In ihren das Buch eröffnenden „Anmerkungen“ bringt die Autorin die Hoffnung zum Ausdruck, dass es auch „ein Publikum erreicht, das die lange Karriere von Joan Baez vielleicht noch nicht verfolgt hat“. Dem ist nur zuzustimmen, denn das von Elizabeth Thomson gezeichnete Porträt einer außergewöhnlichen Musikerin und mutigen Aktivistin lässt sich als definitive Biografie bezeichnen. Thomson hat viele Auftritte von Baez erlebt und mehrmals mit ihr gesprochen. Die dabei gewonnenen Eindrücke verleihen der Schilderung von Baez’ Lebensweg eine sehr persönliche Note. Informationen über das Auf und Ab ihrer musikalischen Karriere, über ihr politisches Engagement und ihre Familie fließen nahtlos ineinander. Hinzu kommen brillant annotierte Übersichten von Biblio-, Filmo- und Diskografie (Raritäten und Sammlerstücke eingeschlossen). Einige darin enthaltene kleinere Fehler lassen sich verschmerzen. Ebenso wie die auch hier offensichtliche Tendenz zahlreicher Musikbiografien, der Anfangszeit einer Karriere zu Lasten der letzten Schaffensjahre zu viel Platz einzuräumen. Mut und Anmut ist zum 85. Geburtstag der Künstlerin im vergangenen Januar in deutscher Übersetzung erschienen – sechs Jahre nach der Veröffentlichung des englischsprachigen Originals. Seitdem gibt es einige neue Erkenntnisse, wie zum Beispiel die in dem Film Joan Baez – I Am A Noise 2023 zur Sprache gekommenen Missbrauchsvorwürfe Joans und ihrer Schwester Mimi Fariña gegenüber ihrem Vater Albert sowie eigene psychische Probleme. Angesichts der im Buch sonst so positiv geschilderten Familiengeschichten, hätte der Verlag gut daran getan, ein neues Vorwort oder ein Nachwort zur Einordnung dieses Wissens hinzufügen.
Michael Kleff
Elizabeth Thomson:
Joan Baez : Mut und Anmut / aus d. Engl. von Melanie Kopp. – Bielefeld : Delius Klasing, 2026. – 255 S. – mit s/w-Fotos u. Abb.
ISBN 978-3-667-13205-5 – 26,90 EUR





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