Masha Potempa

FLINTA* und mutige Lieder

24. Juni 2026

Lesezeit: 5 Minute(n)

Die Leipziger Liederszene lässt seit Jahren aufhorchen, insbesondere durch Frauen: Paula Linke, Sarah Lesch, Maria Schüritz, Nadine Maria Schmidt oder Peggy Luck gehören dazu, auch wenn Letztere derzeit nicht in Leipzig lebt. Und seit Jahren nun auch Masha Potempa, die nicht nur mit ihren poetischen Liedern zu überzeugen weiß, sondern auch zunehmend und intensiv an spannenden Projekten arbeitet, von denen ihr Engagement für FLINTA* wohl das wichtigste ist, weil es sich unter anderem gegen die Benachteiligung von Frauen und anderen gesellschaftlichen Gruppen im Musikgeschäft richtet.
Text: Reinhard „Pfeffi“ Ständer

Masha Potempa erblickte 1989 in Duisburg „das Licht der Kohleöfen“, wie sie es formuliert. Sie lernte Klavier und Akkordeon, später Gitarre, entdeckte ihre Liebe zum Segeln und zum Lieder- und Gedichteschreiben. Ein Jahr verbrachte sie in Kanada, ein weiteres später in Spanien, um Land, Leute und Sprache kennenzulernen. Ihr Motto: „Leben ist Kunst, und Kunst ist mein Leben.“ Zum Studium ging es nach Berlin, das sie als Diplompsychologin abschloss, wo sie sich aber zunehmend als Liedermacherin etablierte. 2019 folgte der Umzug nach Leipzig, da es in Berlin zu kompliziert war, bezahlbaren Wohnraum zu finden – und weil die Messestadt durch ihre markante Liedszene lockte. Ein wichtiger Schritt, den sie nicht bereut. Sie schätzt die Kreativität dort und ist inzwischen neben Paula Linke und Lena Lehmann Vorstandsmitglied des Vereins Leipziger Liederszene. Mithilfe einer Projektförderung der Stadt Leipzig gibt es Veranstaltungen wie den Liederladen, Singer/Songwriter-Salons oder Liederfeste im Grassi-Museum, dazu außerhalb des Vereins gemeinsame Schreibwerkstätten wie die mit Torsten Torsten.

Potempas wichtigstes Projekt neben ihrer eigenen Kunst aber ist ihr Engagement für FLINTA*-Personen, allen voran die Liederbühne „Mut & Würde“ im Café Rosa – benannt nach Rosa Luxemburg –, welche sie in Leipzig-Lindenau zunächst gemeinsam mit Ellen Bonte, Sängerin der Indieband Komplizen, auf die Beine stellte und inzwischen mit der Slampoetin Marsha Richarz durchführt. FLINTA* steht für „Frauen, Lesben, Intersexuelle, Nichtbinäre, Trans- und Agenderpersonen“, womit der Grundgedanke der Reihe bereits angedeutet ist: Es geht darum, dieser Community mehr Stimme zu verleihen, sie sichtbarer zu machen und dazu zu animieren, mutige Lieder gegen Patriarchat, Sexismus und Rassismus zu schreiben und vorzutragen.

Masha Potempa

Auslöser für dieses Engagement waren bei Masha Potempa auch negative Erfahrungen wie übergriffiges Verhalten von Musiker- und Tontechnikerkollegen, sexualisierte Sprüche sowie Machtmissbrauch, die sie selbst und andere Musikerinnen erleben mussten. Um dem entgegenzuwirken, gibt es nun den FLINTA*-Hafen als Treff, Safer Space und Alternative zu herkömmlichen Veranstaltungsorten. In geplanten FLINTA*-Seminaren – nicht nur in Leipzig – sollen Songs geschrieben und Feedback aus der Runde gegeben werden. Der FLINTA*-Hafen findet montags statt, die Liederbühne „Mut & Würde“ freitags. Zur Premiere 2025 trat Alin Coen auf, später folgten Rosa Hoelger, Naomi, Paula Linke und Inga Oder von der Band Kapa Tult. Und es gibt Überraschungsgäste aus dem Publikum. Wichtig ist dabei die Interaktion mit den Zuschauenden, zu denen selbstverständlich auch Männer gehören, und vor allem die Entwicklung positiver Visionen. Dazu schreibt das Publikum seine zentralen Zukunftsvisionen auf Zettel und wählt dann daraus ein Thema für die nächste Show. Potempa verweist auf Zahlen, beispielsweise der Gewerkschaft Verdi, dass Musikerinnen noch immer 25 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen und weniger auf der Bühne stehen. Deshalb hält sie eine gleichberechtigte Musikbranche für so wichtig.

Mit der Plattform Patreon, einer Art Dauer-Crowdfunding oder Kunstabo, versucht Masha Potempa, die notwendigen finanziellen Mittel für sich und ihre Projekte zu erwirtschaften. Als freiberufliche Musikerin ist es schwierig, alle Ausgaben zu finanzieren, was vor allem während Corona ein Problem war, aber auch heute durch Inflation nicht leichter ist. Daher hat sie ihre „Weltensegler*innen-Gemeinschaft“ ins Leben gerufen: Die Unterstützenden gehen online auf eine musikalische Reise und partizipieren daran. Kreativ auch Potempas Projekt eines „personalisierten Schlafliedes“, das sie für einen Geldbeitrag allen Interessierten schreibt und singt. Sie sagt aber selbst: „Ich müsste mehr Werbung dafür machen.“ Darüber hinaus gibt sie unter der Überschrift „Lied-Coaching“ kostenpflichtige Workshops. Die Musikerin ist dankbar für alle, die ihre Projekte unterstützen.

Masha Potempa im Gespräch mit Naomi bei der FLINTA-Liederbühne Mut & Würde

Foto: Usie – Shi Visual

Potempas Lieder zeichnen sich durch eine poetische, bildhafte Sprache aus. Neben der Nachdenklichkeit ihrer Themen ist aber auch mitunter ein tiefsinniger Humor erkennbar. So singt sie etwa in „Alles was du erbst“, einem Lied über den Klimawandel: „Das ist der Sommer, wo die Sonne so früh untergeht – früher nannten wir das Herbst.“ In „Niemals sicher“ zum Thema Rassismus und Patriarchat wird sie ernster: „Wohin sollen wir gehen? Wir kommen hier nicht raus – der Krieg war schon immer im eigenen Haus.“ Zu den Problemen unserer Zeit singt sie in „Lichterkette“: „Und wenn ich auch im Widerstand damit allein die Welt nicht rette, dann bin ich doch an deiner Hand ein kleiner Teil der Lichterkette.“ Gemeinsam mit allen ist auf der FLINTA*-Liederbühne als berührendes Abschlusslied „Nicht vorbei“ zu hören: „Noch mussten wir unsere Koffer nicht packen, doch wir vergaßen, wie leicht ist es hier für uns aus.“

Zu Masha Potempas Hobbys zählt auch das Fotografieren, besonders Porträts und Landschaften. Fotos von ihr waren auf einer Berliner Ausstellung zu sehen, und Postkarten mit eigenen Motiven verkauft sie bei ihren Konzerten. Nachholbedarf gibt es bei Tonträgern. Gern würde sie ein neues Album produzieren. Lieder dafür hätte sie genug, es fehlt aber an Geld und Zeit. Einige Auszeichnungen hat sie auch erhalten, beispielsweise für den besten Liedtext beim „Liedl“ in Potsdam, beim Songslam Neukölln oder dritte Preise bei der Hoyschrecke. Sie besuchte die SAGO-Akademie, die Celler Schule für Textdichter und erhielt ein Künstlerstipendium auf Burg Waldeck.

„Ich möchte die FLINTA*-Projekte weiterführen und stärken, damit die Welt bunter wird.“

An Leipzig schätzt Masha Potempa die vielen Vereine, die sich gemeinschaftlich organisieren, und die Freundlichkeit der Leipziger erinnert sie an die Herzlichkeit der Menschen in ihrer Heimat am Niederrhein. Befragt nach ihren Zukunftsideen, möchte sie „FLINTA*-Projekte weiterführen und stärken, damit die Welt bunter wird“. Potempa möchte gern ihre Lieder aufnehmen und Alben veröffentlichen, einen Gedichtband herausbringen, Musikvideos drehen, wieder mehr auftreten und nebenbei viel im Garten sein. Und natürlich neue Lieder schreiben.

Die nächsten Termine der FLINTA*-Liederbühne „Mut & Würde“:
  • 21.08.26 Grassi-Museum, mit Sarah Lesch (Open Air)
  • 16.10.26 Grassi-Museum, mit Paula Paula
  • 20.11.26 Café Rosa, mit Karl die Große
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Aufmacher:
Masha Potempa live bei der FLINTA-Liederbühne Mut & Würde

Foto: Usie Shi Visual

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