Das Ende einer Ära

Veranstalter der Dresdner Konzertreihe „Musik zwischen den Welten“ gibt Ende bekannt

13. Oktober 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

Es sind bedauerliche Nachrichten, die uns da aus Dresden bereits im September erreichten. Der Konzertveranstalter und leidenschaftliche Musikliebhaber Andreas Grosse hat seine renommierte Veranstaltungsreihe „Musik zwischen den Welten“ (MZDW) mit sofortiger Wirkung beendet – nach mehr als zwei Jahrzehnten beinahe unermüdlichen kulturellen Schaffens. Aus vor allem gesundheitlichen Gründen, wie er auf seiner Website schreibt – sicherlich hat die mehr oder weniger im Ein-Mann-Betrieb geleistete Unternehmung ihren Tribut gefordert.

Andreas Grosse

Foto: Joseph L. Hanneforth

Weiter schreibt Grosse: „Damit endet 22 Jahre nach dem Start im Oktober 2005 mein persönlicher Versuch, unsere lokale Welt in und um Dresden musikalisch weiter zu öffnen und unser Leben damit zu bereichern. Weltoffenheit und das Blicken resp. Hören über den eigenen, manchmal allzu engen Tellerrand hinaus, war immer ein Herzensbedürfnis und zentrales Anliegen meiner Arbeit.“ Und zitiert aus dem Intro der allerersten Konzertbroschüre, die er bis zum Corona-Frühjahr 2020 dreimal jährlich herausgab: „Eingeladen sind Musikerinnen und Musiker aus den verschiedensten Ländern und Kulturen dieser Welt, die an besonderen Dresdner Orten ihre außergewöhnliche, facettenreiche Musik vorstellen werden, eigene und überlieferte Kompositionen im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, zwischen komponiert und improvisiert, zwischen instrumental und a cappella; world-wide-music mit vielfältigen Einflüssen aus Folk, Jazz, Rock, Pop und Klassik.

Erklingen wird lebendige Musik zwischen östlicher Tradition und westlicher Perfektion, zwischen südlicher Leidenschaft und nördlicher Melancholie …“ Eine Vision, an der er bis zum Schluss festgehalten hat.

Wichtige Kooperationspartner waren ihm all die Jahre dabei die Dreikönigskirche (bis zur Corona-Zwangspause) sowie das Kleine Haus des Staatsschauspiels Dresden, wo sämtliche der jährlich über dreißig Konzerte stattfanden – bis zum Ende ohne Sponsoren oder öffentliche Förderung. Neben diesen langjährigen Partnern sowie den Mitarbeitenden der Dreikönigskirche und des Staatsschauspiels oder seinem Tonmeister dankt Grosse im Abschiedstext auf seiner Website vor allem aber auch seinem treuen Publikum, ohne das all das nicht möglich gewesen wäre und das ihn sogar während der Coronapandemie, als keine Konzerte stattfinden konnten, finanziell unterstützte.

Die erste MZDW-Anzeige im folker 2006
Die vorletzte MZDW-Anzeige im folker 2020

Eine riesige Zahl vielfältiger Musikschaffender aus aller Welt trat im Laufe der über 21 Jahre bei MZDW auf, von Pippo Pollina, Helene Blum, Daniel Kahn, Emma Langford oder Etta Scollo über Egschiglen, Strömkarlen, Malbrook, Dikanda oder Aufwind bis Klaus Hoffmann, Fjarill, Edson Cordeiro, Tuuletar oder Divanhana. Aber wenn man Andreas Grosse persönlich kennenlerne, wie Wolfgang Leyn auf www.ostfolk.de schreibt, von wo wir Teile dieses Beitrags übernommen haben, bemerke man schnell: Sein Engagement reicht weit über die musikalische Welt hinaus. So sammelte er ab 2022 während der Veranstaltungen Spenden für die Projekte des Vereins arche noVa in der Ukraine. Bereits seit 2013 unterstützt Grosse die Dresdner Hilfsorganisation für Menschen in Not. Und als 2014 in seiner Heimatstadt die fremdenfeindliche, rechtsextreme Organisation Pegida gegründet wurde, sprach Andreas Grosse sich auch öffentlich für Vielfalt und gegen Rassismus aus.

Fast fünfzehn Jahre lang seit seiner ersten Anzeigenschaltung im folker in der Ausgabe 5/2006 bis zu dessen vorletzter Ausgabe 3+4/2020 im Christian Ludwig Verlag gab es eine fruchtbare Kooperation zwischen MZDW und dem folker, ab etwa 2008/2009 mit wechselseitigen Anzeigen im Magazin und seiner Programmbroschüre. In Heft 1/2008 stellte Sabine Froese die damals seit gut zwei Jahren bestehende Unternehmung bereits ausführlicher vor, und zum zwanzigjährigen Jubiläum des folker schrieb Grosse dem Magazin unter anderem folgende Widmung ins Stammbuch: „Es gibt Vermittler, die mich klüger machen und mir die Welt auch da ein Stück weit zeigen, wo ich selbst nicht hinkomme. Der Folker ist einer davon, unverzichtbar und großartig. Alle zwei Monate wieder bin ich erfreut, erstaunt und ein Stück weit verlegen, wenn ich beim Lesen merke, was ich vorher alles nicht wusste, welche Musiker ich nicht kannte, welche Hintergründe mir sonst verborgen geblieben wären. Danke und Glückwunsch, Folker, für die Erweiterung meiner Welt. Zwanzig Jahre sind eine ordentlich lange Zeit. Seitdem arbeitet ihr Macher an dieser Zeitschrift, die sich immer wieder als unverzichtbar für die Weltmusikszene erweist. Sauber recherchierte Artikel, streitbare Kritik, keine Lobhudeleien. Macht weiter so!“

Leider kam aufgrund der durch Corona jeweils auferlegten Zwangspause, die beim folker mit einem Verlagswechsel einherging und bei MZDW mit einer Reduktion des Programms ab dessen Wiederaufnahme 2022, die Zusammenarbeit zum Erliegen, dennoch ist Andreas Grosse seine langjährige, engagierte Arbeit für die musikalische Vielfalt und das Aufrechterhalten der bunten Szene, die auch das Spektrum des folker bildet, hoch anzurechnen. Mögen die Nachwirkungen dieses Engagements noch möglichst lange spürbar sein.

Andreas Grosses Abschiedstext findet sich in voller Länge weiterhin auf seiner Website www.mzdw.de.

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