Pippo Pollina

Fra Guerra E Pace (Jazzhaus Records); mit dt. u. ital. Texten u. Infos

26. März 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

Poesie gegen den Krieg

„Die Aufgabe von uns Künstlern ist es, die Stimme zu erheben“, fordert Pippo Pollina. Und genau das hat der italienische Liedermacher auf seinem neuen Album – dem bereits sechsundzwanzigsten – getan. Selten war ein Werk so politisch, erhob ein Künstler seine Stimme so deutlich gegen den Krieg wie auf seinem „Zwischen Krieg und Frieden“. „Wir leben in einer Welt, in der das humanitäre Verständnis im Umgang mit Menschen überall verschwindet, in der die Regierenden die Massen überzeugen, dass Krieg notwendig sei“, ist der seit dreißig Jahren in der Schweiz lebende Künstler ernüchtert. Aus seiner Sicht steckt die Demokratie in einer Krise. Aber: „Auch wenn sie nicht perfekt ist, haben wir bislang keine bessere Art des Zusammenlebens gefunden, daher gilt es sie zu verteidigen“, sagt Pollina, der sich mit achtzehn gegen den Militärdienst entschied. Stattdessen widmete er sich der Musik und der Poesie. Mit diesen Künsten hat er ein ergreifendes, intensives und wichtiges Album komponiert, das von seinem Freund, dem Multiinstrumentalisten Martin Kälberer, produziert wurde. In seinen elf Liedern besingt Pollina die Ängste, Schmerzen, Trauer, aber auch Freude, Liebe und Hoffnungen der Menschen, die täglich unter Bomben oder Kämpfen zu leiden haben und sterben. Da ist der ukrainische Soldat auf Heimaturlaub, der fernab von den Kämpfen im Donbass von einem guten Leben träumt. Da sind die Kinder in Gaza, die „Free Palestine“ rufen. Da ist das Lied an das Neugeborene, nicht den Mut zu verlieren, um sich für Gerechtigkeit und Mitgefühl stark zu machen. Da ist die Erinnerung an Sophie Scholl, die ihr Leben unerschrocken für die Freiheit eingesetzt hat. Auch musikalisch gibt es bei dem aus Sizilien stammenden Sänger weiterhin kaum Grenzen. In seinen melodischen und exzellent arrangierten Stücken wechselt sich Folklore mit jazzigen, rockigen oder klassischen Elementen ab. „Für mich ist Musik der maximale Ausdruck von Freiheit“, sagt der Gitarrist und Pianist. Heraus sticht auf dem Album dabei die Ballade „La Notte Dei Cristalli“ („Kristallnacht“), in der Pollina in der Mahnung an die Progromnacht von 1938 gemeinsam mit seinen beiden Kindern Julian und Madlaina singt, die als Faber und im Duo Steiner & Madlaina selbst erfolgreich Musik machen. Unter die Haut geht auch das Stück „Questo Tempo Insieme“ („Diese gemeinsame Zeit“), in dem er mit den italienischen Musikern Marcello Mandreucci und Alfonso Moscato sowie der Sängerin Raquel Romeo den Menschen im Krieg eine Stimme verleiht und den Zusammenhalt und das Schöne im Alltäglichen beschwört. „Mit dem Album möchte ich die Zuhörer – vor allem die jungen – ermutigen, sich ihrer eigenen Verantwortung bewusst und wieder zu Handelnden zu werden“, sagt der Liedermacher. Denn, so fährt er fort: „Ohne Risiko kann man nicht leben und für seine eigenen Überzeugungen kämpfen.“

Erik Prochnow

Cover Lucas Santtana - Brasiliano
Pippo Pollina
Fra Guerra E Pace (Jazzhaus Records); mit dt. u. ital. Texten u. Infos

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