Spiel ohne Grenzen

Van Morrison zu Gast beim Holland International Blues Festival 2026

4. Juni 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

Cowboyhüte. Es wird einige davon zu sehen geben am 19. und 20. Juni 2026 beim diesjährigen Holland International Blues Festival (HIBF). Auf das Publikum warten Americana nicht nur der Bluestradition. Auch Alternative Country, Bluegrass oder Folk stehen auf dem Programm. Das zweitägige Festival im zwischen Emmen und Assen gelegenen niederländischen Grolloo war seit je offen für diverse Spielarten der US-amerikanischen Folklore. Damit steht es in einer guten Tradition: der des American Folk Blues Festivals, das – von den deutschen Impresarios Fritz Rau und Horst Lippmann ins Leben gerufen – ab 1962 durch ganz Europa tourte.

Keb Mo

Foto: Jeremy Cowart

Historisch ist ein Zusammentreffen von Blues und Country absolut zu rechtfertigen. Schwarze Musikerinnen und Musiker waren Bestandteil der Countryszene, bis die Bildmedien aufkamen. Fortan war Country weiß, der Optik wegen durften Schwarze nur noch unsichtbar im Hintergrund tätig werden oder wurden gleich ganz aus dem Genre verdrängt. Bei genauerem Hinsehen lassen sich solche Zusammenhänge manchmal erkennen. Beispielsweise griff Ketch Secor von der Americana-Band Old Crow Medicine Show – am Festivalsamstag auf der Bühne – mit „Wagon Wheel“ einen nur als Bootleg veröffentlichten, halbherzig eingespielten Dylan-Song auf und vervollständigte ihn mit Genehmigung des Meisters, der aber zugleich darauf verwies, dass er einige Textzeilen dem Bluesmusiker Arthur Crudup verdankte, der sich seinerseits bei Big Bill Broonzy bedient hatte.

Old Crow Medicine Show_

Foto: Artaxerxes, Wikipedia CC BY 4.0

Eine unangefochtene Größe des Blues ist Keb’ Mo’, einer der Headliner am zweiten Tag des HIBFs und Lieferant eines weiteren Arguments in Sachen Blues und Country: Keb’ Mo’ beteiligte sich mit „I’m So Lonesome I Could Cry“ an einem Tributealbum für die Countrylegende Hank Williams, war einer der Produzenten und Toningenieure und damit indirekt einer der Gewinner des Grammys für das Beste Countryalbum 2001. Keb’ Mo’ und sein mehrfacher Studio- und Bühnenpartner Taj Mahal – nicht in Grolloo zugegen – führen uns zu Jontavious Willis. Taj Mahal nahm den 1996 geborenen Musiker unter seine Fittiche, nannte ihn sein „Wunderkind“ und produzierte gemeinsam mit Keb’ Mo’ Willis’ Album mit dem Titel Spectacular Class. Keb’ Mo’ wirkte ferner als Gitarrist mit. Ob Willis und Keb’ Mo’ ihre Zusammenarbeit in Grolloo wiederholen werden? Spannende Frage …

Van Morrison

Foto: Lewis McClay

Mit Toby Lee ist ein weiteres „Wunderkind‟ im Programm vertreten. Lee ist weiß, Brite und ein Virtuose auf der Gitarre, erinnert bisweilen an Eric Clapton oder Joe Bonamassa. Der wiederum ist nicht nur Musiker, sondern auch Labelinhaber. Bei ihm stehen Robert Jon & The Wreck unter Vertrag, lupenreine Vertreter des Southern Rock. Auch ein Genre, das ohne den Blues nie entstanden wäre. Gekrönt wird der Samstag durch einen Auftritt von George Thorogood & The Destroyers. Sie wissen schon – „Bad To The Bone“. Das eingestellte Musikmagazin Sounds schrieb einst sinngemäß, wenn Mark Knopfler der „Sultan of Swing“ sei, dann sei Thorogood der „Devil of Slide“. Das Festzelt wird toben. Garantiert.

Ein Headliner fehlt noch in der Aufzählung, einer der ganz Großen: Van Morrison. Der Ire bewegt sich gerade wieder auf den Spuren des Blues. Im bisherigen Verlauf der aktuellen Tournee setzte sich das Programm aus Titeln seiner teils oder durchgängig bluesorientierten Alben zusammen. Aus der frühen Schaffensperiode wählte er „Into The Mystic“, „This Dreams Of You“ und „Moondance“ vom gleichnamigen Album. Wobei bei Morrison mehr als bei jedem anderen Musiker immer damit gerechnet werden muss, dass er den Konzertablauf verändert.

Holland International Blues Festival - Festivalwiese im Sommer

Foto: Harald Keller

Er ist auch nicht zum ersten Mal in Grolloo zu Gast. Der kleine landwirtschaftlich geprägte Ort war in den Sechzigern und Siebziger Heimat der einflussreichen niederländischen Bluesband Cuby + The Blizzards. Deren Mitbegründer Harry Muskee bewohnte einen Kotten, nur einen Steinwurf vom heutigen Festivalgelände entfernt. Dort trafen sich die Bandmitglieder zu Proben. Und Partys … Einer von ihnen war der Keyboarder Herman Brood. Im März 1967 tourten Cuby + The Blizzards und Van Morrison gemeinsam durch die Niederlande. Der besagte Kotten ist heute ein liebevoll betreutes Museum, das mit vielen sehenswerten Exponaten an den 2011 verstorbenen Muskee und die europäische Bluesszene der Sechziger und Siebziger erinnert. Morrison besuchte das Museum, in dem er Jugendfotos von sich entdecken kann, vor fünf Jahren im Rahmen seines damaligen Auftritts beim HIBF.

Grolloo - Das C + B Museum

Foto: Harald Keller

Wer den Weg in die Niederlande scheut, findet Van Morrison am 17. und 18. Juni in Bremen. Für den zweiten Termin sind zur Zeit der Niederschrift dieses Textes noch Karten erhältlich. Morrison wird im Metropol Theater spielen, einem Musicaltheater mit Bestuhlung, guter Sicht von allen Plätzen und, so jedenfalls die bisherigen Erfahrungen, gutem Ton. Weitere Infos dazu gibt es hier: www.metropol-theater-bremen.de/programm/events/van-morrison.

Details zum Holland International Blues Festival sowie Ticketinfos wiederum finden sich unter www.hollandinternationalbluesfestival.com.

Harald Keller

Holland International Blues Festival – Festivalzelt

Foto: Harald Keller

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