Eigentlich wollte die ukrainische Multiinstrumentalistin und Sängerin Maria Sadovska mit den Mitstreitern ihres Albums Vesna (2016) langsam und organisch Material für ein neues Projekt zusammentragen, doch dann kam der russische Angriff auf ihr Heimatland. Sadovska wurde zur Aktivistin, sammelte Spenden und unterstütze Geflüchtete. Nach drei Monaten völlig abgekämpft, fiel ihr ein Gedicht der ukrainischen Dichterin Olena Teliha in die Hände, die 34-jährig von den Nazis ermordet wurde. Das mahnte zu Optimismus und enthielt die titelgebende Aufforderung zu leben (transkribiert „Schiwi!“). Sadovska vergrub sich fortan in die Poesie und die Klänge ihrer Heimat. Der neue Tonträger enthält ein Volkslied und acht selbst komponierte Stücke (darunter eines von Christian Thomé), überwiegend zu Texten ukrainischer Dichter. Die Musik ist intensiv, bisweilen – wie bei dem Stück „Holuby“ (mit hervorragender akustischer Gitarrenbegleitung von Matthias Kurth) – auch sehr intim. Sie stellt sich stets in den Dienst der Texte. Sadovska erinnert mit ihrem Faible für Elektronik und ihrem passionierten, manchmal atemlos wirkenden Gesang gelegentlich (etwa bei „Where Are You From?“) an die Isländerin Björk.
Ines Körver






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