Glen Hansard

* 21.4.1970 Dublin, Irland
† 29.7.2026 Dublin, Irland

7. August 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

„Als Vater ist das ständige Unterwegssein herzzerreißender und die Einsamkeit fühlt sich intensiver an“, beschrieb Glen Hansard im Gespräch mit dem folker Ende November 2025 sein neu gefundenes Lebensgefühl als Musiker. 2022 hatte der Ire die finnische Schriftstellerin Maire Saaritsa geheiratet, kurze Zeit später wurde ihr Sohn geboren. Das Familienleben setzte in ihm viele Energien frei. Gerade hatte er mit dem beeindruckenden Swell-Season-Album Forward die musikalische Partnerschaft mit der tschechischen Sängerin und Pianistin Markéta Irglová neu belebt. Zudem war ein neues Soloalbum in Arbeit, und kürzlich erschienen zwei im Funkhaus Berlin eingespielte Livealben – Don’t Settle: Transmissions East und West.

All das fand am 29. Juli 2026 ein jähes Ende, als der 56-Jährige in den frühen Morgenstunden mit seinem Motorrad tödlich verunglückte. Eine Art Schockwelle erfasste Irland und die Musikszene: Die Fans trauerten in den sozialen Medien; die irische Präsidentin Catherine Connolly kondolierte sofort – ebenso Barack Obama. Unzählige Musikschaffende meldeten sich zu Wort, allen voran Bono, Bruce Springsteen, Ed Sheeran oder Eddie Vedder, mit denen Hansard auf der Bühne gestanden hatte. Sie alle hoben die vielseitige Musikalität des irischen Künstlers hervor und priesen seine Verdienste für die irische Musikindustrie, die Förderung von Nachwuchsacts sowie sein soziales Engagement.

Hansards Karriere ist der Stoff, aus dem Filme gemacht werden. Mit vierzehn verließ er die Schule, um sich als Straßenmusiker durchzuschlagen. Zu erstem Ruhm gelangte er 1991 durch seine Rolle als Leadgitarrist Outspan Foster in dem erfolgreichen Film The Commitments. Mit dem damit verdienten Geld finanzierte er seine ein Jahr zuvor gegründete Band The Frames, mit der er sechs Studioalben veröffentlichte und weit über Irland eine große Fangemeinde gewann. Der internationale Durchbruch gelang ihm allerdings mit dem Film Once und der Gründung des Duos The Swell Season gemeinsam mit Markéta Irglová. Für „Falling Slowly“ erhielten sie 2008 den Oscar als besten Filmsong.

Obwohl Hansard dem finanziellen Ruhm nicht so viel Bedeutung beimaß, war ihm doch die Anerkennung wichtig. „Mein Ziel ist es, zehn gute Songs zu schreiben“, sagte er 2012 der New York Times und fuhr fort: „Es ist das größte Kompliment, wenn jemand deine Lieder spielt.“ Noch wichtiger als das war es ihm immer, selbst mit anderen und für andere Musik zu machen. So spielte er ab 2020 an Heiligabend mit anderen in der Dubliner Grafton Street, um Geld für Obdachlose zu sammeln. Und noch kurz vor seinem Unfall sang er in einem Pub in der Nähe von Dublin mit den Gästen traditionelle Songs wie auf der Straße.

Erik Prochnow

Foto: Glen Hansard beim Rudolstadt-Festival 2016 (Foto: Michael Pohl)

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