Festival-Mediaval XIV

Folk of the World am Goldberg

16. März 2023

Lesezeit: 4 Minute(n)

folker präsentiert

Am sagenhaften Goldberg im Bayerischen Vogtland sind musikalische Schätze zu finden. Und zwar beim jährlichen Festival-Mediaval, dem „größten Open-Air-Festival Europas der mittelalterlich inspirierten Musik“, wie es Karl-Heinz „Bläcky“ Schwarz, der Festivalgründer und -Geschäftsführer definiert. Über die Festivalgeschichte, seine Hintergründe und den Schwerpunkt „Folk of the World“ der diesjährigen Ausgabe vom 7. bis 10. September stand er Rede und Antwort.
Interview: Kay Reinhardt

Was hat Sie veranlasst, das Festival-Mediaval in Selb zu etablieren? War es die geografische Lage „im Herzen Europas“, im Vierländereck Bayern, Thüringen, Sachsen und Tschechien, der in musikalischer Hinsicht „weiße Fleck“ auf der Landkarte, oder was sonst?

Das Motto des Festivals ist „Gegensätze verbinden, Grenzen überwinden“, deshalb habe ich einen Ort am ehemaligen Eisernen Vorhang gesucht, mit dem ich aufgewachsen bin. Als Selb uns dann den Goldberg angeboten hat, war die Entscheidung einfach. Mittlerweile haben wir auch ein zweites Festival auf der anderen Seite der Grenze im tschechischen Aš, genau so war es geplant. Wichtig ist, dass das Gelände wunderschön ist und den perfekten Rahmen bietet.

Warum wurde für 2023 der Schwerpunkt „Folk of the World“ gewählt?

Ich mache seit vielen Jahren solche Specials, die oft geografisch definiert sind – Balkan, Irland/Schottland, Nordisches –, in erster Linie, um über dazu passende Bands neue Menschen auf das Mediaval aufmerksam zu machen. Viele kommen dann wieder, wegen der tollen Atmosphäre und dem Gesamtpaket, das ja noch viel mehr bietet als Konzerte. Nach dem „härtesten Festival-Mediaval aller Zeiten“ mit einem Rock-Metal-Special im letzten Jahr gibt es jetzt ein reines Folkfestival, auf dem dreißig Acts aus aller Welt dreißig verschiedene Folkstile vorstellen.

Team Festival-Mediaval

Foto: Bernd Sonntag

Auch mit dem Festivalnamen scheint den Machern ein großer Wurf gelungen zu sein, was Publikumswirksamkeit und Vermarktbarkeit betrifft. Da steckt vieles drin – Mittelalter, Medien, Mitte, Festival …

Ja, dieses Kunstwort gab es zuvor nicht. Es ist gleichzeitig der eingetragene Markenname. Das „a“ hinter dem „i“ bei „Mediaval“ statt einem „e“ wie im Englischen hat viel Aufmerksamkeit erregt und damit das Ziel erreicht.

Was machen das Mittelalter und seine Musik für Menschen von heute so attraktiv? Eine Flucht in eine vermeintlich bessere alte Zeit, in ein anderes Lebensgefühl und -tempo?

Auf dem Festival-Mediaval kann man definitiv für einige Tage in eine andere Welt abtauchen und seine Alltagsprobleme hinter sich lassen. Dazu trägt auch das große Miteinander aller bei. Das Team, der Großteil des Publikums und viele der Künstlerinnen und Künstler fühlen sich als Teil der Mediaval-Familie.

Wie hat sich die Szene entwickelt? Ist die Mittelalterwelle am Abflauen?

Nein. Das wird zwar schon seit Jahrzehnten postuliert, aber die Szene floriert und wird sich weiterentwickeln.

„Das Mediaval steht für Vielfalt in allen Bereichen.“

Für die meisten steht der Begriff „Mittelalter“ nicht für eine Epoche, sondern für „ziemlich alt“ und umfasst auch Renaissance- und Barockmusik. Was ist in dieser Hinsicht der Anspruch des Festivals?

Wir haben viele Lager, die verschiedene Epochen und Kulturen authentisch präsentieren, und einen großen Markt mit vielfältigsten Ständen, die sich mittelalterlich präsentieren müssen. Es gibt ein Literaturzelt mit Lesungen von Autoren und Autorinnen, die Mittelalter- und Fantasiegeschichten schreiben, sowie Gaukelvolk aller Art, Theater und Puppenspiel oder das Living Chess, also ein Schachspiel als Theateraufführung auf der Wiese, wie es vor allem in der Renaissance in Italien und Spanien seine Hochphase hatte. Das Pirateneck ist nicht mittelalterlich, aber viele aus dem Team lieben diese Darstellung. Das Mediaval steht für Vielfalt in allen Bereichen. Es ist ein großes Open-Air-Festival im mittelalterlichen Gewand auf acht Bühnen. Nicht mittelalterlich ist auch, dass wir Elektrizität nutzen, aber immerhin ist es Ökostrom.

Wie gelingt es, Vielfalt und Hintergrundwissen über das Mittelalter sinnlich zu vermitteln?

Zum Beispiel durch die erwähnten rund dreißig Lagergruppen, die Alltagsleben aus verschiedenen Zeiten darstellen und erklären. Viele der Lesungen drehen sich um mittelalterliches Leben. Es gibt aber auch Vorträge über verschiedene Themen. In den nächsten Jahren planen wir eine Panelreihe über die Lebensumstände der einfachen Bevölkerung vom Mittelalter bis zur Neuzeit sowie eine Ausstellung über europäische Burgen und Schlösser.

Karl-Heinz ‚ Bläcky‘ Schwarz

Foto: Festival-Mediaval

Wie weit steht das Programm? Bis wann können sich Interessierte bewerben? Und wie erfolgt die Auswahl?

Das Programm steht im Großen und Ganzen immer schon vor dem aktuellen Festival für das darauffolgende Jahr. Bewerbungen können jederzeit über das Bandformular auf unserer Website eingereicht werden. Ein paar wenige Acts lade ich persönlich ein für die Specials, alle anderen bewerben sich und werden dann ausgewählt oder in meine Bandliste eingetragen. Darin sind mittlerweile fast tausend Bands aus aller Welt gelistet. Ich brauche auf jeden Fall einen Liveeindruck, also entweder einen Konzertbesuch oder Videos von Liveauftritten. Mindestens dreißig Prozent internationale Bands sollen dabei sein, wobei Verfügbarkeit, Gagenvorstellungen und Reisekosten eine Rolle spielen. Was ich sehr schätze, sind exklusive Konzerte, also etwa Bandjubiläen, spezielle Programme oder Kooperationen. Letztes Jahr war das Sonderkonzert „Era Metallum“ von Corvus Corax so etwas – eine Idee, die die Band und ich 2018 in unserem VIP-Bereich entwickelt hatten. In diesem Jahr wird das Konzert von Estampie/Qntal & Friends etwas Einmaliges werden.

Welchen Bezug haben Sie zu Mittelalter und Musik?

Mittelalterfeste kenne ich schon seit meiner Kindheit, und in meiner 35-jährigen Marktlaufbahn als Edelsteinfachhändler war ich in erster Linie auf Mittelaltermärkten und -festivals unterwegs. Zwischen sechzehn und neunzehn habe ich bereits im Rahmen eines Vereins Konzerte veranstaltet, also das Business von Grund auf gelernt. Als dann die Musik vielfältiger und interessanter wurde, insbesondere nach der Wiedervereinigung, dachte ich, ich muss meine beiden Lieben, Festivals und Mittelaltermärkte, zusammenbringen. Deshalb habe ich das Konzept des Festival-Mediaval entwickelt und umgesetzt.

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www.festival-mediaval.com

 

Video:
www.youtube.com/watch?v=BaFj2ODwx6A

 

Termin:
07.-10.09.23 Selb, Goldberg

Banner Festival-Mediaval 2023

1 Kommentar

  1. Hallo Bläcky, bist du der Bläcky aus dem Hofer Szene anno dazu mal. Café Atemnot, Reinhard Stetter und so.
    Erst mal viele Grüße und guten Erfolg für das Festival. LG Annette damalige Freundin Boom

    Antworten

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