kurz & knapp

aus folker #01-2026

6. März 2026

Lesezeit: 38 Minute(n)

Elias Bachoura, Biharayto (Muziekpublique)

Der syrische Oudspieler lebt und musiziert schon seit über zwanzig Jahren in Brüssel. Nun hat er sein Debüt mit acht Eigenkompositionen aufgenommen. Der Albumtitel bedeutet „endlich“. Elias Bachoura ist auf dem Album ausschließlich solo zu hören und zeigt seine weltmusikalische Virtuosität.

Christian Rath

Elles Bailey, Can’t Take My Story Away (Cooking Vinyl)

Elf Songs hat Elles Bailey aus Großbritannien auf ihr neues Album gepackt – es ist eine gefühlvolle, Blues-Soul-Hommage an ihren verstorbenen Freund Matt Long geworden, der den Titelsong noch vor seinem Tod geschrieben hat. Aber auch „Growing Roots“ oder „Blessed“ sind starke Songs auf einem spannenden Album mit einer großartigen Stimme, das vielleicht nur ein wenig dünn produziert wurde.

Wolfgang Weitzdörfer

Alfred Bischof, Du schaffs all’s (Eigenverlag)

Der Mundartliedermacher aus Feldkirch singt auf Vorarlberger Alemannisch. Lieder rund um Alltag und Politik, vom täglichen Aufstehen um „schaffa z’ gon“ bis zum Krieg, der plötzlich hereinbricht. Musikalisch ähnelt vieles Schlagern, aber besonders der Blues „’Z Morga um 4“ über eine zu späte Heimkehr nach durchzechter Nacht sticht heraus. Das Album ist dem 2024 verstorbenen Singer/Songwriter John Gillard gewidmet.

Michael A. Schmiedel

John Blek, The Midnight Ache (K&F Records)

Dieses Album verströmt tatsächlich das Gefühl von Zuhause und Geborgenheit. Aufgenommen in dem von ihm selbst gebauten Bigger River Studio, hat der irische Singer/Songwriter ein weiteres Album mit elf berührenden Songs veröffentlicht. Seine sanfte Stimme und seine melodischen Gitarrenarrangements lassen die Alltagssorgen leicht vergessen. Alternativer Folk mit Herz und großem Wohlfühlcharakter.

Erik Prochnow

Bobo + Herzfeld, Ich bin der Welt abhanden gekommen (Traumton Records)

Der Theatermusiker Herzfeld und Sängerin Bobo von der Indierockband Bobo in White Wooden Houses haben seit 2008 schon drei Liedprojekte in Albumform herausgebracht. Nun haben sie ihre besten Lieder noch einmal neu aufgenommen: sehr zurück genommen arrangiert, zwischen Barjazz und Ambient, gesungen mit Bobos zarter, gehauchter Stimme. Vertont wurden unter anderem je dreimal Eichendorff und Goethe, unterlegt mit Klavier, Harmonium und Elektronik. Experimentell, aber spannend.

Piet Pollack

Mihály Borbély, Looking Back For Half Way (BMC/Galileo MC)

Bekannt hierzulande wurde Borbély vor Jahren als Mitglied der Folkband Vujicsics. Nun zieht er eine bemerkenswerte musikalische Bilanz, spielt solo eine Fülle an Instrumenten. Mal Saxofon, dann wieder Klarinette, aber auch das ungarische „Nationalinstrument“ Tarogato und die Hirtenflöte Tilinikó. Mit seinem „Agrarian Jazz“ blickt er entspannt zurück auf eine lange Karriere, das Titelstück des Albums ist, wie könnte es anders sein, eine Hommage an Béla Bartók.

Gerd Döring

The Bros. Landreth, Dog Ear (Birthday Cake Records)

Hochglanz-Americana, Westcoast-Schleicher, geschmeidiger Blues und seidenweicher Soul. Bonnie Raitt bedankt sich mit zwei Gastauftritten für den Grammy, den ihr kürzlich das Cover eines Songs der beiden einbrachte. Ansonsten bleibt das kanadische Brüderduo seiner Erfolgsformel treu auf diesem unspektakulären, aber gut durchlaufenden Album.

Martin Wimmer

Sammy Brue, The Journals (Bloodshot Records)

Das Wunderkind aus Utah war schon als Teenie mit Justin Townes Earle auf Tour und hat nun auf Bitten der Witwe seines früh verstorbenen Mentors einige seiner Notizen und Fragmente vertont. Die entstandenen neun Lieder und Brues Hommage „For Justin“ sind naturgemäß schon eher was Spezielles für Fans, und seine Stimmbruchstimme macht den Zugang nicht leichter.

Martin Wimmer

Circle Karma Club, Wreak Havoc (Lucky Bob Records)

Die acht Songs entführen zurück zum Hardrock der Siebziger. Der Bass pumpt, das Schlagzeug treibt, der Gesang steht im Wettstreit mit den blueslastigen E-Gitarren, alles unterlegt oder akzentuiert von Orgel oder Percussion. Und auch dann, wenn die elektrische zur akustischen Gitarre wechselt und die Songs vom Hardrock zur Ballade umschalten, vermag die Band zu überzeugen.

Achim Hennes

Cumbia Chicharra, Quinto Mundo (Music Box Publishing)

Das fünfte Album des französisch-chilenischen Bandprojekts bietet in neuen Songs eine intensive Mischung aus Cumbia aus Kolumbien, Afrobeat, Funk, Dub und noch einer Menge anderer Weltstile, die das Album zu einer äußerst tanzbaren Angelegenheit werden lassen.

Wolfgang Weitzdörfer

Andreas Dalibor, Der Himmel scheint ein wenig heller (Tonicum Music)

Klassischer Liedermacherhabitus kommt einem da aus den Boxen entgegen, wenn man den dritten Teil der Dalibor-Trilogie auflegt. Das bezieht sich aber vor allem auf den Gesang, denn musikalisch ist es durchaus abwechslungsreicher und mit deutlich mehr Instrumentarium angelegt. Politik, Zwischenmenschliches und Humor – das findet sich in den elf Songs des Brandenburgers.

Wolfgang Weitzdörfer

Dion, The Rock ‘n’ Roll Philosopher (KTBA Records)

Das Album zum Buch – Dion aus der Bronx, mittlerweile auch stolze 85 Jahre alt, hat eigene Klassiker und neue Songs aufgenommen, parallel dazu hat er sein gleichnamiges autobiografisches Buch veröffentlicht. Rock ’n’ Roll, Blues und viel Seele – das findet sich in den sechzehn Songs wieder. Gut zum Nebenbeihören, weil einfach nur schön.

Wolfgang Weitzdörfer

Diverse, Brazilian Guitar Duos – A Selection (Galileo MC)

Die Kompilation enthält Gitarrenduos mit brasilianischer Musik. Zu hören sind Sören Golz & Igor Danilov sowie MduoM alias Antonio Malinconico und Martin Müller. Das Duo des Brasilianers Oscar Ferreira mit (wiederum) Martin Müller ist das dritte im Bunde. Alle Stücke sind früheren Veröffentlichungen entnommen. Siebzig Minuten prall gefüllt mit vielen interessanten Entdeckungen.

Rolf Beydemüller

Ensemble Ensemble, Live At Atelier Du Plateau (BMC Records/Galileo MC)

In eine komplexe Klangwelt zieht uns die imaginäre Folklore des fünfköpfigen Ensembles, das mit seinem Namen so arg knausert. Mit Eve Risser sitzt eine jazzaffine Pianistin am Klavier, Mari Kvien Brunvoll kommt aus der norwegischen Folkavantgarde, und George Dumitriu fügt mit seiner Geige Balkanflair hinzu. Sachte Akzente setzten Kim Myhr (Gitarre) und Tom Gouband (Schlagwerk). Weltverlorene Musik, in der man sich verlieren kann.

Gerd Döring

Piers Faccini & Ballaké Sissoko, When The Word Was Song (_Hlk222401664No Format)

Nach ihrem äußerst erfolgreichen Album (siehe folker #1.25) gibt es einen atemberaubenden Nachschlag. Alle vier Stücke demonstrieren das außergewöhnliche Zusammenspiel zwischen dem angloitalienischen Singer/Songwriter, Faccini, und dem malischen Meister auf der Kora, Sissoko. Neben drei weiteren Stücken aus den Albumaufnahmen sticht besonders das Skip-James-Cover „Special Rider Blues“ hervor. Für alle, die bereits das Album lieben, ist die EP ein Muss.

Erik Prochnow

Eric Fish & Friends, Auf den Grund (Dryland Records)

Eines muss man dem Subway-to-Sally-Frontmann lassen – man erkennt ihn vom ersten gesungenen Ton an. Auf seinem Soloalbum, das eigentlich ein Rückblick auf 25 Jahre Solo-Liedermaching ist, hat er vierzehn Songs neu eingespielt und interpretiert. Ihnen eigen sind das Pathos und die Dramatik, die man kennt und als Fan natürlich schätzt. Alle anderen haben hier einen kompakten Einstieg ins Œuvre des Brandenburgers.

Wolfgang Weitzdörfer

Frau Schröder, Es ist an der Zeit (Eigenverlag)

Katrin Schröder alias Frau Schröder aus Wernigerode im Harz singt zusammen mit Max Schmidt auf ihrem Debüt zehn Liebeslieder zur Gitarre. Die verbreiten keine süße Romantik, es gibt keinen Kitsch, sondern ihr Thema sind die Grautöne von Beziehungen und Trennungen. Intelligente, sehr gut gemachte Lieder, die nicht so sehr ins Herz gehen zum Wohlfühlen als in den Kopf zum Nachdenken.

Rainer Katlewski

Heri Friese, T.u.n.e.s (Promo-CD für Digital-Downloads, GEMA MusicHub)

Heri Friese von Deutschlands vielleicht dienstältester Folkband Schmelztiegel aus Schleswig-Holstein spielt zwanzig Eigenkompositionen auf diesem seinem vierten Soloalbum auf zehn Tonspuren. Dafür greift er selbst zu Mandoline, Bouzouki, Ukulele, Waldzither, Gitarre, diatonischem Akkordeon und Keyboard. Sigi Lau und Bernd von Appen steuern Geigen bei. Diese Quasi-Orchestermusik erinnert auch an Fernsehmusik aus Kindertagen.

Michael A. Schmiedel

Hecki Trio, Cuvèe (Three Saints Records)

Wer frühmorgens den Fernseher auf BR oder 3Sat einschaltet und die dort gespielte Musik mit Bergpanoramen genießt, hat bestimmt seine Freude an diesem Album. Fünfzehn Stücke kärntnerisch-südsteirisch-alpenländische Musik – Polkas, Walzer, Landler, Boarische und anderes auf diatonischen Harmonikas, Bassklarinetten, Gitarre, Zither, Kontrabass und Posaune. Wunderbar entspannend!

Michael A. Schmiedel

HoamatBeat, Wurzeln (Eigenverlag)

HoamatBeat ist eine oberbayerische Mundart-Folkrockband. „Do bin i geborn, und do bin i dahoam, und do mog i alt wern, und do mog i irgendwann sterm“ oder „Heit is der erste Dog vom Rest vom Lem“ – ernste Texte, die berühren, wobei die fünf Jungs mit „Hoamat“ kein umgrenztes Land meinen, sondern einen inneren Ort, den jeder für sich entdecken muss.

Michael A. Schmiedel

Jörg Höldinghausen, Da draußen (Mila Records)

Ein wunderbares, leises, poetisches Erstlingswerk des früheren Wir-sind-Helden-Bassisten. Mit seiner sanften, warmen Stimme entfaltet er tragische, zarte und humorvolle Geschichten von Charakteren, die er in der U-Bahn beobachtet hat, die ihm woanders begegneten oder über die er in der Zeitung las. Intensive Momentaufnahmen, musikalisch sehr einfühlsam mit Geige, Klarinette, Akkordeon, Gitarre, Percussion und Bass arrangiert. Ein Liedermacheralbum, das man gehört haben sollte.

Erik Prochnow

Andrew D. Huber, Sailor’s Rescue (North Light Records)

Man tut dem Musiker aus Illinois wohl nicht Unrecht, wenn man feststellt, dass er einfach aus den Achtzigern wiederauferstandene musikalische Muster mit eigenen Texten versieht. Sein Celtic Folkrock ist schamlos bei den Pogues und U2 geklaut und pubtauglich produziert. Durchaus wohltuend bei all dem Spaß sind die eingestreuten Balladen.

Martin Wimmer

Josef Kamaru, Heavy Combination (Disciples Records)

Das Album dokumentiert in siebzehn Songs facettenreich das Schaffen des 2018 gestorbenen kenianischen Musikers Josef Kamaru, des „King of Kikuyu Benga“. Von traditionellen Stücken bis zu clubtauglichem Funk ist die von 1966-2007 aufgenommene Musik rau, direkt und tanzbar. Die prägnanten Texte, meist in Kamarus Muttersprache Kikuyu gesungen, reichen von Gesellschaftskritik über Lebensweisheiten bis hin zu Gospels.

Christoph Schumacher

Pekko Käppi & K:H:H:L, Oli Kerran Ryytimaasa (Svart Records/Svart 347)

Finnischer Folkrock mit Einsprengseln aus allerlei anderen Musikrichtungen, zum Beispiel Reggae, Country oder Blues. Vorgetragen mit sehr viel Temperament, und das ist kein Wunder: Das Album ist dem Aberglauben gewidmet, der sich bekanntlich auch bewahrheitet, wenn man nicht daran glaubt. Im Hintergrund immer wieder ekliges Teufelskichern – wäre die Musik nicht so mitreißend, man könnte das Fürchten kriegen!

Gabriele Haefs

Kennedy Administration, Humanity (Leopard)

Funk und Soul grooven sich Hand in Hand durch die Boxen auf dem dritten Album der Brooklyn-basierten Band, die hoffentlich niemals in „Trump and Kennedy Administration“ umbenannt wird … Ms Kennedy versteht es zusammen mit Ondre J ihre Stimme und dessen Musikalität zu einem mitreißenden Powerwerk zusammenzubringen – perfekt für den anstehenden Sommer!

Wolfgang Weitzdörfer

Júlia Kozáková, Manuša II (CPL-Music)

Mit diesem Album knüpft die slowakische Sängerin nahtlos an das Vorgängeralbum Manuša aus dem Jahr 2022 an. Wieder präsentiert sie Romamelodien, begleitet von fünf ausgewiesenen Meistern dieser Musikrichtung. Allerdings hat sich der inhaltliche Fokus geändert. Ging es 2022 um das Gemeinsame der Menschheit (manuša), so steht diesmal das Thema „Freude“ im Zentrum. Wohltuend und mitreißend.

Ines Körver

La Cuivraille, Tournivelle (Les Beaux Jours/Inouie Distribution)

La Cuivraille ist eine kleine Balfolk-Big-Band. Neben Bandleader und Geiger Gabriel Lenoir besteht das Sextett vor allem aus einer Bläsersektion, was bereits der Name andeutet (les cuivres = „die Blechbläser“). Tournivelle ist ein sehr gutes, abwechslungsreiches Balfolk-Album zwischen Power und Romantik. Herausragend ist die Cuivraille-Version des Jigs „Seanamhac Tube Station“.

Christian Rath

Michael Lane, Live Free (Greywood Records)

Ruhig klingt das fünfte Album des Deutsch-Amerikaners, die Gitarre begleitet selbstreflektierende englischsprachige Texte. Die Fragen um Ehrlichkeit, Freiheit und Selbstakzeptanz beschäftigen auch Lane, der mit vierzig ein bewegtes Leben zwischen den USA, dem Einsatz als Soldat im Irak und in Afghanistan und der tiefsten fränkischen Provinz zu verwalten hat. Was hier als Indiefolk gehandelt wird, ist bereits durch die Filter großen TV-Glamours gelaufen: 2012 machte er bei Voice of Germany Furore.

Imke Staats

Chris Lauffs, Schnelle Begegnungen (Timezone Records)

Handfeste Liedkunst aus dem südhessischen Seeheim-Jugenheim. Seit zwanzig Jahren schreibt und spielt der Gitarrist und Sänger bereits Musik. Jetzt präsentiert er seine tiefgründigen, poetischen Songs auf einem zweiten Album. Dabei bewegt er sich zwischen Folk, Chanson und Singer/Songwriter. Eingängige Melodien und Gitarrenarrangements, die vor allem auch im Gesang an den Kölner Liedermacher Gerd Schinkel erinnern.

Erik Prochnow

Le Collectif Tango Negro Ensemble, Tribute To Juan Carlos Cáceres (Felmay)

Ein internationales Ensemble würdigt das Lebenswerk des 2015 in Paris verstorbenen argentinischen Künstlers, Musikers, Songwriters und Malers Juan Carlos Cáceres. Auf dem Doppelalbum finden sich Cáceres bedeutendste Hits „Tango Negro“ und „Toca Tango“. Jeder Freund des Rio de la Plata wird hier musikalisch reich beschenkt.

Rolf Beydemüller

Mathias Lévy, Chant Song (KOM)

Ein intensives, wildes Album des französischen Geigers, Sängers und Kompositeurs. Sein neues Werk steht ganz im Zeichen der Improvisation der ausdrucksstarken Stimme der Sängerin Lou Tavano im Zusammenspiel mit seinem Ensemble aus Gitarre, Cello, Kontrabass und Akkordeon. Lévys Musik, die sich zwischen Jazz Manouche, Chanson und Kammerorchester bewegt, swingt mit großer Leichtigkeit. Gleichzeitig verströmen die zwölf Stücke eine andächtige Tiefe, die von Beginn an in den Bann zieht.

Erik Prochnow

Sam Lewis, Everything’s Fine (Loversity Records)

Neun Originale, ein der Katze gewidmetes Instrumental und ein Indigo-Girls-Cover. Sam Lewis an der akustischen Gitarre, sein Gesang, ab und zu einfühlsam begleitet von Produzent Joe McMahan. Ruhig und sparsam. Aber nie langweilig. Gelassen, aber voll jugendlichem Esprit. Ehrlich, aber sympathisch. Der Songwriter aus Nashville mit einem wirklich schönen und lohnenswerten siebten Album.

Martin Wimmer

Lost in Lona, The Killer (Mouthwaterin Records)

Das Duo Lost in Lona besteht aus Lidia Beck und Konstantin Aebli, die sich auf ihrem Album The Killer die ganze Arbeit teilen. Die acht Songs sind in herrlichem Lo-Fi aufgenommen, berühren mit Lidia Becks zerbrechlich-warmer Stimme und schöner Indiefolk-Schlagseite.

Wolfgang Weitzdörfer

Magda Novels, Vol. 1 Shadow Work (Kvitrot Records)

Die schwedische Singer/Songwriterin Madga Andersson nennt ihr Soloprojekt Magda Novels: Mit zarter Stimme singt sie zehn poetische Songs zwischen Folk, Country, Indie und Rock. Sie beherrscht großartiges Storytelling, und ihre Songs bleiben im Ohr. Sie sind geprägt von der Idee das eigene Schattenselbst zu entdecken. Dabei ahnt man immer wieder eine skandinavische Mystik.

Udo Hinz

Fabienne Magnant, Cordas Sensiveis (Guit’Art Productions)

Die französische Gitarristin ist musikalisch ebenso in Brasilien wie in Spanien beheimatet. Sie beherrscht die Viola Caïpira wie die klassische Gitarre, und auch Paco de Lucías „Fuente Y Caudal“ meistert sie souverän. Ein abwechslungsreiches, spannendes Album, rhythmisch brillant, mal solo, mal im Bandkontext.

Rolf Beydemüller

Ronja Maltzahn, Butterfly And Wolf: Flow (Kick The Flame)

Dieses Album ist Teil eines Gesamtkunstwerkes. Neben den zwölf Songs umfasst es ein Buch mit 85 handgemalten Bildern der ukrainischen Künstlerin Tatjana She Wolf. Gemeinsam haben die beiden eine Geschichte um eine junge Wölfin kreiert, die im Sturm ihr Zuhause verliert und sich auf die Suche nach einer inneren Heimat macht. Maltzahn erweitert auf ihrem vierten Album ihre gewohnte poetische Tiefe zwischen Folk und Pop mit orchestralen und elektronischen Elementen und erzeugt einen sphärischen Klang zwischen Traum und Wirklichkeit.

Erik Prochnow

Anton Mangold & Christian Bekmulin, Duo Time (Rosenau Records)

Eine seltene instrumentale Paarung: Harfe und Jazzgitarre. Das Würzburger Duo präsentiert acht raffiniert verschlungene Eigenkompositionen, die weltmusikalisch-folkloristisches Terrain betreten. Eingängige Melodien, spannende Improvisationen – ein echter Saitenrausch!

Rolf Beydemüller

Louis Matute, Dolce Vita (Naïve)

Ein Jazzer verirrt sich mal wieder in Folk(er)-Gefilde. Der Genfer Gitarrist widmet sich hier dem Erbe seines Vaters aus Honduras. Diese selbsterklärte Identitätssuche geht musikalisch und geografisch aber viel weiter, vor allem gen Brasilien. So sind zwischen den stimmungsvollen, teils filmmusikalischen Instrumentals exzellente Sängerinnen zu vernehmen (Joyce, Dora Morelenbaum und Gabi Hartmann).

Katrin Wilke

Nolan McKelvey, How Small We Are (Eigenverlag)

Irgendwo zwischen den Polen Alternative Country und Folkrock bewegt sich der Musiker und Songschreiber aus Arizona. Seine Songs strahlen Gelassenheit aus und verbreiten eine menschliche Wärme, die einen sofort umfängt. Erst recht, wenn er im Duett mit Mandy Fer „Anam Cara“ singt, eine Hymne über die Seelenfreundschaft. Einfach von vorn bis hinten durchhören und sich emotional berühren lassen.

Volker Dick

Me and My Friends, Bring Summer (Split Shift Records)

Hier groovt es ohne Ende vom ersten Ton an. Das fünfköpfige britische Ensemble um Bandleader Nick Rasle überzeugt auch auf seinem fünften Album in fünfzehn Jahren mit einem süchtig machenden swingenden Sound, der die Musik der Welt vereint. Erneut verschmilzt die Band in ihren zehn Songs Folk mit Jazz. Doch das Gefühl von Sommer kommt vor allem durch die Zutaten von Disco, Rock, Samba, Gnawa oder Cumbia auf. Die Formation macht Lust darauf zu hören, wie sie mit Gitarre, Gesang, Klarinette, Bass und Schlagzeug musikalische Wärme auf die Bühne zaubern.

Erik Prochnow

Meklit, A Piece Of Infinity (Smithsonian Folkways)

Die in Addis Abeba geborene und in San Francisco lebende Sängerin, Songwriterin und Komponistin Meklit Hadero zelebriert auf ihrem neuen Album die reichen musikalischen Traditionen Äthiopiens und verwandelt Volksweisen in jazzige Arrangements. Sie singt in Kambaata, Amharisch, Oromo und Englisch über Sehnsucht und Liebe und durchquert dabei ein weitläufiges Klanguniversum ihrer grenzenlosen heimischen Kultur.

Christoph Schumacher

Paul Millns, History Of A Kiss (Azzura Music)

Zu seinem Achtzigsten zieht der englische Sänger, Komponist und Bluespianist Bilanz. Vierzehn seiner Lieblingskonzertstandards hat er neu interpretiert. Dabei begleitet er seine immer noch kraftvolle warme Stimme nur auf einem Steinway-Piano aus den Dreißigern, das er in einem Studio im italienischen Treviso gefunden hat. Das Ergebnis ist ein sehr intimes, herausragendes Album eines außergewöhnlichen Künstlers, der viel mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit verdient hätte.

Erik Prochnow

Ayça Miraç, A Window To The Bosporus (Neuklang)

Ayça Miraç wuchs im Ruhrgebiet auf. Als Tochter einer lasischen Mutter beschäftigt sie sich seit Jahren mit der Volksmusik aus deren Heimat am Schwarzen Meer. Zu hören war dies bereits auf dem 2018 aufgenommenen Album Lazjazz, das auch in der Türkei erschien. Gemeinsam mit Ehemann Philipp Grußendorf (Kontrabass), Henrique Gomide (Piano) und Marcus Rieck (Schlagzeug) geht es diesmal vor allem um Lasen in Istanbul.

Ines Körver

Moeckl/Beck, Ins endlose Blau (Eigenverlag)

Zwei Gitarristen, Alexander Moeckl und Gregor Beck, haben sich für eine gemeinsame Aufnahmesession getroffen, die in die Fußstapfen des wegweisenden Gitarrenalbums Waves von Martin Kolbe und Ralf Illenberger aus dem Jahr 1978 tritt. Ins endlose Blaue bietet akustische Gitarrenvirtuosität vom Feinsten, in die man sich am besten unter dem Kopfhörer und mit großer Konzentration fallen lassen sollte.

Wolfgang Weitzdörfer

Marla Moya, Sanguine Soul (Backseat)

Eine Stimme voller Facetten: leicht und melancholisch, modern und nostalgisch, klar und wolkenweich. Die aus Heidelberg stammende und bereits international aktive Sängerin nimmt uns mit in ihr Leben und erzählt in zwölf englischsprachigen Songs über ihre Selbstfindung. Ihr in Los Angeles aufgenommene Debüt verströmt Wärme und ist moderner Indiefolk mit Countryappeal.

Udo Hinz

New Global Ensemble, Dream Walking (One World Records)

Das Gemeinschaftsprojekt des US-Saxofonisten Benjamin Boone und des deutschen Violinisten Stefan Poetzsch hat sich hier mit vier Musikern aus Ghana, Mexiko und Irland zusammengetan. Auf dem Debüt lassen sie mithilfe von traditionellem Gesang, Xylofon, Mbira, Asalsoto oder E-Gitarre faszinierende meditative Klanglandschaften entstehen. Eine wahre magische Reise durch die menschlichen Träume.

Erik Prochnow

Aoife Ní Bhríain & Cormac McCarthy, Cosán Casta (Ceirníní Casta)

Zwölf Songs dieses Duos, das sich dem irischen Folk in seiner puren Form, dem Dialog von Klavier und Geige verschrieben hat. Ein leises Werk, bei dem der Titel des Stücks „Butterfly“ sicherlich am besten beschreibt, wie es gestrickt ist – zerbrechlich, flatternd und unheimlich schön.

Wolfgang Weitzdörfer

Nusantara Beat, Nusantara Beat (Glitterhouse Records)

Aus Indonesien kommen Nusantara Beat, die Band lebt mittlerweile in Amsterdam und legt via Glitterbeat ihr Debüt vor. „Psych Folk“ lautet das Etikett, das so verkehrt gar nicht ist, der exotische Faktor erwächst aus mancher eigentümlich anmutenden Melodie sowie natürlich aus der Sprache, die für mitteleuropäische Ohren sofort nach „weit, weit weg“ klingt. Man muss sich auf die elf Songs einlassen, wird aber sicher nicht enttäuscht.

Wolfgang Weitzdörfer

Okertones, Okertone (Eigenverlag)

Tom Bennecke kommt aus Braunschweig, einer Stadt durch die die Oker fließt. Seine Formation Okertones spielt wunderbar ruhige, atmosphärische englisch- und deutschsprachige Songs voller Geschichten vom Gewinnen und Verlieren, Heimat und Fernweh. Im Zentrum der amerikanisch geprägten akustischen Rootsmusik: der faszinierende Klang der Dobro – für Fans von Americana, Bluegrass und Blues.

Udo Hinz

The Pentangle, Solomon’s Seal – Deluxe Edition (Cherry Tree/Cherry Red Records)

Was ist an dem Doppelalbum denn „deluxe“? Zum einen die generöse Spielzeit von rund 155 Minuten, bestehend aus der restaurierten 1972er-LP plus BBC-Radioaufnahmen aus dieser Zeit sowie Liveaufnahmen von der Abschiedstournee. Zum anderen punktet das 28-seitige, informative Beiheft von Musikhistoriker Colin Harper. Für Folkarchäologen unverzichtbar!

Mike Kamp

Eleanna Pitsikaki, Ároma (Timezone Records)

Mit dem Spiel auf der Kanun, der orientalischen Kastenzither, wandert Eleanna Pitsikaki zwischen West und Ost, ein Vexierspiel auch zwischen der Welt des Jazz und mediterranem Folk. Letzteren gibt es pur in einem Lied aus Kreta, komponiert von Kostas Mountakis, eine Hommage an den 1991 verstorbenen Sänger und zugleich ein Bekenntnis zu Pitsikakis Heimat. Sachtes Piano, zuweilen auch das Spiel der Kaval, begleitet die sentimentale Klangreise der in Mainz heimisch gewordenen Musikerin.

Gerd Döring

Steve Postell, Walking Through These Blues (Quarto Valley Records)

Gefühl, Leidenschaft, Ruhe – alle Songs dieses Albums atmen diese Atmosphäre. Steve Postell ist ein jahrzehntelang erfahrener und gefragter Session- und Studiomusiker, und viele bekannte Namen der amerikanischen Rock- und Folkszene geben sich hier ein Stelldichein. Ian Matthews, David Crosby, Waddy Wachtel, Bekka Bramlett – die Liste ist beeindruckend, und das musikalische Ergebnis spricht für sich.

Achim Hennes

Colleen Power, Same (Baygirl Music)

Selten stand ein Name so sehr für das, was zu hören ist. Die Dame aus St. John’s, Neufundland, und ihre Songs kommen ungemein kraftvoll rüber, und das seit über dreißig Jahren. Folk, Rock, Country und Americana sind auf dem Album gleichermaßen und abwechslungsreich vertreten, kein Wunder bei sage und schreibe neunzehn Mitmusizierenden. Gekonnt ist eben gekonnt.

Mike Kamp

Tutu Puoane & Metropole Orkest, Wrapped In Rhythm Vol II (Soulfactory)

Wunderbare Latin-angehauchte und tief im Big-Band-Sound wildernde Gedichtvertonungen der Südafrikanerin Lebo Mashile mit der warmen Stimme Tutu Puoanes, die mit dem Metropole Orkest perfekt harmoniert. Diese Musik ist perfekt für den Herbst und Winter geeignet – wird aber fraglos auch diesen Frühling und Sommer weiter reifen.

Wolfgang Weitzdörfer

Raia, Uádi (Lusitanian)

Vor lauter Fado gerät mitunter der „restliche“ Musikreichtum Portugals ins Hintertreffen. Dazu gehören besondere Saiteninstrumente wie die zehn-(stahl-)saitige Viola Campaniça, die wie der Mann hinter dem Projekt aus dem Alentejo kommt. António Bexiga macht hier einen etwas unüberschaubaren Gemischtwarenladen auf, der stilistisch-atmosphärisch diverse vokale und vor allem Instrumentalkompositionen birgt.

Katrin Wilke

Reis Against The Spülmachine, Tourlaub (Edel)

Okay, das muss man mögen. Schon der Bandname des Comedyduos zeigt, dass es hier albern zugeht. Und das zeigt sich dann auch bei den Songs der beiden Musiker aus Buxtehude und Oldenburg. Denn hier geht es um möglichst klischeehaften Urlaub – „Saufen an ’nem See“ –, dargestellt als Parodien von Riesenhits. „In The Netto“ als Interpretation von „In The Ghetto“ spricht hier eine deutliche Sprache. Gastbeiträge von Götz Widman oder dem Geiger von Versengold machen das Ganze auch für die folker-Leserschaft interessant. Den Humor muss man aber mögen …

Wolfgang Weitzdörfer

Kimmie Rhodes, West Texas Heaven Revisited (Sunbird Records)

Ursprünglich ist das Album der Sängerin und Songschreiberin aus Lubbock, Texas, 1996 erschienen – für weite Teile der Kritik damals ein Album des Jahres, nicht zuletzt wegen der Duette mit Countrystars wie Willie Nelson und Waylon Jennings. Die Songs sind für dieses Reissue neu gemischt und gemastert worden. Dazu gibt es Outtakes der damaligen Sessions.

Volker Dick

Ringsgwandl, Schawumm! (Galileo MC)

Seit über dreißig Jahren steht der vormalige Oberarzt nun auf der Bühne. Sein aktuelles Album ist im Wesentlichen dem Tod seiner 2022 verstorbenen Ehegattin gewidmet, begleitet nicht nur wie schon viele Jahre zuvor von Nick Woodland (slide guitar; Songs 1, 4, 5), sondern auch von Daniel Stelter (g), Christian Diener (b), Tommy Baldu (perc). Ganz ohne Ängste vor dem Altern kommt selbst der nun 77-Jährige nicht aus, lieber würde er beim Tanzen „verrecken“, so formuliert er es im Stück „Beim Tanzen“. „Spielentscheidend“ bei diesem Album war in jedem Fall das Catering von Juliane Klieser und Uschi Popp.

Matti Goldschmidt

Stefan Saffer, Leipzig-West (Timezone Records)

Der Leipziger Singer/Songwriter kann nicht nur Punk und Indierock. Und auch wenn sein neuntes Album Leipzig-West betitelt ist, hört man doch hier viel mehr den mittleren amerikanischen Westen aus Songs wie „White Line Fever“ oder „Gonna Be Some Trouble Tonite“. Macht Spaß, diese zehn-Song-LP.

Wolfgang Weitzdörfer

Sarakina, Suspended In The Mist (Eigenverlag)

Das neue Album der Balkanspezialisten Sarakina präsentiert Lieder und Tänze der Region Meglen im nördlichen Griechenland. Aus den traditionellen Vorlagen zaubert das Quintett aus polnischen, bulgarischen und tschechischen Musikschaffenden einen hypnotischen World Jazz, angesiedelt zwischen Melancholie und Lebenslust – dazu sehr gut aufgenommen.

Volker Dick

Sister Speak, Coming Home (Eigenverlag)

Sherri Anne Nyberg hat schwedische Wurzeln und lebt in Kanada. Nach vier Alben legt sie hier fünf Songs vor, die sich auch mit der Suche nach Herkunft befassen. Im Vordergrund stehen ihre charaktervolle Stimme und die Gitarre. Und weil sie derzeit in Montreal lebt, lässt sie in „L‘Amour Partout“ Französisch hören – im Duett mit Matt Stern.

Volker Dick

Sonetos Del Amor Oscuro, Vol. 1: El Sueño Se Deshizo Para Siempre (Zephyrus)

Musik, die zwischen spanischer Tradition, Klassik und Jazz schillert, bietet dieses Projekt um Gedichte des Spaniers Federico Garcia Lorca. Flöte und Cello locken dabei aus der Gitarre lyrische Qualitäten. Dazu passt, dass auch Sängerin Helena Casella nie den typischen Gestus einer Flamencosängerin nutzt. Ein komplexes Werk, spanisch verwurzelt, aber eher besinnlich und genreübergreifend.

Hans-Jürgen Lenhart

Steiner & Madlaina, Nah dran (Glitterhouse Records)

Nora Steiner und Madlaina Pollina sind schon seit 2012 zusammen unterwegs. Jetzt hat das Duo sein viertes Album veröffentlicht, es ist ein zartes, zerbrechliches und fein arrangiertes Werk aus vierzehn Songs geworden, die von den Stimmen der beiden Frauen leben sowie ihrer feinen Ironie und Beobachtungsgabe. Das Duo aus Zürich lädt man gerne immer wieder für eine gute Dreiviertelstunde zu sich nach Hause in die Stereoanlage ein.

Wolfgang Weitzdörfer

Rusty Stone, Ramblin’ Man (RevStone Music)

Ganz viel Blues, etwas Americana und etwas Folk – handgemachte, erdige Musik. Ein Soloalbum, alle zwölf Stücke sind Eigenkompositionen, die auf den unterschiedlichsten akustischen Gitarren mit und ohne Slide gespielt sind. Auch die Bassbegleitung und gelegentliche Harp spielt Stone selbst, Gesang ist sowieso seine Sache. Dies hier ist ehrliche, mit Seele und Herzblut vorgetragene Musik – und einfach wunderschön.

Achim Hennes

Chris St John, Never Where I Am (Halo Records)

Das Schöne an solchen Hobbyprojekten von reichen älteren Herren ist ja, dass am Markt vorbei Musikrichtungen bedient werden, die bei Labels keine Chance hätten. Der Anwalt aus Long Island bewegt sich hier am poppigen Ende der Sackgasse, von der man dachte, dass sie mit John Denver und Roger Whittaker endete. Streicher und Keyboards, auch mal irische Anklänge.

Martin Wimmer

Sul, Sul Vol. II (Jacc Records)

Das Trio Sul verbindet auf seinem zweiten Album Jazz mit portugiesischer Instrumentalmusik. Bernardo Couto sorgt mit der portugiesischen Gitarre für die Melancholie des Fado. Der Pianist Luis Figueiredo und der Kontrabassist Bernardo Couto wechseln die Tempi, und die Musik wird experimenteller und jazziger, bleibt aber immer melodiös. Stimmig und inspirierend.

Martin Steiner

Sumu, Tribeqa (Underdog Records)

Sumu bedeutet „Zusammenkommen“ in der westafrikanischen Sprache Dioula. Auf dem vierten Album des französischen Afro-Soul-Jazz-Hip-Hop-Quartetts wird zum chromatischen Balafon, zu akustischer Gitarre, Schlagzeug und Moog-Bass gesungen und gerappt, auf Französisch, Englisch, Spanisch und Dioula. Ein harmonisches Miteinander von Rhythmen, Sprachen und Stilen voller kultureller Vielfalt und Lebensfreude.

Christoph Schumacher

Emma Swift, The Resurrection Game (Tiny Ghost Records)

Die Australierin siedelte 2013 nach Nashville über, um dort eine Karriere als Singer/Songwriterin aufzubauen. Zunächst machte sie mit einem Album von Dylan-Coversongs auf sich aufmerksam. Das aktuelle Album enthält eigene Songs, die keine Überraschungen bieten. Swift besitzt eine angenehme Stimme, hat aber leider auf einen watteweichen Mainstreamsound gesetzt.

Almut Kückelhaus

Tattercoats, Westways (Eigenverlag)

Das Ehepaar Ned Joyner (Gitarre, Gesang) und Charlotte Wager Miller (Bass, Gesang) interpretiert hier zehn Songs aus den Bereichen Country, Folk und Bluegrass. Schöner Harmoniegesang, die Gitarre meist im Fingerpicking, die Bassbegleitung verleiht Tiefe und Wärme. Alles wirkt ruhig und aufgeräumt, die frei verfügbare Auskopplung von „Girl From The North Country“ gibt einen guten Einblick.

Achim Hennes

Tett, Wenn die Halme auf den grünen Feldern stehen (Eigenverlag)

Stefan Günther, ein junger Mann aus Detmold, der unter seinem Künstlernamen Tett auftritt, hat diese EP mit drei Liedern in klassischer Liedermachermanier veröffentlicht. Die Lieder sind inspiriert von den romantischen Geschichten über Hermann Hesses Landstreicher Knulp aus dem Jahre 1915. Diese romantische und geheimnisvolle Ader durchzieht auch die Lieder Tetts.

Rainer Katlewski

The Ghost And The Machine, Sorrows (Fullmax Recordings)

Auf Arte wird in der Mediathek derzeit Twin Peaks aus den Neunzigern wiederholt. Wenn man sich die zwölf Songs auf dem herrlich düsteren Album der Band rund um Sänger und Multigitarrist Andreas Lechner anhört, bekommt man genau diese Vibes im dicken Dutzend verpasst. Dazu ein wenig Tom Waits und Mark Lanegan – und fertig ist ein perfektes Dark-Indiefolk-Werk. Rotwein auf – und ab dafür.

Wolfgang Weitzdörfer

The Green Apple Sea, Dark Kid (Hometown Caravan)

Ein autobiografisches Werk ist Dark Kid geworden. Bandkopf Stefan Prange verarbeitet hier seine nicht leichte Kindheit in neun Episoden. Die Nürnberger Band lässt sich dabei Zeit, es ist eher ein sanftes Dahinfließen von folkigem Pop/Rock mit schweren textlichen Inhalten, auf die man sich einlassen kann, aber auch nicht muss.

Wolfgang Weitzdörfer

John Townley, Round Swamp Road (The Lollipoppe Shoppe)

Ein alter Haudegen der US-Folk- und Songwriter-Szene ist John Townley, so war einer seiner Lehrmeister in den Sechzigern der Folkblues und Gospelmusiker „Reverend“ Gary Davis. Viel von dessen Einfluss findet sich hier wieder. Und auch die Nähe zu maritimen Themen schimmert stets durch und lässt manche der Stücke mit ihrer dem Blues so ähnlichen Call-and-Response-Struktur wie Shantys klingen.

Achim Hennes

Tram, Alligator (Les Entêtes)

25 Jahre gibt es die Band aus Lyon nun schon, das Quintett war früher als Tram des Balkans bekannt, was die musikalische Ausrichtung als feurige Mischung aus Rock, Jazz, Pop und Klezmer etwas schneller vermittelt hätte. Aber auf dem siebten Album des Quintetts wird auch so schnell klar, worum es geht. Der Titelsong mit deutschen Lyrics, aber auch „Ok Boomer“ oder das kratzige „Tzatzalo“ machen Spaß und gehen in die Beine.

Wolfgang Weitzdörfer

Veronika Varga, True Picture (CPL-Music)

Sparsam instrumentiert, trägt Veronika Varga ungarische und griechische traditionelle Musik vor. Sie möchte so zeigen, was ihre Hauptausdrucksformen sind: Stimme und gezupfter Kontrabass. Schöner Satzgesang, ein abwechslungsreiches Repertoire und gelegentliche Gastmusiker wie Ion Curteanu am Cymbalon und Benedek Réti am Akkordeon sorgen dafür, dass man bis zum Ende gespannt zuhört.

Ines Körver

Nancy Vieira and Fred Martins, Esperança (Galileo MC)

Die Kapverden und Brasilien waren portugiesische Kolonien und haben bis heute Portugiesisch als Amtssprache. Die kapverdische Sängerin Nancy Vieira und der brasilianische Gitarrist und Sänger Fred Martins finden sich in einer lockeren, fast fliegenden Melange aus Bossa Nova und der kapverdischen Morna – einmal auch einem kubanischen Bolero. Nicht fehlen darf die Saudade, die sanfte Melancholie.

Martin Steiner

Vision String Quartet, In the Fields (ACT Music/Galileo MC)

Ideengeber des Albums ist Béla Bartók, und rund um dessen viertes Streichquartett sind hier Kompositionen versammelt, die inspiriert sind von Bartoks Faible für traditionelle Musiken. Schon mit dem Start sind wir tief im Südosten mit „Kopanitsa“, einer bulgarischen Volksmusik im queren Elfachteltakt. Unterstützt von dem Gitarristen Mahan Mirarab, dem Pianisten Joel Lyssarides und dem Percussionisten Bernhard Schimpelsberger servieren die vier eine weltläufige Musik, die souverän mit Elementen aus Klassik und Volksmusik jongliert.

Gerd Döring

Sandy Wolfrum, Das Boltenhagen Konzert (Intraton)

Sandy Wolfrum wohnt in Bayreuth, Boltenhagen liegt an der Ostsee. Das Doppelalbum enthält „das komplette Konzert im Rahmen der 25. [Boltenhagener] Liedertage 2023“. Im Vergleich zu anderen Livealben aus Franken hört man, auch was die Reaktionen des Publikums angeht, keinen Unterschied heraus, auch nicht bei Liedern, die die Bayreuther Kommunalpolitik aufs Korn nehmen. Die Moral seiner Lieder ist eben überregional.

Michael A. Schmiedel

Dhafer Youssef, Shiraz (ACT Music)

Shiraz beginnt mit sachten Klängen von Oud und Klavier, dazu stößt verhalten eine Trompete. Mit viel Sentiment versammelt Dhafer Youssef hier eine Reihe eindringlicher Kompositionen, die er seiner Frau Shiraz widmet. Es dominieren die virtuos gespielte Oud und Youssefs Falsettstimme, während im Hintergrund ein alter Bekannter für Atmosphäre sorgt: Der Gitarrist Nguyên Lê wirkt hier als „Sounddesigner“ mit.

Gerd Döring

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