Dónal Lunny

*10.3.1947 Tullamore, Irland
† 23.10.2026 Dublin, Irland

2. November 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

Die Bedeutung Dónal Lunnys für die irische Musik ist kaum zu überschätzen. Er sah die Reibung zwischen Bewahren und Verändern als Voraussetzung an, um traditionelle Musik lebendig zu halten. Diese Fortentwicklung trieb er, basierend auf einer tiefen Verbundenheit mit dem Überlieferten, Zeit seines Lebens in verschiedenen Rollen voran.

Als eins von neun Kindern wuchs er ab seinem fünften Lebensjahr in Newbridge, Kildare, auf. In seinen Teenagerjahren entstand eine enge kreative Freundschaft mit Christy Moore, die über Jahrzehnte bestehen blieb. Lunny machte eine kunsthandwerkliche Ausbildung, wandte sich aber verstärkt der Musik zu. Die lebendige junge Szene im damals noch konservativ geprägten Dublin inspirierte ihn. Lunny war Teil einer Generation, die traditionelle irische Musik nicht länger nur als Begleitung zum Tanz oder als Sammlung einzelner Balladen verstand, sondern als zusammenhängendes Hörerlebnis auf Bühne und Schallplatte. Durch Andy Irvine lernte er die Bouzouki kennen, die zum Hauptinstrument des Linkshänders wurde. Ihm verdankt die abgewandelte Form des Instruments seine heutige zentrale Stellung in der Tradszene. Neu war, wie er Begleitung, Harmonie und Rhythmus zusammendachte.

Seine Kreativität entfaltete Dónal Lunny vor allem in wechselnden Kooperationen. Er produzierte Christy Moores Album Prosperous, was zur Gründung von Planxty führte. Das Quartett demonstrierte in den frühen Siebzigern, dass traditionelle Musik mit komplexen Arrangements und einem modernen Ensembleklang eine neue Zuhörerschaft erreichen konnte. Ebenso innovativ war die Bothy Band, die mit druckvollen Instrumentalarrangements eine Dynamik erreichte, die man sonst nur aus der Rockmusik kannte. Mit den Moving Hearts suchte Lunny in den Achtzigern die Verbindung zwischen Rock, Jazz und Contemporary Folk.

Das alles hätte für eine bedeutsame musikalische Karriere gereicht, aber er blieb nicht dabei stehen, selbst zu musizieren. Eine seiner Stärken war es, Menschen zusammenzubringen, neue Verbindungen zu schaffen, die wiederum kreativen Ausdruck fanden. Lunny wirkte weit über die Folkszene hinaus, als Komponist, Arrangeur und Produzent, auch mit großen Namen wie Sinéad O’Connor oder Mark Knopfler. Ein spätes Projekt war eine Reunion der Bothy Band im Jahr 2024 für ein Konzert in Dublin.

Weitere Pläne konnten wegen seiner Krankheit nicht mehr umgesetzt werden. Er starb in einem Dubliner Krankenhaus an Krebs. Menschen, die mit ihm arbeiteten, erinnern sich an einen ruhigen, freundlichen und großzügigen Musiker.

Almut Kückelhaus

 

Foto: Dónal Lunny in Rudolstadt 2015 (Foto: Frank Szafinski)

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