Für viele mag traditionelle italienische Musik sonnenverwöhnte neapolitanische Lieder, den frenetischen und hypnotischen Pizzica-Tanz aus dem Salento, die Polyfonie der Karwoche in Süd- und Mittelitalien oder sogar den Canto a Tenore und die Tänze aus Sardinien heraufbeschwören.
Richtet man die Ohren jedoch nach Norden – von den zerklüfteten Klippen Liguriens bis zur Po-Ebene und hinauf zu den slawisch getönten Grenzen Friauls –, findet man eine andere, doch nicht weniger vielfältige Klanglandschaft. Mehrere Generationen von Musikschaffenden haben folkloristische Stereotype abgetragen, um eine zeitgemäße Stimme zu finden, während sie gleichzeitig eine starke Ortsverbundenheit bewahren. Tradition wird weitergegeben oder neu interpretiert, ihre kulturelle Wirkung verstärkt und in die transnationalen musikalischen Prozesse der Gegenwart eingebracht.
Text: Ciro De Rosa; Übersetzung aus dem Englischen: Petra Rieß (with a little help from KI)
Unsere Reise, die zahlreiche traditionelle Rituale, die in den letzten Jahren wiederbelebt wurden oder weiterhin auf ältere Weise fortbestehen, nicht berücksichtigen kann, beginnt in Ligurien im Nordwesten Italiens. Dort, im Hinterland von San Remo und nur eine Autostunde von Nizza entfernt, liegt das Dorf Ceriana, wo eine sehr reiche und originelle Musiktradition bewahrt wurde. Hier gründete sich in den 1920er-Jahren die Compagnia Sacco, von der der US-amerikanische Musikforscher Alan Lomax während seiner Italienreise dreißig Jahre später Aufnahmen machte. Ihr dreistimmiger polyfoner Gesangsstil, bei der die beiden höheren Stimmen solistisch eingesetzt werden und die tiefere Stimme als Bordun dient, eignet sich sowohl für liturgisches Repertoire als auch für weltliche Lieder und wurde seitdem immer wieder an neue Sänger weitergegeben.
„Um eine Tradition lebendig zu halten, müssen Musikschaffende den Klang für die Gegenwart rekonstruieren, anstatt nur alte Aufnahmen nachzuahmen.“
Nach wie vor sehr lebendig ist auch der Trallalero, ein anspruchsvoller, ebenfalls polyfoner Gesang, der in der ligurischen Hauptstadt Genua beheimatet ist. Er fungiert als „Vokalorchester“ und besteht üblicherweise aus fünf Stimmen: dem führenden Tenor o primmo, dem Contralto oder Falsett o contræto, dem Bariton cuntrubassu, der rhythmischen Stimme chitâra und den bassi, den grundlegenden Bässen. Empfehlenswert sind in diesem Zusammenhang La Squadra di Genova und die Gruppo Spontaneo Trallalero mit der tiefen Contralto-Stimme Laura Parodis, ihres Zeichens Forscherin und die einzige prominente weibliche Sängerin dieses Stils.
Ein weiterer herausragender Musiker der Region ist Filippo Gambetta. Die Kompositionen des Virtuosen auf der diatonischen Knopfharmonika verbinden traditionelle norditalienische Tanzformen mit zeitgenössischen Folk- und Weltmusikeinflüssen. Fabio Rinaudo wiederum ist ein Meister der französischen Musette und der Uilleann Pipes, weithin anerkannt für seine tiefgreifende Forschung zur irischen traditionellen Musik und zu historischen europäischen Dudelsackrepertoires. Rinaudo ist und Gambetta war Mitglied der Formation Liguriani, die die Volkslieder und Tänze Liguriens neu interpretiert und mit einem ausgefeilten kammermusikalischen Ansatz die Klänge der Küsten- und Bergregionen Nordwestitaliens auf internationale Bühnen bringt. Darüber hinaus ist Rinaudo Frontmann von Birkin Tree, Italiens bekanntester Irish-Folk-Band.
Wenn man sich in die Alpen des Piemont und des Aostatals begibt, nimmt die Musik okzitanische Züge an. Es ist das Land der Drehleier (Ghironda) und des Courenta-Tanzes. Das Widerbelebung alter musikalischer Traditionen ist hier eines der lebhaftesten in ganz Italien, befeuert durch ein starkes Bewusstsein für sprachliche Identität und traditionelle Tanzfeste. Die von Drehleierspieler Sergio Berardo angeführte Band Lou Dalfin ist ein legendärer Motor dahinter, der die Lücke zwischen traditionellen okzitanischen Melodien und modernem Rock schließt. Ein weiterer Vater des Ghironda-Revivals ist Silvio Orlandi, während Paola Lombardo eine für viele Bands bereichernde Sängerin ist. Zu den jüngeren Protagonisten gehört Lindàl, ein Duo aus Geige und Akkordeon, das seinen okzitanischen Balfolk mit elektronischen Beats untermalt. Einen eher philologischen, aber ebenso eindrucksvollen Ansatz verfolgt die Gruppe Tre Martelli um Enzo G. Conti, die seit Jahrzehnten die ländlichen Klänge von Alessandria und Monferrato erforscht und aufführt.
Die Schnittstelle zwischen traditioneller piemontesischer Musik und jazzinspirierten Arrangements erkundet das Baia Trio um Enrico Negro, wobei ihr Schwerpunkt auf der Ausdruckskraft von akustischer Gitarre und Akkordeon liegt. Balarù wiederum konzentrieren sich auf die energiegeladene Balfolkszene und haben sich auf die traditionellen Tänze der okzitanischen Täler und des Piemont spezialisiert, die dafür konzipiert sind, das Publikum in Bewegung zu bringen.
Ein weiteres wichtiges Element in der Region ist der Bottom-up-Ansatz wie er unter der Leitung von Flavio Giacchero als treibender Kraft des Centro Ricerca Etnomusica e Oralità (CREO) betrieben wird. Der Multiinstrumentalist, aufgeschlossene Musiker und Ethnomusikologe ist eine zentrale Figur der Bewahrung mündlicher Überlieferung im Piemont sowie einer der Hauptorganisatoren und künstlerischen Motoren hinter La Viuleta, einem bedeutenden Festival, das dem „spontanen Gesang“ (canto spontaneo) und der traditionellen Musik des Alpenbogens gewidmet ist. Weiter nördlich, im französischsprachigen Aostatal, bildet schließlich die Gruppe Trouveur Valdotèn um die Familie Boniface einen Eckpfeiler der regionalen Musik, die sich von strikten Traditionalisten zu experimentellen Pionieren der frankoprovenzalischen Kultur entwickelt haben.
Mit Wohnsitzen in Italien und den Niederlanden verkörpern nicht zuletzt die ebenfalls aus dem Piemont stammenden Brüder Nicolò (Geige, Viola d’amore, Trompete, Elektronik) und Simone Bottasso (diatonisches Akkordeon) einen erfrischenden Wandel im Bereich des italienischen Folk, indem sie alte Melodien als Grundlage für zeitgenössische und avantgardistische Kompositionen nutzen und die Vergangenheit eher als Sprungbrett denn als starres Regelwerk behandeln (siehe auch den separaten Artikel hier).
In den Ebenen der Lombardei stoßen wir auf Barabàn aus Mailand, eine weitere traditionsreiche Band, die aufgrund ihrer Mischung aus wissenschaftlicher Forschung und zeitgenössischen Arrangements ein Muss für Musikliebhabende ist. Auch in den tiefen Tälern Brescias ist die Tradition nach wie vor lebendig: Die Musik der Compagnia Sunadur in Bagolino und dem benachbarten Ponte Caffaro repräsentiert eine der am besten erhaltenen und vielschichtigsten Geigentraditionen Europas. Während des Karnevals verwandeln sich diese Dörfer in Bühnen für große Maskenspiele. Der Klang wird dabei von einem ungewöhnlich raffinierten Streichensemble dominiert – bestehend aus mehreren Geigen, einer Gitarre für den Rhythmus und einem kleinen, dreisaitigen Kontrabass namens Bassetto, der mit einem Bogen gespielt wird.
„Im abgeschiedenen Val Resia klingt die Musik wie sonst nirgendwo in Italien.“
Äußerst bemerkenswert ist auch die Musik der „Vier Provinzen“, einer einzigartigen ethnomusikologischen Mikroregion, die sich aus den Apenninprovinzen Pavia, Alessandria, Genua und Piacenza zusammensetzt. Sie beherbergt ein musikalisches Ökosystem, in deren Zentrum der Piffero steht, eine Art Folkoboe mit Doppelrohrblatt. Während das Akkordeon Anfang des 20. Jahrhunderts die lokale Dudelsackvariante Müsa ersetzte, wurde dieses ältere Blasintstrument von Wissenschaftlern wie Daniele Bicego wiederbelebt. Stefano Valla (Piffero, Gesang) und Daniele Scurati (Akkordeon, Gesang) sind die wichtigsten modernen Bewahrer dieser Tradition. Valla ist direkter musikalischer Erbe legendärer Musiker wie Giacomo „Jacmon” Sala oder Ernesto Sala und hat mit Scurati ein Duoformat perfektioniert, bei dem das Akkordeon den Bordun und den rhythmischen Puls der alten Dudelsäcke imitiert. Valla spricht oft von „aktivem Gedächtnis“ – der Idee, dass Musikschaffende, um eine Tradition lebendig zu halten, den Klang für die Gegenwart rekonstruieren müssen, anstatt nur alte Aufnahmen nachzuahmen. Ein Wallfahrtsort für Folkies auf der Suche nach einem „Hüter der Tradition“ ist in diesem Zusammenhang die Werkstatt Ettore Losinis alias „Bani“, eines Meisters des Piffero-Spiels und renommierten Handwerkers. In den frühen Siebzigern gründete er zusammen mit dem verstorbenen Akkordeonisten Attilio „Tilion“ Rocca die Gruppe I Müsetta.
Im selben Gebiet repräsentiert die in der mittelalterlichen Stadt Bobbio im Trebbia-Tal ansässige Gruppe Enerbia eine kontemplativere Seite dieser Region. Unter der Leitung Maddalena Scagnellis (Gesang, Violine, Psalterium) behandelt die Formation die Tradition der Vier Provinzen als historisches Kontinuum, das sich vom Mittelalter bis heute erstreckt. Ebenfalls Teil der lebendigen Tradition dieser Region sind mehrstimmige Vokalchöre, die Balladen und Lieder singen, empfehlenswert zum Beispiel die Cantori di Marsaglia oder der Coro di Farini.
Weiter geht es in westlicher Richtung, entlang des Apennin. Placida „Dina“ Staro und das Ensemble Violini di Santa Vittoria repräsentieren hier zwei miteinander verbundene Säulen der Geigentradition: den Springtanz der Berge (Ballo Staccato) und die Ursprünge des Liscio im Flachland. Die Ethnomusikologin und Tänzerin Staro ist zudem mit ihrer eigenen Gruppe Suonatori della Valle del Savena eine führende Autorität für die Tradition des Appennino Bolognese, die sicherstellt, dass Musik ein funktionales Werkzeug für den Zusammenhalt der Gemeinschaft bleibt. Währenddessen repräsentieren die Violini di Santa Vittoria (drei Geigen, Bratsche und Kontrabass) die „Seele der Ebene“ der Reggio Emilia und betrachten ihr Repertoire als würdevollen Ausdruck ländlichen Stolzes.
Ein weiteres Kraftwerk des italienischen Folkrevivals mit internationaler Reichweite ist die 1986 gegründete Scuola di Musica Popolare di Forlimpopoli (SMP). Ihr bekanntester Ableger ist die Orchestrona, eine Folk-Big-Band unter der Leitung von Davide Castiglia, die Geigen, Akkordeons und Sackpfeifen umfasst und alles von lokalen Manfrina-Tänzen bis zu irischen Jigs aufführt. Das oft missverstandene Liscio-Genre der Romagna wiederum wurde vom toskanischen Maestro Riccardo Tesi in Zusammenarbeit mit Claudio Carboni umgestaltet. Ihr Projekt, das 1995 mit dem wegweisenden Album Un Ballo Liscio begann, machte das Genre wieder zu einer hochkarätigen Form urbaner Volksmusik (zu Tesi siehe auch den separaten Artikel hier). In ähnlicher Weise hat Stefano „Ciuma“ Delvecchio, Kopf der Band Bevano Est, den Sound der Romagna neu definiert, indem er auf kommerzielle Glättung verzichtete, um zu dessen akustischer Seele vorzudringen. Mit seiner Gruppe tritt er in verschiedenen Besetzungen auf und kann die Gründung diverse Bandableger in der gesamten Region vorweisen.
Aus derselben Region stammt das prominente Folkensemble L’Uva Grisa, das sich der Wiederbelebung mündlicher Traditionen mittels Musik und Tanz widmet. Es ist in die Ausrichtung von Jahreszeitenfesten involviert, und das nicht nur mit Bühnenauftritten, sondern auch durch aktive Teilnahme an Gemeinschaftsritualen. Ein weiterer wichtiger Akteur in diesem Zusammenhang ist Fabio Bonvicini, etwa in Bezug auf die Maggio-Traditionen im emilianischen Apennin. Er bringt sich auf vielfältig Weise ein, sei es durch Aufführungen, ethnomusikologische Forschung oder die Dokumentation alter Frühlingsrituale. Außerdem ist Bonvicini Mitglied des Trios Ciocaia, das sich um die Wiederbelebung und Bewahrung des emilianischen Dudelsacks Piva verdient gemacht hat. Einen Schwerpunkt auf Tanz legt die Gruppe Suonabanda, die sich für die Förderung der Festkultur einsetzt und sich auf die sozialen und tanzbaren Aspekte der traditionellen Musik der Emilia-Romagna fokussiert. Spannend ist auch das Projekt Bonifica Emiliano Veneta (BEV), das die Traditionen der Emilia, der Vier Provinzen und der Region Venetien miteinander verbindet und mit seinem Retrofolksound das gemeinsame kulturelle Erbe der Po-Ebene betont (siehe auch Rezension des aktuellen Albums hier).
Richtung Nordosten, im Veneto, finden wir die „Großväter“ der neuen traditionellen Musik: Calicanto. Die von den Brüdern Roberto und Giancarlo Tombesi gegründete Gruppe nutzt eine reichhaltige Palette an Akkordeons, Streichinstrumenten und Percussion, um über einen „musealen“ Ansatz hinauszugehen. Sie haben Verbindungen entlang der Adria erkundet und das Meer als Brücke zwischen Venetien, Istrien und Dalmatien begriffen. Calicanto sind ein Eckpfeiler des venezianischen Folkrevivals. Über die Jahrzehnte sind diverse Musikschaffende Teil der Band gewesen, die anschließend oft eigene Projekte oder Ableger gegründet haben, um spezifische Nischen der norditalienischen und alpinen Musik zu erkunden.
Die ehemalige Leadsängerin der Band, Rachele Colombo, ist heute eigenständige Liedermacherin, Multiinstrumentalistin und Forscherin und kombiniert historische mit zeitgenössischen Musikstilen. Elli de Mon aus Vicenza wiederum ist einerseits zwar stark vom Mississippi-Delta-Blues und der klassischen indischen Musik beeinflusst, ihre Identität als Künstlerin ist auf der anderen Seite jedoch fest mit der Landschaft und den Traditionen Venetiens verbunden. Auch das Trio Na Fuoia ist ein Zeugnis dessen, was einst in Cadore im nördlichen Veneto weit verbreitet gespielt wurde. In Venedig selbst ist nach wie vor Gualtiero Bertelli eine starke Stimme. Hervorgegangen aus der Protestfolkszene der Sechziger, hat sein Fokus auf das Arbeiterviertel Venedigs Folksongs zu einem wichtigen Werkzeug der Sozialkritik gemacht.
Im Trentino und in Südtirol navigiert die Folkerneuerung an der Schnittstelle italienischer, germanischer und ladinischer Kulturen. Während die Region für Bergchöre berühmt ist, führen Gruppen wie Abies Alba die Bewegung zur Wiederentdeckung instrumentaler Tanzmusik an. Sie konzentrieren sich auf einen strikt alpinen Sound unter Verwendung des norditalienischen Dudelsacks Piva sowie der Okarina und der Mandoline. Das bemerkenswerte Orchestra Popolare delle Dolomiti schafft einen sinfonischen Folksound, der den gesamten Dolomitenbogen umfasst, und im Fassatal und im Gadertal konzentrieren sich verschiedene Ensembles auf ihre ladinische Identität – Ladinisch ist eine anerkannte rätoromanische Sprache der Alpen mit tiefen historischen Wurzeln (ein gesonderter Artikel zu dieser Szene ist für Heft #4.26 des folker geplant). Das Herbert Pixner Projekt dringt währenddessen mit der traditionellen Steirischen Harmonika in experimentelles Terrain vor, indem es sein Repertoire um Oberkrainer-Musik, Jazz, Progressive Folk, Flamenco und Weltmusik erweitert.
Weiter geht es in die angrenzende multikulturelle Region Friaul-Julisch Venetien, der Schnittstelle lateinischer, germanischer und slawischer Welten – auch hier liegen musikalische Schätze verborgen. Im abgeschiedenen Val Resia etwa klingt die Musik wie sonst nirgendwo in Italien. Sie beruht auf einer vorslawischen archaischen Tradition, die auf der Cïtira (Violine) und der Bünkula (einem dreisaitigen Cello) gespielt wird. Die Gruppo Folkloristico Val Resia mit ihrem hypnotisch-repetitiven, bordungeprägten Klang ist eine der kulturell bedeutendsten Formationen dieser Region. Der hier beliebte Resiana ist ein Ritualtanz, der die gesamte Gemeinschaft zusammenbringt, besonders während des „Püst“ genannten Karnevals. Zu den wegweisenden Erneuerern dieser Region gehört La Sedon Salvadie unter der Leitung des Akkordeonisten Andrea Del Favero. Eine weitere Band, die eine originelle Interpretation der friaulischen Tradition neben eigener Musik präsentiert, ist Braul. Was die Instrumentalmusik betrifft, so beschäftigt sich der Meistergeiger und Forscher Giulio Venier seit Jahrzehnten mit der Dokumentation und Neuinterpretation der Musik der Julischen Alpen.
Der Liedermacher Lino Straulino stammt aus der Region Carnia und beeinflusste maßgeblich die neuen Songwriter des „Nuova Canzone Friulana“. Wie überhaupt die moderne friaulische Szene wohl eine der literarischsten und experimentierfreudigsten Italiens ist, die ihre Muttersprache als Vehikel für Rock, Blues und avantgardistischen Folk nutzt. Weitere Namen? Wichtige Stimmen sind die bemerkenswerte Sängerin mit Jazz- und Avantgardetouch Elsa Martin sowie die Liedermacherin Nicole Coceancig, die mit aus dem Bauch heraus und mit eindringlicher Energie Einwanderungsgeschichten der Ostrouten erzählt. Der versierte Gitarrist Alvise Nodale aus den Carnia-Bergen repräsentiert die jüngere Generation von Songwritern in der Nachfolge Straulinos. Seine Arbeit ist tief in der Bergregion verwurzelt und verbindet den klassischen Singer/Songwriter-Stil mit der rauen Ehrlichkeit des Alpenlebens.
Massimo Silverio schließlich ist das dunkle Herz Friauls und pflegt die perkussive, archaische Phonologie seines Heimatdialektes – eine eindringliche Mischung aus Kammerfolk, Postrock und dunklem Blues. Der ebenfalls aus Carnia stammende Singer/Songwriter singt fast ausschließlich im Cercivento-Dialekt, einer spezifischen Variante des Friaulischen, was für ihn keine politische, sondern eine physische Entscheidung ist: die Sprache verfügt seiner Ansicht nach über eine perkussive, archaische Phonologie, die dem Standarditalienischen fehlen würde.
Abschließend lässt sich sagen: Wenn Sie das nächste Mal an italienische Musik denken, schauen Sie nach Norden. Im Schatten der Alpen und des Apennin wird die Tradition aktiv neu interpretiert. Es ist eine Klanglandschaft, die neugierig Reisende mit einer tiefgründigen Kulturgeschichte belohnt.
Zum Autor: Ciro De Rosa ist Gymnasiallehrer in Neapel und verfügt über vierzig Jahre Erfahrung als Forscher und Vermittler traditioneller Musik und Weltmusik. Während dieser Zeit hat er zahlreiche Artikel und Essays veröffentlicht (u. a. in Songlines, Il Manifesto) sowie verschiedene Musikanthologien herausgegeben. Er ist Mitherausgeber des italienischen Onlinemagazins Blogfoolk (www.blogfoolk.com) und produziert die Webradiosendung „Globofonie“. Neben seiner Funktion als Co-künstlerischer Leiter des Festivals Premio Loano per la Musica Tradizionale Italiana RiGenerazioni ist er aktives Jurymitglied der Transglobal World Music Chart, der Balkan World Music Chart und der LIMúR (Lista Ibérica de Músicas de Raíz).
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