Zélia Fonseca

*18.7.1960 Itaúna, Brasilien
† 30.9.2026 Heidelberg

8. Oktober 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

Zélia Fonseca war eine besonders in Deutschland bekannte brasilianische Gitarristin, Komponistin und Sängerin. Die Vielfalt der Musik ihrer Heimat verstand sie, mit anspruchsvollen Songs voller portugiesischer, afrobrasilianischer und indigener Elemente zu vermitteln. Fonseca stammte aus einer Familie mit zwölf Kindern im Bundesstaat Minas Gerais, wo die Musik melancholischer ist. Das mag dazu beigetragen haben, dass sie eher nach Poesie klang als nach Sambaekstase. Wenn sie aber mit ihrer langjährigen Percussionistin Angela Frontera loslegte, brachte sie sogar Säle zum Kochen.

Ab 1980 bildete Zélia Fonseca ein Duo mit ihrer Landsfrau und Sängerin Rosanna Tavares. Beide zogen nach Europa und kamen von Portugal aus über Finnland nach Deutschland. Ab 1993 ließen sie sich in Frankfurt am Main nieder. Fünf Alben, weltweite Tourneen und Auftritte im Vorprogramm von Stars wie Joe Zawinul machten sie international bekannt. Nach dem Tod ihrer Duopartnerin 2006 setzte Fonseca ihre Karriere mit Soloalben und Kooperationen erfolgreich fort. Hervorzuheben ist zum Beispiel ihre Mitgliedschaft bei der Female-World-Music-Band Kick La Luna von 2006 bis 2016 (siehe auch hier).

Fonsecas Vielseitigkeit war erstaunlich. So war sie Gastmusikerin bei Projekten im Bereich Pop (Caro Trischler) oder Clubmusik (Shantel) und konnte problemlos jazzige Soli spielen. Sie arbeitete oft mit internationalen Musikerinnen zusammen wie der Chilenin Magdalena Matthey auf dem gemeinsamen Album Universos oder der Angolanerin Aline Frazão. Innerhalb ihrer Tätigkeit als Musikpädagogin war sie zudem an einem Inklusionsprojekt mit behinderten Kindern an der Musikschule Horrenberg-Dielheim beteiligt. Für Theaterstücke schrieb sie Texte und Gedichte.

Zélia Fonsecas Wesen war stets von Fröhlichkeit geprägt, und auf wunderbare Weise konnte sie die textlichen wie musikalischen Qualitäten brasilianischer Musik vermitteln. So half sie dem Autor dieser Zeilen auch beim Übersetzen von Interviews. Sie starb nach schwerer Krankheit, ohne ihre Heimat noch einmal gesehen zu haben, in ihrem Wohnort Heidelberg.

Hans-Jürgen Lenhart

 

Foto: Gunda Saul

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