Es ist so verrückt, dass wir heute hier spielen können“, sagt Luk Zettl, während er seine Portion Fish and Chips verschlingt. Hinter ihm stolpern dickgeschminkte Jugendliche über Brightons Strandpromenade Richtung Sonnenuntergang. Gleich findet Takeshi’s Cashews erstes Konzert in England statt – die erste Bewährungsprobe außerhalb des europäischen Festlandes. Ich kenne die Band aus Wien und begleite sie ein paar Tage auf diesem Abenteuer.
Text und Fotos: Laura Helene May
Die sechs Musiker sind ehrfürchtig gespannt vor dem Auftritt – in der Heimat von Fatboy Slim, The Kooks oder Passenger. Die Küstenstadt ist bekannt für ihre pulsierende Kunstszene.
Geduldig perfektioniert Tontechniker Werner Thenmayer den Klang der fast zwanzig Blas-, Schlag-, Saiten- und Tasteninstrumente. Es ist Soundcheck im ersten Stock des Hope and Ruin, Queens Road, Nummer 11. Im Erdgeschoss: Zwei glatzköpfige Briten schreien das Barpublikum durch ihre Mikros an. Freie Oberkörper, wummernde Bässe, Pogo, geleerte Pints.
Die selbsternannte Psychedelic-Cosmofunk-Band Takeshis’s Cashew ist seit zehn Tagen auf ihrer ersten Europatour zum Debütalbum Humans In A Pool unterwegs – jeden Tag ein Konzert, jeden Tag eine andere Stadt, bisher mit Stopps in Deutschland, Belgien und Frankreich. Danach geht es nach Luxemburg. Aber das hier ist England, Baby!
Bevor es losgeht, sind die Cashews konzentriert und hibbelig. „Es gibt immer so ein Vakuum vor dem Soundcheck – danach geht’s allen besser“, sagt Gitarrist Jassin Bshary. Auch ich bin etwas nervös, ich sehe meine Freunde das erste Mal in einem Auswärtsspiel.
Die Londoner Vorband Karma Sheen füllt den Raum schnell mit Menschen, Tanz, Hindustani Psychedelic Rock und der sanften Stimme des Frontsängers Sameer Khan. Gäste wagen zaghaft erste wippende Tanzschritte.
Die Stimmung heizt sich auf, die Bandmitglieder wuseln herum, klären letzte Details – kurzfristig wird noch eine traditionell mongolische Tanzeinlage zum ersten Lied „Sterndüne“ geplant. „Das passt perfekt“, sagt die Tänzerin, die ein langes ultramarinblaues Kleid und glitzernden Kopfschmuck trägt.
Dann geht es los. Das Intro erklingt. Die sechs Musiker kommen auf die Bühne, greifen zu Shakuhachi-Flöte, Bongo, Schlagzeug, Bass, Gitarre und Synthesizer. Die Tänzerin steigt auf den wackeligen Subwoofer vor der Bühne und schwebt mit rhythmischen Drehungen in ihrem wirbelnden Kleid. Im Raum ist inzwischen kaum mehr ein Meter frei. Gäste haben ihre Augen geschlossen, aus den zaghaften Tanzschritten werden langsam wilde Sprünge. Alle schwitzen zu den treibenden psychedelischen Rhythmen.
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