folker präsentiert
„Dieser Yiddish Summer ist notwendiger denn je und muss so laut wie möglich sein“, forderte Kirsten Haß, Vorständin der Kulturstiftung des Bundes, im letzten Jahr auf dem Marktplatz der Kulturstadt Weimar. Laut war es damals durchaus, als am Nachmittag des 17. August 2025 die Psychedelic Yiddish Rockband forsphil die historischen Bauten Weimars erbeben ließ. Und vor dem Abschluss des Tages mit dem Caravan Orchestra & Choir tanzte ganz Weimar – inklusive Oberbürgermeister und vielen Gästen aus der ganzen Welt – über die Pflastersteine des historischen Marktplatzes.
Auch für den Sommer 2026 hat der Yiddish Summer wieder einiges vor. Kernelemente sind seit den Anfängen die Workshops zu jiddischer und verwandter Kultur. Diese umfassen in diesem Jahr unter anderem einen zweiwöchigen Jiddischkurs mit Muttersprachlern. „Die jiddische Sprache ist der Schlüssel zu einer wundervollen kulturellen Welt, die unglaubliche viel über europäische Geschichte zu erzählen hat“, sagt der künstlerische Leiter des Festivals und RUTH-Preisträger Alan Bern und weist auch auf die Gesangs-, Instrumentalmusik- und Tanzworkshops hin. So können Anfängerinnen und Anfänger mit dem zwischen Broadway und Berlin bekannten, gerade mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Sänger Daniel Kahn und der aus der ARD-Serie Die Zweiflers (Grimme-Preis 2025) bekannten Sängerin und Schauspielern Eleanor Reissa jiddische Lieder singen – und bekommen so die bestmögliche Einführung in dieses überaus lebendige Genre. Für Sängerinnen und Sänger gibt es viele weitere Angebote, von Meisterklassen mit Sasha Lurje und Ethel Raim, einer lebenden Legende der jiddischen Liedtradition aus New York, bis hin zum jiddischen Chor, in diesem Jahr geleitet von Esther Wratschko und Anna Vishnevska.
Instrumentale (Klezmer-)Musik können Workshopteilnehmende zum Beispiel mit dem Klezmatics-Trompeter und Grammy-Gewinner Frank London lernen – und das in insgesamt drei Workshops auf unterschiedlichen Niveaus. Auch der Tanzworkshop – in diesem Jahr zum ersten Mal in der Kombination chassidischer Tanz, Klezmertanz und Balfolk (mit Lena Anseeuw, Eli Benedict & Andreas Schmitges) – ist in Begleitung durch ein vierzigköpfiges Tanzorchester ein besonderes Angebot an alle Tänzerinnen und Tänzer.
Natürlich vergisst der Yiddish Summer auch den Nachwuchs nicht: Neben der Jugendklezmerband für Elf- bis Neunzehnjährige bieten die internationalen Jugendaustauschprojekte Caravan Orchestra & Choir und YAM Ensemble neue Erfahrungshorizonte für junge Musikerinnen und Musiker bis zum Alter von dreißig Jahren.
Insgesamt fünf Wochen dauert das Programm des diesjährigen Yiddish Summer Weimar, das neben seinen vielen Workshops auch noch eine ganze Festivalwoche bereithält, in diesem Jahr kuratiert von Diana Matut. Vom 1. bis 8. August 2026 werden tagsüber zahlreiche und kostenlose Schnupperkurse angeboten und abends Konzerte und Premieren gefeiert. Das Thema in diesem Jahr: „Yiddish Wo:men – Another Story of Modernity“, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes. Neue und traditionelle Musik sowie Premieren mit Powerfrauen der jiddischen Musikkultur wie Polina Shepherd, Shura Lipovsky, Chaia (Kleztronica), Ida Gillner, Leah Schütz, Sarah Myerson, Anna Lowenstein, Francesa Ter-Berg und Flora Curzon warten auf das internationale Publikum.
Und wie geht der Yiddish Summer Weimar mit der zunehmenden Politisierung und Polarisierung der letzten Jahre um? Der Ministerpräsident des Freistaates Thüringen hat es im letzten Sommer auf dem Weimarer Marktplatz so formuliert: „Musizieren bedeutet ja, sich auf den anderen zuzubewegen. Und dass Ihr das macht, ist ein ganz großer Friedens- und Freiheitsdienst. […] Wir lassen diesen Platz hier nicht wieder besetzen, sondern dieser Platz steht für Weltoffenheit, für Miteinander und für Frieden.“








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