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Die Blues Foundation in Memphis

17. Juni 2026

Lesezeit: 5 Minute(n)

Die zwei Metropolen Tennessees im Süden der USA sind beide von Musik geprägt. Während die Hauptstadt Nashville im Norden als Mekka von Country & Western und Bluegrass gilt, spielte das mehrheitlich afroamerikanische Memphis im Südwesten eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Blues, Rock ’n’ Roll und Soul.
Text und Fotos: Wolfgang König

Der Ruf der Stadt als Zentrum des Rhythm and Blues geht vor allem auf die Plattenfirma Stax Records und ihre Studios zurück mit Stars wie Isaac Hayes oder Otis Redding. Um die anderen genannten Stile machte sich in erster Linie der 2003 verstorbene Produzent Sam Phillips mit seinem bis heute existierenden Sun Studio verdient. Hier entstand 1951 der wahrscheinlich erste Rock-’n’-Roll-Song: „Rocket 88“ mit Ike Turner am Piano. Hier begannen die Karrieren von Bluesleuten wie B. B. King, Howlin’ Wolf, Big Mama Thornton und James Cotton, aber auch von zwei Country- beziehungsweise Rockabilly-Stars: Johnny Cash und Jerry Lee Lewis. Und natürlich die des berühmtesten Sohns der Stadt (auch wenn er nicht in Memphis geboren wurde): Elvis Presley. Der wusste genau, was er den schwarzen Bluesleuten verdankte, nicht von ungefähr war er von jungen Jahren an und bis zum Ende mit B. B. King befreundet.

Möglich wurde die musikalische Vorreiterrolle der Stadt nicht zuletzt durch ihre Lage im äußersten Südwesten Tennessees, am Ostufer des „Ol’ Man River“ und im Süden begrenzt durch die State Line zu Mississippi, dem Staat, der mit Abstand die meisten großen Bluesmusikschaffenden hervorgebracht hat. Für jeden, der versuchte, mit dem Blues der harten und entbehrungsreichen Welt der Baumwollfelder zu entfliehen, war Memphis der erste Anlaufpunkt auf dem Weg nach Norden, auch wenn die Reise irgendwann weiter ins Bluesmekka Chicago führen sollte, zumal Memphis ab 1949 mit WDIA den ersten Radiosender der USA hatte, bei dem Menschen der afroamerikanischen Bevölkerung Programm für eine schwarze Zuhörerschaft machten.

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Und so nimmt es nicht wunder, dass der Blues in Memphis eine besondere Heimstatt gefunden hat. In der South Main Street, nur einen Steinwurf entfernt vom National Civil Rights Museum im ehemaligen Lorraine Motel, wo 1968 Martin Luther King ermordet wurde, findet sich die Blues Hall of Fame. Direkt davor begrüßt eine Bronzeskulptur Besuchswillige: Little Milton, der in Lebensgröße mit seiner Gitarre auf einer Bank sitzt; wer möchte, kann sich neben ihn setzen.

Kimberly Horton, CEO der Blues Foundation

Foto: Wolfgang König

„Die International Blues Challenge zeigt, wie sehr der Blues inzwischen zu einer globalen musikalischen Ausdrucksform geworden ist.“

Im Inneren stellt sich Kimberly Horton als CEO der Blues Hall of Fame vor. Sie erzählt, dass ihre Institution 1980 von den Mitgliedern der Blues Foundation in einem der Clubs auf der Beale Street, der berühmten Entertainmentmeile von Memphis, gegründet wurde, um die Geschichte und das Erbe des Blues zu bewahren. „Über lange Zeit gab es die Hall of Fame nur virtuell“, erzählt Horton, „erst seit 2015 haben wir unsere eigenen Räumlichkeiten, die auch für eine Dauerausstellung genutzt werden. Mittlerweile haben wir hier pro Jahr etwa vierzigtausend Besucher aus den USA und aller Welt. Immer im Mai, direkt vor der Verleihung der jährlichen Blues Music Awards*, werden neue Künstlerinnen und Künstler in die Hall of Fame aufgenommen.“ Gleich 1980 wurde diese Ehre unter anderem Big Bill Broonzy, Willie Dixon, John Lee Hooker, Robert Johnson, Muddy Waters, B. B. King, Bessie Smith und T-Bone Walker zuteil. Über die Aufnahme in die Ruhmeshalle entscheidet eine externe, unabhängige Jury.

Neben der Hall of Fame werden auch die Blues Music Awards seit 1980 von der Blues Foundation getragen. Ähnlich wie bei den Grammys gibt es die Preise in verschiedenen Kategorien, zum Beispiel für die beste Künstlerin, den besten Künstler, die beste Band, das beste traditionelle und moderne Album, den besten Newcomer, die besten Instrumentalist:innen an Gitarre, Piano, Harmonika, Bass, Drums und Blasinstrumenten sowie den besten internationalen Act. Allerdings obliegen hier nicht einer Jury die Entscheidungen, sondern den Mitgliedern der Blues Foundation, die über ihre Beiträge auch die vielen andere Aktivitäten der Stiftung – etwa die Finanzierung medizinischer Hilfe für Musikschaffende – unterstützen. Sie stimmen online über die Preisträgerinnen und Preisträger ab.

Zu den großen Projekten der Blues Foundation, die mit etwa zweihundert Bluesorganisationen in den USA und im Ausland vernetzt ist, gehört auch die jährliche Ausrichtung der International Blues Challenge (IBC), des größten Blueswettbewerbs der Welt, der alljährlich im Januar in verschiedenen Clubs auf der Beale Street ausgetragen wird. „Wir hatten da schon Bands aus Deutschland, Tschechien, Österreich, Australien, Südkorea, von den Philippinen, aus Südafrika und so weiter“, berichtet Kimberly Horton. „Das zeigt, wie sehr der Blues inzwischen zu einer globalen musikalischen Ausdrucksform geworden ist.“ Im Rahmen der IBC werden auch die Keeping The Blues Alive Awards verliehen, und zwar an Institutionen sowie Personen, die keine Musikschaffenden sind, sich aber auf unterschiedliche Weise um den Blues verdient gemacht haben: Festivals, Clubs, Plattenfirmen, Produzent:innen, Medienleute, Fotograf:innen, Radiosender, Magazine et cetera.

Blues Hall of Fame in der South Main Street

Foto: Wolfgang König

Wer an der IBC teilnehmen möchte, muss sich an eine der weltweiten Partnerorganisationen der Blues Foundation wenden und sich an einem lokalen beziehungsweise nationalen Wettbewerb beteiligen. Wer dort den ersten Platz belegt, hat sich für die Blues Challenge in Memphis qualifiziert und darf teilnehmen. Partnerorganisationen außerhalb der USA hat die Blues Foundation unter anderem in Australien, Belgien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Kanada, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden, Panama, Schweden, der Schweiz und Südkorea – in Deutschland ist eine solche das German Blues Network in Eutin, das bereits einige Teilnahmen deutscher und europäischer Bluesmusikschaffender an der IBC unterstützen konnte.**

www.blues.org

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