Er war ein Archetyp. Ein Urgestein des ostdeutschen Folkrevivals. Einer, der nicht einfach dabei war, sondern diese Szene mitgeprägt hat. Mit ihm geht ein Stück gelebter Musikgeschichte – eine Persönlichkeit, die für eine Zeit steht, in der Folk mehr war als ein musikalisches Genre: Ausdruck von Aufbruch, Haltung und dem Wunsch, eigene Wege zu gehen.
In der Szene wurde Peter Schultze „Schottenschulle“ genannt, zur Unterscheidung von „Irenschulle“ Frithjof Schulze aus Potsdam. Während der eine Schottland liebte, schlug das Herz des anderen für Irish Folk. Schon zu DDR-Zeiten spielte Schottenschulle die Great Highland Bagpipe. Ein absolutes Novum, die exotische Inkarnation von Fernweh in einem abgeschlossenen Land.
1975 gründete der studierte Mathematiker in Ostberlin die Folkband Skye. Mit ihr nahm er im Oktober 1976 an der ersten DDR-Folkwerkstatt in Leipzig teil, der „Gründungsversammlung“ der ostdeutschen Szene. Seine Vorliebe für schottischen Folk passte besonders gut zu deren keltischer Anfangsphase. Später besetzte Schottenschulle konsequent seine Nische in der Nische.
Neben den unterschiedlichen Dudelsäcken spielte Peter zwei in der Szene sehr beliebte Instrumente: die Thüringer Waldzither und das Bandoneon. Sein Repertoire reichte von Berliner Gassenhauern um 1900 bis zu den Hits der Goldenen Zwanziger. Diese spielte Schulle auch solo oder begleitet von Karl-Heinz „Lemmer“ Lembke auf der Geige.
Schottenschulles Lieblingsinstrument aber war der Dudelsack. Gemeinsam mit Barbara Blickensdorff von Skye und dem Instrumentenbauer und Musiker Bernd Eichler vertrat er 1978 die DDR beim internationalen Dudelsackfestival in Strakonice (ČSSR). 1979 gründeten Peter Schultze und Bernd Eichler die Dudelsackbrüderschaft, eine Interessengemeinschaft zur Förderung des Dudelsackspiels und -baus. Zu den Aktivisten des Instrumentenselbstbaus gehörte Peter jedoch nicht. Stattdessen experimentierte er zum Beispiel mit dem Zusammenspiel von Dudelsack und Kirchenorgel.
Auf Folkfestivals und Volksfesten war Schottenschulle mit seiner Great Highland Bagpipe immer ein gern gesehener Gast. Zu seinem persönlichen Jahreshöhepunkt wurde nach 1990 das „Burns Supper“, jener Abend, den Schotten und Schottlandfreunde in aller Welt am Geburtstag des Dichters Robert Burns veranstalten. Dort wird er nun fehlen. Am 7. Oktober ist er tödlich verunglückt. Farewell, old friend! So long, and thanks for all the tunes!
Wolfgang Leyn und Jo Meyer
Foto: Wolfgang Leyn

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