Hitzewelle Dañserlà 2026 – ich war dabei … Und dennoch war es ein tolles Festival. „Man glaubt nicht, wie Tanzfreude den Körper in extremen Situationen motivieren kann“, war von vielen zu hören. Zum zehnjährigen Jubiläum soll nun endlich das erste Mal auf folker.world über dieses Festivalkleinod berichtet werden.
Text und Fotos: Corina Oosterveen
In der wundervollen Kulisse Erlangens, an fußläufigen Spielstädten wie dem großen Redoutensaal, der geplanten Open-Air-Bühne im Zentrum, diversen Kultur- und Gemeindesälen und der Homebase Kulturforum Logenhaus (in der eine Loge noch aktiv ist), breitet sich das Dañserlà („Tanz in Erlangen“) für Tanzwütige aus.
Die Preise für vier Tanztage sind insgesamt zivil: Ticket, Essensangebot, diverse Übernachtungsmöglichkeiten vom Schlafsack mit Liege bis zum kulanten Spezialangebot der Hotels oder einem Campingplatz plus kostenfreiem Nahverkehr zu den Spielstätten. Die Linden entlang der Fußgängerachse Redoutensaal und Logenhaus duften, die Erlanger begegnen einem mit entspannter Freundlichkeit. Wer will kann mit der Kulinarik und den schönen Lädchen dieser Hugenottenstadt seinen Festivalbesuch zum Kurzurlaub gestalten beziehungsweise erweitern.
Das zehnjährige Jubiläum wird mit einem Extraevent gekrönt – dem Galadinner mit Tanzball in zwei historischen Sälen auf Schloss Wiesenthau. Ich möchte 2026 jedoch ganz allgemein und vergleichbar berichten, damit Neulinge wissen, was sie im nächsten Jahr erwarten können.
Besonders erscheint mir bei diesem Tanzfestival, dass die Veranstaltenden, Sabine Menzel und Carsten Distler, ihre Netzwerke seit Jahrzehnten aufgebaut haben, da beide unentwegt übers Jahr hinweg durch Europa reisen. Die beiden laden entsprechend ihres kenntnisreichen Geschmacks die Gruppen vorerst zur persönlichen Freude „zu sich“ ins Logenhaus ein, die Festivalbesuchenden dürfen dann diese Auswahl genießen. Eine Einladung vom Schreibtisch über eingesandtes (Ton-)Material findet nicht statt, hingegen eine Kooperation mit anderen Veranstaltenden für davor und danach, um für alle (Künstlerinnen und Kulturveranstalter) die Konditionen zu verbessern. Aus mehrfacher eigener Erfahrung weiß ich, dass alle Absprachen fair, freundschaftlich-kollegial und professionell ausgehandelt sind. Für Besuchende ist es nicht uninteressant, sich in einem solchen Umfeld zu wissen.
Das sehr kleine Team von Helfern um Menzel und Distler (auch Mitglieder von deren Familien) betont die persönliche Atmosphäre des bezüglich der Organisation aufwendigen Festivals – trotz der relativ niedrigen Besuchendenzahl von unter zweihundertfünfzig. In der Mitte Europas gelegen, kommen die Teilnehmenden aber immerhin aus Litauen, Tschechien, Polen, Belgien, aus den Niederlanden, Italien oder Frankreich … – und wirklich ganz Deutschland. Nur ein kleiner Teil kommt aus Erlangen und Umgebung.
Ebenfalls eine wichtige Eigenheit: Aufgrund der Städtepartnerschaft Erlangens mit Rennes sind schon aus der Zeit, als die beiden Hauptverantwortlichen in der leitenden Organisation des größten „Tanzhauses“ der BRD gewesen sind, enge Kontakte mit vielen Musikschaffenden aus der Bretagne entstanden. Das führt beim Festival dazu, dass – mit Unterstützung der Stadt Erlangen – mindestens eine „authentische“ bretonische Gruppe spielt (in diesem Jahr etwa War-Sav). Und „authentisch“ meint hier nicht altbacken. Im Gegenteil, Menzel und Distler haben durch ihre Europareisen ein Händchen für Neuentdeckungen und -entwicklungen (zum Beispiel „Hot Pop Trad Breton“)
So auch bei diesem Jubiläumsfestival. Zwischen sehr guten, wohlbekannten, zwischendurch auch bisher eher noch unbekannteren Gruppen, die nach Erlangen eingeladen sind (War-Sav, Fahrenheit, Thalas, TriOblique oder das Duo Nello mit einem schönen Abschlussball am Sonntag), finden sich Bühnenpremieren (genial: Efflam; außerdem Alexandre Sallet und Thomas Hoste) und gefeierte Erstauftritte (Kelt Duo – Akkordeon und Posaune mit super tanzbarem „Blowzabella-Sound“). Man tanzt zu den „Großen“ wie Christian Pacher (Ciac Boum), Bruno Le Tron(Initium), Arnaud Bibonne (Fune) oder Dani „PadPé“ Detammaecker. Sanften Solisten für den täglichen Festivalabschluss im Logenhaus wird Raum gegeben (Fabio Colussi und Aurélien Claranbaux), und man kann Künstler neu entdecken, die sich neben ihren „Hauptbands“ in anderen Formationen einfinden (zum Beispiel das Duo Pacher-Roblin oder den bereits genannten Efflam).
Zusammengefasst werden in jedem Jahr Gruppen eingeladen, die die Tänze ihrer Regionen nach Erlangen bringen (2026 sind das Poitou und die Gascogne neben der schon erwähnten Bretagne) sowie Balfolkformationen für ein gemischtes Programm. Gleichzeitig gibt es die Möglichkeit der Teilnahme an Tanzworkshops mit Dozent:innen aus dem Kreis der eingeladenen Acts (in diesem Jahr unter anderem mit Camille Jagueneau von Fune oder Remi Kesteman von Fahrenheit). Und auch die Erlanger Szene präsentiert sich (diesmal mit einem Tangoworkshop mit Nancy Morales und Stefan Schmitz). Darüber finden sich 2026 auch wieder Workshops für Gesang (Arnaud Bibonne), Handpan (Christian Gies) und Drehleier (Benoît Roblin) im Angebot – allesamt durchgeführt von hochkarätigen Referenten mit spürbarer Liebe zum Unterricht für Laien.
Als jährliches Sonderbonbon ist nicht zu vergessen: der sonntägliche fränkische Tanzfrühschoppen mit Weißwurst und Brez’n (die Alfelder Musikanten spielen Zwiefache). Dafür hat so manche:r die Tracht mitgebracht. Und erwähnt werden muss auch die exzellente Tontechnik (Thomas Hoste und Aimerik), die das Tanz(er)leben enorm stützt.
Die Verbundenheit von Rennes mit Erlangen wird (von den Besuchenden des Festivals unbemerkt) auch dergestalt gepflegt, dass Musik, Sprache und Tanz zu Schüler:innen einer bilingualen Schule gebracht wird. Bei Alexandre Sallet mit seinem für Jugendliche attraktiven Stil und der Fähigkeit, Tanzlieder zu rappen (etwa mit dem Beat Bouet Trio), wird Altes (bretonische Tradition) für junge Menschen zum positiven Erlebnis. So ist zu hoffen, dass in der Zukunft vielleicht doch noch mehr Erlanger:innen den Weg zum Dañserlà finden werden.
Für Balfolk-Partytanzfans und Traditionalist:innen gleichermaßen auf jeden Fall ein Termin, den man sich notieren sollte: Dañserlà findet jedes Jahr am letzten Juniwochenende statt.











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