Blues aus Köln

Richard Bargel & Fabio Nettekoven / Jokis Bühne, Köln, 10.10.2025

14. Januar 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

Das Wort blues steht im Englischen für eine traurige, melancholische, hoffnungslose Stimmung, aber auch für einen Musikstil, der von Afroamerikanern aus einem ebensolchen Lebensgefühl heraus entwickelt wurde. Im Laufe der letzten etwa hundert Jahre ist daraus aber ein internationales Musikgenre geworden, deren Interpretinnen und vor allem Interpreten keineswegs immer von einem derartigen Lebensgefühl betroffen sind, sondern die diese Musik einfach lieben, weil sie so rustikal wie Country oder Irish Folk daherkommt, aber zugleich auch Elemente aus Jazz oder Gospel transportiert, die ebenfalls afroamerikanische Wurzeln haben. Ein solcher Interpret ist Richard Bargel aus Köln, der sich seit seinem neunzehnten Lebensjahr 1970 dem Blues verschrieben hat. Außerdem ist er laut Wikipedia „ein deutscher Sänger und Slidegitarrist, Komponist, Autor, Schauspieler, Sprecher und Fotograf“. Begleitet wurde Bargel an diesem Abend auf JoKis Bühne von Fabio Nettekoven auf diversen Zupfinstrumenten.

Text und Fotos: Michael A. Schmiedel  

Der in folker #4.24 mit seiner Jokis Bühne vorgestellte Liedermacher und (Kultur-)Aktivist Gerd Schinkel eröffnete den Abend mit einem neuen Lied, mit welchem er die Diskussion um die korrekte Benennung von vegetarischen Fleischersatzprodukten auf Korn nahm. Den Namen „Fleischkäse“ müsste man dann auch streichen, meinte er, denn da sei ja kein Fleisch drin.

Richard Bargel und Fabio Nettekoven brachten das Publikum dann doch großenteils in andere, weniger aktuelle und hiesige Gefilde, nämlich ins Amerika vergangener Jahrzehnte. Klassiker des Blues brachten sie zu Gehör, aber auch Eigenkompositionen wie „I Will Die For You“ oder den Song „One More Whiskey“ des Engländers John B. Spencer. Bargels tiefer, rauer Bass war von Schinkel schon als „die schwärzeste Stimme diesseits und jenseits des Mississippi“ angepriesen worden und passte zu der deftigen, zugleich rhythmischen und melodiösen Musik wie der richtige Schlüssel in sein Loch.

Richard Bargel

 

Neben Bargels Stimme waren die Zupfinstrumente beider Musiker ebenso wichtig. Richard Bargel hatte verschiedene akustische Gitarren aus Holz und Stahl im Einsatz, wobei der harte und weite Klang der Steel Guitar die Melancholie der Musik noch mehr unterstrich, vor allem wenn er sie als Slide Guitar einsetzte. Nettekoven beherrsche jedes Instrument, das er neu in die Hand bekomme, innerhalb von zwei Wochen, erklärte Bargel. Normalerweise habe er ein Cavaquinho dabei, aber dieses sei kürzlich während eines Konzertes zerbrochen, sodass Nettekoven es kurzerhand durch Banjo und Mandoline ersetzt hatte. Auch Nettekoven brachte eine Steel Guitar sowie außerdem eine E-Gitarre zum Einsatz. Mit all diesen Instrumenten umspielte er Bargels Lieder nicht nur mit Akkorden, sondern auch mit Parallelmelodien, was den Hörgenuss noch erhöhte. Als Nettekoven zwischendurch eine Saite riss, überbrückte Bargel die Zeit, in der Schinkel in seinem Fundus Ersatz suchte und fand, mit einem rein perkussiv unterstützten Lied, das nur aus Gesang und Klatschen bestand. Wonach er dann das Einspannen der Saite durch Nettekoven mittels einer Kurbel lustig kommentierte: „Der hat eine Kurbel. Früher hab ich das mit der Hand gemacht“ – „Wir sind inzwischen im Jahr 2025. Aber stimmen kannste selber.“ – „Nee, ich stimme nicht. Wer stimmt, der kann nix!“

Fabio Nettekoven beim Einfädeln der Ersatzsaite

 

Richard Bargel hatte in den Sechzigern mit Folkmusik begonnen – welcher Art genau, sagte er nicht, wahrscheinlich American Folk –, bis er Jesse Fuller begegnete, der ihm mit einem Einmannorchester aus Trommel, Kazoo, Gitarre und anderem die ersten Bluessongs nahebrachte, darunter auch den „San Francisco Bay Blues“, der für einen Blues recht fröhlich klingt und etwas von einem Ragtime hat. Aber neben allen US-Themen gab es auch eines aus eigener Betroffenheit, nämlich „Break The Chain“, das Bargel in den ersten Wochen des Coronalockdowns 2020 schrieb und worin er die allgemeine Unsicherheit und Angst zum Ausdruck brachte, die damals herrschte.

Gerd Schinkel, Richard Bargel, Fabio Nettekoven (v. r.)

Stefan Igelmann am Mischpult tat wieder das Seinige, um dem Publikum einen exzellenten Sound zu bescheren. Und Gerd Schinkel beendete das Konzert mit seinem geradezu rituellen Song: „Wenn man vom letzten Lied die letzte Strophe hört …“

www.richardbargel.de

www.fabio-nettekoven.de

https://gerdschinkel.jimdofree.com

www.kirche-klettenberg.de/gemeindeleben/kultur/jokis-buehne

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Aufmacher:
Richard Bargel & Fabio Nettekoven

Foto: Michael A. Schmiedel

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