Auch nach 51 Jahren immer noch frisch

The Irish Folk Festival 2025 Mittelrheinhalle, Andernach, 7.11.2025

26. Februar 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

Eine der ältesten, wenn nicht die älteste noch lebendige Folkmusiktournee Deutschlands ist sicher das Irish Folk Festival (IFF). Seit 1974 tourt sie – mit zwischenzeitiger Unterbrechung – durch Deutschland und angrenzende Länder, seit 2000 unter der Leitung von Petr Pandula. Der folker besuchte dieses Jahr die Aufführung in Andernach in der direkt am Rhein gelegenen Mittelrheinhalle. Pandula saß höchstselbst an der Kasse, um kurz darauf im grünen Kleeblattanzug das Publikum von der Bühne aus zu begrüßen. Die Halle war recht voll besetzt, hätte aber noch mehr Zuhörende aufnehmen können. Pandula meinte, in der Vergangenheit hätte das Publikum, wenn der Headliner spielte, tobend auf den Stühlen gestanden, und fragte, ob das an diesem Abend auch wieder möglich sei, was zumindest einen tobenden Applaus erzeugte. Der Headliner sollte aber erst nach der Pause spielen. Für vor der Pause kündete Pandula einen Solisten, ein Duo und eine Band an.

Text und Fotos: Michael A. Schmiedel
Dave Flynn

 

Bei dem Solisten handelte es sich um Dave Flynn, angekündigt als „Celtic Guitar Master“. Und tatsächlich zauberte dieser eine Mann auf der großen Bühne mit seiner Gitarre eine wunderbare Stimmung in den Saal. Es waren zum einen ruhige Stücke wie „Inisheer“, das zwar von einem Dubliner Komponisten stammt, beim Schreiber dieser Zeilen aber Erinnerungen an eine Bootstour auf die Aran Islands wachrief. Aber auch flottere Tanzmelodien wie Hornpipes, Jigs und Reels hatte er im Programm, die sich auf einer einzelnen Gitarre aber leiser und filigraner anhörten, als wenn eine Band sie spielen würde. Jedenfalls war es ein Hochgenuss, diesen zu lauschen und ein wenig vor sich hin zu träumen.

The Craic Addicts

 

Schon bekannt von der Ausgabe 2024 des Irish Heartbeat Festivals (IHB) – das ebenfalls unter Pandulas Ägide tourt und sozusagen das Frühlingspendant zum herbstlichen Irish Folk Festival ist – war das auf Flynn folgende Duo Léda, „a duo of many sounds“. Nur unterschied sich die Besetzung des Duos diesmal von der am IHB: Immer noch dabei ist die Geigerin, Harfenistin und Sängerin Éadaoin Ní Mhaicín aus dem irischen County Mayo, die statt von der Kanadierin Emily Jean Fleck nun von Amy Laurenson von den schottischen Shetlandinseln am Klavier sowie gesanglich unterstützt wurde. Die vielen Klänge verdankten sich den genannten Instrumenten, wobei Pandula betonte, dass es eine irische Geige, eine irische Harfe und ein japanisches Keyboard sei. Auf der Harfe ertönten vor allem ruhigere, auf der Geige flottere Tunes, und gesungen wurde auf Englisch, Gälisch sowie in Form von Lilting, also Gesang ohne Text oder, wie Ní Mhaicín es nannte, „schottisches Jodeln“. Das Lilting erinnerte an ein ebensolches auf dem Album The 2nd Irish Folk Festival On Tour von 1975, sodass hier eine Verbindung über ein halbes Jahrhundert hinweg hergestellt wurde.

Dritter Act war die Band The Craic Addicts, die angekündigt wurde mit dem Zusatz „Irish Folk fueled by fun“. Das Quintett aus Sligo bestand an diesem Abend von (aus Publikumsperspektive) links nach rechts aus Ray Coen (E-Gitarre, Gesang), Sarah Jane Barry (Querflöte, Mandoline, Gesang), Peter Crann (Bodhrán, Gesang), Fionnuala Kennedy (Banjo, Mandoline, Gesang) und Jaimie Carswell (E-Kontrabass, Gesang), wobei Crann den Hauptteil der Ansagen übernahm. Der Bandname, so erklärte er, stamme von einem der wichtigsten Wörter in Irland, nämlich „craic“, was ein Ausdruck der Begeisterung sei, wenn Musik gespielt werde, die Leute redeten und tränken im Hintergrund – all das zusammen sei Craic. Auch eine Person könne Craic sein, jeder wolle Craic sein. Und nach diesem Craic seien sie süchtig und wollten ebendiesen vermitteln. Das machten sie dann auch mit einer flotten, fröhlichen Musik, zum Beispiel „The Black Rogue“, „The Pride Of Petravore“ oder die „Ballynure Ballad“ wobei es manchmal ins Bluegrassige oder Old-Timige überging und Coens E-Gitarre auch funkige Riffs zum Besten gab. Mit all dem wurden sie den in Irland erhältlichen Souvenir-T-Shirts gerecht, auf denen zu lesen steht: „Ireland – where the craic is mighty“.

Buíoch

Anschließend war Pause, die Petr Pandula zu überbrücken empfahl, indem man etwas total Verrücktes tue, nämlich bei den Musikschaffenden CDs kaufen, damit diese das Geld bekämen und nicht Plattformen wie Spotify. Oder sich einen Schal aus irischer Schafswolle zuzulegen, damit man den zu erwartenden harten Winter so entspannt überstehen könne wie irische Schafe.

Die als Headliner angekündigte Band Buíoch – auf Deutsch „dankbar“ – aus dem County Laois agierte unter dem Motto „Tradition in transition“. Sie bestand von links nach rechts (wieder aus Publikumssicht) aus Dale Mckay (Gitarre, Gesang), Ruaidhrí Tierney (Knopfakkordeon), Kurt Dinneen Carroll (Tin Whistle, Uilleann Pipes) und David Harte (E-Kontrabass). Pandula meinte, die Jungs seien nach Wochen der Tour etwas müde, und das Publikum müsse sie jetzt wieder aufladen. Doch wirkten die Musiker keineswegs erschöpft, sondern legten sofort mit dem schnell dahinfließenden Reel „College Dropout“ los, der wie ein wilder Bergbach über Stock und Stein raste. Die von Mckay gesungenen Lieder, zum Beispiel „Take Me Back To Ireland“, wirkten sehr sanft, trotz kräftiger Beteiligung des Publikums beim Refrain. So richtig markante männliche Stimmen sind offenbar selten geworden im Irish Folk. Die ironische Ballade „The Whiskey Flame“ erzählte von einem Brand in einem Whiskeylager, in dem der Whiskey auslief und brannte, wobei niemand durch die Flammen zu Schaden kam, aber mehrere Leute starben, weil sie den Whiskey von der Straße schlürften.

Petr Pandula

 

Leider richtete sich der Fahrplan der Deutschen Bahn nicht nach der Spielzeit des Festivals – und Letztere auch nicht nach Ersterem –, sodass der Schreiber dieser Zeilen sich auf den Weg machen musste, während Buíoch noch spielten, und so auch die Festivalsession aller Musizierenden des Abends verpasste. Diese bleibt nun der Fantasie der Lesenden überlassen. Jedenfalls wurde das IFF seinem diesmaligen Tourmotto „Different Strokes for Different Folks“ insofern gerecht, als es verschiedene Stile des Irish Folk & Trad darbrachte und somit einen angenehm abwechselnden Hörgenuss bot, wobei sich das Tempo von Dave Flynn bis Buíoch steigerte, aber bei jedem Act langsame und schnelle, ruhigere und lautere Stücke zu hören waren.

www.irishfolkfestival.de

www.magnetic-music.com

www.daveflynn.com

www.ledaband.com

www.thecraicaddicts.com

www.buiochtrad.com

www.romantischer-rhein.de/a-mittelrheinhalle-andernach

3
Aufmacher:
Léda

Foto: Michael A. Schmiedel

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Werbung

L