Irish Stew

Land of Green an der Sieg, Kabelmetal, Windeck-Schladern, 16.6.2023

28. Juli 2023

Lesezeit: 3 Minute(n)

Wer vom Grün der Grünen Insel schwärmt, sollte einmal ins Siegtal kommen. Erstens ist es dort mindestens genauso grün, und zweitens ist dort Irish Stew zu Hause. Nein, nicht der Eintopf, sondern die gleichnamige Celtic-Folkrock-Band. Genauer in der Verbandsgemeinde Windeck und noch genauer in Herchen. So gesehen war ein Konzert in Schladern, das ebenfalls zu Windeck gehört, ein Heimspiel, aber tatsächlich trat die Band an diesem Abend zum ersten Mal im Bürger- und Kulturzentrum Kabelmetal auf, während der Frontsänger und pensionierte Pilot Günter Koch die Harmonie in Bonn als das „Wohnzimmer“ der Gruppe bezeichnete.
Text und Fotos: Michael A. Schmiedel

Leider fand das Konzert an diesem schönen Sommerabend nicht draußen im Biergarten am berühmten Siegwasserfall statt, sondern drinnen im Saal, der mit Hochtischen und Hockern, aber auch Stühlen möbliert war sowie Platz zum Tanzen bot. Auf der Bühne nahmen von links nach rechts Aufstellung: Geigerin Birgit Heydel, Günter Koch mit Mandoline und Bodhrán, Schlagzeuger Ingo Meyer, Bassist Thomas Rissmann, Sängerin Corinna Glück und Gitarrist Dieter Orfgen. Sie begannen mit „Far Away“, was zugleich eine Hommage an Paddy goes to Holyhead war. Denn zumindest in ihrer Anfangszeit ab der Gründung im Jahr 2000 waren Irish Stew fast so etwas wie eine PGTH-Coverband.

 

Aber obwohl alle Bandmitglieder reine Amateure sind, haben sie sich da längst herausgearbeitet und boten an diesem Abend ein breites Repertoire ganz unterschiedlicher Provenienz – von den irisch-britischen Pogues über die Dropkick Murphys aus den USA bis zu The Coalminers’ Beat aus Deutschland. Von Letzteren stammt auch das in der Überschrift genannte „Land Of Green“. Günter Koch meinte, sie würden immer das Internet nach passenden Songs durchforsten, die sie dann so spielen können, wie sie es mögen. Aber mit „Jump & Shout“ und „Matter Of Fact“ waren auch zwei eigene Stücke dabei.

Irish Stew mögen es laut und rockig. Ingo Meyer hatte somit viel Arbeit, die Songs und Tunes mit einem rockigen Drumteppich zu unterlegen oder auch mal lauter zu sein als die Mitmusiker und -musikerinnen. Etwas leiser hätte hier und da besser getan. Nun waren Fiddle und Bass aber elektrisch und konnten daher laut genug aufgedreht werden, dass keine Gefahr bestand, dass man sie überhörte. Da hatten es die akustischen Instrumente wie Mandoline, Gitarre und auch der Gesang nicht ganz so leicht.

Aber Koch, obwohl erkältet, meisterte seinen Part mit Bravour. Die Stimmung war gut, und das hundertachtzigköpfige Publikum, das altersmäßig in etwa von acht bis achtzig reichte – nur die Altersspanne zwischen zwanzig und dreißig fehlte –, ging beziehungsweise klatschte, wippte und sang mit oder zückte bei sentimentaleren Liedern, besonders den von Corinna Glück gesungenen wie dem gälischen „Bothan Àirigh Am Bràigh Raithneach“ die Handylampen.

 

Als Special Guests bereicherten das ehemalige Bandmitglied Inga Frobeen mit E-Cello sowie als Tänzerin, zwölf Jugendliche der Jungen Philharmonie Herchen mit acht Geigen und vier Cellos und zusätzlich drei tanzende Jugendliche den Abend – erstere bei mehreren Stücken, die Jugendlichen bei einem Lied.

Nach über zweieinhalb Stunden – inklusive Pause – brachten Gassenhauer wie „Whiskey In The Jar“ und das „Lummerlandlied“ noch mal fröhliche sowie „Amazing Grace“ eine erhabene Stimmung in den Saal, bevor die Zugaben „The Gypsy’s Wedding Day“, „The Parting Glass“, „The Irish Rover“ und „A Last Song“ das Konzert beendeten – somit auch am Schluss eine Hommage an Paddy Goes to Holyhead.

 

Irish Stew zeigen, wie sehr Irish Folk auch in Deutschland zu einem beliebten und bekannten Genre geworden ist, das nicht nur ein darauf spezialisiertes Publikum erreicht – wenn es andererseits auch wiederum nicht zum Mainstream des Musikgeschäfts gehört. In ihrem Bonner „Wohnzimmer“ spielen Irish Stew wieder am 7. Oktober 2023.

 

www.irishstew.de
www.kabelmetal.de

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