Totó la Momposina

*1.8.1940 Talaigua Nuevo, Kolumbien
† 17.5.2026 Celaya, Mexiko

25. Juni 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

Totó la Momposina hatte eine spezielle Sichtweise auf die Musik ihrer Heimat Kolumbien: „Auch wenn ich den Begriff ‚Folklore‘ respektiere, bedeutet er für mich etwas Totes, das ins Museum gehört. Traditionelle Musik, die Musik von früher, ist hingegen lebendig: Viele Menschen arbeiten mit ihr, und sie entwickelt sich ständig weiter.“ Bürgerlich hieß sie Sonia Bazanta Vides – „Totó“ war ihr Spitzname aus Kindertagen, „Momposina“ ein Verweis auf die Region Mompós, in der sie aufgewachsen war.

Für viele, die Anfang der Neunzigerjahre ihren Einstieg in die Weltmusik vollzogen, war Totó la Momposina mit die erste kolumbianische Künstlerin, die auf der musikalischen Landkarte erschien. Das 1993 bei Real World Records veröffentlichte Album La Candela Viva machte sie schlagartig bekannt. Jahre später wurde es noch von Hip-Hoppern wie Jay-Z gesampelt. Sie stand für fröhliche, mitreißende Musik voller Percussion, Bläsern, Gesang und Tänzen in bunten Kleidern. Sie machte Cumbia und andere Stile weltweit bekannt. Das Album hatte damals etwas den Effekt einer bislang unbekannten Neuentdeckung. Dem war aber bei Weitem nicht so.

Bereits als Jugendliche trat Totó la Momposina mit ihrer musikalischen Familie im Fernsehen auf. Sie studierte an der Sorbonne in Paris Musikgeschichte, Choreografie, Rhythmus und Veranstaltungsorganisation. Ihr Musikkarriere begann sie Ende der Sechziger als Totó La Momposina y Sus Tambores, und ihr Ruf in Kolumbien wuchs so sehr, dass sie 1974 eingeladen wurde, eine Konzertreihe in der New Yorker Radio City Music Hall zu geben.

1979 musste sie allerdings feststellen, dass sie aufgrund ihrer linken politischen Gesinnung in Kolumbien auf einer schwarzen Liste stand. Sie flüchtete nach Frankreich und wurde Straßenmusikantin. Das Blatt wendete sich jedoch wieder, und bereits 1982 gehörte sie zur kolumbianischen Kulturdelegation, die Gabriel García Márquez zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur in Stockholm begleitete.

2022 zog sie sich von der Bühne zurück. Nun starb sie in Mexiko an einem Herzinfarkt.

Hans-Jürgen Lenhart

Foto: Totó la Momposina (Ehollis1, Wikipedia CC BY-SA 4.0)

 

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