Die tschechische Singer-Songwriterin Markéta Irglová spricht über die Entstehung des ersten Swell-Season-Albums nach sechzehn Jahren, die veränderte Zusammenarbeit mit Glen Hansard und ihre Zukunftspläne.
Interview: Erik Prochnow; Fotos: Michaela Markovicova
Lange mussten die Fans auf Forward, das dritte Album des Duos The Swell Season, warten. Warum hat es so lange gedauert, bis Sie mit Glen Hansard wieder ins Studio gingen?
Es war nicht so, dass wir 2011 am Ende waren. Nach dem Trubel um den Film Once, den Oscar für das Lied „Falling Slowly“ und dem intensiven Touren brauchten wir eine Pause. Wir haben unsere Zusammenarbeit danach einfach nicht mehr wieder aufgenommen. Es war keine bewusste Entscheidung. Es passierte einfach nicht.
Aber dann geschah es plötzlich doch?
Glen vermisste unsere Zusammenarbeit und das gemeinsame Spielen auf der Bühne. Und so begannen wir vor rund drei Jahren, wieder Konzerte zu geben, und dabei entstanden auch neue Stücke, weshalb wir beschlossen, ein neues Album aufzunehmen.
Wie hat sich Ihre Zusammenarbeit verändert?
Damals habe ich Glen eigentlich nur unterstützt und unserer Musik eine bestimmte Farbe gegeben. Heute mache ich einen größeren Teil von The Swell Season aus.
Das ist vielleicht etwas untertrieben. Die acht Lieder auf dem neuen Album sind zum ersten Mal zur Hälfte je von Glen Hansard und Ihnen komponiert worden.
Das stimmt. Als ich vor vierzehn Jahren begann, meine eigenen Alben aufzunehmen, entwickelte ich meinen eigenen Stil. Seitdem wir nun wieder gemeinsam an Songs arbeiten, ist unser Verhältnis deshalb viel ausgeglichener. Wir sind beide kreative Songschreiber und mögen es, gemeinsam Ideen zu entwickeln. Am Ende können wir aber nur etwas veröffentlichen, wenn wir beide zufrieden sind und dem zustimmen können. Für mich ist es wichtig, dass meine Ideen gehört werden und ich auch ein gewisses Maß an kreativer Mitsprache habe.
Wie sieht Ihre Zusammenarbeit dann genau aus?
Wir hatten jeder bereits einige Songs vorher geschrieben und sie dann nur gemeinsam im Studio bearbeitet. Andere Stücke wiederum wie „Hundred Words“ entstanden spontan während der Aufnahmen. Ich hatte den Titel und den Anfang geträumt, ohne zu wissen, was sie bedeuten sollten. Da es so klar war, wollte ich es behalten. Glen hat dann den Chorus „Don’t give up“ hinzugefügt, und von mir kam noch die Bridge. Am Ende machte alles Sinn, und es ist ein Lied geworden über das Vertrauen in die Zukunft und das Vorwärtsschreiten in der Hoffnung, dass die richtigen Dinge passieren werden.
Forward – „Vorwärts“ – ist ja auch der Titel Ihres neuen gemeinsamen Albums. Dennoch ist der Titelsong nicht enthalten. Warum?
Ich wollte den Song unbedingt auf dem Album haben, aber dann meinte Glen, dass wir das Zeitlimit für die Vinylpressung überschreiten würden. Außerdem hätte ich dann mehr Songs auf dem Album gehabt. Also ließen wir es weg.
„Ich will, dass meine Ideen gehört werden.“
Warum haben Sie dennoch das Album so genannt?
Es gibt einen Unterschied zwischen weitergehen, über etwas hinwegkommen und vorwärtsgehen. Während Ersteres bedeutet, dass man ein neues Kapitel aufschlägt, bestehen im zweiten Fall noch Bindungen zur Vergangenheit, auch wenn man nach vorne blickt. Es ist als ob man in denselben Fluss steigt obwohl es nicht derselbe Fluss ist.
Heißt das, es könnte eine Fortsetzung, vielleicht ein weiteres Swell-Season-Album geben?
In der Tat gibt es acht weitere Songs, die es nicht auf das Album geschafft haben. Aber ich weiß nicht, ob wir gemeinsam noch mehr machen werden. Wir haben beide unsere Soloprojekte. Glen nimmt demnächst ein neues Album auf, und als die Idee zu Forward kam, arbeitete auch ich gerade an einem eigenen Album, das ich erst einmal beiseitelegte. Außerdem habe ich ein Musical mit vierzig Liedern geschrieben, das ich unbedingt als Nächstes umsetzen will. Ich habe heute drei Kinder und will nicht das ganze Jahr auf Tour verbringen, aber trotzdem Musik machen. Ich mag es, im Studio zu arbeiten oder Musik für Filme zu schreiben oder eben Musicals zu entwickeln. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.
Aufmacher:
Aktuelles Album mit The Swell Season:
Forward (Masterkey Sounds, 2025; Rezension siehe hier.)







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