensität, die Gänsehautfeeling erzeugt. Kjellbergs prägnante Stimme zieht einen geradezu in die Songs – und nach den knapp 20 Minuten möchten man unbedingt mehr von ihm hören.

Erik Prochnow

The Fugitives, The Fugitives (Rhea Records)

„Die Flüchtigen“, eine kanadische Folkband mit Brendan McLeod (Gitarre, Gesang) & Adrian Glynn (Gesang, Gitarre, Lap Steel, Balalaika) – „The world is just an accident, that’s why we’re not alone.“ Fans und Kritiker finden die Gruppe schwer zu klassifizieren: Sie wurde als Slam Folk, Folk Hop kategorisiert und die Georgia Straight beschreibt treffend: „wild(e), talentierte Spoken-Word-Künstler“.

Corina Oosterveen

Gangar, Dreng (Heilo)

Vor einigen Jahrzehnten wäre das hier als Folkrock bezeichnet worden, norwegische Musik mit hohem Tempo und wilder Wucht. Gangar sind Scherzkekse: Ein norwegisches Wiegenlied hat einen leicht veränderten Titel und ist dem Produzenten Karl Seglem gewidmet, der auf seinem Saxofon gewaltig loslegt – und keine Spur von der jedem norwegischen Säugling vertrauten Melodie übriglässt.

Gabriele Haefs

Miguel Girão, The Northern Islands Suite Part II (Eigenverlag)

Zweite EP mit Musik für Sologitarre. Interessant: Der junge Gitarrist und Komponist stammt aus Portugal, lebt in Glasgow und bezieht seine Inspirationen aus der traditionellen Musik Shetlands und Orkneys ebenso wie aus der Klassik und dem Jazz. Er war Finalist der BBC Radio Scotland Young Traditional Musician of the Year Awards 2025. Teils sehr komplexe technische Arrangements.

Mike Kamp

Robert Gromotka & Jonas Hain, Between Us (Neue Meister Berlin)

Kann man Stille hörbar machen? Ja, man kann. Der Berliner Komponist für Filmmusik Gromotka und der Münchener Pianist Hain haben ein berührendes Album erschaffen, auf dem sie die Zwischenräume menschlicher Beziehungen, das Verbindende sowie das Trennende, erklingen und nachhallen lassen. Dreizehn zarte, leise, gefühlvolle Klanggeschichten, mal solistisch, mal im Dialog mit Streichern, die einen vom ersten Hören an nicht loslassen. Wer sich auf die meditativen Stücke einlässt, wird nicht nur viele Fragen, sondern auch vielleicht einen Raum finden, in dem wir uns selbst und anderen wirklich begegnen können.

Erik Prochnow

Lakhdar Hanou Orchestra, L’Odyssée De Nour (Inouies)

Der frankoalgerische Oudspieler hat für diese Produktion Mitglieder seines Lakhdar Hanou Ensembles mit neun Musikschaffenden des L’Orchestre de Chambre de Toulouse zusammengebracht. Entstanden ist ein beeindruckendes Werk orchestraler Weltmusik. Herausragend ist insbesondere die Sängerin Leila Zitouni.

Christoph Schumacher

Glen Hansard, Don’t Settle – Transmissions East (Vol. 1) (Plateau Records)

Der oscarprämierte Singer/Songwriter zieht eine erste Bilanz seiner erfolgreichen Karriere. Aufgenommen live im Berliner Funkhaus im April 2025 präsentiert der 55-jährige Ire Teil eins seiner Best-of-Sammlung. Die zehn Songs in neuem Gewand umspannen sowohl seine Soloalben als auch die Zeit mit seinen Bands The Frames und The Swell Season. Gemeinsam mit ehemaligen Weggefährten entfacht Hansard ein Feuerwerk an Dynamik und Kraft. Ein intensives Konzert, das Hansard zur Höchstform auflaufen lässt und nicht nur eingefleischte Fans atemlos zurücklässt. Sehr zu empfehlen.

Erik Prochnow

HASA Spacepop From Dåhanna, Streik (36Music/Broken Silence)

Die „Heiners All-Star-Attraktion“ aus Herrenberg liefert ihr zweites Album nach 2024. Siebzigerjahre-Disco mit schwäbischen, ironischen Texten rund um Situationen, die nicht so laufen, wie sie sollen, zum Beispiel „wenn d’r Bock nemme will“. Und das alles in wunderbarem funkigen und souligen Gesang und Spiel, als sei das alles ernst gemeint. Mit schönem Beiheft.

Michael A. Schmiedel

Ragnhild Hemsing Vetra, Unbound (Berlin Classics)

Für ihr Album Unbound hat Ragnhild Hemsing illustres Personal eingeladen: Mathias Eick (Trompete), Steinar Raknes (Kontrabass) und Terje Isungset (Percussion) – von Haus aus Jazzmusiker, aber alle drei auch mit nordischem Folk vertraut. Vom Wiegenlied „Bånsull“ bis zum finalen „Vals“ spielt sich das um die Zither Langeleik verstärkte Ensemble Vetra durch sieben Kompositionen Hemsings, die alle inspiriert sind von ihrer Heimat Valdres.

Gerd Döring

Rosa Hoelger, Für immer Gummistiefel (Unserallereins)

Eine Ode an die Unangepasstheit. Was in den meisten Veröffentlichungen eher rotzig und mit Punkgestus daherkommt, gerät bei Hoelgers neuem Werk fast schon lyrisch und poetisch. Die Band bestehend aus Gitarre, Klavier, Geige, Bass und Schlagzeug agiert dabei mal zupackend, mal sehr reduziert an der Schnittstelle zwischen Chanson und Indierock. Hoelgers Gesang ist engagiert und wandlungsreich zwischen Sprechgesang und hohem Register. Bei zwei Titeln gibt es gesangliche Unterstützung von Dota Kehr.

Imke Staats

The Imaginaries, Fever (Bertus)

Zwölf Songs in der Schnittmenge aus Americana, Blues und Folkrock, dazu ein Händchen für eingängige Melodien – das bieten Maggie McClure und Shane Henry mit ihren Mitmusikern auf ihrem erst zweiten Album Fever, das aber deutlich macht, dass hier zwei echte Vollprofis am Werk sind. Da sitzt jeder Ton perfekt. Und das auf sehr sympathische Art und Weise.

Wolfgang Weitzdörfer

Suzanne Jarvie, Mother’s Day (Continental Song City)

Das dritte Album der Kanadierin ist eine Verschmelzung von Folk mit klassischem Klavier: Sie singt von Mutterschaft, Verlust, Wut, Lebensbejahung, Hoffnung und Veränderung in wunderbaren starken lyrischen Texten. Keine Musik zum Bügeln oder für nebenher, sondern ein Konzert in Albumform fürs Wohnzimmer (alleine oder zu zweit) mit einem Singstil, welchen man in Europa als Chanson bezeichnen würde.

Corina Oosterveen

Lena Jonsson & Johanna Juhola, The Power Of Polska (Nordic Notes)

Schwedische Geigerin und finnische Akkordeonistin – schon mal eine vielversprechende Kombination. Die beiden fühlen sich der traditionellen Musik ihrer Länder verbunden, gehen aber auch gern eigene Wege. Die meisten Stücke auf dem Album haben sie selbst komponiert. Dabei legen sie den Begriff Polska großzügig aus und bringen ebenso gern Tangoelemente ein wie Annäherungen an klassische Musik.

Gabriele Haefs

The Jumpin’ Rockets, Astro-Bash! (DMG Germany)

Oh je, wie herrlich werden hier die Fünfziger mit ihrem ganz ureigenen Mix aus Swing, Rockabilly und Liebenswürdigkeit zelebriert. „Astro-Bash!“, „Love Me Right“ oder der „Wring Out Boogie” machen eine Menge Spaß, leben von der Schnoddrigkeit und reduzierten Freude an der Musik. Ein Album, das direkt gute Laune macht!

Wolfgang Weitzdörfer

Karwendel, Das Fest/Ein neues Leben (Backseat)

Ob in den poetisch verklausulierten Texten ein Einssein mit sich und der Welt, eine gewisse Spannung oder Ernst mitschwingen – ruhig sind alle Songs, die die Hamburger Formation Karwendel auf Gitarren, Klavier, Wurlitzer-Orgel, Kontrabass und Schlagzeug komponieren. Auf diesem Album gibt es zwei Sektionen: Das Fest und Ein neues Leben, bei denen jeweils unterschiedliche Musikschaffende mitwirken. Die Hauptstimme steuert jeweils der Kopf des Ganzen, Sebastian Król, bei, begleitet von anderen. Er nennt das Ganze auch nicht Band, sondern Projekt.

Imke Staats

Michael Weston King, Nothing Can Hurt Me Anymore (Continental Song City)

Bebe, die sechs Jahre alte Enkelin des englischen Singer/Songwriters, war eines der Opfer der 2024-Southport-Attacke und MWK versucht mit diesem ungeplanten Soloalbum, seinen unfassbaren Verlust zu verarbeiten. Entsprechend ist die Stimmung zwar nicht depressiv, aber gedrückt. Auch die rockigen Arrangements täuschen nicht über die traurigen Botschaften der Lieder hinweg. Veröffentlicht an Bebes Geburtstag.

Mike Kamp

Kraan, All In (36Music)

Die Krautrock-Urgesteine von Kraan um Basslegende Helmut Hattler legen mit All In ein absolut entspanntes Alterswerk vor. Die Gitarre von Peter Wolbrandt ist gelassen, Jazz und Funk schimmern durch die zwölf energiegeladenen Tracks – und man merkt, wie man bei Songs wie „Tadpole“ unbewusst mitgroovt, bis der Refrain einen in Wohlgefallen entlässt. Toll – aber ein scheußliches Cover!

Wolfgang Weitzdörfer

Betti Kruse, Wird schon gutgehn (Backseat)

Chansonschlager – was soll das denn sein? Betti Kruse zeigt das auf ihrem Debüt auf ganz charmante Art und Weise mit ihrer sympathischen Stimme und einer Instrumentierung, die zwischen Easy Listening und Anspruch hin und her changiert, dabei Siebzigersounds wie Querflöte oder Fender-Rhodes-Piano mit reinbringt, sodass man sich irgendwie in eine bessere Zeit zurückversetzt fühlt – zumindest für eine Dreiviertelstunde.

Wolfgang Weitzdörfer

La Licorne Noire, Le Voyage Initatique (Eigenverlag)

Der Pariser Jazzgitarrist Eric Delval hat unter dem Namen La Licorne Noire („Das schwarze Einhorn“) ein Quartett in der Besetzung Gitarre, Oud, Bass und Schlagzeug zusammengestellt. Das erste Album trägt den passenden Titel Le Voyage Initiatique und enthält World Jazz mit einigen sehr schönen Melodien (alle von Delval komponiert), der manchmal aber auch nur dahinplätschert.

Christian Rath

Le Bal Jacquin, Au Bout Du Bout (A Tout Va/Modulor)

Der Akkordeonist Eric Allard-Jacquin, der zeitweise bei Les Yeux d’la Tête spielte, hat eine neue Band formiert. Deren Name weist nicht nur auf ihn als Kopf der Band hin, sondern beschreibt gleich ein neues musikalisches Genre; ausgehend vom Bal Musette erfand Allard-Jacquin eine Form des Free Bal, den Bal Jacquin. Den Sound prägt auch Matthis Pascaud mit seiner Surfgitarre.

Christian Rath

Leï, Amarre (Inouies)

Das weibliche A-cappella-Duo bestehend aus Laurène Barnel und Carine Habouzit kommt aus Südfrankreich. Die Musik ist sehr ruhig, sie nennen es „zart“. Zum Repertoire gehören auch Wiegenlieder, aber das ganze Album ist ein großes Wiegenlied.

Christian Rath

Main Grass, Main Stream (Eigenverlag)

Die Brüder Patrick und Moritz Engel haben Billy Strings gehört – und wollten fortan Bluegrass spielen. Im Quintett mit drei erfahrenen Musikern aus dem Großraum Frankfurt legen sie ihre Debüt-EP mit sechs Stücken vor. Die Band interpretiert Musik von Künstlern wie Carter Stanley oder Doyle Lawson, überzeugt dabei mit ihren instrumentalen und gesanglichen Fähigkeiten. Der Anfang ist gemacht.

Volker Dick

Malaka Hostel, Brucca Beat (Rummelplatzmusik)

Ein Album, das aufrütteln und den Blick weiten will. Mit seinem Brücken-Beat (altdeutsch „Brucca“) zwischen Moderne und traditionellem Folk der unterschiedlichsten Kulturen erzeugt das fünfköpfige Ensemble einen Soundtrack voller Lebenskraft in schwierigen Zeiten. Die zehn Songs um die intelligenten deutschen und englischen Texte grooven und pulsieren voller Energie, angetrieben von Gitarren, Mundharmonika, Bläsern und gelegentlicher Geige. Es ist unmöglich, hier nicht das Tanzbein schwingen zu wollen. Noch bevor der letzte Song verklungen ist, will man hinaus und für eine bessere Welt kämpfen.

Erik Prochnow

Malummi, Damaged By Their Silence (Mouthwatering Records)

Das Trio Malummi aus dem schweizerischen Basel präsentiert auf seinem dritten Album melodischen Indierock. Der gleichzeitig fragile wie selbstbewusste Gesang Larissa Rapolds trifft auf kräftige Wände aus verzerrter Gitarre, Bass und Schlagzeug. Für Abwechslung sorgen vereinzelt balladenhafte Titel zum Pianospiel. Der textliche rote Faden ist der Kampf des Individuums gegen gesellschaftliche Normen oder auch die eigene innere Zerrissenheit.

Imke Staats

Mansfarroll, Àfrica Sí (M Percusion)

Der kubanische Percussionist will die Verbindungen zwischen Kuba und Afrika in einer stilistisch komplexen Melange aufzeigen. Da entspringt die Guantanamera-Melodie aus einem Afrobeat, zwischen Kalimbarhythmen ertönt eine Afrosamba-Gitarrenmelodie, Jazzstücke mit panafrikanischer Färbung, aber auch Spoken Word spielen eine Rolle. Für ein Percussionisten-Album sehr abwechslungsreich.

Hans-Jürgen Lenhart

Mariachi El Bronx, IV (ATO/PIAS)

Statt Hardcore und Punk gibt es die volle Dosis Mariachi-Musik mit Bläsern, den passenden Rhythmen und Melodien – und das macht deutlich, dass die beiden Genres vielleicht ja nur von der harten Stromgitarre mit Verzerrung getrennt werden, nicht aber von Eingängigkeit und Popappeal. Das vierte Album der Amis macht Spaß!

Wolfgang Weitzdörfer

John-Paul Mason, Overstory (Birnam CD)

Das Debüt des Mannes aus Comrie an der schottischen Ostküste, der die Stoffe seiner Lieder aus der Landschaft seiner Heimat bezieht. Er arbeitet hauptberuflich als anerkannter Atemtherapeut, was man seiner warmen Stimme anzuhören meint. Die zehn Songs weisen keine unnötigen Längen auf und verbreiten mit Gitarre, Cello und Fiddle allesamt eine hoffnungsvolle Stimmung. Klingt etwas wie Kris Drever.

Mike Kamp

Mativetsky Amiri Pagé, Metamorphose (Fifth House Music)

Selten ist ein Albumtitel so treffend gewesen. Denn was den drei exzellenten Musikschaffenden aus dem kanadischen Montreal gelingt, ist tatsächlich eine Verwandlung von Instrumenten und Stilen in eine ganz eigene Klangwelt. Die Harfenistin Sarah Pagé, der aus dem Iran stammende Amir Amiri an der 72-saitigen Schlagzither und der Tablavirtuose Shawn Mativetsky verschmelzen persische Musik mit Kammerjazz und Hindustani-Rhythmen. Dabei setzen sie auf unkonventionelle Techniken auf ihren Instrumenten und gelegentlichem Einsatz von Elektronik. Ein aufregendes Album, in dem drei Individualisten gekonnt Tradition mit Exploration verweben.

Erik Prochnow

Roddy McKinnon, Lake (Silberblick Musik)

Es ist der dritte Teil der Trilogie über seine Krebserkrankung. Der aus Glasgow stammende und in Genf lebende Singer/Songwriter erhielt die Diagnose vor rund sechs Jahren. Seitdem verarbeitet er den Umgang damit in seiner Musik. Nach dem Schock sowie der Genesung durch das Erinnern folgt auf Lake nun das Einlassen darauf, auf welcher Welle einen das Leben weiterträgt. Zehn tiefgründige, reflexive Gitarrenballaden, vorgetragen mit einfühlsamer, rauchiger Stimme über die unergründlichen Wege der menschlichen Existenz. Sehr hörenswert.

Erik Prochnow

Mehr als Wir, Hurry Up And Wait (Eigenverlag)

Eine Besetzung, die im Wesentlichen aus Gitarre und Posaune besteht, hat per se Seltenheitswert. Matthias Ehrig und Andreas Uhlmann reichern ihren echt fetten Sound auf der mittlerweile dritten Veröffentlichung mit Synthesizerklängen und Stompbox an. Herrlich entspannte, groovebetonte Musik, die sich stilistisch nicht gut einordnen lässt. Muss ja auch gar nicht sein. Wärmste Empfehlung!

Rolf Beydemüller

Yinon Muallem, Aegina’s Secret (Galileo MC)

Oudspieler Muallem pflegt hier einen sphärischen Klang zwischen arabischer Musik, Jazz und Inspirationen durch westlichen Pop. Das erinnert manchmal an den schwebenden Sound Bill Frisells. Interessant ist, wie Muallem den Surfrock-Song „Misirlou“ von Dick Dale auf seinen Ursprung als griechischen Rembetiko zurückführt. Nun, die Idee zum Album ist ihm auch in der Ägäis gekommen.

Hans-Jürgen Lenhart

Nâbu Pçra, Sounds Of Nicosia (Zero Nove Nove)

Sounds Of Nicosia ist das Debüt eines Trios aus Zypern. Demetris Yiasemides (Flöte, Sylphyo, Elektronik), Natasha Hadjiandreou (Vibrafon, Percussion) und Savvas Thoma (Bendir, Gesang) klingen teilweise nach mehr Leuten als sie sind, was auch an den abwechslungsreichen Arrangements liegen dürfte. Der Titel des Tonträgers ist Programm: Nikosia soll in all seiner Vielfalt hörbar werden, Straßengeräusche inklusive. Weltmusik mit Ambient-Flair.

Ines Körver

New Valley String Band, Of Tales And Lies (Eigenverlag)

Keine Frage, diese Mischung funktioniert auf bestechende Weise: Das Trio aus Südschweden lässt Skandinavisches und Old-Time Music aus den USA ineinanderfließen. Ihre Wurzeln bleiben immer hörbar, die Fiddles stehen vorn, dazu kommen Banjo und Gitarre. Außer Traditionals aus beiden Ländern gehören Eigenkompositionen zum Programm, ohne dass Brüche erkennbar wären. Da scheint viel Schönes auf.

Volker Dick

Teija Niku, Tovi (Teijaniku)

Teija Niku ist eine finnische Akkordeonvirtuosin, die alle ihre Stücke selbst komponiert – das allerdings im Rahmen der finnischen Tradition. Nicht-Fachleuten fällt es zweifellos schwer, Unterschiede herauszuhören. Sie nimmt auch Impulse aus anderen Musikstilen auf, vor allem bulgarische, aber mindestens einmal ist auch Irisches vertreten. Spannendes, abwechslungsreiches Album!

Gabriele Haefs

Cécile Nordegg/No-Ce & Friends, On Tour (Rossori Music)

Sie ist eine leidenschaftliche Globetrotterin. Das unterstreicht die österreichische Sängerin einmal mehr mit ihrem neuen Doppelalbum, entstanden zwischen Dakar, Guatemala City und Los Angeles. Die 31 auf spontanen Livemitschnitten basierenden Songs demonstrieren ihren typischen French-Jazz-Crossover. Dabei verbindet sie nicht nur viele internationale Musikschaffende, sondern auch die unterschiedlichsten Stile wie afrikanische Rhythmen, Latin oder europäischen Jazz. Ziel der Musikerin war es, den Dialog zwischen den Kulturen erlebbar zu machen – das ist ihr definitiv gelungen.

Erik Prochnow

Tobias Panwitz, Die Lieder der Anderen (Requa Records)

Der Berliner Liedermacher singt bekannte und weniger bekannte Songs von Autoren wie Rio Reiser, Grönemeyer, Tocotronic, Gundermann und Keimzeit, aber auch Evergreens, beispielsweise von Hans Albers, das eindringliche, hochaktuelle „Sag mir wo die Blumen sind“ oder das gute alte Volkslied „Der Mond ist aufgegangen“. Dazu begleitet er sich auf Gitarre, Violine und Klavier.

Reinhard Pfeffi Ständer

Ingo Paul, Ingo Paul & das Geheimnis (DMG Germany)

Ingo Paul, ein Bassist aus Leipzig, der seit vielen Jahren in Blues- und Rockformationen spielt, hat nebenher auch immer eigene Songs geschrieben, die er jetzt mit einer Band eingespielt hat. Männersongs, die von den Problemen und dem Scheitern erzählen, mit denen sich herbe Männlichkeit heutzutage in Job und privat plagen muss. Raue, ehrliche Songs einer Zeit, in der die Geschlechterverhältnisse sich wandeln.

Rainer Katlewksi

Pavey Ark, More Time More Speed (Eigenverlag)

Pavey Ark ist entweder ein markanter Berg in der Mitte des Lake District oder eine alternative Indiefolkband aus Hull mit ihrem zweiten Album. Zentrum der variablen, etwa zehnköpfigen Gruppe ist der Singer/Songwriter Neil Thomas mit seiner markanten Stimme. Die Musik ist ein sehr eigener, orchestraler, streicherlastiger Folk, der ebenso wie der komplette Auftritt der Band sehr viel Liebe zum Detail verrät.

Mike Kamp

Rahu, On The Dancefloor (CPL-Music)

Der Titel ist Programm: Das Quartett aus Lettland lockt mit seiner Musik auf die Tanzfläche. Dazu mischt es traditionell Lettisches mit Klängen aus der westlichen Welt. Das klingt mal irisch, mal nach Cajun oder Bluegrass – in jedem Fall mitreißend. Live aufgenommen, überträgt sich der Geist dieser heißen Mixtur und fährt auch konserviert in die Beine. Spielt auf, Ihr Musikanten!

Volker Dick

Mariana Ramos, Sinfonico (Casa Verde)

Die kapverdische, in Dakar geborene Sängerin (und Schauspielerin), schon 57 ihrer 64 Lebensjahre in Frankreich lebend, umgibt sich auf ihrem achten Album mit einem Orchester. Bei den eher klassischen Arrangements ihrer Songs geht in der Opulenz ihr ohnehin nicht so starker Gesang teilweise leider etwas unter. Diese Liveaufnahme hätte ein (besseres) Mastering womöglich etwas optimieren können …

Katrin Wilke

Red Largo, Hotel Neuf (Madam Veg’s Boudoir)

Geisterartige Stimmung verbreitet vor allem das Saxofon in seinen unterschiedlichen Tonhöhen auf Hotel Neuf, dem zweiten Album des Berliner Ensembles, das sich vor allem mit dem Sehnsuchtartigen, dem Seltsamen und bisweilen Eigentümlichen von Hotels als Ort und Atmosphäre beschäftigt. Ein Album, in das man sich hineinwühlen und -arbeiten muss.

Wolfgang Weitzdörfer

Reverend Stomp, Mescalero Ranger (Las Vegas Records)

Funkig, schnoddrig und mit einem Gesang, der, obwohl englischsprachig, absolut an Jan Delay aus Hamburg erinnert. Das bietet das neue Album von Reverend Stomp aus Wien. Das hört man dem Album übrigens auch nicht an. Klingt eher nach Wüste, Steppe und Einsamkeit der US-Weiten. Schöne Melodien gibt es auch.

Wolfgang Weitzdörfer

Finn Ritter, AD (Timezone)

Der geborene Rügener aus Hamburg mit der immer noch jugendlich sanften Stimme hat auf seinem achten Studioalbum wieder lyrischen deutschen Pop mit sehr persönlich Reflexionen und Empfindungen veröffentlicht. Fragen an sich selbst, die familiären Wurzeln, woher man kommt, wohin man geht, nicht zu wissen, was das Leben ausmacht, besingt er in nachdenklichen und einschmeichelnden Liedern.

Rainer Katlewksi

Terry Robb, Howlin’ Waters (New Folk Music)

Der kanadische Gitarrist zollt den beiden Bluesgrößen Howlin’ Wolf und Muddy Waters hier seinen Tribut. Allerdings nicht, in dem er deren Stil imitiert oder Coversongs interpretiert. Vielmehr stellt er auf spieltechnisch höchstem Niveau dar, dass die Grundlage eines jeden Bluessongs in Ragtime, Fingerpicking oder Slidespiel zu finden ist. Ein Lehrstück für Akustikgitarristen!

Achim Hennes

Rondoprinz, Gartentagebau (Förderturm Records)

Dritte Veröffentlichung des Saiten- und Tastenmusikers und Sängers Chris Bigos als Rondoprinz. Mit Unterstützung von Flowerpornoes-Kopf Tom Liwa und Hans Christian Becker eingespielter deutschsprachiger Singer/Songwriter-Rock/Pop – in Momenten größerer Leichtfüßigkeit ausgesprochen rund und souverän; in anderen auch etwas sehr bedeutungsschwanger und ernsthaft, altbacken und altmännlich.

Christian Beck

Eileen Rose, Insanitia (New Shot Rec)

Der Vater ist Italiener, die Mutter ist Irin, geboren und aufgewachsen ist Eileen Rose jedoch in den USA – und all diese Einflüsse sind hörbar in ihrer Musik. So treffen italienischer Esprit und Leichtigkeit auf irische Melancholie und rhythmische Finesse, leichter, fröhlicher Poprock auf Countryeinflüsse mit Banjo, Dobro und Fiddle. Sehr kurzweilig, facettenreich und höchst unterhaltsam.

Achim Hennes

Ntjam Rosie, Ntjam Rosie (O-Tone Music)

Jazzig, soulig, funkig. Erstes Album der kamerunisch-niederländischen Sängerin mit elf Mitmusizierenden. Die Themen drehen sich um Glauben, Identität, Liebe und Alltag. Gesang und Spiel wirken dabei recht sanft, subtil, leicht vorwärtstreibend, aber nie aufdringlich. Die englischen Texte sind im Booklet mitzulesen, sodass man diesen folgen kann, aber auch bloßes Hören ist sehr angenehm.

Michael A. Schmiedel

Ruas das Pretas, Povo Brasileiro (Harmonia)

Die Gruppe um den brasilianischen Komponisten Pierre Aderne kombiniert Musikschaffende aus Brasilien, Kap Verde und Portugal. Chorgesang und Flötenspiel dominieren die Sambas und Fados. Gerade die Sambas wirken wesentlich sanfter als gewohnt, weniger ekstatisch, zumal auch Trommeln und Bass fehlen. Vielmehr stehen geschmeidige Melodien im Vordergrund, wie man sie von den Kapverden gewohnt ist.

Hans-Jürgen Lenhart

Isabel Rumble, Hold Everything Lightly (Eigenverlag)

Die Australierin Isabel Rumble legt ihr zweites Album vor. Mit ruhigen, melancholischen Americana-Songs schafft sie über die gesamte Länge der zehn Titel eine tröstliche Atmosphäre. Man fühlt noch den Schmerz, aber mit einer hauchigen Stimme im Gestus einer Norah Jones legt die Singer/Songwriterin ein dickes Plaster auf die Schramme. Akustikgitarre und Klavier tragen die Kompositionen. Die Band setzt behutsame Tupfer mit Pedal Steel, Streichern und reduziertem Schlagzeug.

Imke Staats

Rachael Sage & The Sequins, Canopy (MPress Records)

Die sozial engagierte US-Singer/Songwriterin und bildende Künstlerin komponiert Jingle- und Themenmusik, ist Gründerin eines Indielabels und eine der Top-100-Independent-Acts der letzten fünfzehn Jahre. Das Debüt stammt von 1996, seitdem war sie Gewinnerin vieler Folk- und Singer/Songwriter-Preise (etwa des John Lennon Songwriting Contest 2001). Canopy ist Popmusik mit schön kreierten Melodien für jeden Tag.

Corina Oosterveen

Saitlinge & Singers, Die Alten sind noch mal am Start (Buschfunk)

Das Projekt aus dem südlich von Leipzig gelegenen Bockwitz besteht aus der Liedrockband Saitlinge um den Liedermacher Bernd Christen und Peter Schneider, verstärkt durch sieben Sänger und Sängerinnen und einige Gastmusiker an Cello, Geige und Klavier. Die zehn Lieder bestehen zur Hälfte aus Gundermann-Klassikern, dazu eigenen Stücke. Das opulente Album gibt es nur als Vinyl oder im Stream, nicht als CD.

Reinhard Pfeffi Ständer

Sigvard & The Bone Whisperers, Land Of The Midnight Sun (Heptown Records)

Raue, melancholische Stimme und Songs über die Abenteuer des Lebens und der Liebe: Die schwedische Band um den Sänger Jonas „Joppe“ Hellerup spielt großartige Americana-Songs zwischen Rock ’n’ Roll, Folk und Countryrock mit Gitarre, Violine, Mandoline, Banjo und Pedal Steel. Das Album macht mächtig Spaß – und Hellerups markante Stimme vergisst man nie wieder.

Udo Hinz

Saied Silbak, Oud For Palestine (Eigenverlag)

Der studierte Musiker Saied Silbak stammt aus Galiläa und lebt in London. Er komponiert, spielt Oud und mischt gerne arabische, türkische, indische Elemente mit Jazz und Klassik. Auf diesem Album interpretiert er mit der Bassistin Nina Harries und dem Percussionisten Haneen Kiwan sechs palästinensische Volkslieder und die Eigenkomposition „Voices From Gaza“ – kunstvoll, doch relaxt und eingängig.

Ines Körver

Son Little, Cityfolk (Anti-)

Warm und smooth ist die Stimme, dazu passend zurückhaltend die Instrumentierung an Kontrabass, Gitarren und Clavinet. Irgendwo zwischen Soul und Rhythm and Blues bewegt sich die Musik von Aaron Livingston alias Son Little, der bereits als Produzent für Mavis Staples tätig war. Entsprechend hochklassig ist dann auch diese Produktion. Sehr entspannt, melancholisch, manchmal verträumt und „in sich ruhend“.

Achim Hennes

Andy M. Stewart, The Songs Of Robert Burns (Birnam CD)

Soloalbum aus dem Jahr 1991 des Sängers der Gruppe Silly Wizard, dem leider nur 63 Jahre vergönnt waren. Hier sind sie alle versammelt, quasi „Burns Greatest Hits“ wie „A Red, Red Rose“, „Is There For Honest Poverty“ oder „Ae Fond Kiss“, interpretiert mit Stewarts unvergleichlich samtener Stimme und passend begleitet. Gab es seinerzeit auch auf dem deutschen Wundertüte-Label. Zeitlos schön.

Mike Kamp

Bianca Stücker & Mark Bennecke, Abysmal Affairs (Eigennutz Records)

Wie schon 2023 eine EP mit drei Stücken und zugehörigen Remixen. Wieder eine ungewöhnliche Titelkombination: „Sabrina“ von den Einstürzenden Neubauten, „Henry Lee“, ein bekannter Song von Nick Cave, und als Letztes „I’m So Lonesome I Could Cry“ von Hank Williams. Dark Folk und Avantgarde mit Nyckelharpa, Rauschpfeife, Dulcimer, Clavichord, Synths von Bianca Stücker, dazu Flöte von Dr. Benecke. Interessant zu hören!

Piet Pollack

Allan Taylor, It’s Been Good To See You – Live (Do-CD; Stockfisch)

Sein allerletztes Album – und von ihm selber ungeplant. Labelchef Günter Pauler schnitt 2023 zwei Konzerte in Northeim mit und befand das Resultat veröffentlichungswürdig. Die Besonderheit: Taylors amüsante und informative Ansagen sind als separate Tracks erhalten. Sozusagen sein Leben chronologisch in Kommentaren und Liedern, eine charmante und für ein natürliches Karriereende passende Idee.

Mike Kamp

The Grand Undoing, Songs For The Sleeping (Secret Candy Rock Records)

Das fünfte Album des enigmatischen Seth Goodman aus Boston ist ein undefinierbarer Mix aus Perry-Como-Schlager, Wave à la The Cure und Progrock. Manierierter Gesang, langsame, ausufernde Arrangements und rätselhafte Texte. Man kann das genial finden oder mühsam, mal was anderes ist es auf jeden Fall. Starschlagzeuger Dave Mattacks (Fairport Convention, Jethro Tull) gastiert.

Martin Wimmer

Jean-Luc Thomas Quartet, Sillons (Hirustica/Inouies)

Der erfahrene bretonische Flötist Jean-Luc Thomas hat sein eigenes Quartett in der Besetzung Flöte, Akkordeon, Bass und Schlagzeug gegründet. Das erste Album Sillons bewegt sich vor allem zwischen Jazz und experimenteller Musik. Folkig ist die Musik nur gelegentlich.

Christian Rath

Ole Tieden, Überall hört der Himmel auf (Hej!Acoustics)

Obwohl er schon vor zehn Jahren einen Musikwettbewerb gewann, fokussierte er sich erst einmal auf die Ausbildung zum Schauspieler und das Theater. Doch das Schreiben eigener tiefsinniger und sprachgewaltiger Songs ließ ihn nie los. Jetzt legt der gebürtige Schleswiger Liedermacher sein Debüt vor. Elf nachdenkliche, akustische Songs, in denen er über die Verletzlichkeit und die Zärtlichkeit als Widerstand gegen die zunehmend kälter werdende Welt singt.

Erik Prochnow

Universum 25, Die Maschinen wollen leben (Vertigo)

Wenn Musiker von In Extremo, Slime, Fiddler’s Green und Dritte Wahl zusammen Musik machen, dann wird das eine Mischung aus Rock, Mittelalter, Punk und Gesellschaftskritik. Die Maschinen wollen leben ist bereits das zweite Album dieser Supergruppe, es lebt vor allem vom Gesang Michael Rheins (In Extremo) und der Gitarre Gunnar Schroeders (Dritte Wahl) – und vielen guten Ideen.

Wolfgang Weitzdörfer

U.T.A., On The Wing (Eigenverlag)

Uta Holst Ziegeler ist eine deutsche Singer/Songwriterin. Unter dem Pseudonym U.T.A. veröffentlicht sie jetzt mit On The Wing ihr drittes Album. Es bietet in dreizehn Titeln eine Melange aus Americana, Country und Soul. Ziegelers Altstimme trägt die Kompositionen mit bluesigem Timbre sehr gut zusammen. Die ruhigen Balladen erinnern an die Phrasierung einer Amy Winehouse. Die Arrangements sind luftig mit Fokus auf akustischen Gitarren. Wenn E-Gitarre, dann mit Twang statt Verzerrung.

Imke Staats

Wüstenberg, The King’s Gambit (Wüstenberg Records)

Frank Wüstenberg aus der Bremer Gegend und Sänger von The O’Reillys and the Paddyhats liefert sein erstes Album unter eigenem Namen, aber dennoch mit sechs Mitmusizierenden. Sie bieten kernigen, mitreißenden Folkrock, weniger aggressiv als mit seiner Band, weicher, mehr aus einer inneren Ruhe heraus, vielleicht auch, weil es in einem alten Bruchsteinhaus komponiert wurde. Alle Texte im Beiheft.

Michael A. Schmiedel

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