Folkrock aus der Rattenfängerstadt

Zehn Jahre Tone Fish

21. Juni 2023

Lesezeit: 3 Minute(n)

An der Weser sind zwei Städte in Märchen und Sagen bekannt, in denen Musizierende eine zentrale Rolle spielen: Bremen durch die Bremer Stadtmusikanten und Hameln mit dem Rattenfänger. „Rat City Folk“ nennt daher eine Band aus Hameln ihre Musik, mit der sie 2023 ihr zehnjähriges Jubiläum begehen: Tone Fish.
Text und Livefotos: Michael A. Schmiedel

Als Gründungsmitglieder und zugleich immer noch Kern der Band fungieren Stefan Gliwitzki aus Hameln (Gitarre, Bouzouki, Gesang, Texte, Management) und Michaela Jeretzky aus dem Wiehengebirge (Gesang, Flöten, Bass). Gliwitzki hatte schon als Schüler seine eigene Folkband namens Laurelin. Gemeinsam spielten er und Jeretzky auch in diversen Rockbands, die es heute aber alle nicht mehr gibt, bis sie „die Folkfährte wieder witterten“, sich mit Bianca Kaub (Akkordeon) und Jochen Siepmann (Schlagzeug) zusammentaten und Tone Fish gründeten. In den zehn Jahren seitdem gehörten zur Band zudem je nacheinander vier Drummer/Percussionisten und zwei Bassisten.

Gliwitzki ist ein Erzähler, dem Fantasie schon mal gern vor historischer Sachlichkeit geht. Die Frage, wie sie auf den Bandnamen gekommen seien, beantwortet er zum Beispiel so: „Der kam zu uns. Bei einer Führung durch das Aquarium in Boston sahen wir einen jungen Tone Fish. Es hieß, er sei musikalischer Grenzgänger und schwämme seine eigenen Wege. Erstmals gesehen wurde er von Amundsen am Pol. Das Tier lebt sowohl im süßen als auch im salzigen Wasser. Wir hatten keine weiteren Fragen.“

Tone Fish Trio live mit Cornelius ‚Zorny‘ Bode

Tone Fish haben bis heute rund achthundert Konzerte gespielt, oft bei Vereinen oder an Spielorten, die ehrenamtlich arbeiten, und organisieren selbst „Irish Nights“ in ihrer Heimatstadt, zu denen sie sich andere Acts einladen, so 2023 das westfälische Duo Stout. Gerne fahren sie für ihre Auftritte nach Ostfriesland oder überhaupt in den Norden, sie sind aber auch südlich von Hameln unterwegs und legten auf ihren Touren schon über einhunderttausend Kilometer zurück. Vier Alben haben sie bisher veröffentlicht. Nicht ohne Stolz sagt Gliwitzki: „Das erste gibt es schon in dritter Auflage, wer hätte das gedacht?“

„Irish Night“ sagt schon einiges über den Musikstil der Band aus, denn der ist hörbar irisch beeinflusst. Traditionals von der Insel machen indes nur einen Teil ihres Repertoires aus, die meisten Songs sind selbst geschrieben, und nicht selten finden sich mehrere Stile in einem Lied gemischt. So klingt das Rockige folkig und das Folkige rockig, manches beginnt irisch und endet im Bluegrass. „Danach“, so Gliwitzki, „weiß keiner, was das war. Das fetzt und überrascht. Wir mögen es, wenn das Publikum sagt, dass es einen tollen irischen Abend hatte, von dem andere sagen, dass ihnen der überraschende Stilmix gefiel.“ Die meisten Songs sind auf Englisch, drei aber auch auf Deutsch, darunter – wen wird es überraschen? – eines über den Rattenfänger von Hameln mit dem Titel „Des Spielmanns Stolz“.

Stefan Gliwitzki live

Bei dieser Mischung stellt sich natürlich die Frage nach Vorbildern, die Gliwitzki mit Andy Irvine, John Doyle, Mark Knopfler, J. J. Cale, Hannes Wader und Jeretzky mit The Once und Geraldine Hollett beantwortet.

„Wir arbeiten weiter an unserer Unberechenbarkeit.“

Zwei selbst entworfene, mit den Füßen zu bedienende Rhythmusinstrumente namens „Tap Jacks“ ersetzen der Band seit 2022 ein Schlagzeug so, dass sie „zu dritt ein Quintett bilden“, wie Gliwitzki es beschreibt und die technischen Hilfsmittel quasi in den Stand von Bandmitgliedern erhebt. „Die beiden sind seit einer Weile dabei. Sie geben uns das rhythmische Gerüst und verleihen uns den Schub von unten. Wir arbeiten weiter an unserer Unberechenbarkeit.“ „Unberechenbarkeit“ ist auf jeden Fall ein gutes Schlagwort, denn Tone Fish treten zu zweit, zu dritt, zu viert auf, unterstützt von Cornelius „Zorny“ Bode (Gitarre) und Guido Plüschke (Bodhrán), und können so auf jede Eventgröße flexibel reagieren.

Stefan Gliwitzki wirkt zufrieden mit den bisherigen zehn Jahren sowie den Zukunftsaussichten, wenn er sagt: „Diese Vielseitigkeit macht uns aus und legt uns nicht fest. Das ist gut.“ Tone Fishs Jubiläumstour 2023 ist in vollem Gange und geht noch den Rest des Jahres.

Michaela Jeretzky live

3

Aktuelles Album:

Open Your Eyes (Prosodia, 2019)

 

www.tone-fish.de

Youtube-Kanal der Band: www.youtube.com/channel/UCfeuXQFzPNQp5M-IeRdvgjQ

Aufmacherfoto:

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